Über Land und unter Wasser!

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20.03.2015 – 29.03.2015; Panama Stadt, Santa Catalina, Las Lajas, Uvita; Der Abflug des letzten Besuchs ist noch nicht einmal 24 Stunden her und schon ist es Zeit, den nächsten zu planen. Denn in wenigen Tagen erwarten wir Leo, einen Schulfreund von Max, in Costa Rica. Es gilt also nicht viel Zeit zu vertrödeln und möglichst zügig nach Costa Rica zu fahren. In den letzten Tagen, die wir in Panama verbringen, möchten wir noch gerne ein paar Tauchgänge machen. Mehr noch, Max fehlt immer noch sein Tauchschein, den wir in Kolumbien aus Zeitknappheit nicht mehr arrangieren konnten. So geht es also direkt nach dem Kauf neuer Reifen für Lola nach Santa Catalina, ein kleines Dörfchen an der Pazifikküste nahe dem Inselnationalpark Coiba. Die Inseln um die Hauptinseln Coiba ist einer der Top Tauchspots in Mittelamerika und zudem sind Tauchkurse in Panama, nach Kolumbien, wohl die günstigsten die wir auf unserer Reise bekommen können.

Eigentlich wollten wir es noch nach Santa Catalina schaffen, doch eine Toilettenpause am Rasthof wird Lola zum Verhängnis. Als wir wieder Fahrt aufnehmen wollen, scheitert es schon am Rückwärtsgang. Im Leerlauf rollen wir ironischerweise an, kein Gang außer dem Rückwärtsgang lässt sich einlegen und im Rückwärtsgang befinden wir uns tatsächlich im Leerlauf. Blöderweise sind wir schon etliche Kilometer von Panama entfernt und eine Fahrt in die Stadt würde mit reinem Rollen Stunden dauern. Wohl oder übel probieren wir selber an der Schaltung herum. Tauschen Plastikbuchsen aus und Ölen wo wir nur können, doch eine wirkliche Verbesserung bringt uns das auch nicht. Mit der Zeit werden auch die Tankstellenangestellten auf uns aufmerksam und ein Botschafter, der eigentlich nur kurz zum Tanken gekommen ist, versucht seinen Mechaniker zu erreichen. Doch leider enttäuscht uns das Telefonat. Ob es wirklich daran liegt, dass er sich mit Mercedes nicht auskennt, können wir nicht sagen. Fast verständlich, denn wer möchte man Freitagabend schon 2 Stunden Fahrt für eine Reparatur auf sich nehmen, wo doch auch schon alle Ersatzteilläden und Werkstätten im Wochenende sind.
Louisiana von der Tankstelle versucht uns nun auch zu helfen. Sie hat einen Cousin, der auch Mechaniker ist, vielleicht könnte er uns ja weiterhelfen. Aber auch Alex, der Cousin, müsste aus Panama Stadt ankommen. Wir wagen es gar nicht zu hoffen. Anders als erwartet, will er uns helfen und verspricht zu kommen.
Gegen 22 Uhr rollt Alex dann auch endlich mit laut dröhnendem Bass auf die Tankstelle, umarmt liebevoll seine Cousine und kommt leicht angeheitert zu uns herüber. „Jungs, Jungs … es ist Freitag, ich saß schon mit meinen Kumpels in der Kneipe, aber als Louisiana erzählte, dass ihr einen Mercedes habt,…. Sowas kommt hier nicht oft vor!“, lacht er.
„Hat dich die Polizei wieder festgehalten?“, höhnt die Cousine. Im Spaß, wie sich herausstellt, denn Alex ist selber Polizist, genauer gesagt Mechaniker bei der Grenzpolizei. Fast täglich fliegt er von der kolumbianischen zur costa ricanischen Grenze und muss sein Geschick unter Beweis stellen. Seine Hauptaufgabe sei, erzählt er uns nicht ganz ohne Stolz, stets alleine durch die Problembeschreibung die wichtigsten Ersatzteile dabei zu haben. „Als ich von eurem Problem gehört habe, bin ich direkt zum Lager und habe alles Mögliche mitgebracht!“, erzählt er lachend und zeigt auf seinen vollen Kofferraum. Tatsächlich erwarten einige Ersatzteile und Hilfsmittel ihren Einsatz, die er extra für uns besorgt haben mag. Doch als er unter Lola liegt und im schummrigen Licht der Handytaschenlampe an der Schaltung schraubt entwarnt er uns. „Die ganze Einstellung ist im Ar***!“, lacht er. Nach und nach funktioniert ein Gang nach dem anderen wieder und als Alex fertig ist, lässt sich Lola wieder butterweich schalten. Ein wenig klönen wir noch mit Alex und unterhalten uns über seinen Beruf und unsere Reise. Er erzählt, dass er früher auch mal einen Mercedes hatte, den er mittlerweile leider kaputt gefahren hätte. Doch der Motor und die Flügeltüren hat er als Andenken noch in seiner Garage stehen. Auf die Frage wie viel wir im denn jetzt schulden, denn schließlich ist er Freitag nachts zum Lager und dann eine Stunde aus der Stadt zu uns gedüst, stellt Alex lieber eine Gegenfrage, „Als Deutsche habt ihr doch bestimmt kaltes Bier?“. Und da hat er Recht, die eine oder andere Dose liegt noch wohltemperiert in unserer Kühlbox. „Wenn ich mal in Deutschland bin und ihr mir helfen könnt, dann warte ich auf euch!“, spaßt er und wir trinken noch in aller Ruhe zwei Bier bevor er sich wieder auf den Weg macht. „Die Nacht ist noch jung!“, ruft er aus seinem Auto, schiebt sein Dachfenster auf und fährt mit dröhnendem Bass wieder davon. Da der Biervorrat jetzt aufgebraucht ist, stoßen wir noch mit einem Glas Wasser auf die erfolgreiche Reparatur an und entscheiden uns, dann doch lieber erst morgen weiterzufahren. Die Tankstelle ist ja immerhin 24 Stunden bewacht.

IMG_6880Immer noch extrem glücklich über den Ausgang unserer gestrigen Panne, fahren wir gegen kurz nach acht Uhr vom Tankstellengelände. Sämtliche Probleme mit der Schaltung sind wie weggezaubert und problemlos holpern wir die Panamericana wieder nordwärts, bis zur Ausfahrt Santa Catalina. Als wir in dem Dörfchen ankommen, welches wirklich nur eine kleine Ansammlung von Häusern ist, überrascht uns der europäische Einschlag eigentlich nicht mehr. In den Tauchbasen wird vorwiegend deutsch, englisch und französisch gesprochen und die Hotels sind, wie zu erwarten, auch unter ausländischer Führung. Vielleicht ist es nicht das authentischste panamaische Dorf, doch die Unterwasserwelt wird wohl kaum deutsch oder englisch sein. Die vier Tauchschulen sind schnell abgelaufen und das beste Angebot nicht zu übersehen. Kurzerhand hat Max seinen Open Water Diver Kurs gebucht und auch Alessandro will nicht nutzlos herumsitzen und widmet sich dem fortgeschrittenen Tauchkurs. Am Abend sitzen wir also beide mit unseren Tauchbüchern auf der kleine Veranda des Tauchresorts und studieren unsere Einheiten. Auch bei Alessandro sind die letzten Tauchgänge nicht gerade gestern gewesen und so ertappt ihn Max das ein oder andere Mal dabei, Kleinigkeiten im ersten Band nachzuschlagen.
Die Übernachtungen im Resort sind inklusive, doch am nächsten Morgen beginnen wir zu bereuen, nicht im Bus geschlafen zu haben. Die anderen Gäste haben die Klimaanlage auf Hochtouren laufen lassen und die trockene Luft hinterlässt ein leichtes Kratzen im Hals. Aber schwächeln ist nicht drin, es muss weiter gelernt werden. Max bekommt noch Theoriestunden von seinem französischen Tauchlehrer, während Alessandro seinen Theorieteil schon erledigt hat, auch einen Test erwartet nur noch Max.

IMG_6804Natürlich wollen wir nicht nur trockenen Tauchunterricht und in dicken Büchern blättern, eigentlich haben wir uns viel mehr auf den darauf folgenden Tag gefreut, an dem es raus aufs Meer geht. Morgens um 6 klingelt schon der Wecker und gefühlt könnten wir uns noch mal umdrehen, aber die Haie und Stachelrochen warten schon auf uns.
Um 8 Uhr brettern wir auch schon in der morgendlichen Sonne über das Meer. Die komplett neue Taucherausrüstung ist schnell zusammengesucht und mit großer Spannung warten wir auf die Unterwasserwelt. Um ganz langsam anzufangen startet Alessandro mit einem Tieftauchgang, die 29°C an der Oberfläche verwandeln sich in der Tiefe in eiskalte 19°C und auch der Sauerstoff schwindet in der Tiefe nur so dahin und so ist der erste Tauchgang leider schon nach 40 Minuten zu Ende. Aber die Unterwasserwelt ist berauschend, tausende kunterbunte Fische schwimmen um die Reefs herum. Dicke Haie mit über zwei Meter Länge ziehen ihre Kreise unter uns und die Stachelrochen vergraben sich tief im Sand, wenn man ihnen zu nah kommt, schnellen sie heraus und schwimmen davon. Das Tauchboot holt jetzt auch Max und zwei Amerikaner von einer anderen Insel ab, denn ihnen wurden erst die Grundkenntnisse für die darauffolgenden Tauchgänge erklärt. Eine Stunde dürfen wir uns in der Sonne brutzeln lassen, dann geht es auf zum nächsten Tauchspot. Dieses Mal nicht so tief, dafür auch wärmer und länger. Schwerelos schweben wir durch die Unterwasserwelt und dürfen immer wieder neue Aufgaben lösen. Mit dem Kompass navigieren oder dem Unterwassercomputer die maximale Tauchzeit der Gruppe bestimmen, wir haben allerhand zu tun. Um die Ausbildung zu bestehen, dürfen sich unsere Tauchlehrer entspannen und die Verantwortung liegt ganz bei uns, natürlich nur solange wir keine Fehler machen.
Am nächsten Tag geht es dann wieder früh aus den Betten und auf das heute etwas rauere Meer. Die Strömungen sind gewaltig. Manchmal kann man sich der Kraft des Wassers nicht mehr widersetzen und wird von der Strömung mitgerissen, aber auch das ist eine interessante Übung und so haben wir die Möglichkeit unser Können direkt unter Beweis zu stellen.
Die Unterwasserwelt hat uns beeindruckt und wir können es kaum erwarten wieder in die Tiefen der Meere abzutauchen, als wir am späten Nachmittag wieder in Santa Catalina ankommen. Wir beide haben bestanden und das nächste Mal dürfen wir dann sogar alleine unter Wasser und brauchen keinen Tauchlehrer mehr.

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Als wir schon wieder auf dem Weg Richtung Panamericana sind, fassen wir uns beide nur an den Kopf und drehen um, denn fast hätten wir das, wenn auch mittlerweile kleine, Käsestück aus Deutschland im Resortkühlschrank vergessen. Zum Glück hat sich noch keiner unserer Spezialität bedient und wir probieren jetzt, mit dem Käse noch einmal aufzubrauchen. Wir können es uns nicht verkneifen auf der Rückfahrt noch einmal bei Chantal vorbei zu schauen, doch wegen unserer Verzögerung schaffen wir es nur kurz vor Feierabend. Immerhin ein kaltes Bier können wir noch bekommen und gegessen haben wir ja auch schon eine Kleinigkeit. Chantal lässt uns auf dem Parkplatz übernachten und am Morgen dürfen wir sogar noch duschen und in den Pool hüpfen, bei den tropischen Temperaturen auch das aller Beste. Wir bekommen noch den Tipp mit auf den Weg an der Grenze steuerfrei einzukaufen und wollen dann auch keine Zeit verlieren, wer weiß wie lange der Grenzübertritt dauert.

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Auf dem Weg zur Grenze segelt eine Fledermaus durch das offene Wagenfenster

An der Grenze ist ein schreckliches Getümmel, LKWs, Busse und PKWs reihen sich aneinander und Menschenmassen drücken sich durch die Kontrollen. Doch immerhin geht so die Ausreise erstaunlich schnell und hätten wir es provoziert, hätten wir ohne Kontrolle nach Costa Rica einreisen können. Die Dutyfreeschops hauen uns fast um und wir können nicht widerstehen eine Gallone Qualitätsrum für unter 10 Dollar zu kaufen. Der gleiche Preis für den man sonst gerade einmal eine 0,7 Liter Flasche bekommt. Um es nachher nicht zu bereuen, nehmen wir uns lieber gleich zwei mit, denn wer weiß wann wir so ein Angebot wieder bekommen. Die Einreise nach Costa Rica dauert dann jedoch Stunden. Der Sachbearbeiter tippt in Zeitlupengeschwindigkeit die Informationen ein, telefoniert zwischendurch mit Frau und Freunden und lässt uns etliche Male zum Kopierladen gegenüber laufen, obwohl direkt hinter ihm sein Eigener steht. Immerhin stimmt alles, wie haben eine Versicherung und auf die Kontrolle verzichtet er. Zum Glück, denn wir schmuggeln immer noch ein paar kolumbianische Kokosnüsse mit.

Jetzt wo alles so super geklappt hat, haben wir noch 3 Tage Zeit für sich angesammelte Aufgaben, die wir erledigen wollen bevor am Sonntagabend Leo zu uns kommt. Auf einem kleinen Campingplatz auf halber Strecke nach San José machen wir Halt und erledigen, alles was noch anliegt, denn die Zeit mit Leo wollen wir schließlich möglichst sorgenfrei genießen können.

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