Sonnen, Wellen & Mojitos

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24.01.2015 – 04.02.2015; Guayaquil, Montanita, Puerto Lopez , Manta, Canoa – Die Grenze zwischen Peru und Ecuador scheint nicht nur eine politische zu sein. Kaum haben wir die gigantische Grenzstation verlassen, verwandelt sich die karge Wüstenlandschaft, welche sich seit Nasca wacker die peruanische Küste hochgezogen hat, in einen tropischen Urwald. Ein sanfter und unglaublich warmer Tropenregen prasselt auf das Autodach und wir staunen nicht schlecht, wie abrupt Mutter Natur die Landschaft verändern kann. Eben gab es noch nicht vielmehr als trockenen Sandboden, in dem vielleicht ein paar Büsche versuchten zu überleben, doch jetzt scheinen die Pflanzen nicht um Wasser, sondern um Licht gegeneinander zu anzutreten.

IMG_4137Die Region um Machala ist nicht nur durch den bedeutendsten Hafen von Ecuador bekannt. Die Stadt selbst hat sich darüber hinaus zur Welthauptstadt der Banane ernannt, doch nicht unverdient. Kilometer um Kilometer führt uns die Hauptstraße durch Bananenfelder. Auch wir bekommen bei dem Anblick von so vielen Bananen Appetit auf frischgepflückte, saftige und zuckersüße Bananen. Hinter dem kleinen Holzstand am Straßenrand sitzen ein älterer Mann und eine alte Frau. Als wir mit dem Mann die Anzahl der Bananen für einen Dollar, denn die Landeswährung ist schon länger abgeschafft, hochgehandelt haben, fragt er zur Bestätigung noch seine Frau. Die alte ganz ruhig in der Sonne sitzende Frau dreht langsam den Kopf zu uns und lächelt uns mit ihrem lückenhaften Gebiss an und weist ihren Mann an, uns noch mehr Bananen mitzugeben. Gefühlt ist das ganze Auto voller Bananen, doch erst als wir wieder im Auto sitzen und es kaum erwarten können, die Bananen zu probieren, lachen wir über unsere eigene Dummheit. Keine der Bananen ist genießbar, denn unsere Bananen sind Kochbananen. Wie wir nur annehmen konnten, die Bananen seien normale Bananen, ist uns jetzt selbst schleierhaft. Sie sind überdimensional groß, vor allem aber hart und dazu sind einige noch grün. In kleinen Streifen braten wir einen Teil der Bananen leicht in Öl und Salz und den anderen Teil in Öl und Zucker an, um sie dann doch noch essen zu können. Nun ja, eine Erfahrung mehr im Gepäck!

Nach dem Fehlkauf und der kleinen Stärkung mit Bananenchips verlassen wir die Hauptstraße und folgen einem kleinen Holzschild in den Urwald. Nach ein paar Kilometern stellen wir Lola ab und gehen zu Fuß weiter. Wenige Minuten später nehmen wir wahr, dass es langsam zu dämmern beginnt. Das Licht wird weniger und so marschieren wir jetzt umso schneller in Richtung der Wasserfälle, waten durch Flussläufe und klettern glitschige Hänge hinauf. Die Geräuschkulisse der Natur wird immer beeindruckender, zirpen, flattern und alle typischen Urwaldgeräusche füllen den im Abendlicht mäßig beleuchteten Dschungel. Als wir ein ganz bekanntes Geräusch hören erstarren wir und halten inne. Mit kurzer Hose und Flipflops versinken wir im schlammigen Boden und lauschen dem Geräusch aus dem Busch vor uns. Es ist das Zischen einer Schlange, ratlos gucken wir uns an und gehen vorsichtig einen Schritt zurück, bevor wir Hals über Kopf aus dem Dschungel fliehen. Die unberührte Natur und anbrechende Dunkelheit haben uns überrascht und wir einigen uns darauf den nächsten Urwald-Trip etwas besser vorzubereiten und vor allem angemessenere Kleidung zu tragen.

IMG_4149Also geht es wieder zurück auf die Hauptstraße, ohne die Wasserfälle gesehen zu haben, denn wir wollen noch bevor es komplett Nacht ist einen guten Stellplatz finden. Guayaquil ist die größte Stadt Ecuadors, doch wie so viele Großstädte hat auch Guayaquil außer besserer Infrastruktur und anderen Annehmlichkeiten einer Metropole nicht sonderlich viel zu bieten und so können wir die Stadt ruhigen Gewissens mit einem kurzen Besuch abhaken. Riesige Shoppingcenter, ein ganz schönes Stadtzentrum, Supermärkte und gewaltige Menschenmassen, egal wo man hinfährt. Als wir uns auch hier wieder durch die Automassen gekämpft haben, sind wir froh, auf einer kleinen Finca einen ruhigen Stellplatz gefunden zu haben. Mit dem vergleichsweise super Internet, wenn es nicht gerade weg war, und der entspannten Atmosphäre hier auf dem Land können wir getrost unsere nächsten Stopps vorbereiten.

Neuigkeiten hat die Routenplanung zwar nicht mit sich gebracht, aber immerhin haben wir nun einen groben Zeitplan für Ecuador, den wir ausnahmsweise einmal einhalten möchten. Doch wenn wir nach ungefähr sechs Monaten den Äquator passieren, dann liegen wir ja gar nicht so weit im Verzug. Wir freuen uns und haben nun noch mehr Zeit als gedacht.
So tingeln wir in Ecuador also langsam die Küste hoch. Die Gegensätze der kleinen Strandorte sind beeindruckend. Während Montañita ein unbestrittener Touristen-Hauptanlaufpunkt mit Strandparty rund um die Uhr ist, findet man in Fischerdörfern wie Puerto Lopez in der Nebensaison nur schwer einen anderen Touristen. Dafür kann man aber auf dem Fischmarkt zwischen Hausfrauen und Fischern um die besten Fänge feilschen. Die kleinen Holzboote schwanken in der Bucht hin und her und die ruhigen Strandpromenaden strahlen mehr als nur Ruhe und Entspannung aus.

Endlich ist auch das Wetter immer tropischer und vor allem wird es an der Pazifikküste immer wärmer. Das Wasser am Strand „Playa de los Frailes“ ist allerdings noch reichlich frisch, aber das Meer hätte sich hier sowieso nicht für ein entspanntes Bad im Meer geeignet. Die im Nationalpark gelegene Bucht ist durch die strengen Regeln angenehm sauber und die Leute halten sich an das Alkohol- und Zigarettenverbot. Wer hier trinkt sollte wahrscheinlich sowieso lieber nicht mehr ins Wasser gehen. Die Wellen türmen sich einige Meter vor dem Strand zu gigantischen meterhohen Wassermassen. Es sind wirklich Meter und damit meinen wir nicht nur einen oder zwei. Wenn einem das gewaltige Wasser mitreist, ist man gefühlte Stunden unter der Welle. Das Salzwasser presst sich in die Nase, wenn wir wie so oft der Welle nicht standhalten und unter dem Wasser herumwirbeln. Stehen wir einmal und das Meer hat sich etwas beruhig, dann sind es die kleinen Zangen der Krebse die einem in die Füße kneifen. Als wir nach Stunden erschöpft das Meer verlassen und das Wasser aus Ohren und Nase gelaufen ist, fahren wir wieder weiter. Auch wenn wir noch ein paar Tage Zeit haben bis wir zurück ins Hochland müssen, freuen wir uns schon auf einen ganz besonderen Geheimtipp von Helena.

IMG_4251„We have to drink a Jäger!“, ruft uns Greg der Hotelbesitzer euphorisch entgegen als wir mit Lola die Einfahrt hinunter rollen. Schnell rennt er zu der Gefriertruhe und holt eine eiskalte Flasche Jägermeister heraus. Wir sitzen noch eine Weile mit Greg zusammen und tauschen unsere Reisegeschichten bei hausgebrautem Bier aus. Er ist ähnlich wie wir als Selbstfahrer mit einem Van die Panamericana entlang gereist, berichtet uns von Mittel und Nordamerika, während wir ihm von dem Stück erzählen was ihm noch fehlt, der Rest Südamerikas. Greg zeigt uns wo wir sicher stehen können. „Frühstück gibt‘s hier natürlich auch“, lacht er.
Auch Auswanderer vermitteln uns einen guten Eindruck der Kultur, immerhin ist er schon lange kein Tourist mehr. Am nächsten Morgen zeigt sich Greg von einer ganz neuen Seite, mit einem Hut aus Luftballons fechtet er mit selbst gedrehten Luftballons mit seinen Kindern. Das ist der Grund warum er hier auch erst einmal nicht weg will, erklärt er uns am Abend. Nachdem er Kinder bekommen hat, ist er hier geblieben. Das ist eine der Geschichten die wir von vielen Gringos, so werden Nordamerikaner hier genannt, hören die länger als geplant im Land geblieben sind. Morgens und nachmittags gehen wir mit Lluk, dem spanischen Barkeeper surfen. Auch wenn er sich selbst noch Anfänger nennt, kann er uns endlos viele Tipps geben und auf einmal beginnen auch wir auf den Wellen zu surfen. Das Wasser ergreift das Brett, spritzt ins Gesicht und langsam aber sicher können wir uns vom Brett erheben. Jede Stunde, die wir mit ihm üben, merken wir, wie die Wellen zu unseren Freunden werden und mit uns zum Strand rollen. Die Strömung ist so stark das wir immer wieder Hunderte Meter Strandspaziergang dazubekommen, aber vom Surfen wollen wir kein Ende haben.IMG_4425
„Die Bar ist offen Jungs!“, lacht Greg und erklärt uns wie wir die besten Cocktails mixen können. Denn wenn wir irgendwann einmal wiederkommen, sind wir natürlich Barkeeper, spaßt er und stellt eine lustige Musikliste zusammen, bei der er zu jedem Lied eine kleine Geschichte erzählt. Es ist das Lied „Toes“ von der Zack Brown Band, zu der er schnell den Jägermeister holt. „Gleich gibt‘s eine Überraschung!“, macht er uns neugierig. Mit den Worten „Pull me a Jäger!“ die aus den Lautsprechern dröhnen, stoßen wir an. Es ist leider auch schon unsere letzte Nacht, denn wir sind schon viel länger als geplant bei Greg im Canoa Beach Hotel. Zusammen mit anderen Hotelgästen haben wir den Super Bowl mitgefiebert und anschließend Gregs glorreichen Wettergebnisse gefeiert. Täglich auf den Brettern unser Surfen verbessert und die Sonne im schönsten Pool genossen, den wir bis jetzt auf unserer Reise hatten. Neue Leute kennengelernt und vor allem mit Greg lustige und spektakuläre Nächte erlebt.

Die super Zeit bei Greg hat uns die ohnehin schöne ecuadorianische Küste noch viel besser ins Gedächtnis eingebrannt und mit besten Erinnerungen verlassen wir das tropische Strandwetter. Doch halt, es dauert wie fast zu ahnen war, noch etwas länger. Wir dürfen erst gehen nachdem unsere Teller leer gegessen sind und selbst verständlich nicht ohne Jägermeister an Board.
Mit dem „Jäger“ im Gepäck rollen wir vom Hof, Barkeeper und Greg verabschieden sich und es ist schon leicht traurig, nicht noch ein paar Tage bleiben zu können. Aber auf uns warten noch ganz viele tolle Orte auf der Reise. Zu Greg, das wissen wir aber schon jetzt, kommen wir auf jeden Fall irgendwann wieder.

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One comment

  • Hmmmmmmm, wunderschöne Eindrücke einer wirklich traumhaften Etappe eurer Reise!
    Auch wenn wir es schon mehrfach in vielen Facetten von euch geschildert bekommen haben, es ist immer wieder schön, in euren Worten diese Reise mit zu erleben!!!!…..wir fiebern den nächsten Berichten entgegen!!!!

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