Oh wie pretty ist Panama!

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04.03.2015 – 19.03.2015; Panama Stadt, Las Lajas, Boquete, Bocas del Torro; Mit der Fähre hat alles super geklappt, bis auf stundenlanges Warten bei den Behörden gab es keine Komplikationen. Den Freitagabend haben wir in Panama Stadt im „Miami Beach“-ähnlichen Szeneviertel verbracht und eigentlich ist alles perfekt getimt für die Ankunft von Max Eltern und Alessandros Vater, wäre da nicht der blöde Zufall. Geduscht und fertig für die letzten Vorbereitungen vor dem Besuch sitzen wir im frisch geputzten Auto und wollen keine Zeit verstreichen lassen, alles möglichst perfekt zu organisieren. Doch als Alessandro den Schlüssel umdreht passiert nichts, der Motor macht kein Geräusch noch nicht einmal der Anlasser ist zu hören. Nochmal und nochmal versucht Alessandro den Motor anzulassen doch es tut sich nichts. „Ich glaube ich bin verrückt, hier, mach du mal!“, bittet Alessandro Max ans Steuer, doch wie zu erwarten, ändert auch das nichts. Schnell schrauben wir die Sitze ab und überbrücken von der Wohnraumbatterie zur Starterbatterie, vielleicht hat ja irgendetwas die Batterie leergezogen. Aber auch die Überbrückung bringt nichts, der Motor startet nicht. Dann liegt es wohl am Anlasser vermuten wir und rufen die Anwohner zur Hilfe, um ihre Autos aus der engen Gasse zu parken. Mittlerweile haben sich Anwohner, Passanten und Hostelgäste um Lola versammelt und alle helfen mit. Mit Schwung klappt es dann endlich auch und der Motor springt an, also ist es einmal wieder der Anlasser, der seinen Geist aufgeben hat, perfekter Weise am Samstagvormittag nur wenige Stunden bevor wir am Flughafen stehen wollen. „Wohin soll es denn gehen?“, fragt einer der Anwohner interessiert. – Wie es aussieht wohl in die nächste Werkstatt…

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Von anderen Reisenden haben wir bereits die Werkstatt des Vertrauens ans Herz gelegt bekommen, doch leider finden wir sie erst zu spät, als das sie dort noch etwas verrichten könnten und so suchen wir weiter. Eine Werkstatt nach der anderen weist uns ab, bis wir endlich in einer kleinen Nebenstraße fündig werden. Mit etwas Bitten und Betteln wird sogar noch heute nach einer Lösung gesucht, denn bis Montag wollen und können wir nicht warten. Batterie abklemmen ist hier noch kein Thema, als wir dem Werkstattmeister sagen, der Anlasser sei defekt, haben wir gar keine Zeit den Sitz abzumontieren, schon hat er den Anlasser in der Hand. Nach einer kurzen Prüfung gibt er uns Entwarnung, zwar muss der Anlasser zerlegt und repariert werden, aber das würde er in wenigen Stunden schaffen, beruhigt er uns. Er setzt sich direkt in seinen Mercedes und düst davon, um die benötigten Ersatzteile zu besorgen. Währenddessen unterhalten wir uns mit dem Rest der Werkstattmitarbeiter, die von den schönsten Ecken Panamas und Mittelamerikas berichten. Der amerikanische Einschlag ist nicht zu überhören, anstatt vom spanischen Wort „schön“ scheint hier alles amerikanisch „pritty“ zu sein. Pritty der Strand, Pritty die Städte und natürlich ganz besonders pritty die Menschen. Aber das Panama schön sei, wollen wir den Panamesen gar nicht ausreden. Auch wenn wir noch nicht sonderlich viel gesehen haben, freuen wir uns schon die nächsten zwei Wochen mit unseren Eltern das pretty Panama zu bereisen.
Zwar zieht sich auch die schnelle Reparatur, vor allem gefühlt, weil wir stets die Uhr im Blick behalten, unendlich hin, doch gerade noch rechtzeitig gegen 17 Uhr springt Lola wieder problemlos an. Im Hotel haben wir nun nur noch Zeit zum Einchecken und für eine Dusche auf die Schnelle und schon sitzen wir wieder im Auto auf dem Weg zum Flughafen.

Der Flughafen zeichnet sich nach einer halben Stunde Fahrt vor uns ab und ist kleiner als erwartet, doch immerhin sind wir rechtzeitig da und haben sogar noch 10 Minuten bis zur Landung. Unsere wiedererlangte Tiefenentspannung schwingt jedoch schnell in Hektik um, als wir erfahren am falschen Flughafen zu sein. Das Navi macht uns Mut, die 10 Minuten werden unsere Eltern wohl an der Gepäckschlange brauchen und unsere Verspätung gar nicht richtig bemerken. Doch auch als wir hier ankommen guckt man uns nur verdutzt an, als wir nach dem Flug aus Lissabon fragen. „Hier ist zwar der internationale Flughafen, aber solche Flüge kommen am richtigen internationalen Flughafen an!“, versichert uns ein Polizist. Um uns nicht noch einmal zu verfahren erklärt uns ein Taxifahrer wie wir am schnellsten zum „richtigen internationalen Flughafen“ gelangen, schnell ist aber relativ, denn wenn wir schnell sind, brauchen wir immer noch 40 Minuten für den Weg.

Doch wir haben es geschafft, mit einer Stunde Verspätung und etwas durch den Wind fahren wir auf das Flughafengelände, durch das Fenster winkt uns schon Max Vater entgegen. Die Freude ist groß, immerhin sind wir schon sieben Monate unterwegs, auch wenn die Zeit mittlerweile beginnt an uns vorbeizufliegen.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zu den Mirafloresschleusen, eine der wichtigsten Bauten der Globalisierung. Auch wenn ein Containerschiff für die Durchquerung des Panamakanals bis zu einer viertel Million Dollar bezahlt, ist es eine ungemeine Erleichterung in der Schifffahrt, so können sich die Frachter immerhin die komplette Umfahrung von Südamerika sparen und brauchen gerade einmal ein paar Stunden, um vom Pazifik in den Atlantik, oder umgekehrt, zu gelangen. Mittlerweile ist schon der zweite Kanal im Bau und die Panamesen sind sichtlich stolz auf ihr Weltwunder. Das dazugehörige Museum zeigt die gesamt Geschichte von Flora und Fauna, über den Bau des Kanals bis zu der Überquerung des Kanals alles im Zusammenhang mit dem nicht weniger als 100 Kilometer langem Kanal. Schon seit der Kolonisierung genießt Panama Stadt einen für Mittelamerika überdurchschnittlichen Reichtum. Mit dem Panamakanal konnte die Stadt ihren Wohlstand wohl auch für die nächsten Jahrzehnte sichern. Die unzähligen Wolkenkratzer, die an New York erinnern, und das kleine aber aufwändig restaurierte historische Zentrum präsentieren das Bild einer florierenden westlichen Großstadt. Mit der Ansiedlung riesiger internationaler Konzerne, riesiger Shoppingmalls und einem unglaublich teuren aber spektakulärem Nachtleben ist Panama Stadt die vielleicht am weitesten entwickelte Großstadt Mittelamerikas.

Doch nach ein paar Tagen sind wir auch wieder froh aus der Metropole zu fahren und ein wenig mehr authentisches Panama zu erleben, denn Großstädte, gerade solch westliche sind nichts Besonderes und können auf der ganzen Welt gefunden werden. Die Fahrt an den Pazifikstrand Las Lajas ist holpriger und zeitraubender als kalkuliert, denn die Baustelle an der Panamericana zieht sich bestimmt auf 200 Kilometer. Ab und zu überrascht ein Schlagloch aus dem nichts oder es wurde einfach an einem Gullideckel gespart. Wie viele Autos hier schon einen Achsbruch erlitten haben, wollen wir uns gar nicht ausmalen und sind froh, dass wir mit Einbruch der Dunkelheit die Bungalows von Chantal erreichen. In Panama Stadt inmitten des Großstadtgewühls in einem Hochhaus einquartiert, sind die Bungalows Mitten im Grün mit Holzpool eine wunderbare kleine Oase. Die Küche ist montags aber leider geschlossen und so machen wir uns noch einmal auf den Weg in das kleine Dorf, zwar ist auch hier schon fast alles geschlossen, aber ein paar Vorspeisen bekommen wir noch in einem der Strandresorts. Als der Kellner sich weigert nach 21 Uhr noch Tortilla-Chips zu servieren sind wir etwas enttäuscht vom Service, dafür haben wir aber einen wunderbaren Blick auf den sternenklaren Himmel. Bei einem Sternbilderraten kommen wir leider nur zu einem ganz sicheren Entschluss, – der hellste Punkt ist der Mond.

IMG_6283Am nächsten Morgen nach dem unschlagbaren Frühstück bei Chantal fahren wir noch kurz zum Palmen gesäumten Sandstrand, springen in die Brandung des Pazifiks und entspannen bei einem kühlen Bier in einer etwas heruntergekommenen Strandbar, die jedoch, wie wir nachher erfahren, erst noch im Bau sei. Auf dem Rückweg fahren wir noch einmal bei Chantal vorbei, fühlen uns hier deutlich wohler und können nicht widerstehen, noch einmal in den Pool zu hüpfen.IMG_6310
Gegen Nachmittag erreichen wir dann auch schon Boquete, dass etwas erfrischendere Klima begrüßt uns direkt mit einem kleinen Regenschauer. Und nachts brauchen wir seit langem wieder einen leichten Pulli. Der nächste Tag ist dann zum Glück aber freundlicher und so entscheiden wir uns eine der vielen Kaffeefarmen zu besuchen. Die Kaffeetour beginnt natürlich, wie könnte es anders sein, – mit Tee. Erst nachdem wir durch die Plantage geführt wurden, dürfen wir als Belohnung den organischen Kaffee probieren. Nach der Verkostung darf sich Alessandro beim Rösten versuchen und nach bestandener Prüfung bekommt jeder der Teilnehmer von ihm eine Tüte frischgerösteten Kaffee. Die Hausbrauerei finden wir bedauerlicherweise selbst nicht mit den einheimischen Taxifahrern, aber für den Abend haben wir immerhin einen Tisch im Restaurant reserviert, in dem es auch handgebrautes Bier geben soll. Leider ist nicht ein einziges Bier mehr vorrätig als wir ankommen, doch wenigstens ist das Restaurant nicht mit der amerikanischen Frittenbude, die uns gestern empfohlen wurde, zu vergleichen.

IMG_6367Auch wenn das kühlere Klima angenehm war und die Freude ist groß, dass wir nach einem Tag Fahrt durch den verregneten Nebelwald die Karibik erreichen. Entspannung pur an verlassenen Stränden erwartet uns hier aber noch nicht, sondern ein schrecklicher Trubel. Alle wollen uns die beste Fähre nach Bocas del Torro verkaufen und den sichersten Parkplatz empfehlen. Uns ist das Ganze etwas zu viel und die Leute zu aufdringlich, die eindeutig nur Touristen abziehen möchten. Max ist der Erste, der die Initiative ergreift und schnell die Scheibe hochkurbelt, denn auch nach tausendmal dankend Ablehnen geben die Einheimischen nicht auf. Vor dem am besten aussehenden Haus laden wir also nur schnell unser Hab und Gut aus Lola, das wir für die nächsten Tage brauchen und parken auf dem uns am vertrauenswürdigsten wirkenden Parkplatz, der zwar etwas teurer als die anderen ist, jedoch so wirkt, als wenn es ein Wiedersehen mit Lola geben wird. Wir erreichen Bocas del Torro „Town“ leider mit zwei Stunden Verspätung und hoffen, dass Jelle, der Besitzer von unserer Unterkunft, noch nicht zu lange gewartet hat. Alessandro ist mit seinem Vater der erste in dem verabredeten Lokal, ein Anruf bei Jelle genügt und er steht eine halbe Stunde später am Steg. Die Fahrt zur Dolphin Bay ist etwas abenteuerlich, denn mittlerweile ist es stockfinster und Jelle sucht eine gerade mal wenige Meter breite Einfahrt zwischen zwei Inseln. Natürlich findet er sie und seine Mutter Janecke bereitet uns noch das Abendessen zu, bevor wir kaputt vom Tag ins Bett fallen. IMG_6402
Der Plan war, nur zwei Nächste zu bleiben. Nachdem wir auf drei verlängert haben, finden wir uns auch noch die fünfte Nacht in der Karibikbucht wieder. Von unserer Basis aus machen wir Tagesausflüge zu Stränden oder genießen das badewannenwarme Karibikmeer, versuchen uns mit Speerfischen und Segeln um die Inseln. Entspannung pur können wir auch in einer der Hängematten genießen und abends versorgt uns Janecke auf Wunsch sogar mit fangfrischen Hummer. Jeele übernimmt den Rest. Er chauffiert uns in die kleine Siedlung. Über rutschigen Baumstämmen balancieren wir zum Kiosk und zurück. Reinfallen möchte man hier lieber nicht, denn in dem Schlamm unter uns schwimmt auch die Kloake. Doch die Dorfbewohner sind ausgelassen und trinken in der kleinen Bar kaltes Bier und natürlich ordentlich Rum.

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Nach den entspannten Tagen in der Dolphin Bay geht die Zeit mit unserem Besuch auch langsam zu Ende und wir müssen uns wieder Richtung Panama Stadt orientieren. Einerseits, weil unsere Eltern von dort wieder zurück fliegen, aber auch weil Lola noch einen Satz neue Reifen verdient hat und wir die wohl am Besten in der Hauptstadt besorgen können. Doch einen Tag gönnen wir uns noch bei Chantal in den Bungalows und genießen das Entspannen. Heute ist sogar ihre Küche geöffnet und selbst in Boquete hatte man uns von der legendären Pizza berichtet, die man bei ihr bekommen könnte. Also fällt auch unsere Entscheidung leicht – es gibt Pizza. Als Vorspeise genießen wir Roastbeef und zu der deliziösen Pizza gibt es chilenischen Rotwein. Der letzte Abend ist mehr als gelungen, auch wenn wir erschöpft ins Bett fallen und alle ein wenig traurig sind, dass sich die schöne Zeit einem Ende nähert.

Ein paar Stunden haben wir noch und so genießen wir die letzten Sonnenstrahlen am Pool bevor wir den Road Trip nach Panama Stadt antreten. Als wir ankommen ist uns die Zeit leider davon gelaufen und uns bleibt nur noch eine gute Stunde. Wir stärken uns noch am Flughafen mit einem us-panamesischen Burger, bevor wir unsere Eltern wieder abgeben. Wir nehmen noch einmal Abschied für die letzten Monate und Max Eltern und Alessandros Vater verschwinden in der Sicherheitszone.IMG_6749

Für Abschiedsschmerz bleibt keine Zeit. Jetzt geht es weiter Richtung Costa Rica, kein Grund für Melancholie, denn auf uns warten noch spektakuläre und interessante Teile unserer Reise. Vielen Dank für die tolle Zeit, die wir zusammen in Panama verbringen konnten, und einen kleinen Einblick, den wir von unserer Reise vermitteln durften.

4 comments

  • Dieses Posting vom März macht wieder viel Spaß zu lesen.
    Es war natürlich ziemlich lange unterwegs, aber das können wir wohl auf den Poststreik in Deutschland schieben, davon soll ja auch die ePost betroffen sein.

  • Danke, genau so war es und ist von uns ebenso empfunden. Viele weitere tolle Abenteuer wünschen wir aus der Heimat ?

  • es war eine wunderschöne Zeit mit euch! Wir haben jede Minute mit euch genossen. Einmal eine Strecke mit euch zu teilen, mit euch abenteuerliche Momente zu erleben und in traumhaften Bays Kühle Drinks zu genießen…….war unvergesslich! Einfach klasse! Danke dafür!!!

  • Na endlich gibt es neue Berichte. Super, ich auf weitere Folgen. Übrigens bei uns beginnt gerade wieder die Apfelkuchenzeit. Der erste ist gerade in der Röhre…

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