Mit letzter Kraft zum Gipfel

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3. September, Als der Wecker klingelt sind wir anders als gedacht hell wach, denn wir sind gespannt auf das was uns erwartet. Ein Kaffee und eine Schüssel Müsli müssen erstmal reichen – die Zeit ist knapp. Unsere Trekkingschuhe binden wir uns an unsere gepackten Backpacker, für das erste Stück haben wir uns lieber für unsere Gummistiefel entschieden, die hoffentlich ausreichen. Die markierte Stelle finden wir schnell uns der Fluss ist schnell überquert, doch nach dem ersten folgt der zweite, der um einiges breiter und tiefer als der erste ist. Die Karte die wir am Eingang des Nationalparks bekommen haben ist leider nicht sonderlich detailliert und so helfen uns unsere Koordinatenpunkte nur wenig. Aber die Grundrichtung Nordost wird schon stimmen, tippen wir. Durch das seichte Wasser watend hören wir plötzlich Geräusche vor uns in dem Wasser, ein kleiner Schreck macht sich in uns breit. Doch als wir diesen überwunden haben, stellen wir fest, dass es sich nur um ein paar Biber handelt die mit ihrer ganzen Familie durch den Fluss schwimmen. Leider sind sie etwas scheu und schwimmen Weg sobald man probiert ihnen noch näher zu kommen. Augen zu und durch, auch den nächsten und letzten Fluss haben wir geschafft. Wach sind wir beide jetzt auf jeden Fall, denn der Fluss wird von dem Gletscher gespeist, den wir später noch erreichen möchten. Abgetrocknet und jetzt in unseren warmen Trekkingschuhen klettern wir die Küstenwand hoch. Zum Glück haben wir unsere Stirnlampen, denn beide Hände brauchen wir um uns den Berg hochzuziehen. Auf der Bergkuppe irren wir etwas herum und versuchen die schlechte Karte zu entziffern, doch auch während uns das nur spekulativ gelingt, merken wir, dass wir noch nicht auf dem richtigen Landstück sind. Eigentlich müssten wir noch weiter im Osten sein, doch zwischen uns und der Bergkette im Osten liegt noch ein großer reißender Fluss, den auch noch zu überqueren und das bei der Dunkelheit wäre etwas zu riskant. Etwas enttäuscht laufen wir einen anderen Weg zurück. So schnell geben wir jedoch nicht auf, mittlerweile ist es fast sieben und die Sonne beginnt aufzugehen. Die wohl einfachste Lösung ist es schnell zum dem offiziellen Trekking-Pfad zu fahren und von da so schnell wir möglich den Aufstieg hinter uns zu bringen.

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Wir stellen unser Auto direkt auf der anderen Seite des großen Flusses ab und verriegeln gut alle Türen, damit kein anderer Wanderer auf die Idee kommt in unserem Auto eine kleine Kaffepause einzulegen. Wieder die Backpacker gesattelt, die Gummistiefel können wir jetzt getrost im Auto lassen, gehen wir wieder los. Locker wandern wir über Stock und Stein, treffen nach einer Stunde auch schon die ersten anderen Wanderer. Eigentlich sollte der Weg vier Stunden in Anspruch nehmen, nach zweieinhalb erreichen wir aber schon das Refugio, das Basiscamp der Holländer. Auch trotzt unseres straffen Schrittes sind wir durch unseren morgendlichen Umweg zu spät dran. Pieter und Lennart sind schon unterwegs. Der Weg ab dem Camp ist nicht mehr mit dem Weg davor zu vergleichen, wir klettern Wasserläufe herunter und steigen teils steile Berge hinauf. Langsam merken wir auch in den Beinen das wir bereits die zweite Tagestour an einem Tag bewältigen. Durch einen Waldbrand, ist leider ein zehntel des gesamten Parks abgebrannt. Auch wenn das schon einige Jahre her ist steigt uns noch der verkohlte Geruch der Bäume in die Nasen, auch die Landschaft wirkt dadurch eher ausgedünnt. Etwas erschöpft klettern wir noch vom Weg ab auf einen Berg und lassen uns auf die Felsen fallen. Vor uns sehen wir schön den Gletscher Grey. Eine Weile verweilen wir, genießen die Ruhe und machen ein paar Bilder, bevor wir das letzte Stück antreten. 

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Der rechte Flügel des Gletscher Grey

Mit der Zeit wird der Weg etwas beschwerlicher. Hinzu kommt, dass der Weg immer steiler und schlechter wird. Auch wenn wir den eigentlichen Aussichtspunkt auf den Gletscher nicht finden, finden wir einen besseren, direkt auf der Bergkuppe schlagen wir unserer Mittagslager auf, auch wenn mittlerweile schon Nachmittag ist, gefühlter Abend. Während der Gaskocher unsere Ravioli erwärmt dehnen wir unsere Beine, denn nach dem Essen müssen wir auch wieder zurück. Etwas graust uns der Rückweg, doch das Essen wird uns genug Energie geben, um auch sicher zurück zu kommen. Mit vollem Magen geht es auch den Beinen schon wieder ein gutes Stück besser, doch jetzt verstehen wir warum die meisten die Tour in mehrere Tage aufteilen.  

Es geht wieder herunter, oder eher rauf und runter bis zur anderen Station. Das erste Stück des Rückweges ist wieder leichter als gedacht, die ersten Kilometer können wir fast wieder unsere Anfangsgeschwindigkeit erreichen. Aber die Pause hätte länger sein können, denn mit der Zeit kommt auch jetzt die Erschöpfung wieder. Noch einmal kämpfen wir uns auf die Beine und wie nach jeder Pause müssen wir uns erst langsam an das Gehen gewöhnen. Langsam aber sicher kommen wir wieder in den Trott und durchqueren bei zunehmender Dunkelheit das Tal. Während wir die letzten Meter durch das Tal trekken lässt uns die Vorfreude endlich das Camp zu erreichen trotz der Müdigkeit nahezu rennen.

Direkt vor der Station fallen wir erschöpft auf den Holzzaun. Die Entscheidung, heute nicht mehr bis zum Auto zu gehen fiel uns nicht schwer. Doch ohne Bewegung wird uns langsam frisch und das Kaminzimmer lockt uns. In der Eingangshalle treffen wir direkt die anderen Deutschen wieder die uns freudig begrüßen. In den Zimmern gibt es leider keine Heizung, genauso wenig wie Handtücher. Leicht verärgert über den schlechten Service und die schlechte Information, denn eigentlich wurde uns gesagt, man könne mit argentinischen Pesos zahlen, gehen wir ins Kaminzimmer. Hier ist es gemütlich warm, beim Öffnen der Tür werden wir von einem kleinen Sprechchor: „the springhunters!“ empfangen, unser Ruf eilt uns voraus. Auch die Holländer sitzen schon beim Kamin, sie hatten sich heute spontan für eine andere Tour entschieden, kein Wunder das wir sie nicht treffen konnten. Beim Austausch unserer Erlebnisse laden sie uns auf eine Flasche Wein ein. Diese geschafft verabschieden wir uns von einander, es ist zwar erst zehn aber wir alle sind wir todmüde. 

4. September, Nach der letzten so kurzen Nacht und der anstrengenden Tour gestern, haben wir uns heute etwas mehr schlaf gegönnt. Kurz vor zehn rappeln wir uns aus den Betten und springen erst einmal unter die guttuende warme Dusche. Halbwegs sind wir wieder fit und stehen, nach der noch von gestern übrig gebliebenen Dose Ravioli und Thunfisch, wieder in den Trekkingschuhen auf dem Wanderpfad. Heute haben wir anders als gestern ja nur eine ganz normale ein Tagestour vor uns, darum können wir uns ordentlich Zeit lassen. Auf halbem Weg kommt uns jemand entgegen, noch langsamer als wir schlendert uns der junge Mann mit riesigem Backpacker und großer Spiegelreflexkamera entgegen. Als wir näher beisammen sind, fragt er uns euphorisch ob wir die Deutschen seien, die mit dem Van reisen, die springhunters. Genau die sind wir, sagen wir ihm lachend, wie sich herausstellt ist es Lee, der Australier, der bereits viel von uns gehört und auch erzählt hat. Endlich haben wir den mysteriösen Australier getroffen. Eine Weile unterhalten wir uns noch über seine und unsere Tour. Das letzte Stück am Fluss schlendern auch wir zurück, endlich nach der letzten Bergkuppe sehen wir Lola am Flussufer stehen – wir sind zurück. 

 

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