Meerschweinchen – Haustier oder Spezialität?

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04.02.2015 – 12.02.2015; Cotopaxi, Chimborazo, Baños, Quito, Ibarra – An der Küste von Ecuador sind wir länger geblieben als geplant, denn bei Greg in Canoa hatten wir einen prima entspannten Aufenthalt und so rannte uns die kostbare Zeit ein wenig davon.

Die tropischen Temperaturen sind wie weggeblasen, als wir uns über die Serpentinen-
straßen in die Bergregion von Ecuador quälen. Das kalte, verregnete Wetter lässt uns zunächst dem traumhaften Strand bei Greg hinterhertrauern.

IMG_4523Die ersten Tage fahren wir die Panamericana wieder ein Stückchen hinunter, an den Vulkanen Cotopaxi und Chimborazo vorbei nach Baños. Die absolut höchsten Bergregionen der Welt erleben hier eine kleine Korrektur, denn wenn die Höhen in eine andere Relation gesetzt werden, entsteht eine neue Rangliste. Der Chirombazo Vulkan gilt danach als der höchste Berg der Welt, wenn man es so will. Dass die höchste Gebirgskette der Himalaya in Asien ist und sich in ihr die 187 höchsten Berge der Welt dem Himmel entgegenrecken, daran zweifelt wohl bis zum Chirombazo Vulkan keiner. Es interessiert hier auch niemanden, dass der Aconcagua in Mendoza, Argentinien der eigentlich höchste Berg außerhalb Asiens ist. Der Chimborazo ist ein absolutes Superlativ, er ist der höchste Berg der Welt. So wird es vor Ort von den Einheimischen vehement vertreten. Eine Diskussion ist zwecklos und vertane Zeit, der Wächter im Nationalpark ist für keinerlei Argumente und Nachweise offen und hat sofort eine „hochwissenschaftliche“ Argumentationskette parat, die alle anders Denkenden verblüfft. Aber falsch ist diese Aussage auch nicht, denn der Vulkan ist tatsächlich der höchste Berg, rechnet man nicht vom Meeresspiegel sondern vom Erdmittelpunkt an. Der Wächter des Nationalparks ist sich da auch ganz sicher, in Ecuador ragt der höchste Berg der Welt in die Höhe.

IMG_4507Die schneebedeckte Spitze ist von Wolken umhüllt und es weht uns ein eisiger Wind um die Ohren. Die Schlafsäcke haben wir in Lima guten Gewissens, sie erst wieder in den USA benutzen zu müssen, tief unten in der Dachbox verstaut. Das war wohl etwas übereifrig und so kramen wir sie mühselig aus den Wintersachen wieder heraus und sind darüber hinausgehend auch unsäglich froh, noch genug Gas zu haben, die Standheizung anwerfen zu können. Kurzum es ist wieder schrecklich kalt, ziemlich hoch in den Wolken und regnerisch.

Die kleine Stadt Baños erweist sich dann wieder als einer der Touristenspots, die man auf keinen Fall missen sollte. Eine Vielzahl an Wasserfällen und Thermalquellen reihen sich um die Ortschaft und in den Hauptstraßen unterbieten sich Reiseanbieter gegenseitig mit den besten Angeboten. Nichtsdestotrotz es ist eine Touristenhochburg und das merkt man leider auch an der gesamten Atmosphäre.

Es ist Freitag und kurz nach vier Uhr am Nachmittag. Wahrscheinlich liegt es an dieser Zeit, dass in unserem Ranking Quito direkt auf Platz 1 des schlimmsten Verkehrs platziert wird. Es ist kein Durchkommen, schon an den Autobahnabfahrten reihen sich die Autos aneinander und es bewegt sich fast nichts. Die Ausschilderungen sind unübersichtlich und auch die Ecuadorianer beweisen uns einmal mehr, dass es nicht schwer sein kann in Südamerika einen Führerschein zu erstehen, bestehen wäre wahrscheinlich zu viel gesagt, wenn man die Fahrer um uns herum erlebt. In gut zwei Stunden haben wir Lola durch den dichten Verkehr durch Quito gelenkt und sind dann auch endlich ungefähr da, wo wir landen wollten. Wir machen drei Kreuze, als wir nun sicher auf dem Innenhof des Hostels stehen, ohne Unfall oder anderen Zwischenfall. Das Vergnügungsviertel so erklärt uns der Hamburger Besitzer des Hostels sei nur drei Blocks von hier, da gäbe es alles – Restaurants, Bars und Diskotheken.

Hier in Quito haben wir noch einen ganz besonderen Punkt auf unserer Liste. In Cusco hatte es leider nicht geklappt und so versuchen wir es erneut in Quito. Eine ganz besondere Spezialität der Andenländer wollen wir probieren. Lama und Alpaca haben wir schon des Öfteren gegessen, aber es fehlt uns noch „Cuy“ auf der Liste „Das muss man probiert haben“. Cuy ist auch in Europa äußerst beliebt, doch wohl eher als Kuschel-
haustier. Hier in Südamerika steht das Meerschweinchen ganz oben mit auf der
Spezialitätenliste. So genau wissen wir noch nicht, was wir davon halten sollen, aber ums Probieren führt kein Weg vorbei. Nachdem wir das beste Lokal für unser Vorhaben recherchiert haben, machen wir uns auf den Weg. Von außen überzeugt der erste Eindruck des Lokals nicht wirklich, ein leicht verblichener Plastikständer zeigt Bilder vom angebotenen Essen und die Preise scheinen uns für dieses Lokal besonders hoch zu sein, doch die Bewertungen waren mehr als überzeugend und auch Einheimische haben uns dieses und kein anderes Lokal empfohlen. Also dann wagen wir es mal. Der Kellner führt uns nach oben und wir sind positiv überrascht, zwar ist die Musik etwas zu laut für ein Lokal gehobener Qualität. Im Hintergrund läuft europäischer Fußball. Aber das Lokal ist gut besucht und auch viele Quiteños scheinen es sehr zu schätzen.IMG_4562

In der Karte brauchen wir nicht lange auszusuchen, denn wir sind gekommen um die viel- gepriesene Andenspezialität zu probieren. Der Kellner versorgt uns zunächst mit Plastikhandschuhen und feuchten Tücher bevor er uns das Essen serviert. Auf einem großen Teller gucken uns die Augen des Meerschweinchens an. Der Anblick ähnelt sehr dem deutschen Spanferkel in Miniatur, der gesamte Kopf mit Ohren und die Beine sind noch am Körper. Wir sind ein wenig ratlos bei diesem Anblick, doch der Kellner erklärt uns, wir sollen das Meerschweinchen einfach mit den Handschuhen anfassen und reinbeißen. Wir kommen uns leicht barbarisch vor und haben noch einige Hemmungen. Die anderen Gäste um uns herum nehmen auf diese Art und Weise, die für uns bis dato nur als Haustier bekannte Spezialität regelrecht auseinander.IMG_4567
Einen Ersatz für ein gutes argentinisches Steak oder ein saftiges Hähnchen aus Bolivien haben wir mit dem Meerschweinchen nicht wirklich gefunden. An dem kleinen Tier ist erstaunlich wenig Fleisch. Geschmacklich kommt es dem Hühnchen jedoch sehr nah. Unter der etwas zähen Haut findet man recht viel Fett. Es schmeckt nicht schlecht, aber auch nicht so gut, als wenn man diesen Genuss wiederholen müsste. Wir haben es probiert und können mitreden. Dieses Meerschweinchen wird wohl ziemlich sicher das einzige bleiben, das auf unseren Tellern gelandet ist.IMG_4592

In den Bergregionen Kolumbiens sollen Ameisen ein besonderer kulinarischer Genuss sein. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, ob wir dieses Erlebnis wagen. Noch haben wir ein paar Wochen Bedenkzeit.

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