„Macht euch nicht unglücklich“ – 700 Kilometer im 2. Gang; Wellblech, Sand, Steinbruch und Salz soweit das Auge reicht

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14.11.2014 – 18.11.2014, Uyuni; Lange haben wir geplant und recherchiert über welchen Pass wir nach Bolivien und vor allem auf den Salzsee bei Uyuni fahren wollen. Immer wieder stand die einfache Strecke von Norden kontrovers zur schönen aber halsbrecherischen Strecke im Süden.

Wir hätten einen zu langen Radstand, eigentlich sei Lola viel zu tief und überhaupt seien die Reifen zu dünn und der Motor zu schwach – „Macht euch nicht unglücklich“, hieß es noch wenige  Tage zuvor von anderen Reisenden auf dem Campingplatz in Cafayate, Argentinien. Doch trotz der Warnungen ist der Reiz der landschaftlich schöneren Strecke so groß, dass wir ihm nicht Wiederstehen können. Von grünen und roten Lagunen, schneebedeckten Vulkanen und heißen Thermen wurde uns berichtet und wir wussten, dass wir genau diese und keine andere Strecke fahren wollen.

Die Vorbereitungen für die Tour gehen schon einige Tage vorher in San Pedro de Atacama los. 5.000 Meter Höhe, keine Einkaufsmöglichkeiten und nächtliche Minusgrade warten auf uns jenseits der bolivianischen Grenze. Aber die Höhe bereitet nicht nur uns schlaflose Nächte, sondern auch Lola kämpft mit der sauerstoffarmen Luft. Bei anhaltender Steigung macht sich ein deutlicher Leistungsverlust spürbar und auch nach dem Anspringen zeigt der Motor auch noch ein paar Minuten keinen richtig runden Lauf. Letzten Endes scheint das Kühlerthermostat zu schwergängig, worauf wir auf unserer weiteren Fahrt von nun an verzichten werden und schrauben den Kühler kurzerhand ohne Thermostat wieder zusammen. Auch der Luftfilter bekommt nach über 15.000 Kilometern eine gründliche Reinigung verpasst. Doch San Pedro de Atacama ist ein kleiner touristischer Ort, der für uns leider nicht die passenden Ersatzteile bietet, so bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mit ächzendem Motor nach Calama in die nächst größere Stadt zu quälen. Auf der Fahrt nehmen wir spontan zwei Anhalter mit, die uns auf der circa einstündigen Fahrt mehr über die Region und Einwohner erzählen, aber vor allem auch Tipps geben, wie wir uns und Lola fit für die Weiterfahrt machen können. In Calama schickt man uns von Pontius nach Pilatus auf der Suche nach einem Ersatzteilladen, aber nach einer Stunde finden wir auch endlich die richtige Straße, rechtzeitig vor der Mittagspause. Bei Ric kaufen wir uns die beiden neuen Kraftstofffilter und finden letztlich bei Shell auch noch Kühlerfrostschutz. Jetzt haben wir so gut wie alles für Lola, fehlen nur noch unsere eigenen Einkäufe. Calama erinnert fast schon an Dubai, spaßen wir, als wir durch das Shoppingcenter schlendern, um die Touristenpreise in San Pedro de Atacama bei unseren Lebensmitteleinkäufen zu umgehen. Mit literweise Wasser, Nudeln und Reis decken wir uns für die Fahrt in das bolivianische Hochgebirge ein. Heute ist auch unser letzter Tag mit Charlie, denn für sie geht es von San Pedro de Atacama in den Süden ans Ende der Welt, nämlich nach Ushuaia.IMG_1691

Gut eingedeckt und vorbereitet auf unser Abenteuer, bringen wir Charlie am nächsten Morgen zum Busbahnhof. Genau drei Wochen war sie nun schon Teil des Teams und umso schwerer fällt uns heute der Abschied. Mit etwas Glück treffen wir sie in Peru wieder, wenn nicht, dann wahrscheinlich erst wieder in Deutschland. Wir geben Charlie noch eine Festplatte vollgepackt mit Bildern und Videos mit auf die Reise in die entgegengesetzte Richtung. Nachdem wir noch einmal eine erfrischende Dusche in den öffentlichen Bädern in der Atacama Wüste genießen, fahren auch wir erst einmal zurück Richtung Argentinien.
Haufenweise Volkswagen- und Audi-Testfahrer kommen uns mit ihren Braunschweiger und Ingolstädter Kennzeichen entgegen gebraust. Nach knapp 50 Kilometern, die wir uns im 2. Gang auf über 5.000 Meter geschleppt haben, biegen wir rechts auf eine holprige Schottenpiste ab, denn von hier wollen wir nach Bolivien.
An der Grenzkontrolle bekommen wir einen Schock, als uns der bolivianische Grenzbeamte erzählt, dass uns das chilenische Ausreisedokument für Lola fehle. Immerhin wurde uns in San Pedro de Atacama mehr als nur einmal erklärt, dass wir keinerlei zusätzliche Dokumente benötigen würden. Da wir auf keinen Fall zurück nach San Pedro fahren wollen, um ein, unserer Meinung nach, überflüssiges Dokument zu besorgen, warten wir auf den Vorgesetzten. Um die Zeit effektiv zu nutzen machen wir Mittagspause, gerade fertig rollt auch schon der weiße Toyota Hilux vor die kleine Zollstation. Während wir unser Anliegen erklären wird draußen hektisch von bolivianischen Autos in chilenische umgepackt, um den Grenzübergang zu umgehen. Doch erstaunlicherweise sieht der übergeordnete Beamte kein Problem und füllt uns das benötigte Zolldokument für Lola ohne weitere Fragen aus. Anders als in Argentinien oder Chile fragt der bolivianische Zoll nicht nach Obst, Gemüse oder Drogen, sondern sucht einzig und allein neu gekaufte Artikel, um diese nachträglich verzollen zu können. Bei uns jedoch erfolglos. Glücklich, endlich alle Papiere zusammen zu haben, springt Lola an und rollt an der bolivianischen Flagge vorbei auf neues Staatsgebiet – Land drei, Bolivien.

Von jetzt an geht es vorwiegend bergab, noch wissen wir nicht, was uns für Straßen hier erwarten. Am Eingang zum Nationalpark werden wir vom Parkwächter mit einer weiteren unbrauchbaren Karte ausgestattet. Eingezeichnet sind zwei, drei Straßen, vor uns trennen sich allerdings die Reifenspuren in gefühlte tausend Richtungen. Herzlich Willkommen im Abenteuer. Mehr oder weniger können wir uns ausmalen wo lang wir fahren müssen und folgen einfach dem uns am plausibelsten Weg. Der Boden wird langsam aber sicher immer unbefahrbarer und der Sand wirbelt um das Heck vom Auto. Dank der erreichten Höhe ist es aber nicht mehr so erschlagend heiß, sondern eher frisch. Nach ein paar Kilometern erreichen wir unsere erste Referenz, die Laguna Verde. Um 17 Uhr würden wir laut dem Parkwächter dann die Laguna Colorada erreichen, wenn nichts dazwischen kommt. Doch gerade wenige Meter von der Lagune entfernt rattern wir in den Sand. Kein vor und zurück mehr, kein Zeichen von Fortkommen. Zeit für Klappspaten und Sandmatten. Mit Mühe und Not schaffen wir es, nach einer Stunde sage und schreibe 50 Zentimeter voran und fast genauso viel tiefer in den Sand zu geraten. „Macht euch nicht unglücklich“, stöhnen wir und buddeln weiter gen Asien. Doch nach weiteren 30 Minuten kommt die erhoffte Hilfe. Ein bolivianischer Guide tuckert gemütlich mit seinem Geländewagen voller Touristen durch die Landschaft. Hektisch winken wir und laufen dem Jeep entgegen, nachdem wir zuvor gekonnt von einem anderen ignoriert wurden. „Ich komme gleich mit ein paar Freunden, lass mich die Touri’s nur kurz zum nächsten Panoramapunkt fahren“, lacht er und düst davon. „Gleich?“, überlegen wir, „gleich jetzt oder gleich morgen?“. Doch es war ein gleich später gemeint und Miguel kommt tatsächlich mit ein paar Freunden. Das ganze Auto ist jetzt voller Bolivianer, die freudig und zugleich hektisch aus dem Auto springen. Wie im Chor brüllen sie Miguel Anweisungen entgegen, weiter vor, mit Kraft, komm schon. Doch nach 10 Minuten gibt Miguel auf, „ich kann das nicht!“, flucht er und lässt einen Freund ans Steuer, der uns direkt beim ersten Versuch aus der mittlerweile fast metertiefen Kuhle herauszieht. Miguel gibt uns noch den hilfreichen Tipp, auf der Hauptstraße zu bleiben, bevor die 6 Freunde schneller wieder wegfahren als sie gekommen sind. So stehen wir wieder da – Lola auf der vermeintlichen Hauptstraße – und hatten noch nicht einmal die Möglichkeit, uns gebührend zu bedanken. Trotzdem froh, wieder mobil zu sein, fahren wir weiter, solange es noch hell ist. Wir folgen einer schmählich beschriebenen Fahrradfahrer-Routenbeschreibung und kämpfen uns über die scheußliche Straße, dafür aber durch eine atemberaubende Landschaft.IMG_1674

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir eine kleine Therme. Die Laguna Colorada erreichen wir heute keines Falls mehr und so beschließen wir, einfach hier zu kampieren. Einen guten Stellplatz suchend, stoßen wir auf ein amerikanisches Pärchen aus Kalifornien, die auch gerade die bolivianische Andenregion mit ihrem eigenen Fahrzeug unsicher machen. Um Kameras, Computer und Handys wieder vollgeladen zubekommen, wird es heute das erste Mal Zeit für unseren Stromgenerator. Nach unzähligen kläglichen Versuchen springt das Moppel endlich an und erzeugt uns den erhofften 230 Volt Strom im Nirgendwo; dort, wo sonst keine einzige Glühbirne leuchtet. Während der Akkuladestand langsam steigt, legen wir uns in die Therme, gefolgt von drei Parkwächtern. Das Thermalwasser ist im ersten Moment unerträglich heiß, doch nur wenige Sekunden später gewöhnen wir uns an die Hitze und können die wohltuende Temperatur genießen, denn um uns beginnt der abendliche Wind zu pfeifen und schlagartig kühlt sich die Atmosphäre um uns extrem ab. Mit einbrechender Dunkelheit wandern wir zurück zum Auto und machen uns nur noch eine Dosensuppe warm, bevor wir schon kurz nach neun total erschöpft ins Bett fallen.

Mit den ersten Sonnenstrahlen wachen auch wir einmal mehr auf, wie schon so oft vorher in der Nacht, denn die Höhe lässt uns nicht gerade erholend schlafen. Doch nun ist für uns auch dieser Schlaf vorbei. Nachdem die Horden von Touristen die von ihren Guides durch die Therme gescheucht werden, endlich davon gezogen sind, genießen auch wir noch ein kurzes Bad vor dem Aufbruch. Auch wenn wir eigentlich gestern um 17 Uhr schon bei der Laguna Colorada angekommen sein wollten schaffen wir es immerhin gegen Mittag am heutigen Tag. Der Wasserkocher knallt Max gegen den Kopf als er eine Vollbremsung kurz vor der Parkkontrolle hinlegt. „Das kann doch nicht euer Ernst sein!“, schimpft er mit dem Erdhügel vor uns, der die gesamte Straße versperrt. Wir setzten zurück und ignorieren sämtliche Verbotsschilder, denn der Zugang dieses Weges ist nur für Parkmitarbeiter gedacht, aber umgeht immerhin den gewaltigen Hügel. Wir sehen noch einen Wächter aus dem Gebäude stürmen, als wir um die nächste Kurve preschen. Doch unsere Sünde wird nur wenige Kilometer weiter bestraft, wieder ist es der Sand, der uns zu schaffen macht, doch dieses Mal sogar noch heftiger als am vorherigen Tag. Darauf folgen über drei Stunden Buddeln mit gerade mal drei Metern Vorankommen. Immer wieder hängen wir am Ersatzrad oder mit dem Differential im tiefsten Sand fest. Über einen Meter buddeln wir uns von hinten unter Lola, legen mit gesammelten Steinen aus den links und rechts liegenden Bergen eine Straße unter die Hinterreifen. Doch immer wieder zum Verzweifeln, sind es nur diese paar Zentimeter des Vorankommens. Der kurze Hoffnungsschimmer und anschließend dann das erneute Feststecken. Der Wind peitscht uns den Sand ins Gesicht, abwechselnd graben wir uns mit Taucherbrille und Mundschutz weiter unter das Auto, jedoch ohne erkennbaren Erfolg. Der Sandweg gleicht einem Schlachtfeld und wir dessen Krieger. Doch nach fast vier Stunden ‚Krieg´ taucht auch heute das erlösende Auto auf. Wieder ein Miguel – dieser Name scheint in Mode zu sein – der uns aus der aussichtslos scheinenden Situation hilft. Der Arbol de Piedra (zu deutsch Steinbaum) scheint nach diesen Stunden des Kampfes gegen den Sand nur wie eine kleine Genugtuung. Hals über Kopf fahren wir weiter, ignorieren die warnenden Sprüche über die schlechten Straßen der uns Entgegenkommenden und kämpfen uns in Richtung Lagunenlandschaft. Doch der Weg verliert sich in der Wüste und es ist nicht mehr erkennbar, wohin wir eigentlich müssen. Doch Umdrehen wäre letztlich genauso verheerend. Allein Bremsen und Wenden ist unmöglich, denn wir müssen unsere Geschwindigkeit halten, um nicht erneut festzustecken. Alessandro schwitzt Blut und Wasser, während er so langsam wie möglich aber trotzdem so schnell wie nötig durch Wüstenlandschaft und Steinbrüche cruised. „Wir sind bestimmt falsch, aber irgendwo kommen wir an!“, verzweifelt werfen wir uns ironisch lachend Blicke zu – „Macht euch nicht unglücklich!“.Flamingos Laguna Hedionda
Von einer Bergkuppe aus können wir Wasser erahnen. Wenn das die Lagune ist, haben wir es geschafft. Und es ist die Lagune, die sich vor unseren Augen immer breiter zwischen den Bergen ausbreitet, wir sind doch nicht falsch. Hier an dem Ort, an dem jeder weiß, dass er richtig ist, steht lustiger Weise sogar ein Schild „Laguna Ramaditas“. Doch unsere Glückssträhne soll noch nicht enden, denn ein paar Kilometer später bei der Laguna Hedionda entdecken wir ein Hotel, in dem wir nach unserer heutigen Buddelaktion eine warme Dusche genießen können. Auch die frische Dusche macht uns nicht viel fitter und so fallen wir – heute einmal mehr direkt nach dem Abendessen – wie tot – ins Bett.

Wieder weckt uns am nächsten Morgen die aufgehende Sonne, doch viel mehr überrascht uns das sich uns zeigende Bild. Direkt vor uns in der Lagune tummeln sich unzählige Flamingos in der morgendlichen Sonne. Eine Weile genießen wir das Schauspiel beim Frühstück und freuen uns schon auf das – so heißt es – Straßenstück „más feo“, übersetzt: „das schlechteste“. Doch bis jetzt haben wir es wie auch immer überall durch geschafft und beschließen daher auch heute, nicht den einfachen Weg als Abkürzung zu nehmen, sondern den schönen. Wieder sind es Steinbrüche, durch die wir uns kämpfen, und dürre Wüstenlandschaften, durch die wir für unsere Verhältnisse rasen müssen. Die gröbsten Steine räumen wir von der Straße, aber trotzdem sind es noch Unmengen an spitzen Steinen, die uns jede Sekunde schwitzen lassen. Von Weitem sehen wir einen LKW in einer Geschwindigkeit fahren, die wir beinahe schon nicht mehr kennen. Die Hauptstraße, wir haben sie gefunden. Doch auch die bolivianische Nationalstraße ist immer noch ein Abenteuer. Nach ein paar Kilometern ebender Piste überraschen uns erneut Steine und Löcher. Der Tank strebt gegen Null, als sich der eben noch klare Himmel in Sekundenschnelle zu einer schwarzen Decke verwandelt. Beim aufziehenden Gewitter flüchten wir in die kleine Ortschaft San Pedro de Quemez, deren Einwohner uns wie Regengötter empfangen. Eine alte Dame kommt aus ihrem Haus gelaufen, „Ihr habt den Regen mitgebracht!“, strahlt sie uns an. Und auch andere Bewohner verbinden unser Kommen anscheinend mit dem aufgezogenen Gewitter, immerhin den ersten Tropfen Wasser seit Januar. Glücklicherweise bekommen wir hier sogar Diesel. Aufwändig füllen wir unseren Tank mittels kleiner fünf Liter Kanister.
Lola wieder gestärkt und das Gewitter verzogen, fahren wir weiter gen Norden und machen uns auf die Suche nach der richtigen Straße in den Ort Vilacollo. Doch die Suche artet aus in einem Wettlauf mit der Dunkelheit. Im Licht der Zusatzscheinwerfer erkennen wir letzlich unseren Irrtum, denn der Weg,  den wir genommen haben, endet bei einer kleinen Farm mitten im Nichts. Auch wenn es nur 20 Kilometer waren graust es uns vor dem Rückweg. Bei jedem Flusslauf setzt das nun nur noch an einer Schraube hängende Ersatzrad auf den Boden auf und zieht einen Steinschwall hinter Lola her. Doch auch diesen Weg meistern wir heute glücklicherweise ohne stecken zu bleiben und gelangen zurück auf die Hauptstraße, auf der wir wieder Fahrt aufnehmen können. Doch auch dieser Abschnitt der halbwegs guten Nationalstraße hat eine Überraschung für uns parat. Unverhofft geht die ebene Straße in ein zerstückeltes Bruchstück über, der Großteil der Straße ist gute 1,5 Meter abgesagt. Es bleibt nichts anderes übrig als uns eine Umleitung mitten durch die Wüste zu suchen, wobei wir ohne Zusatzscheinwerfer verloren wären. Aber so können wir schemenhaft der Straße parallel in der Wüste folgen. Um nicht stecken zu bleiben, nehmen wir wieder unverhältnismäßige Geschwindigkeiten in Kauf. Als wir die Felswand identifizieren erkennen wir, dass wir die auf der Route liegenden nächsten Dörfer mysteriöserweise allesamt verpasst haben und uns schon an der Grenze zum Uyuni befinden, genauer an der Gruft der Galaxien. Die Mischung aus totaler Einsamkeit und endloser Stille lässt den Bergfriedhof der Indianer noch authentischer Wirken. Doch nach dieser Fahrt haben wir gleichwohl auch hier keine Schlafstörungen mehr, weil wir mittlerweile nur noch auf knapp 4.000 statt auf mehr als 5.000 Höhenmetern hausen und völlig geschafft sind.

Am nächsten Morgen weckt uns ein Klopfen an der Tür. Etwas erschreckt gucken wir durch das Fenster direkt in das strahlende Gesicht eines bolivianischen älteren Mannes. Er ist der Entdecker der Höhle, die erst 2004 geöffnet wurde. Auf der Suche nach alten Mumien stieß er auf weltweit einzigartige Felsformationen und erklärt uns allerlei über die Region und vor allem den besten Weg zum Uyuni, deren Befahren durch den Regen der letzten Tage immer kritischer wird. Nachdem er uns die Route ausgiebig beschrieben hat, muss er sich aber auch direkt auf den Weg in die Berge machen, denn in der Nebensaison verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Anbau von Quinoa, einem Andengetreide. Wir dürfen noch die Sanitäranlagen nutzen, bevor auch wir uns auf den Weg machen. Jetzt wissen wir, was er meinte, „Lola schwimme auf der Schlammpiste“ Richtung Salar und wir hoffen, bloß nicht stecken zu bleiben. Denn anders als zuerst aus Sicherheitsgründen geplant, kämpfen wir uns fern ab der Touristenroute auf den größten Salzsee der Welt. Doch alle Mühen haben sich gelohnt und auch dem Regen sind wir gar nicht mehr böse, denn uns bietet sich das einzigartige Bild einer spiegelnden Oberfläche. Als würden wir über Wasser fahren, gleiten wir als einziges Auto weit und breit über die unendlich scheinende Oberfläche. Kein Nichts in Sicht, nur eine kleine Insel am Ende des Horizontes. IMG_2017Doch diese Insel ist die Touristen Insel, von der wir direkt wieder Abstand nehmen, mit Kurs auf die Isla del Pescado. Einsam und verlassen schlagen wir unser Nachtlager auf dem körnigen Salz auf, hinter uns eine Insel voller Kakteen mitten im Nichts der Salzwüste. Doch es dauert nicht lange und auch heute zieht wieder ein Gewitter auf. Regen prasselt auf Lola und wir sehen die Wassergrenze auf uns zu schwemmen. Blitze über uns, keine Zivilisation in Sicht, und sind wir wieder einmal gefühlt am Ende der Welt, doch dieses Mal eigentlich mitten in Südamerika. Als wir am nächsten Morgen aufwachen ist es klar und freundlich, zwar stehen wir immer noch halb unter Wasser, doch zum Glück ist der Boden noch hart genug, um voran zu kommen und so fahren wir zurück über die ewigen Weiten eigentlich Richtung Rampe. Doch als wir nach zwei Stunden den Rand erreichen, müssen wir feststellen, wo ganz anderes gelandet zu sein als gehofft. Immer noch trennen uns -zig Kilometer von der Rampe kurz vor Uyuni. Halsbrecherisch begeben wir uns zurück aufs Salz. Der Boden wir mit der Zeit immer matschiger und das Wasser steht jetzt doppelt so hoch wie vorher. Als wir das eigentlich illegale Salzhotel von Weitem sehen können, wissen wir uns endlich wieder auf der richtigen Stecke. Wenige Kilometer, und wir haben endlich wieder festen Erdboden unter unseren Füßen.

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Die erste Tankstelle nach dem Salzsee – Lola ist von oben bis unten eingesalzt

Die 700 Kilometer, die wir die letzten Tage fast durchgängig im zweiten Gang hinter uns gebracht haben, waren wirklich kein Kinderspiel, doch es hat sich gelohnt. Eine atemberaubende Erfahrung und ein ständiger Kampf gegen die Natur. Bei einem Kokatee in Uyuni lassen alles noch einmal revuepassieren und sind alles andere, aber ganz bestimmt nicht unglücklich. Gestärkt durch diese einzigartige Erfahrung, machen wir uns direkt auf den Weg nach Potosí.

4 comments

  • Einmal mehr ein toller Bericht von eurem Abenteuer, richtig zum mitfiebern.
    Ihr reist unter dem Motto: „Dem Mutigen gehört die Welt“, ihr seid zu beneiden.

    Ich wünsche euch,
    und ihr könnt es sicher auch gebrauchen,
    …weiterhin viel Glück
    Vo

  • Ihr seid Superkerle ! Es macht mir immer iweder Riesenspaß Eure Berichte zu lesen. Man fiebert mit Euch mit und anhand Eurer Beschreibungen schaue ich immer iweder einiges nach im Internet und lerne dabei noch etwas auf meine alten Tage ! Weiterhin so viel Glück wie bisher auf Eurer Reise und noch viele tolle Erlebnisse, an denen ich dann hier auch teilhaben darf ! Viele liebe Grüße aus Heidelberg

    • max@springhunters

      Danke für den netten Beitrag Doro! Wir freuen uns soviel mit anderen teilen zu können. Schöne Grüße aus La Paz, Bolivien!!!

  • Sehr schoener, spannender Bericht, ich drueck euch weiterhin ganz fest die Daumen, viel Glueck wuensche ich euch Moma

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