Karibikflair in einer kleinen Welt

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29.03.2015 – 05.04.2015; Uvita, San Jose, Puerto Viejo, Nationalpark Tortugero, Tibás; Noch haben wir ein paar Tage bis Leo kommt. Mit ihm planen wir ohnehin so ziemlich alles zu besuchen was Costa Rica zu bieten hat. Also verbringen wir die Tage in Uvita, einem kleinen Strandort nah der panamaischen Grenze.

Vorwiegend beschäftigen wir uns mit unserer Homepagepflege und planen die nächsten Wochen. Nach drei Tagen ist es dann aber auch endlich soweit und das Warten hat ein Ende. Gegen Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach Managua, um am Abend Leo am Flughafen abzuholen. Wir haben ein Hostel für die Nacht reserviert. Nun wird die Zeit langsam knapp, also fahren wir zügig zum internationalen Flughafen und warten gespannt in der Ankunftshalle.
Zwischen, nervös auf Fahrgäste wartende Taxifahrer und Gastfamilien, die aufwändig gestaltete Willkommensschilder in die Höhe halten, stehen wir uns die Beine in den Bauch, denn Leo will und will nicht durch die sichtdichte Schiebetür kommen. Immer, wenn die Tür aufspringt, werfen wir einen neugierigen Blick ins Innere, doch weit und breit keine Spur von unserem Besuch. Minuten vergehen, eine Stunde und letztendlich zwei Stunden. So lange kann es doch nicht dauern, auch nicht in Mittelamerika. Aber angeblich warten noch einige Fluggäste im Inneren auf ihr verspätetes Gepäck. Doch auch als die letzten Nachzügler endlich aus dem Terminal kommen und die aufdringlichen Taxifahrer mit Herz und Seele um die Fahrgäste feilschen, ist Leo nicht dabei.

Wir setzten uns ins Flughafencafé, um den Eingang nicht aus dem Blick zu verlieren und kommen mit einem anderen Deutschen ins Gespräch. Auch er wartet schon länger auf Besuch, seiner kommt aber aus Mexiko. Als wir uns über unsere Herkunft unterhalten, stellt sich lustiger Weise heraus, dass der Austauschstudent mit Kathy, die sich mit Alessandro durch den Spanischkurs durchs Abitur gekämpft hat, befreundet ist. Da fällt auch Alessandro wieder ein, dass Kathy nach dem Abi für ein soziales Projekt nach Costa Rica gehen wollte. Heute ist es wohl zu spät, aber vielleicht statten wir ihr ja die nächsten Tage einen Besuch ab. Jetzt geht es erst einmal darum Leo aufzuspüren, denn das Ganze wird uns langsam zu komisch.

Bei der Flughafenbehörde durchforsten wir die Passagierliste, doch Leo hat nie das Flugzeug von Huston betreten, kein Wunder, dass er nicht angekommen ist. Zum Glück sind die Mittelamerikaner besser vernetzt, als wir dachten, und nach ein wenig Recherche stellt sich heraus, dass Leo seinen Flug verpasst hat und jetzt auf dem Weg mit dem nächsten Flieger nach San Jose ist. Der kommt aber erst vier Stunden später an und deswegen gehen wir noch einmal zurück zur im Parkverbot geparkten Lola, denn auf den Parkplatz passen wir mit unseren knapp drei Metern nicht. Zum Glück haben wir das auch der patrouillierenden Polizei klar machen können, denn der erste PKW im Parkverbot wird schon abgeschleppt.

Müde vom Warten schlafen wir nach ein paar Minuten im Auto ein, glücklicher Weise mit Wecker. Dass Max sich nach zwei Stunden aufrappelt und auf den Weg zur Ankunftshalle macht, bekommt Alessandro noch nicht einmal mit. Als die Schiebetür plötzlich von außen aufgeschoben wird, ist es erst etwas verwirrend für ihn, denn schließlich wollte man ja nur kurz die Augen zumachen, aber mit einmal steht Leo vor der Tür. Nach ein paar Sekunden ist dann aber auch Alessandro wieder richtig wach. Wir fahren ohne Umwege zurück in die Stadt. Im Hostel ist leider schon tote Hose, selbst die im Internet hochangepriesene Bar ist schon lange geschlossen und bis auf ein paar wenige andere Gäste, die im Schlafanzug durch die Gänge wandeln, herrscht einsame Ruhe. Vielleicht auch besser, so können wir den ersten Abend ganz entspannt nutzen, um uns zu dritt ungestört auszutauschen. Da es weder eine gemütliche Lounge noch andere einladende Sitzgelegenheiten gibt, hocken wir einfach auf den Bettkanten und obwohl wir alle zunächst müde waren, vergeht die Zeit beim Quatschen wie im Flug und auf einmal ist es mitten in der Nacht.

Da wir im Auto nur einen allgemeinen Reiseführer für ganz Mittelamerika haben, der nur sehr ungenau ist, hat Leo praktischer Weise einen ausschließlich für Costa Rica im Gepäck. Wahrscheinlich hätte er aber auch einen nur für San Jose mitbringen können und die Stadt hätte nicht wirklich mehr zu bieten gehabt. Wieder eine Großstadt wie so viele, mit einer vergleichsweise hohen Kriminalitätsrate für Costa Rica, ein paar ganz schönen Kathedralen, Shoppingmals und großen Menschenansammlungen. Der zentrale Park wird als besonderes Highlight beschrieben und wir sind gespannt, was er wirklich zu bieten hat. „Die wunderschöne Grünanlage im Herzen San Jose ist der ideale Ort zum Entspannen und um Freunde treffen.“ – wirbt der Reiseführer. Als wir ihn endlich gefunden haben, fragen wir noch zweimal nach, ob das wirklich der Park ist, der im Reiseführer beschrieben wurde. Wir können es kaum glauben. Es gibt zwar schon ein wenig Grün auf der großen Betonanlage und ein paar pensionierte Ticos, Einwohner Costa Ricas, scheinen auch wirklich auf den ausgeblichenen Holzbänken Entspannung gefunden zu haben. Ein paar Schuhputzer drehen ihre Runden um Zeitung lesende Männer und alle paar Minuten verirrt sich ein Tourist auf dem Platz, vergleicht dreimal ungläubig die Adresse im Reiseführer und scheint dann ähnlich wie wir mit San Jose fertig zu sein. Wenn die Autoren diesen Platz derart aufwerten mussten, scheinen andere Reisende recht gehabt zu haben. San Jose hat nicht die besondere Ausstrahlung, die viele andere Städte uns geboten haben. So schade ist es aber dann doch nicht, denn in Costa Rica warten noch unzählige wunderschöne Ecken auf uns.

Nach ein paar Stunden Fahrt haben wir die Erste genau dieser Ecken gefunden und fühlen uns in Puerto Viejo an der Karibikküste sauwohl. Sogar einen Campingplatz finden wir und endlich haben wir die Chance, unser in Bolivien gekauftes Zelt auszuprobieren, denn bei gefühlten 40 Grad Celsius, und viel kühler ist es auch in Wirklichkeit nicht, wäre das Bett im Auto mehr eine Strafe als Erholung für drei Personen. Der Besitzer des Platzes ist, wie könnte es anders sein, mal wieder ein ausgewanderter Amerikaner, der sich vor etlichen Jahren hier niedergelassen hat. Abends wird ein Lagerfeuer am Strand gemacht und mit anderen Reisenden kann man sich im leichten Schimmern des Feuers über geplante und bereits bereiste Reiserouten austauschen. IMG_6905

Am darauffolgenden Morgen entscheiden wir uns, einen kleinen Strandspaziergang zu einem nahegelegenen Sandstrand zu unternehmen. Also schnappen wir uns nach dem Frühstück unsere Surfbretter und eisgekühlte Getränke und machen uns auf den Weg. Das man in der Sonne zerfließt ist halb so wild, denn im Schatten der Palmen oder in der rauen Karibikbrandung lässt es sich mehr als aushalten. Als wir nach ein paar Strandstunden zurück zu Campingplatz trotten, dann doch etwas ausgelaugt von Wasser und Sonne, knurrt unser Magen gefährlich und als ob es noch nicht warm genug wäre, entscheiden wir uns dafür, direkt beim Auto ein kleines Feuer zu machen. Denn was geht über ein leckeres Steak nach einem aufregenden Tag, den ersten richtigen Tag mit Leo.

Von anderen, die schon ein paar Tage länger hier sind, bekommen wir den „Geheimtipp“. Zwar kann man den Strand Manzanillo auch in allen Reiseführern finden, doch nach den Beschreibungen der anderen Reisenden sind wir uns ganz sicher, der Strand ist ein Muss. Zu Fuß schaffen wir die 13 Kilometer bei der Hitze auf keinen Fall, doch mit dem Fahrrad sollte das kein Problem sein. Abwechselnd fahren wir durch Urwald oder an der Strandpromenade. So wirklich das Wahre sind die wackligen Drahtesel aber nicht, eher zwei Reifen, verbunden mit einem Rahmen. Und da wir keine Gangschaltung haben, ist jeder Hügel eine schweißtreibende Herausforderung.

Was macht Leo eigentlich da? :-D

Was macht Leo eigentlich da? :-D

Nach wenigen Kilometern haben wir immerhin einen Grund für eine Pause, denn ein Faultier sitzt am Straßenrand. Wer denkt, so langsam und faul können die doch gar nicht sein, der hat sich geirrt. Das Faultier sitzt minutenlang ohne jegliche Bewegung am Straßenrand, wir glauben schon es reanimieren zu müssen und dann bewegt es sich doch noch, langsamer als in Zeitlupenbewegung bewegt es sich zurück ins Unterholz. Der Weg von vielleicht gerade mal einem Meter dauert jedoch länger als fünf Minuten. Jetzt sind wir uns sicher, bei anderen Tieren muss man sich manchmal wirklich beeilen und die Kamera zücken, bei Faultieren kann man getrost noch einen Kaffee trinken gehen.

Der anstrengende Weg hat sich aber gelohnt, denn der Strand Manzanillo ist ein kleines Paradies, Kokosnusspalmen säumen den weißen Sandstrand, ein paar Holzboote wanken im seichtem türkisfarbenen Meer und Rastafaris trommeln im entspanntem Rhythmus ihren Beat. Allgemein ist die Gegend um Puerto Viejo bekannt für die vielen Schwarzafrikaner mit Rastazöpfen und ohne Vorurteile bestätigen zu wollen, ist es nicht zu verleugnen, dass hinter jeder Ecke ein leicht süßlicher Rauch in die Nase steigt. Auch wenn Marihuana hier polizeilich streng verboten sein soll, stört das hier anscheinend niemanden. – Ein Schalk, der Böses dabei denkt…

Auf dem Weg zum nächsten Spot wartet noch ein kleiner Zwischenstopp auf uns. Wenn wir schon einmal den Weg in die Karibik geschafft haben, wollen wir es nämlich auch nicht verpassen im Nationalpark Cahuita ins Wasser zu hüpfen.
Nur eine halbe Stunde die Augen schließen,… doch immer wieder stört ein Affe über uns in den Bäumen oder ausflippende Touristen. Wir beginnen wiederholt die 30 minütige Siesta… Irgendwann geben wir auf, denn anscheint ist sie uns nicht gegönnt und fahren schließlich weiter in Richtung dem Nationalpark Tortugero. Bei der Zeitkalkulation haben wir unseren Durchschnitt der letzten paar tausend Kilometer in Betracht gezogen, denn so richtig schlechte Straßen sind wir schon fast gar nicht mehr gewöhnt. Die ewigen Schotterpisten aus Patagonien (Link) und Bolivien (Link) sind eine Rarität geworden. Doch auf dem Weg zum Nationalpark Tortugero haben wir einmal wieder diese Rarität und können unsere Fahrzeitkalkulation vergessen. Geplant war fünf Uhr Nachmittag, doch als wir an der Anlegestelle für die Bootsshuttle ankommen sind, ist es schon nach acht.
Das letzte offizielle Boot hat aber leider schon um kurz vor sechs abgelegt und jetzt sieht es schlecht für uns aus durch die Sumpflandschaft auf die Hauptinsel zu gelangen. Die letzte Chance wäre es, mit einem Einheimischen mitzufahren, der jetzt in jedem Fall noch rüber müsse, wie er uns sagt. Komischerweise verlangt er für uns drei jedoch 60 Dollar und erklärt uns, dass die normalen Shuttle tagsüber 3 Dollar pro Person kosten würden. Etwas Paradox und so versuchen wir ihn noch ein paar Mal von seinem überhöhten Angebot runterzuhandeln. Ohne Erfolg er will nicht verhandeln und bleibt bei dem fast siebenfachen Preis. So beschließen wir, bis zum ersten Boot am nächsten Morgen zu warten. Der Parkplatzwächter erlaubt uns sogar mit dem Zelt zu campen und so sparen wir uns auch noch den Campingplatz. Für den Abend haben wir etwas ganz besonderes vor, denn bei einem kleinen Fischhändler in Puerto Lemon haben wir ein gutes Kilo Shrimps erstanden und die soll es heute mit einer einfachen aber leckeren Knoblauch Soße geben, dann traut sich praktischerweise auch keiner zu nah an unser Auto heran, jedenfalls traut sich kein Vampir mehr in unsere Nähe…

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Als mit der aufgehenden Sonne auch die ersten Boote ablegen, trauen wir unseren Augen nicht,
ein Doppeldecker nach dem anderen rollt über die Schotterpiste zum Bootsanleger und die Touristen strömen ohne Unterlass in die kleinen Boote. Trotzdem bekommen wir noch Platz in einem der Boote. Unser Kapitän scheint es besonders eilig zu haben. Wir sehen die anderen Boote nur langsam tuckern, während Gonzalo seinen Gästen auch beweisen möchte, dass er einen 200 PS-starken Außenborder hat. Mit waghalsigen Überholmanövern prescht er durch das Dickicht an den schleichenden Booten vorbei. Nur wenn er etwas Sehenswertes entdeckt legt er eine Vollbremsung hin, wie zum Beispiel bei den sich sonnenden Krokodilen. Wir atmen auf, als keiner über Bord gegangen ist, denn die vielleicht hungrigen Reptilien warten mit offenen Mäulern in der Sonne auf Schiffbrüchige. Für die Touristenmassen am Bootsanleger ist die Insel dann aber doch wieder ganz entspannt. Der Strand ist leider nicht weiß, wie wir es von der Karibik bis jetzt gewöhnt waren, sondern tief schwarz und die Strömung so stark, dass man nicht viel tiefer als bis zur Brust ins Wasser möchte. Zum Baden also nicht der beste Platz und deswegen erkunden wir einfach ein Wenig das Dorf und die umliegende Natur.

Am Abend sind wir uns noch nicht ganz sicher ob wir uns am nächsten Tag eine Tour durch den Nationalpark buchen wollen. Der Park soll ziemlich beeindruckend sein; andere Nationalparks, so wird berichtet, seien aber noch interessanter.
Als wir am nächsten Morgen aufwachen sind wir uns sicher, heute bestimmt nicht in den Park zu gehen. Auf dem schützenden Terrassendach schüttet es in Eimern und die Zelte einiger Camper fegen über den Strand. Wie gut, dass uns die Entscheidung so leicht abgenommen wurde. Auf dem Weg zum Bootsanleger sind wir schon wieder komplett durchnässt. Kaum sitzen wir im Boot, auf dem die Passagiere mit einer Plastikplane vor dem Unwetter geschützt werden, kramen wir uns die halbwegs trockengebliebenen Kleidungsstücke aus dem Backpacker zusammen. Leider haben wir nicht wieder Gonzalo als Kapitän und unser heutiger Bootsführer ist die Ruhe in Person. Es regnet in Strömen, die Schraube am kleinen Außenborder ist halb kaputt und für die Fahrt brauchen wir fast die doppelte Zeit.IMG_7074

Am Auto angekommen, schiebt sich aber auch schon wieder die Sonne vor die Wolken und aus dem Unwetter wird wieder drückende Hitze. Auch Lola hat sich von dem Regen nicht wirklich abgekühlt und die Luft im Auto steht. Mit geöffneten Fenstern und Fahrtwind, kann man es aber zum Glück nach ein paar Minuten wieder aushalten, also bloß nicht anhalten!
Kurz nach vier finden wir uns in Managua wieder, diesmal aber in einem kleinen Vorort. Denn hier wohnt Kathy, der wir unser Kommen schon angedroht haben. Mittlerweile ist sie schon mehrere Monate bei sozialen Projekten in Costa Rica tätig. Kurz nach fünf kommt sie mit ihrer Gastfamilie von einem Familienbesuch wieder. Schon bei der ersten Begegnung begrüßt uns ihre freundliche Gastfamilie, als wären wir alte Freunde. Nach einem Kaffee und selbst gebackenem Osterzopf, fahren wir zusammen mit ihren Freunden zum Fußball.
Wir haben schon viele fußballverrücktere Länder auf unserer Reise kennengelernt. Es aber nun das erste Fußballspiel auf dieser Reise, das wir uns im Stadion angucken. Anders als in Europa oder auch 2011 in Argentinien, haben wir hier im Stadion des costa-ricanischen Erstligisten das Gefühl, fast direkt mit auf dem Platz zu stehen. Denn Fans und Spieler trennen nur wenige Meter und ein kleiner Zaun. Nach dem Spiel sitzen wir noch lange zusammen und unterhalten uns über die Schulzeit, die wie es scheint, schon so lange zurückliegt und die bisherigen Auslands-
erlebnisse.

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Am nächsten Morgen dauert das Frühstück etwas länger als geplant, wir bekommen noch etliche Tipps und vor allem Warnungen der Gasteltern mit auf den Weg. Die Welt ist kleiner als man denkt und auch am anderen Ende der Welt trifft man immer wieder bekannte Gesichter. Vielen Dank für die lustigen Stunden und die Gastfreundschaft, die wir einmal mehr auf unserer Reise erleben durften.

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