Fiesta de la Patria

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16. September 2014, Bariloche – Osorno – Valdivia, Nach dem Frühstück machen wir uns auch direkt auf den Weg in Richtung chilenischer Grenze. Noch einmal sehen wir Bariloche von der anderen Seite des Sees Huaí, nach gut einer Stunde sind wir auch schon an der Grenze. Wie gewohnt geht es relativ schnell aus Argentinien heraus, anders aber die Einfahrt nach Chile.

Die Grenzbeamten durchsuchen das gesamte Fahrzeug, jedes Fach wird auseinander genommen. Vor allem unsere Lebensmittel werden genauestens kontrolliert, denn Chile meint, argentinisches Essen sei verseucht. Wir sind gespannt was alles gefunden wird, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch haben wir extra gut versteckt, die Spannung steigt. „Habt ihr Honig dabei?“, fragen uns die beiden Frauen, die unser Auto kontrollieren. Max scheint auf mysteriöse Weise fast sein gesamtes Spanisch verlernt zu haben – was ist denn noch mal Honig? Aber auch dieser alt bewerte Trick funktioniert heute leider nicht ganz. Den leckeren Honig, den wir erst vor einigen Tagen in El Bolsón gekauft haben, müssen wir abgeben. Genauso wie Mais und eine halbe Zwiebel, die noch im Kühlschrank lag. „Mehr haben wir nicht dabei, glaube ich!“, erklärt Alessandro den Beamten, in einem unsicheren Ton, denn eine Strafe wollen wir auch nicht riskieren. Aber wir haben Glück, der Rest wird nicht gefunden. Die Hauptkontrolle jetzt aber endlich abgeschlossen, besteht ein anderer Beamter noch darauf einen Blick in unsere Dachbox zu werfen. Kein Problem für uns, die Gummistiefel kann er gerne sehen. Max schließt sie auf, doch als der ältere, gebeugt gehende Mann realisiert, dass er für diese Kontrolle die Heckleiter hinaufklettern müsste entscheidet er sich doch lieber spontan um. Nach einer Sprosse steigt er wieder hinunter und winkt ab: Alles in Ordnung. Nach dieser ausgiebigen Kontrolle werden wir nun endlich durchgewunken. Im Auto fangen wir beide direkt an zu lachen – der Honig hat ja eigentlich eh nicht geschmeckt!

Jetzt kann es aber weitergehen. Rechts und links liegt noch ordentlich Schnee als wir den Andenpass befahren, bevor wir sogar durch ein Stück valdivianischen Regenwald fahren. Anders als die argentinisch-patagonische Steppe wirkt die Gegend vor Osorno auf uns wie eine grüne Oase. Grüne Wiesen, weidende schwarz-weiße Milchkühe und europäisch wirkende Dörfer – haben wir uns verfahren und sind zurück in Deutschland? Das chilenische Seengebiet ist ähnlich wie der Umkreis von Bariloche stark europäisch Geprägt, bis zu 70 Prozent der Bevölkerung sollen hier sogar deutsch oder zumindest deutschstämmig sein, da ist es kein Wunder das auch der erste Eindruck sehr europäisch ist.

Anders als das Umland wirkt Osorno auf uns nicht sonderlich schön. Doch die auch die vollgedrängten Straßen der Stadt haben ihren Reiz. Auf die Empfehlung eines Einwohners besuchen wir Armin Schmidt, der vor einigen Jahren von Bayern nach Chile gezogen ist und jetzt eine kleine Hausbrauerei am Fuß des Vulkans in Osorno betreibt. Als wir auf den Brauereihof rollen fragen wir uns warum wir sie nicht schon auf der Fahrt nach Osorno gesehen haben, den den Zaun des Anwesens schmücken einige Fahnen des Freistaats Bayern. Im Hof stehen einige Bierzeltgarnituren und das Restaurant hat einen typisch alpenländischen Flair. Anders als erwartet begrüßt man uns an der Rezeption jedoch nicht auf bayrisch: Eine urige Chilenin fragt uns nach unserem Wohlbefinden. Als sie uns gerade erklärt, dass der Braumeister Armin wahrscheinlich gar nicht da ist, kommt er zur Tür herein. „Seid ihr die mit dem coolen Van?“, fragt er uns scheinbar erfreut über den deutschen Besuch. Zusammen mit Armin probieren wir seine eigenen Brauerzeugnisse, alle lecker und sehr aromatisch, aber ganz besonders hat uns sein Bockbier überzeugt. Wir bleiben noch auf eine herzhafte und üppige Pfanne. Armin berichtet uns über seine Anstrengungen ein möglichst deutsches Wirtshaus zu führen, wie schwer es sei sensibles Personal zu finden und deutsches Essen zu kochen.

Gut gestärkt machen wir uns dann doch noch heute auf den Weg nach Valdivia, denn eigentlich wollen wir hier heute noch den Besitzer und den Braumeister der Kunstmannbrauerei besuchen, deswegen müssen wir uns zügig auf den Weg machen. Von Osorno ist es auch nur noch eine gute Stunde Fahrt bis nach Valdivia. Auch wenn die beiden heute nicht mehr da sind, finden wir vor der Brauerei, abgelegen vom Zentrum, einen guten Parkplatz vor der Brauerei.

17. September 2014, Valdivia – Santiago de Chile, Der Geruch der aus dem Sudhaus steigt und langsam in den Wagen zieht lässt uns aufwachen. Doch für ein Bier ist es wohl um kurz nach neun noch zu früh, auch wenn langsam die ersten Tagestouristen vor dem Restaurant, das noch fast 3 Stunden geschlossen ist ihre Nasen platt drücken. Wir frühstücken erstmal in Ruhe und schauen uns dann um. Doch auch heute sind weder Chef noch Braumeister da. Fast kein Wunder, denn in Chile macht sich der Ausnahmezustand breit. Alles bereitet die nächsten Tage vor, die Nationalfeiertage schlecht hin und so machen auch wir uns auf den Weg nach Santiago.

Von Santiago trennen uns noch einige hundert Kilometer, aber auf dem Weg gibt es nicht sonderlich viel zu entdecken. Nach zwei Stunden Fahrt machen wir Halt. Auf einem LKW Platz machen wir Rast und drehen die Gasflaschen auf: Jetzt wird gekocht. Aus Zeitmangel heute aber kein großer Schnickschnack sondern einfach nur Nudeln mit Soße. Einfach, lecker und schnell.

Der Innenstadt von Santiago sehen wir sofort an, dass hier etwas besonderes bevorsteht, überall stehen Polizeiblockaden und Militärwachen. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fahren wir lieber wieder ein Stück aus der Stadt, denn für uns ist es schwer einzuschätzen was wir hier genau morgen Vorfinden werden. Die Tankstelle an der wir vorher bereits getankt haben, bietet sich für uns an, hier scheint es einigermaßen ruhig zu sein, trotzdem ist sie nicht zu weit außerhalb gelegen. In den Straßen hören wir noch ein paar Betrunkene pöbeln bevor wir einschlafen.

18. September 2014, Santiago de Chile (Fiesta de las Patrias), Beim Aufstehen scheint uns die Stadt erstaunlich ruhig dafür, dass heute alles auf dem Kopf stehen soll. Gut das wir bei der Tankstelle Internet haben denn beim Frühstücken erreicht uns eine Email einer Freundin die selber in Santiago wohnt. Den Kontakt zu Ihr haben hat ein guter Freund von Max Vater aus Deutschland hergestellt. An dieser Stelle vielen Dank für die große Unterstützung entlang der Reise!

Francisca lädt uns ein, den Nationalfeiertag zusammen mit ihrer Familie bei sich zuhause mit einem Asado zu feiern. Froh über die Einladung machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zu ihr, dafür müssen wir noch einmal quer durch die ganze Stadt. Auf dem Weg finden wir noch einen offenen Blumenladen und besorgen eine kleine Aufmerksamkeit. Nach fast einer Stunde Fahrt durch die Straßen Santiagos sind wir mittlerweile auch am anderen Ende der Stadt angekommen. Als wir durch die kleine Nebenstraße fahren begrüßen uns direkt die beiden Wachhunde von Francisca mit lautem Gebell. Erfreut über unser Kommen beruhigt sie die Hunde und bittet uns herzlich ins Haus. Im Haus sind die Vorbereitungen für das Mittag schon im vollen Gange. Zusammen mit ihrer Mutter werden Empanadas und Salate vorbereitet, während ihr Mann im Innenhof die Kohle zum Grillen anheizt. Francisca überrascht uns mit ihrem perfekten Deutsch, man merkt gar nicht, dass sie Santiaguina ist, genauso könnte sie aus Hannover kommen. Sogar ihr siebenjähriger Sohn Martín spricht schon erstaunlich gut Deutsch. Sie verdonnert ihn dazu mit uns nur auf Deutsch zu reden um seine Sprache zu verbessern, doch er spricht gerne Deutsch und versucht uns alles zu erklären. Beim Essen wird dann aber wieder Spanisch geredet, über Chile, die Feiertage und unsere Reise.

Auch Francisca rät uns davon ab direkt in der Stadt zu parken, vor allem diese Tage ist es dort nicht sonderlich sicher. Direkt vor ihrem Haus sollte es aber keine Probleme geben. Zur Sicherheit bittet sie noch den Securitybeamten nachts ein Auge auf unsere Lola zu werfen. Beruhigt machen wir uns mit einem Linienbus auf den Weg ins Stadtzentrum, denn die großen Fondas wollen wir uns nicht entgehen lassen. Je näher wir dem Park kommen, desto größer wird auch die Menschenmasse mit der wir uns treiben lassen. Immer deutlicher hören wir Musik und Getöse. Die anderen hatten recht, in Santiago ist heute doch nicht so tote Hose wie schon fast vermutet. Unmengen von Menschen drängen sich auf das Parkgelände, welches von Polizei und Militär abgetrennt und bewacht wird. An kleinen Ständen probieren wir uns durch chilenische Köstlichkeiten – Süßspeisen, Marmeladen, Wein, Bier und Spirituosen. Auf Tanzflächen wird Cueca getanzt, der Nationaltanz der Chilenen. Zu der Livemusik wird mit einem Stofftuch in der Luft herum gewedelt und rhythmisch aufgetreten. In der Mitte des Parks ist eine große Bühne aufgebaut auf der andere Livebands ihr Programm vortragen, auch hierzu tanzen die Chilenen ausgelassen. Vielleicht hat die Ausgelassenheit auch etwas mit dem Terremoto (zu Deutsch Erdbeben) zu tun: Ein Weißwein-Eis-Getränk, das von den Chilenen an diesen Tagen auch gerne mal in Unmengen konsumiert wird. Auf unserer Probiertour dürfen wir auch nicht die typischen frittierten Empanadas mit Garnelen auslassen, genauso wenig wie die Fleischspieße mit Gemüse. Satt vom Asado bei Francisca und den verschiedenen Köstlichkeiten im Park holen auch wir uns einen Terremoto und genießen die ausgelassene Atmosphäre vor der Bühne. Auf dem Rückweg vom Park taumelt an uns der ein oder andere Chilene vorbei, wenn er noch nicht wie ein anderer auf dem Grünstreifen ein Nickerchen macht. Da es mittlerweile schon Nacht ist müssen wir noch ein bisschen durch die Straßen irren bis wir endlich die richtige Bushaltestelle gefunden haben, bei der rund um die Uhr die Busse anhalten.

19. September 2014, Santiago de Chile (Militärparade) – Vina del Mar, Als wir uns auf den Weg machen möchten scheint noch keiner von Franciscas Familie aufgestanden zu sein. Da wir auch nicht zu spät bei der Militärparade ankommen möchten, entscheiden wir uns nicht zu warten, ohnehin kommen wir in ein paar Tagen ja noch einmal wieder und können uns noch mal bedanken. Also schreiben wir ihr kurz eine Nachricht und fahren abermals ins Zentrum. Heute zu dem Park O´Higgins indem später die große Militärparade stattfinden soll. SONY DSCLola lassen wir sicherheitshalber ein Stück entfernt auf einer Tankstelle stehen, nachdem wir sie noch kurz gewaschen haben. Zu Fuß zum Park gehend befinden wir uns direkt wieder in einer großen Menschentraube. Essen, Spielzeug und allerlei Kleinigkeiten werden von Straßenverkäufern angepriesen und an die Menge verkauft. Wir sparen unsere letzten Pesos für später auf und genießen für den Moment nur das bunte Treiben. Der Eintritt in den Park ist stark bewacht, hier beginnt die Sicherheitszone. Der Park ähnelt einem riesigen Jahrmarkt und einer gigantischen Picknickwiese. Etwas abgelegen haben sich Familien ihren Platz gesichert, sie grillen, kochen auf Gaskochern und campen in Zelten, alles direkt im Park. Die einen grillen in leeren Einkaufswagen, andere Verkaufen kleine Küken, zum Züchten und Verschenken. Blaskapellen, Pferdekutschen und Scharfschützen; Chile scheint mit so gut wie allem aufzutrumpfen. Über uns fliegen Düsenjets, Bomber und Hubschrauber. Nach ein paar Stunden haben wir genug gesehen. Auch wenn wir noch gerne länger bleiben würden, beeilen wir uns, vor dem Ende der Parade aus dem Park zu sein. Wenn nicht, könnte es sein, dass wir einige Stunden auf dem Weg nach Valparaíso im Stau stecken bleiben.

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