Die Nacht des Schreckens!

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05.04.2015 – 07.04.2015;Puerto Jiménez, Drake, Uvita; „Jetzt aber auch schnell weiter!“, denken wir, als es wieder einmal später ist als geplant und wir uns auf der Hauptstraße Richtung Pazifik befinden. Durch den Besuch von Leo machen wir einen kleinen Zickzackkurs durch Costa Rica. Wir fahren wieder ein Stück zurück zu der panamaischen Grenze. Denn der Nationalpark Corcovado soll eine größere Tierwelt zu bieten haben, als so mancher Zoo und das Ganze dann auch noch ohne Gehege. 

Das Dorf Puerto Jimenez ist der Hauptausgangspunkt für die Touren in den Nationalpark, den man nur mit einem Guide besuchen darf. Also buchen auch wir uns eine Tour, doch wir können uns den Transfer nach Drake sparen, von dort aus unsere Tour am nächsten Tag per Boot losgeht. Denn wir sind mit Lola ja recht mobil. Zwar haben wir kein Allrad, aber nach der Uyuni-Tour in Bolivien trauen wir uns so ziemlich jede Offroad-Tour auch mit Lola zu. Zumindest kann man es ja probieren. Und auch dieses Mal haben wir es geschafft, das heißt, Lola hat es geschafft; durch die knietiefen Flüsse und über holprige Ackerpisten. Auch wenn wir vielleicht etwas länger gebraucht haben.
Leider gibt es hier so einen richtigen Campingplatz nicht, also parken wir mit einem leicht mulmigen Gefühl an einem Aussichtspunkt. Alle Wertsachen gut versteckt und einen Spalt der Autotür für Alessandro offen gelassen, der im Zelt schläft, gehen wir schlafen und hoffen auf eine entspannte Nacht, um morgen früh wieder fit für unsere Tour zu sein.

Gegen zwei Uhr morgens springt Max, wie von der Tarantel gebissen, aus dem Bus. Zunächst glaubt Leo, der auch im Auto schläft, Max wolle ihn veräppeln. Doch schnell bemerkt er, dass es nicht Alessandro ist, der vor Lola auf der Bank hockt und ins Auto starrt.
Hektisch klopft Max gegen das Zelt. Auch Alessandro fühlt sich erst wie im falschen Film, bis er realisiert, dass sich tatsächlich ungebetener Besuch eingefunden hat. Noch ist nicht klar, was der deutlich angetrunkene Einheimische von uns möchte. Als er sagt, er würde hier wohnen, denken wir anfangs, wir hätten einem Obdachlosen seinen Schlafplatz geraubt. Doch er macht auch keine Anstalten wieder gehen, lallt Unverständliches und so wirklich wissen wir nicht sein Verhalten einzuordnen.
Als er dummerweise unsere leichte Unsicherheit spürt, springt er auf. Angespannt beobachten wir jede seiner Bewegungen, ohne wirklich zu wissen, wie wir jetzt handeln sollen.

IMG_7678 „Ich mache doch nichts!“, lallt er. – Aber was will er dann noch hier. Ein unwohles Gefühl macht sich bei uns breit. Der Fremde ist nicht einzuschätzen. Die Situation nimmt an Anspannung zu, als er anfängt, sich langsam an seinem Rucksack zu schaffen zu machen und wiederholt beteuert, er hätte auch gar nichts dabei. „Das war’s!“, denken wir drei und machen uns darauf gefasst, gleich mit einem Messer, einer Machete oder gar einer Pistole bedroht zu werden.
Vielleicht gibt er sich mit einem Portemonnaie zufrieden oder einem Handy, der Kreditkarte oder sogar mit ein bisschen Bargeld. Durch unsere Köpfe schwirren die absurdesten Vorstellungen, als er ruckartig seinen Rucksack aufreißt.
Doch er holt nur sei eigenes Portemonnaie heraus und zeigt seinen leeren Beutel. Ein Stein fällt uns vom Herzen, denn jetzt bleibt ihm im schlimmsten Szenarium nur seine eigene Kraft. Zum Glück trifft aber noch nicht einmal das ein. Er streckt uns die Faust entgegen und als wir die Bewegung freundschaftlich erwidern, gibt er sich zufrieden. Sagt noch, er würde jetzt zu einer coolen Party gehen und verschwindet genauso schnell in der dunklen Nacht, wie er aufgetaucht war. Auch wenn mal wieder alles gut gegangen ist, vom wilden Campen haben wir ab jetzt für Mittelamerika genug. „Was wäre gewesen wenn?“, geht uns noch durch den Kopf, während wir jetzt doch zu dritt im Auto liegen, alle Türen 150% verriegelt und die Taschenmesser griffbereit deponiert haben. Selbst die Fenster sind verschlossen. Es ist nicht nur unglaublich eng, sondern auch noch erdrückend heiß. Doch das ist uns jetzt allen absolut unwichtig. Wenigstens fühlen wir uns jetzt sicher, zumindest mehr oder weniger.IMG_7236

Dass wir am nächsten Morgen weniger ausgeschlafen sind als sonst, wundert uns nicht wirklich. Recht gerädert trotten wir im Halbschlaf zu dem verabredeten Treffpunkt für unsere Tour. Der Fahrtwind vom Boot, die angeregten Unterhaltungen an Deck und das kalte Wasser lassen uns dann zum Glück aber doch noch ganz aufwachen. Der Corcovado soll ein ganz besonders tierreicher Nationalpark sein und macht schon bald seinem Ruf alle Ehre. Wir sind noch nicht mal an Land, da schon kreuzt ein Tapir den Strand.
Unser Guide führt uns durch das Unterholz, ab und zu über angelegte Pfade, dann wieder durch jungfräulichen Urwald. Und der Tapir sollte nicht der Einzige bleiben. Auf einer kleinen Lichtung grast ein weiterer, der eigentlich mehr wie eine Kreuzung aus Nilpferd und Schwein aussieht, doch unser Guide erklärt uns, dass Tapire am nächsten mit Pferden verwandt seien. Wer hätte das gedacht? …

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Ein Brüllen lässt uns aufschrecken. Aber es ist keine Gefahr in Sicht, bloß ein paar Brüllaffen, die direkt über unseren Köpfen von Baum zu Baum schwingen. Bei einem Schrei, der so laut sein kann wie ein Triebwerk, erwarten wir Affen in der Größe eines Gorillas. Doch wieder haben wir uns getäuscht, die Affen ähneln eher Herrn Nilsson, dem kleinen Hausäffchen von Pipi Langstrumpf, als einem Gorilla. Ab jetzt sehen wir immer wieder Affen in den Bäumen, Giftschlangen in Gebüschen und etliche Nasenbären, die, damit sie sich nicht verlieren, ihren Schwanz zur Orientierung kerzengrade in die Höhe strecken.
Kein Zaun trennt uns von der Tierwelt. Wir sind einfach mitten im Urwald und sämtliche Tiere meist nur wenige Meter, teils zum Anfassen nah, von uns entfernt. Der Guide zeigt uns ein Spinnennetz, dass die Amerikaner für schussfeste Westen im Format einer Brusttasche nutzen wollen. Als er zur Demonstration seine Hand schnell gegen das Netzt haut, geht das Netz nicht wie kaputt, sondern seine Hand wird zurück geschleudert, ohne am Spinnennetz auch nur einen kleinen Schaden zu verursachen. Vorsichtig zupfen auch wir an einem Faden, denn die Handteller große Spinne späht schon aus sicherer Entfernung zu uns rüber. Der Faden fühlt sich nicht wie „normale“ Spinnweben, sondern eher wie eine dünne Gitarrenseite an.

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Als wir gerade ganz in Ruhe das Faultier zwischen den Ästen suchen, hören wir hinter uns aus dem Dickicht ein lautes Klappern. „Wildschweine!“, lächelt unser Guide und winkt unsere Gruppe vom Trampelpfad in den Regenwald. Wir haben mehr Glück als die Gruppen sonst, erklärt er uns, denn vor uns sind nicht nur ein paar Exemplare, sondern gleich eine ganze Horde. Unterschätzen sollten wir sie nicht, denn die Wildschweine seien unglaublich aggressiv. Während wir die Horde vor uns beobachten, werden wir aber auch noch von hinten umkreist. Schließlich finden wir uns von Wildschweinen eingekesselt wieder. In null Komma nichts sind wir von 100 bis 200 Wildschweinen umkreist. Wir haben das Gefühl, dass sie uns zähneklappernd immer näher kommen, doch weglaufen hat keinen Sinn, also harren wir aus. Am Anfang war es noch ganz lustig, doch langsam ist die Situation etwas angsteinflößend. Nach ungefähr 20 Minuten ziehen die ersten Wildschweine zurück in den Wald, jetzt können wir erst einmal durchatmen.

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Auf dem Rückweg zum Strand sehen wir wieder unglaublich viele Vogelarten und Affen in den Bäumen, die uns beobachten, als seien auch wir für sie eine besondere Attraktion.
Am Strand ist für alle ein Essen vorbereitet, denn nach mehreren aufregenden Stunden im Urwald wird es langsam Zeit für eine kleine Stärkung.
Als wir wieder im Boot sitzen und noch eine gute Stunde Fahrt vor uns haben, holt uns die letzte Nacht ein und wir fallen, gut gestärkt mit vollem Magen in ein Suppenkoma. Nur ein kühles Bad im Meer kann uns davon abhalten einen Mittagsschlaf im Halbschatten zu nehmen. Aber noch eine Nacht auf dem Aussichtspunkt wollen wir uns bestimmt nicht gönnen und so fahren wir zurück zur Panamericana und freuen uns in Uvita, auf dem sicheren Campingplatz, auf dem Max und Alessandro schon auf dem Weg von der Grenze nach San Jose Rast gemacht haben, zu stehen. Hier werden wir bestimmt keinen ungebetenen Besuch bekommen.

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One comment

  • Hey Jungs, wo seid ihr jetzt genau?? Schon in California, San Fran? Werde aus der Karte nicht ganz schlau zu eurem momentanen Aufenthaltsort !Wollte euch die Kontakte der Freunde dort schicken. Sorry das wir uns so lange nicht gemeldet haben. Abrazos und liebe Grüße sus Santiago von Bea, Kai und Tim

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