Author Archives: springhunters

Mit bolivianischen ‚Kumpels‘ unterwegs

IMG_2356

19.10.2014 – 21.10.2014, Potosí; Es ist der verblasste Prunk der silbernen Zeiten, der der Minenstadt den unbeschreiblichen Reiz verleiht. Dynamit zum Preis von Polenböllern und Alkohol mit 96% gehören hier zu der Grundausstattung der Minenarbeiter, deren derzeitige Arbeitsverhältnisse sich seit dem Silberrausch von 1545 nicht verbessert haben. Auch wenn das Silbervorkommen des Cerro Rico (zu deutsch: reichem Berg) schon lange nahezu erschöpft ist, bietet die Minenarbeit aber immer noch die mit Abstand besten Einkünfte für die Bevölkerung.

IMG_2371

Die Aussicht vom Kloster auf den mit Häusern gepflasterten Berg von Potosí

Wir erreichen Potosí des Nachts. Nach einem kleinen Anstieg liegt die ehemals reichste Stadt Amerikas im Tal vor uns. Immer wieder werden wir winkend und euphorisch begrüßt, Lola scheint den Einheimischen zu gefallen. Wenn auch manche unser Gefährt eher skeptisch begutachten, fühlen wir uns direkt wohl in der höchsten Stadt der Welt, die früher auch zu den größten der damaligen Welt gehörte. Lola parken wir einfach direkt am komplett belichteten Hauptplatz vor der Polizei. Von Bolivien haben wir schon viel Gutes gehört, was günstige Essenpreise angeht. Auf dem Weg nach einem Happen bolivianischem Essen werden wir von einem Bistro ins andere geschickt, denn um fast elf Uhr sind die Straßen nahezu leergefegt und alles beginnt zu schließen. Unsere verzweifelte Suche führt uns in eine kleine Seitenstraße, in der aus kleinen Blechhütten zu mindestens genauso kleinen Preisen Hamburger ähnliche Sandwiches verkauft werden. Wir beide bestellen erst einen zum Testen, doch danach direkt den zweiten. Nachdem wir uns mit je zwei Hamburgern plus Pommes gestärkt haben, sind wir gerade einmal zwei Euro leichter und schlendern zurück zu Lola.

Auch wenn die Minentour vielleicht nicht jedermanns Sache sein mag, wollen wir uns dieses einmalige Erlebnis, die vielleicht gefährlichste Mine der Welt zu besuchen, nicht entgehen lassen. In der Stadt fragen wir uns auf der Suche nach der besten Agentur durch und stoßen letztendlich auf Ronaldo, einen ehemaligen Minenarbeiter. Für den nächsten Tag verabreden wir uns kurz nach acht Uhr an der Ecke der ehemaligen Münzprägerei. Pünktlich warten wir auf Ronaldo, der noch drei andere Reisende mit auf unsere Tour mitbringt. In einem alten Bus kämpfen wir uns die hüglige Stadt hinauf und sind froh, das nicht nur Lola die Höhe und Steigung zu schaffen macht. „Da sind wir beim roten Haus!“. In einem kleinen Innenhof stellt uns Ronaldo seine beiden Kumpel vor, die uns mit begleiten werden und rüstet uns mit etwas veralteter Sicherheitskleidung aus. Ein paar Gummistiefel und ein zwanzig Jahre alter Helm sollen uns vor den Gefahren der Unterwelt bewahren. Zum Schutz vor dem Staub gibt er jedem noch eine leichte Schutzhose und -jacke. Von nun an sind wir die „Sexy Miners“ spaßt Ronaldo und schickt uns zurück in den bolivianischen Bus.

IMG_2327

Nach einer aufregenden Minentour die verdiente Aussicht auf Potosí vom Cerro Rico

Nächster Halt Mineralientrennstation. An dem Lehmhaus lehnt ein eingestaubtes Warnschild – „Zugang nur für Mitarbeiter“. Ignorieren wir es einfach und stratzen in die auf drei Etagen aufgebaute Mineralienwaschstation Hoch giftige Chemikalien spritzen hier durch den engen Raum, in deren Ecke ein Bolivianer Kokablätter verschlingt und hastig an seiner filterlosen Zigarette zieht. Zigaretten sind ja wohl das geringere Übel, teilt er uns auf besorgte Nachfrage hin mit. Auf dem Weg zum Arbeitermarkt versperren uns vier Schweine die Straße, die wir kurzerhand zur Seite scheuchen. Der dunkle Raum in dem wir stehen, ist gefüllt mit allerhand Arbeitsmitteln, zu denen wohl auch der 96%ige Alkohol gehört. Nach einem kleinen Schluck dreht sich unser Magen im Kreis und uns wird klar, wer das trinken muss, um arbeiten zu können, arbeitet unter schlechtesten Verhältnissen. Im Anschluss spielen wir mit dem weichen Dynamit, auf den Bodenwerfen wie Knallfrösche führt zu keinem Erfolg. Für gut zwei Euro können wir einen kompletten Sprengsatz legal erwerben: Dynamit, Verstärker plus Lunte in einer Plastiktüte verpackt für die Arbeit unter Tage. Alessandro kauft sich noch einen Mundschutz und für uns beide eine große Tüte Kokablätter, die uns vor Atemnot in der Unterwelt behüten sollen. Bepackt mit unserer Ausrüstung und den Geschenken für die Minenarbeiter fahren wir weiter zu einem Mineneingang. Schnell schlüpfen wir durch ein Loch im Zaun und mischen uns unter die Arbeiter, die rauchend, trinkend und Kokablätter kauend ein paar Minuten frische Luft genießen, bevor sie zurück unter Tage müssen. Rechts neben uns liegen kaputte Grubenwagen, rechts können wir in die Behausungen der Arbeiter blicken. Auf leicht feuchtem Steinboden liegen dutzendweise kaputte Matratzen und zerschlissene Decken, die für unser Verständnis unmenschlichen Verhältnisse lassen uns schaudern. Die Arbeiter begrüßen  uns nett und freundlich, sie wissen, dass sie auf Besucher angewiesen sind. Die wenigen Euro, die wir für Geschenke ausgegeben haben, bedeuten für sie Lebensgrundlagen. Ein Normalverdiener in der Stadt verdient um die 100 US$, in der Mine können – es ja nach Fund – bis zu 400 US$ werden. Dieser Lohn muss meist für gesamte Familien reichen. Trotz der günstigen Lebensunterhaltungskosten in Bolivien reicht der Lohn allerdings nicht für eine nach unserem Verständnis menschenwürdige Lebensführung. Wir treffen Väter, die selbst mit ihren 12-jährigen Söhnen unter Tage gehen und unter Tränen keine andere Überlebenschance für die Familie sehen, wenn die Kinder nicht mit arbeiten kommen. Frauen bringen Unglück unter Tage, aber Witwen von Minenarbeitern versorgen die Arbeiter und oft deren Söhne mit Essen. Unser Spanisch hilft uns hier nur teilweise weiter, denn die Vielzahl spricht Quechua, ihre indigene Sprache. Wir wagen uns mit Ronaldo in die Höhle des Teufels, hier Kilometer unter der Erdoberfläche wird der Teufel „Tío“ (Onkel) angebetet. Dies soll verhindern, dass noch mehr Mineros (Minenarbeiter) von dem Gestein verschluckt werden. Er wird mit Gaben in Form von Alkohol, Zigaretten und Koka gnädig gestimmt. Auch wir dürfen Teil einer dieser Zeremonien sein, bevor wir weiter ins Innere laufen, um nicht von einem der Wagen erwischt zu werden. Mindestens zwei Tonnen Gestein werden mit um die drei Mann aus tiefster Tiefe geschoben. Es wird kälter oder es ist nur der Schauer, der uns über den Rücken läuft während wir schwitzend und kurzatmig in die Mine klettern. Unter Tage werden wir zu den verschiedenen Arbeitsstellen gebracht. Oft ist es nur ein schwerer Hammer und eine Eisenstange, die die Minenarbeiter zur Verfügung haben, um Löcher für Dynamit in die harte Felswand zu rammen. Mit einem Schlagbohrer probiert auch Alessandro die harte Arbeit aus, gibt jedoch nach einigen Minuten erschöpft auf. Nach circa zwei Stunden kämpfen wir uns Stück für Stück wieder aus der stockfinsteren Umgebung nach oben. Doch der Ausgang ist versperrt, ein voll geladener Karren ist von den teils zerstörten Schienen abgekommen und zur Seite umgekippt. Nach minutenlanger schweißtreibender Arbeit ist der Weg jedoch wieder passierbar. Immer wieder springen wir fluchtartig in einen Tunnel, wenn die tonnenschweren Karren an uns vorbei geschoben werden. Endlich über Tage angekommen, sind wir froh, wieder saubere Luft atmen zu können und Tageslicht zu sehen.
Diese Tour war eine eigentlich unbeschreibliche Erfahrung, die uns nicht nur auf Grund des Sauerstoffmangels den Atem hat gefrieren lassen. Unsere Kleidung streifen wir ab und sind trotzdem noch komplett silberschimmernd eingestaubt. Der einzige Weg zu einer Dusche führt uns in die Sauna der Minenarbeiter. Das kalte Wasser wäscht zwar den Dreck ab, aber was wir gesehen und erlebt haben, werden wir so schnell jedoch nicht wieder vergessen können.

„Macht euch nicht unglücklich“ – 700 Kilometer im 2. Gang; Wellblech, Sand, Steinbruch und Salz soweit das Auge reicht

IMG_2118

14.11.2014 – 18.11.2014, Uyuni; Lange haben wir geplant und recherchiert über welchen Pass wir nach Bolivien und vor allem auf den Salzsee bei Uyuni fahren wollen. Immer wieder stand die einfache Strecke von Norden kontrovers zur schönen aber halsbrecherischen Strecke im Süden.

Wir hätten einen zu langen Radstand, eigentlich sei Lola viel zu tief und überhaupt seien die Reifen zu dünn und der Motor zu schwach – „Macht euch nicht unglücklich“, hieß es noch wenige  Tage zuvor von anderen Reisenden auf dem Campingplatz in Cafayate, Argentinien. Doch trotz der Warnungen ist der Reiz der landschaftlich schöneren Strecke so groß, dass wir ihm nicht Wiederstehen können. Von grünen und roten Lagunen, schneebedeckten Vulkanen und heißen Thermen wurde uns berichtet und wir wussten, dass wir genau diese und keine andere Strecke fahren wollen.

Die Vorbereitungen für die Tour gehen schon einige Tage vorher in San Pedro de Atacama los. 5.000 Meter Höhe, keine Einkaufsmöglichkeiten und nächtliche Minusgrade warten auf uns jenseits der bolivianischen Grenze. Aber die Höhe bereitet nicht nur uns schlaflose Nächte, sondern auch Lola kämpft mit der sauerstoffarmen Luft. Bei anhaltender Steigung macht sich ein deutlicher Leistungsverlust spürbar und auch nach dem Anspringen zeigt der Motor auch noch ein paar Minuten keinen richtig runden Lauf. Letzten Endes scheint das Kühlerthermostat zu schwergängig, worauf wir auf unserer weiteren Fahrt von nun an verzichten werden und schrauben den Kühler kurzerhand ohne Thermostat wieder zusammen. Auch der Luftfilter bekommt nach über 15.000 Kilometern eine gründliche Reinigung verpasst. Doch San Pedro de Atacama ist ein kleiner touristischer Ort, der für uns leider nicht die passenden Ersatzteile bietet, so bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mit ächzendem Motor nach Calama in die nächst größere Stadt zu quälen. Auf der Fahrt nehmen wir spontan zwei Anhalter mit, die uns auf der circa einstündigen Fahrt mehr über die Region und Einwohner erzählen, aber vor allem auch Tipps geben, wie wir uns und Lola fit für die Weiterfahrt machen können. In Calama schickt man uns von Pontius nach Pilatus auf der Suche nach einem Ersatzteilladen, aber nach einer Stunde finden wir auch endlich die richtige Straße, rechtzeitig vor der Mittagspause. Bei Ric kaufen wir uns die beiden neuen Kraftstofffilter und finden letztlich bei Shell auch noch Kühlerfrostschutz. Jetzt haben wir so gut wie alles für Lola, fehlen nur noch unsere eigenen Einkäufe. Calama erinnert fast schon an Dubai, spaßen wir, als wir durch das Shoppingcenter schlendern, um die Touristenpreise in San Pedro de Atacama bei unseren Lebensmitteleinkäufen zu umgehen. Mit literweise Wasser, Nudeln und Reis decken wir uns für die Fahrt in das bolivianische Hochgebirge ein. Heute ist auch unser letzter Tag mit Charlie, denn für sie geht es von San Pedro de Atacama in den Süden ans Ende der Welt, nämlich nach Ushuaia.IMG_1691

Gut eingedeckt und vorbereitet auf unser Abenteuer, bringen wir Charlie am nächsten Morgen zum Busbahnhof. Genau drei Wochen war sie nun schon Teil des Teams und umso schwerer fällt uns heute der Abschied. Mit etwas Glück treffen wir sie in Peru wieder, wenn nicht, dann wahrscheinlich erst wieder in Deutschland. Wir geben Charlie noch eine Festplatte vollgepackt mit Bildern und Videos mit auf die Reise in die entgegengesetzte Richtung. Nachdem wir noch einmal eine erfrischende Dusche in den öffentlichen Bädern in der Atacama Wüste genießen, fahren auch wir erst einmal zurück Richtung Argentinien.
Haufenweise Volkswagen- und Audi-Testfahrer kommen uns mit ihren Braunschweiger und Ingolstädter Kennzeichen entgegen gebraust. Nach knapp 50 Kilometern, die wir uns im 2. Gang auf über 5.000 Meter geschleppt haben, biegen wir rechts auf eine holprige Schottenpiste ab, denn von hier wollen wir nach Bolivien.
An der Grenzkontrolle bekommen wir einen Schock, als uns der bolivianische Grenzbeamte erzählt, dass uns das chilenische Ausreisedokument für Lola fehle. Immerhin wurde uns in San Pedro de Atacama mehr als nur einmal erklärt, dass wir keinerlei zusätzliche Dokumente benötigen würden. Da wir auf keinen Fall zurück nach San Pedro fahren wollen, um ein, unserer Meinung nach, überflüssiges Dokument zu besorgen, warten wir auf den Vorgesetzten. Um die Zeit effektiv zu nutzen machen wir Mittagspause, gerade fertig rollt auch schon der weiße Toyota Hilux vor die kleine Zollstation. Während wir unser Anliegen erklären wird draußen hektisch von bolivianischen Autos in chilenische umgepackt, um den Grenzübergang zu umgehen. Doch erstaunlicherweise sieht der übergeordnete Beamte kein Problem und füllt uns das benötigte Zolldokument für Lola ohne weitere Fragen aus. Anders als in Argentinien oder Chile fragt der bolivianische Zoll nicht nach Obst, Gemüse oder Drogen, sondern sucht einzig und allein neu gekaufte Artikel, um diese nachträglich verzollen zu können. Bei uns jedoch erfolglos. Glücklich, endlich alle Papiere zusammen zu haben, springt Lola an und rollt an der bolivianischen Flagge vorbei auf neues Staatsgebiet – Land drei, Bolivien.

Von jetzt an geht es vorwiegend bergab, noch wissen wir nicht, was uns für Straßen hier erwarten. Am Eingang zum Nationalpark werden wir vom Parkwächter mit einer weiteren unbrauchbaren Karte ausgestattet. Eingezeichnet sind zwei, drei Straßen, vor uns trennen sich allerdings die Reifenspuren in gefühlte tausend Richtungen. Herzlich Willkommen im Abenteuer. Mehr oder weniger können wir uns ausmalen wo lang wir fahren müssen und folgen einfach dem uns am plausibelsten Weg. Der Boden wird langsam aber sicher immer unbefahrbarer und der Sand wirbelt um das Heck vom Auto. Dank der erreichten Höhe ist es aber nicht mehr so erschlagend heiß, sondern eher frisch. Nach ein paar Kilometern erreichen wir unsere erste Referenz, die Laguna Verde. Um 17 Uhr würden wir laut dem Parkwächter dann die Laguna Colorada erreichen, wenn nichts dazwischen kommt. Doch gerade wenige Meter von der Lagune entfernt rattern wir in den Sand. Kein vor und zurück mehr, kein Zeichen von Fortkommen. Zeit für Klappspaten und Sandmatten. Mit Mühe und Not schaffen wir es, nach einer Stunde sage und schreibe 50 Zentimeter voran und fast genauso viel tiefer in den Sand zu geraten. „Macht euch nicht unglücklich“, stöhnen wir und buddeln weiter gen Asien. Doch nach weiteren 30 Minuten kommt die erhoffte Hilfe. Ein bolivianischer Guide tuckert gemütlich mit seinem Geländewagen voller Touristen durch die Landschaft. Hektisch winken wir und laufen dem Jeep entgegen, nachdem wir zuvor gekonnt von einem anderen ignoriert wurden. „Ich komme gleich mit ein paar Freunden, lass mich die Touri’s nur kurz zum nächsten Panoramapunkt fahren“, lacht er und düst davon. „Gleich?“, überlegen wir, „gleich jetzt oder gleich morgen?“. Doch es war ein gleich später gemeint und Miguel kommt tatsächlich mit ein paar Freunden. Das ganze Auto ist jetzt voller Bolivianer, die freudig und zugleich hektisch aus dem Auto springen. Wie im Chor brüllen sie Miguel Anweisungen entgegen, weiter vor, mit Kraft, komm schon. Doch nach 10 Minuten gibt Miguel auf, „ich kann das nicht!“, flucht er und lässt einen Freund ans Steuer, der uns direkt beim ersten Versuch aus der mittlerweile fast metertiefen Kuhle herauszieht. Miguel gibt uns noch den hilfreichen Tipp, auf der Hauptstraße zu bleiben, bevor die 6 Freunde schneller wieder wegfahren als sie gekommen sind. So stehen wir wieder da – Lola auf der vermeintlichen Hauptstraße – und hatten noch nicht einmal die Möglichkeit, uns gebührend zu bedanken. Trotzdem froh, wieder mobil zu sein, fahren wir weiter, solange es noch hell ist. Wir folgen einer schmählich beschriebenen Fahrradfahrer-Routenbeschreibung und kämpfen uns über die scheußliche Straße, dafür aber durch eine atemberaubende Landschaft.IMG_1674

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir eine kleine Therme. Die Laguna Colorada erreichen wir heute keines Falls mehr und so beschließen wir, einfach hier zu kampieren. Einen guten Stellplatz suchend, stoßen wir auf ein amerikanisches Pärchen aus Kalifornien, die auch gerade die bolivianische Andenregion mit ihrem eigenen Fahrzeug unsicher machen. Um Kameras, Computer und Handys wieder vollgeladen zubekommen, wird es heute das erste Mal Zeit für unseren Stromgenerator. Nach unzähligen kläglichen Versuchen springt das Moppel endlich an und erzeugt uns den erhofften 230 Volt Strom im Nirgendwo; dort, wo sonst keine einzige Glühbirne leuchtet. Während der Akkuladestand langsam steigt, legen wir uns in die Therme, gefolgt von drei Parkwächtern. Das Thermalwasser ist im ersten Moment unerträglich heiß, doch nur wenige Sekunden später gewöhnen wir uns an die Hitze und können die wohltuende Temperatur genießen, denn um uns beginnt der abendliche Wind zu pfeifen und schlagartig kühlt sich die Atmosphäre um uns extrem ab. Mit einbrechender Dunkelheit wandern wir zurück zum Auto und machen uns nur noch eine Dosensuppe warm, bevor wir schon kurz nach neun total erschöpft ins Bett fallen.

Mit den ersten Sonnenstrahlen wachen auch wir einmal mehr auf, wie schon so oft vorher in der Nacht, denn die Höhe lässt uns nicht gerade erholend schlafen. Doch nun ist für uns auch dieser Schlaf vorbei. Nachdem die Horden von Touristen die von ihren Guides durch die Therme gescheucht werden, endlich davon gezogen sind, genießen auch wir noch ein kurzes Bad vor dem Aufbruch. Auch wenn wir eigentlich gestern um 17 Uhr schon bei der Laguna Colorada angekommen sein wollten schaffen wir es immerhin gegen Mittag am heutigen Tag. Der Wasserkocher knallt Max gegen den Kopf als er eine Vollbremsung kurz vor der Parkkontrolle hinlegt. „Das kann doch nicht euer Ernst sein!“, schimpft er mit dem Erdhügel vor uns, der die gesamte Straße versperrt. Wir setzten zurück und ignorieren sämtliche Verbotsschilder, denn der Zugang dieses Weges ist nur für Parkmitarbeiter gedacht, aber umgeht immerhin den gewaltigen Hügel. Wir sehen noch einen Wächter aus dem Gebäude stürmen, als wir um die nächste Kurve preschen. Doch unsere Sünde wird nur wenige Kilometer weiter bestraft, wieder ist es der Sand, der uns zu schaffen macht, doch dieses Mal sogar noch heftiger als am vorherigen Tag. Darauf folgen über drei Stunden Buddeln mit gerade mal drei Metern Vorankommen. Immer wieder hängen wir am Ersatzrad oder mit dem Differential im tiefsten Sand fest. Über einen Meter buddeln wir uns von hinten unter Lola, legen mit gesammelten Steinen aus den links und rechts liegenden Bergen eine Straße unter die Hinterreifen. Doch immer wieder zum Verzweifeln, sind es nur diese paar Zentimeter des Vorankommens. Der kurze Hoffnungsschimmer und anschließend dann das erneute Feststecken. Der Wind peitscht uns den Sand ins Gesicht, abwechselnd graben wir uns mit Taucherbrille und Mundschutz weiter unter das Auto, jedoch ohne erkennbaren Erfolg. Der Sandweg gleicht einem Schlachtfeld und wir dessen Krieger. Doch nach fast vier Stunden ‚Krieg´ taucht auch heute das erlösende Auto auf. Wieder ein Miguel – dieser Name scheint in Mode zu sein – der uns aus der aussichtslos scheinenden Situation hilft. Der Arbol de Piedra (zu deutsch Steinbaum) scheint nach diesen Stunden des Kampfes gegen den Sand nur wie eine kleine Genugtuung. Hals über Kopf fahren wir weiter, ignorieren die warnenden Sprüche über die schlechten Straßen der uns Entgegenkommenden und kämpfen uns in Richtung Lagunenlandschaft. Doch der Weg verliert sich in der Wüste und es ist nicht mehr erkennbar, wohin wir eigentlich müssen. Doch Umdrehen wäre letztlich genauso verheerend. Allein Bremsen und Wenden ist unmöglich, denn wir müssen unsere Geschwindigkeit halten, um nicht erneut festzustecken. Alessandro schwitzt Blut und Wasser, während er so langsam wie möglich aber trotzdem so schnell wie nötig durch Wüstenlandschaft und Steinbrüche cruised. „Wir sind bestimmt falsch, aber irgendwo kommen wir an!“, verzweifelt werfen wir uns ironisch lachend Blicke zu – „Macht euch nicht unglücklich!“.Flamingos Laguna Hedionda
Von einer Bergkuppe aus können wir Wasser erahnen. Wenn das die Lagune ist, haben wir es geschafft. Und es ist die Lagune, die sich vor unseren Augen immer breiter zwischen den Bergen ausbreitet, wir sind doch nicht falsch. Hier an dem Ort, an dem jeder weiß, dass er richtig ist, steht lustiger Weise sogar ein Schild „Laguna Ramaditas“. Doch unsere Glückssträhne soll noch nicht enden, denn ein paar Kilometer später bei der Laguna Hedionda entdecken wir ein Hotel, in dem wir nach unserer heutigen Buddelaktion eine warme Dusche genießen können. Auch die frische Dusche macht uns nicht viel fitter und so fallen wir – heute einmal mehr direkt nach dem Abendessen – wie tot – ins Bett.

Wieder weckt uns am nächsten Morgen die aufgehende Sonne, doch viel mehr überrascht uns das sich uns zeigende Bild. Direkt vor uns in der Lagune tummeln sich unzählige Flamingos in der morgendlichen Sonne. Eine Weile genießen wir das Schauspiel beim Frühstück und freuen uns schon auf das – so heißt es – Straßenstück „más feo“, übersetzt: „das schlechteste“. Doch bis jetzt haben wir es wie auch immer überall durch geschafft und beschließen daher auch heute, nicht den einfachen Weg als Abkürzung zu nehmen, sondern den schönen. Wieder sind es Steinbrüche, durch die wir uns kämpfen, und dürre Wüstenlandschaften, durch die wir für unsere Verhältnisse rasen müssen. Die gröbsten Steine räumen wir von der Straße, aber trotzdem sind es noch Unmengen an spitzen Steinen, die uns jede Sekunde schwitzen lassen. Von Weitem sehen wir einen LKW in einer Geschwindigkeit fahren, die wir beinahe schon nicht mehr kennen. Die Hauptstraße, wir haben sie gefunden. Doch auch die bolivianische Nationalstraße ist immer noch ein Abenteuer. Nach ein paar Kilometern ebender Piste überraschen uns erneut Steine und Löcher. Der Tank strebt gegen Null, als sich der eben noch klare Himmel in Sekundenschnelle zu einer schwarzen Decke verwandelt. Beim aufziehenden Gewitter flüchten wir in die kleine Ortschaft San Pedro de Quemez, deren Einwohner uns wie Regengötter empfangen. Eine alte Dame kommt aus ihrem Haus gelaufen, „Ihr habt den Regen mitgebracht!“, strahlt sie uns an. Und auch andere Bewohner verbinden unser Kommen anscheinend mit dem aufgezogenen Gewitter, immerhin den ersten Tropfen Wasser seit Januar. Glücklicherweise bekommen wir hier sogar Diesel. Aufwändig füllen wir unseren Tank mittels kleiner fünf Liter Kanister.
Lola wieder gestärkt und das Gewitter verzogen, fahren wir weiter gen Norden und machen uns auf die Suche nach der richtigen Straße in den Ort Vilacollo. Doch die Suche artet aus in einem Wettlauf mit der Dunkelheit. Im Licht der Zusatzscheinwerfer erkennen wir letzlich unseren Irrtum, denn der Weg,  den wir genommen haben, endet bei einer kleinen Farm mitten im Nichts. Auch wenn es nur 20 Kilometer waren graust es uns vor dem Rückweg. Bei jedem Flusslauf setzt das nun nur noch an einer Schraube hängende Ersatzrad auf den Boden auf und zieht einen Steinschwall hinter Lola her. Doch auch diesen Weg meistern wir heute glücklicherweise ohne stecken zu bleiben und gelangen zurück auf die Hauptstraße, auf der wir wieder Fahrt aufnehmen können. Doch auch dieser Abschnitt der halbwegs guten Nationalstraße hat eine Überraschung für uns parat. Unverhofft geht die ebene Straße in ein zerstückeltes Bruchstück über, der Großteil der Straße ist gute 1,5 Meter abgesagt. Es bleibt nichts anderes übrig als uns eine Umleitung mitten durch die Wüste zu suchen, wobei wir ohne Zusatzscheinwerfer verloren wären. Aber so können wir schemenhaft der Straße parallel in der Wüste folgen. Um nicht stecken zu bleiben, nehmen wir wieder unverhältnismäßige Geschwindigkeiten in Kauf. Als wir die Felswand identifizieren erkennen wir, dass wir die auf der Route liegenden nächsten Dörfer mysteriöserweise allesamt verpasst haben und uns schon an der Grenze zum Uyuni befinden, genauer an der Gruft der Galaxien. Die Mischung aus totaler Einsamkeit und endloser Stille lässt den Bergfriedhof der Indianer noch authentischer Wirken. Doch nach dieser Fahrt haben wir gleichwohl auch hier keine Schlafstörungen mehr, weil wir mittlerweile nur noch auf knapp 4.000 statt auf mehr als 5.000 Höhenmetern hausen und völlig geschafft sind.

Am nächsten Morgen weckt uns ein Klopfen an der Tür. Etwas erschreckt gucken wir durch das Fenster direkt in das strahlende Gesicht eines bolivianischen älteren Mannes. Er ist der Entdecker der Höhle, die erst 2004 geöffnet wurde. Auf der Suche nach alten Mumien stieß er auf weltweit einzigartige Felsformationen und erklärt uns allerlei über die Region und vor allem den besten Weg zum Uyuni, deren Befahren durch den Regen der letzten Tage immer kritischer wird. Nachdem er uns die Route ausgiebig beschrieben hat, muss er sich aber auch direkt auf den Weg in die Berge machen, denn in der Nebensaison verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Anbau von Quinoa, einem Andengetreide. Wir dürfen noch die Sanitäranlagen nutzen, bevor auch wir uns auf den Weg machen. Jetzt wissen wir, was er meinte, „Lola schwimme auf der Schlammpiste“ Richtung Salar und wir hoffen, bloß nicht stecken zu bleiben. Denn anders als zuerst aus Sicherheitsgründen geplant, kämpfen wir uns fern ab der Touristenroute auf den größten Salzsee der Welt. Doch alle Mühen haben sich gelohnt und auch dem Regen sind wir gar nicht mehr böse, denn uns bietet sich das einzigartige Bild einer spiegelnden Oberfläche. Als würden wir über Wasser fahren, gleiten wir als einziges Auto weit und breit über die unendlich scheinende Oberfläche. Kein Nichts in Sicht, nur eine kleine Insel am Ende des Horizontes. IMG_2017Doch diese Insel ist die Touristen Insel, von der wir direkt wieder Abstand nehmen, mit Kurs auf die Isla del Pescado. Einsam und verlassen schlagen wir unser Nachtlager auf dem körnigen Salz auf, hinter uns eine Insel voller Kakteen mitten im Nichts der Salzwüste. Doch es dauert nicht lange und auch heute zieht wieder ein Gewitter auf. Regen prasselt auf Lola und wir sehen die Wassergrenze auf uns zu schwemmen. Blitze über uns, keine Zivilisation in Sicht, und sind wir wieder einmal gefühlt am Ende der Welt, doch dieses Mal eigentlich mitten in Südamerika. Als wir am nächsten Morgen aufwachen ist es klar und freundlich, zwar stehen wir immer noch halb unter Wasser, doch zum Glück ist der Boden noch hart genug, um voran zu kommen und so fahren wir zurück über die ewigen Weiten eigentlich Richtung Rampe. Doch als wir nach zwei Stunden den Rand erreichen, müssen wir feststellen, wo ganz anderes gelandet zu sein als gehofft. Immer noch trennen uns -zig Kilometer von der Rampe kurz vor Uyuni. Halsbrecherisch begeben wir uns zurück aufs Salz. Der Boden wir mit der Zeit immer matschiger und das Wasser steht jetzt doppelt so hoch wie vorher. Als wir das eigentlich illegale Salzhotel von Weitem sehen können, wissen wir uns endlich wieder auf der richtigen Stecke. Wenige Kilometer, und wir haben endlich wieder festen Erdboden unter unseren Füßen.

IMG_2183

Die erste Tankstelle nach dem Salzsee – Lola ist von oben bis unten eingesalzt

Die 700 Kilometer, die wir die letzten Tage fast durchgängig im zweiten Gang hinter uns gebracht haben, waren wirklich kein Kinderspiel, doch es hat sich gelohnt. Eine atemberaubende Erfahrung und ein ständiger Kampf gegen die Natur. Bei einem Kokatee in Uyuni lassen alles noch einmal revuepassieren und sind alles andere, aber ganz bestimmt nicht unglücklich. Gestärkt durch diese einzigartige Erfahrung, machen wir uns direkt auf den Weg nach Potosí.

Adios Argentina

IMG_1451

06.10.2014 – 14.10.2014, San Pedro de Atacama; Es fällt schon fast schwer, Argentinien zu verlassen. Nicht nur, dass es 2011 für uns ein Jahr lang unsere Heimat war, sondern auch auf dieser Reise ist das abwechslungsreiche Land schon über 2 Monate immer wieder unsere Wahlheimat gewesen. In Feuerland haben wir das Ende der Welt hautnah spüren dürfen und sind von dort mehrere tausend Kilometer der Abenteuerstraße Ruta 40 gefolgt. Heute werden wir dieses Kapitel wohl oder übel schließen müssen. Aber ganz so schwer fällt der Abschied natürlich auch nicht, auch wenn Argentinien wieder beeindruckend gewesen sein mag, wissen wir schon von etlichen weiteren interessanten Strecken auf unserer Reise.

IMG_1363Die Überfahrt von San Antonio Richtung Chile gestaltet sich mal wieder als holprige Angelegenheit, aber wenn uns am Anfang der Reise jede Schotterpiste noch leicht überrascht und geschockt hat, ist es für uns mittlerweile mehr als normal. Eine Asphaltstraße zu erwarten, wäre wohl schon etwas zu viel verlangt. Ein paar Stunden rattern wir über den Andenpass, der pulvrige Staub strömt uns durch die Lüftung entgegen. Doch es ist unerwartet frisch, eine Mischung aus stechender Sonne und kühlendem Wind macht die Temperatur angenehm. Auch argentinische Grenzkontrollen kennen wir mittlerweile mehr als gut, deswegen überrascht uns auch diese abermals sporadische Kontrolle nicht. Uns soll es recht sein, wir haben alles was wir brauchen, den Ausreisestempel, mittlerweile der vierte argentinische auf dieser Reise. Es geht noch ein paar Kilometer über leichte Wellblechpisten durch das Hochland, bevor wir auch die chilenische Grenzkontrolle erreichen. Aber auch hier ist heute nicht die sonst gewohnte Großkontrolle oder Suche nach Obst und Gemüse. Genau heute haben wir uns allerdings darauf vorbereitet und alle rohen Eier gekocht sowie die letzten Äpfel noch wenige Kilometer vor der Grenze verspeist. Die chilenischen Beamten scheinen jedoch heute besonders entspannt zu sein. Eigentlich sind wir im Grenzsystem von Chile schon öfter registriert, doch hier, mitten im Nichts, scheint auch das nicht zu interessieren. Nummernschild und unsere Namen werden einfach in eine große Kladde eingetragen und zwischen ein dutzend anderer Notizbücher in einem großen Holzregal verstaut. Bei der eigentlichen „Kontrolle“ quatschen wir über die Straßenverhältnisse der Ruta 40, denn Franco, der Grensbeamte, möchte nächstes Jahr mit seiner Familie eine kleine Argentinien Rundreise machen. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Aufgrund der mangelnden Technik an der Grenzstation dürfen wir nicht vergessen, unsere Migrationsstempel in San Pedro einzufordern, denn ansonsten bleiben wir illegale Einwanderer. Von hier aus geht es nochmal ungefähr 60 Kilometer weiter über die Wellblechpiste, doch dann erreichen wir völlig unerwartet und überrascht eine nagelneue Asphaltstraße.
Als wir uns von den Anden langsam auf die Höhe der Atacamawüste begeben, entdecken wir zufällig ein Straßenschild mit der Aufschrift „Peine“. Nur wenige Kilometer von uns befindet sich dieses kleine Wüstendörfchen, welches wir natürlich adhoc besuchen fahren. Auch wenn Alessandro nicht ganz sein Haus finden kann, immerhin Lola fühlt sich mit ihrem Peiner Kennzeichen heimisch.IMG_1480
Unser daraus resultierender Abstecher in die Salzwüste von Atacama hat jedoch an einer Straßensperrung sein Ende. Jene Straße, die uns noch von Franco wärmstens empfohlen wurde, ist unglücklicherweise zurzeit komplett gesperrt, sodass uns nichts anderes übrig bleibt als zurück über die Anden nach San Pedro de Atacama zu fahren.
Der Mond scheint mittlerweile hell und gewaltig groß über dem Gebirgszug zu unserer Linken, während uns noch die rot untergehende Sonne von rechts in die Fahrerkabine prallt, einfach unbeschreiblich. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir San Pedro de Atacama, denn immer noch fehlen uns unsere Stempel im Reisepass. Nach 30 Minuten kommen auch endlich die Zollbeamten in die Nach-Grenzkontrolle geschlendert, um unser Auto zu kontrollieren. Fast lächerlich, da wir schon fast einen ganzen Tag in Chile sind, suchen sie nach unerlaubten Lebensmitteln oder Gegenständen, aber auch hier nur spärlich.
Um uns ein wahres Getümmel. Überall laufen Touristen hin und her. Die Anderen hatten recht, touristischer könnte die Wüstenstadt nicht sein, ein Souvenirladen nach dem anderen ziert die Hauptstraße, wir können allen Sprachen lauschen, aber auch nur ab und zu einem spanischen Wort und auf gequältem Englisch versucht man uns Tagestouren schmackhaft zu machen. Aber für uns kommt keine der Touren in Frage, denn alles was uns angeboten wird, können wir auch selbst – und vielleicht besser – mit unserem Auto selbst gestalten. Zudem hören wir noch von anderen Reisenden, dass bei den Touren – wie üblich – Masse statt Klasse den Vorrang genießt. Auf der Suche nach einem Hostel für Charlie kommt uns plötzlich Marie entgegengelaufen. Mit Marie haben wir schon in Mendoza, Argentinien, ein paar lustige und nette Abende erlebt und freuen uns jetzt umso mehr sie ausgerechnet ein paar hundert  Kilometer entfernt im Norden wieder zu treffen. Auf Anhieb empfiehlt sie uns auch noch ein Hostel für Charlie und so hat unsere bis hierhin erfolglose Suche auch endlich ein Ende. Doch der erst so freundlich scheinende Rezeptzionist stellt plötzlich fest, dass die Hostelküche leider geschlossen ist und so müssen wir letztendlich doch noch die komplett eingesandete Küche im Auto putzen bevor wir etwas Essbares in den Magen bekommen.

Der nächste Morgen beginnt entsprechend dem gestrigen Abend. Als wir Charlie nur kurz aus dem Hostel abholen wollen, werden wir direkt im hohen Bogen wieder hinausgeworfen. Fremde im Hostel seien verboten, wird uns noch erklärt, bevor wir auch schon wieder vor dem großen Holztor auf der Straße stehen. Für Charlie Grund genug, direkt aus zu checken. Ein paar Minuten später steht auch sie neben uns vor dem Hostel. Den Tag über schlendern wir ein bisschen durch die Straßen, lehnen ein Angebot nach dem anderen ab und suchen uns selber letzten Endes unseren eigenen „Place to be“, der uns schon gefühlt tausendmal vorher an unterschiedlichsten Ecken angeboten wurde.
Desert Party, steht heute angeblich auf dem Programm der kleinen Stadt. Auch wir wollen bei diesem sagenumwobenen Fest nicht fehlen und suchen den Transfer. Mit der chilenischen Polizei haben wir nur gute Erfahrungen gemacht, so liegt es für uns nahe, auch heute die Polizisten, die an jeder Straßenecke patrouillieren, um Hilfe zu fragen. „Hier gibt es keine Party!“, bekommen wir bestimmt deutlich als Antwort zurück. Und tatsächlich wir finden kein einziges Taxi und keinen Transferbus. Doch als die Polizisten einen Straßenzug weiter ziehen, verändert sich das Bild urplötzlich. Von überall strömen die sogenannten Transfers zu der – wie wir jetzt wissen – offensichtlich ilegalen Wüstenparty. Über holprige Straßen werden wir aus der Stadt Richtung Wüste kutschiert, bis der Fahrer abrupt anhält und über eine Düne zeigt, „dahinten!“. Skeptisch werfen wir einen Blick über die Düne und tatsächlich können wir ein paar Meter weiter zwei einsame Fackeln stehen sehen – den Eingang. Mit einem Notstromaggregat heizt der DJ nach seinem Verständnis ordentlich auf, während sich eine Mischung von Einheimischen und unzähligen Touristen um die großen Lagerfeuer drängt. Andere tanzen vor der Bar und im Hintergrund brutzeln leckere Fleischspieße auf dem Holzkohlegrill. Die glühende Hitze tagsüber hat sich in eisige Kälte verwandelt. Wie wir etwas später herausfinden, wird die Location der Party immer erst wenige Minuten vor Beginn spontan festgelegt und während die Gäste feiern, hoffen die Veranstalter, nicht doch noch von der Polizei überrascht zu werden.

Die nächsten Tage planen wir unsere Weiterfahrt und kämpfen uns mit Lola zurück in die Anden, denn weit oberhalb der Wüstenoase sprühen die Geysire nach Sonnenaufgang hohe Wasserfontänen in die Höhe. Bei knackigen Temperaturen jenseits Null Grad kämpfen wir uns kurz vor Sonnenaufgang aus dem Schlafsack, um auch ohne gebuchte ‚Touritour‘ das Naturschauspiel genießen zu können. Nachdem die Busse und Jeeps schon wieder auf dem Weg zurück in die Stadt sind, legen wir uns noch entspannt in eine der heißen Quellen und genießen den Ausblick der menschenleeren Landschaft nach der Rushhour.

Abenteuer Ruta 40

IMG_1170

26.10.2014 – 06.10.2014, entlang der Ruta Nacional 40; Es gibt viele, für die ist die Ruta 40 ein Lebenstraum und ein großer Wegbegleiter auf der noch größeren Reise über den amerikanischen Doppelkontinent. Wir haben mittlerweile schon ein gutes Stück der gefühlt endlosen Straße, die Argentinien komplett durchquert, befahren. Neuster Asphalt ist der kleinste Teil gewesen; vorwiegend Schlamm, Steine und Holperpisten, die unsere Stoßdämpfer aufs Extremste ausgetestet haben. Eins unserer Nummernschilder liegt irgendwo auf der tausende kilometerlangen Strecke im Süden, begraben unter einer Schlammschicht. Mit der Abfahrt aus Córdoba zieht es uns zurück auf die Ruta 40, die auch als argentinische Abenteuerstraße gepriesen wird. Von Mendoza aus wollen wir das uns noch fehlende Nordstück befahren, bevor wir Argentinien auf dieser Reise wahrscheinlich endgültig verlassen werden. Wieder über die Anden, wieder nach Chile, aber dieses Mal in die trockenste Wüste der Welt.

Von Córdoba nach Mendoza, erinnern wir uns, das haben wir auch schon 2012 gemacht. Damals mit einem Fernbus, heute in unserem eigenen Mobil. Mendoza kennen wir eigentlich schon in- und auswendig, deswegen halten wir uns auch gar nicht lange in der von vielen Reisenden als schönste Stadt Argentiniens gekürten Provinzhauptstadt auf. Gut zwei Monate sind wir mittlerweile in Argentinien und Chile unterwegs, ab dem Tag, an dem wir unser Auto aus dem Container geholt haben, blieben wir Lola treu und sind kein mal „fremdgeschlafen“. Doch in Mendoza können wir nicht anders. Charlie, die ohnehin ein Hostel braucht, quartieren wir in jenem Hostel ein, in dem wir vor gut zwei Jahren etliche Nächte verbracht haben und auch uns lockt diese Erinnerung zurück ins Mehrbettzimmer voller Reisenden. Nach dem zügigen Einchecken essen wir nur noch etwas und gehen schnell ins Bett, denn morgen steht bei uns die Weintour auf dem Programm.
Es ist quasi unmöglich nach Mendoza zu reisen, ohne eine einzige Bodega zu besuchen. Mit dem Linienbus rattern wir aus dem Zentrum nach Maipu, von wo aus wir die Straße des Weines mit einem Fahrrad erkunden wollen. Mr. Hugo, der Fahrradvermieter, erinnert sich sogar noch an uns und freut sich umso mehr, uns wieder begrüßen zu dürfen. Aufgesattelt fahren wir als erstes zu einer Olivenölfabrik, in der wir neben Oliven, Ölen und Pesto auch ein paar Hausgemachte Liköre angeboten bekommen. Glücklicherweise ist es heute nicht so drückend heiß wie die letzten Tage, das Fahrradfahren ist angenehm durch den Fahrtwind und auch der Wein macht uns nicht überaus zu schaffen. Über das Weinmuseum, in das wir nur einen kurzen Abstecher machen, fahren wir zu einem Sommelier, der uns ausgiebig und genau die richtige Weinverkostung erklärt und selbstverständlich probieren lässt. Als Abschiedsgeschenk gibt er jedem eine Flasche „Vino Pinguino“, einen ziemlich süßen Dessertwein mit, der nur einmal im Jahr und nur hier im Verlauf des Weinfestes produziert wird. Die Weinstraße führt uns weiter über holprige Schotterpisten vorbei an Wein- und Olivenfeldern zu der Bodega Trapiche, einer der wohl weltbekanntesten Weingüter. Hier erklärt uns der Führer über die Geschichte und den Herstellungsprozess so ziemlich alles, was man sich unter Wein vorstellen kann, bevor wir zur Krönung der Führung ein paar gute Tropfen  verschiedener Weine zum Probieren bekommen. Bei der Besichtigung treffen wir noch einen Belgier, mit dem wir den Ausflug entspannt bei ein paar Empanads enden lassen. Mr. Hugo ist sichtlich erfreut, als wir ihm von unserem schönen Tag berichten und winkt uns zu sich. „Hier, damit ihr noch einen guten Wein im Hostel genießen könnt!“, sagt er und steckt Charlie zwei weitere Weinflaschen zu. IMG_0630
Derart ausgestattet zurück im Hostel sind diese Weine jedoch nicht von Nöten, denn jeden Abend öffnet hier der Gratis-Ausschank. „Mendoza und Wein, so muss es sein!“, denken wir uns mit den anderen Hostelgästen. Bei dem einen oder anderem Gläschen unterhalten wir uns mit anderen Reisenden über Routen, Orte und Erfahrungen, bis wir irgendwann todmüde ins Bett fallen. Während Max am nächsten Morgen noch lieber etwas länger schlafen möchte, geht es für Charlie und Alessandro ein bisschen auf Entdeckungstour in die Stadt und durch den riesigen Stadtpark. Am Abend treffen wir Max Gastbruder, der mittlerweile aus San Juan nach Mendoza zum Studieren gezogen ist und machen, wie bereits so oft, unseren obligatorischen Asado. Nach noch einem schönen gemütlichen Abend checken wir am nächsten Morgen aus, denn wir wollen weiter.
San Juan ist für uns nur ein kleiner Nachtstopp, doch wir können die Großstadt nutzen, um endlich wieder unsere Gasflaschen zu füllen und einen Stopp auf der Landstraße einzulegen. Von hier aus fahren wir weiter nach Valle Fertil und planen die Besichtigung der nahegelegenen Mondlandschaft des Valle de la Luna. Auf der Strecke in das kleine Dörfchen haben wir mal wieder etwas Pech mit der Polizei. Abblendlicht ist in Argentinien Pflicht, aber wir haben es vergessen. Die Polizisten zeigen sich weniger verhandlungsbereit als in San Luis. Doch auch hier können wir die scheinbar Einheitsstrafe von 300 Euro für Ausländer im Ergebnis mit etwas Geschick auf ein kleines Taschengeld herunterhandeln und so noch rechtzeitig weiter in den Norden fahren.
Von Valle Fertil ist es immer noch eine Stunde Fahrt bis zum Eingang des Nationalparks, doch für uns natürlich kein Problem, Lola rennt schließlich wieder. Im Nationalpark schließen wir uns einer anderen Reisegruppe an, mit der wir die rund 50 Kilometer durch die Mondlandschaft düsen. Alessandro genießt die Tour von der Ladefläche eines Jeeps und filmt, wie Max und Charlie mit Lola durch die atemberaubende Landschaft gurken. IMG_0864
Jetzt ist die Strecke das Ziel, die Ruta 40, der wir bereits wieder seit Mendoza folgen. Sie führt uns auf Entdeckungsfahrt direkt durch unterschiedlichste Klimazonen und Landschaften. An nur einem einzigen Tag durchqueren wir nicht nur eine Wüste und Schluchten, sondern auch blühende Flusstäler und abgelegenste Ortschaften. Größer konnte der Kontrast nicht sein, die Strecke nicht schöner und angenehmer, die langsame aber trotzdem zügige Fahrt auch nicht. Total beeindruckt von der heutigen Strecke stellen wir uns auf einen angenehm ruhigen Campingplatz bei Cafayate, um von hier die nächsten Tage unsere Eindrücke festzuhalten und zuteilen.
Der Campingplatz bietet uns eigentlich alles was wir benötigen, es gibt sogar Zimmer und so kann Charlie ganz entspannt bei uns direkt auf dem Campingplatz schlafen, denn zu dritt mit der immer steigenden Hitze wird schlafen zur Kraftanstrengung. Gerade haben wir Lola auf der Campingauffahrt geparkt bemerken wir beim zurückkommen das es neugierig von anderen Campinggästen begutachtet wird. Wieder einmal war es das deutsche Nummernschild und die auffälligen Aufkleber die die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Und es sind andere Deutsche Bea und Helmut, beide aus Bayern, die mittlerweile schon ein Stückchen länger auf Achse sind, genauergesagt seid 2011. Als wir uns nach dem Abendessen gemütlich zusammen setzten kommen auch noch Denise und Phillip dazu, die gerade ihre einjährige Weltreise beenden. Zu sechst unterhalten wir uns über unsere Erfahrungen, geben uns gegenseitig Tipps und genießen regionalen Wein aus Gallonen. Wir bemerken gar nicht wie Stunde um Stunde verstreicht, aber als um kurz vor vier andere Campinggäste aus ihren Zeltern komische Blicke auf uns werfen beschließen auch wir den Abend zu beenden.IMG_0967
Mit ein paar Pancakes gestärkt starten wir genau wie Bea und Helmut mit unserer Arbeit in den Tag, neue Blogs müssen geschrieben, Bilder bearbeitet und unser Argentinien/Chile Video geschnitten werden. Durch schlechtes Internet und keinen ruhigen Ort in den letzten Tagen hat sich bei uns schon ein kleiner Haufen Arbeit angesammelt, denn es jetzt anzugehen geht. Den ganzen Tag vor dem Computer gesessen beschließen wir unser Camp etwas zu verlängern. Mittlerweile ist unsere Weltreisegruppe auch noch gut gewachsen ein Österreicher und zwei Deutsche die gerade aus Nigeria kommen bereichern unsere abendliche Runde, die sich heute aber schon um einiges früher auflöst. Für morgen ist ein gemeinsames Abendessen geplant und jeder will sein bestes geben, in der großen Runde stellt jeder seine Spezialität vor. Max schlägt vor unser neues Matambre-Asado-Rezept zu präsentieren, das uns in Valle Fertil ganz besonders lecker gelungen ist. Er schwärmt den anderen in großen Zügen das deliziöse Gericht vor, zeigt Bilder und steckt so alle mit der Lust auf einen Asado an. Die anderen bereiten ein Brathühnchen vor, Salate und Nachtisch stehen auch auf dem Programm, ein richtiges Festessen steht uns Zehn bevor. Aber der nächste Tag wird ähnlich wie der gestrige für unsere Arbeit genutzt und Unmengen an Rohmaterial verwertet. Froh eine große Menge geschafft zu haben fangen wir gegen Abend an den Schmaus vorzubereiten. Bea düst mit ihrem Motorrad noch kurz in die Stadt und macht die letzten Besorgungen, während die anderen sich darum kümmern unsere Kühltruhen zu bestücken.
Langsam dreht sich das Hähnchen unter leichtem rattern des afrikanischen Drehspieß, auf dem anderen Grill zieht langsam aber sicher die Kohle für das Matambre durch. Während wir uns das zarte Drillhähnchen schmecken lassen grillt das gigantische Stück Matambre auf dem Grill, Max streicht es mit Tomatensoße ein und verteilt den cremigen Käse über dem Fleisch. Doch leider müssen wir einmal mehr die Erfahrung machen, das auch in Argentinien Rindfleisch nicht mehr überall das ist was es einmal war. Als wir 2011 in Argentinien waren, bekamen wir noch überall bestes Fleisch, heute muss man jedoch wissen wo. Leider wussten wir es dieses Mal nicht und das letztes Mal noch so zarte leckere Fleisch ist heute leicht zäh und trocken. Nichts desto trotz schmeckt es allen, alleine Max ist sichtlich enttäuscht, hat er sich doch das gleiche Ergebnis wie vor einer Woche gewünscht. Nach dem Festmahl hält die gute Stimmung noch lange an, wir sitzen zusammen und genießen die frische Abendluft beim Erzählen unserer Erlebnisse.
Am nächsten morgen geht es früh aus dem Bett, denn wir wollen weiter gen Norden reisen. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns noch bei allen und unterhalten uns noch eine gute Weile mit Johannes, einem Panamericanerreisenden, der von Norden kommt, über die Straßen und Länderverhältnisse in Bolivien und Peru, unseren nächsten großen Zielen.
Wir nehmen wieder Fahrt auf die Ruta 40, die Schotterpiste führt uns heute nach Cachi, denn der Weg nach San Antonio de los Cobres ist an einem Tag zu viel. Die Straße ist schlecht, die Landschaft umso schöner, keinen Kilometer bereuen wir diese Strecke gewählt zu haben. Cachi ist klein und hat außer der Landschaft nicht viel zu bieten, wir nutzen die Touristeninformation und Polizei um uns über den Zustand des weiteren Streckenverlauf zu informieren. Mit dem Ergebnis, dass die Strecke eigentlich nur für Allradfahrzeuge zu empfehlen ist und Lola angeblich zu tief. Aber wir spielen auf die gute Übersetzung und wollen das Risiko eingehen umdrehen zu müssen falls es nicht mehr geht. Zur Sicherheit sollen wir die Polizei informieren, damit sie uns im Notfall zurück holen kann, sollte auf dem Weg etwas passieren.
Wir wissen wir müssen früh los und sind auch um neun Uhr schon wieder auf Achse, das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, langsam quälen wir uns Meter um Meter die knapp 150 Kilometer voran. Die enge Straße ist gerade für uns ausreichend, zur Sicherheit müssen wir in jeder Kurve hupen um eventuelle entgegenkommende Fahrzeuge zu warnen. Aber bis auf zwei oder drei Autos treffen wir keine Menschenseele. Die Luft wird knapper und der Motor heißer, nach einigen Kilometern decken wir den Motor ab. Laut rattern die vier Zylinder in der Fahrkabine neben unseren Füßen, Musik können wir uns sparen. Zusätzlich lassen wir die Heizung laufen damit die gesamte Hitze vom Motor abgegeben werden kann, damit wir die Temperaturen im Auto aushalten können müssen wir die Fenster offen lassen. Der Staub der Straße weht uns ins Gesicht, immer mehr Sand sammelt sich auf der Küchenzeile, aus dem Waschbecken wird ein Sandkasten. Immer wieder kreuzt ein Fluss die Straße, Wasser spritzt uns durch den offenen Motor an die Beine. Immer weiter in den Bergen wird die Straße sandiger, kurz vor einer Baustelle fahren wir uns fest auf rund 4.000 Höhenmetern. Laut heult der Motor während die Hinterachse im tiefen Sand durchdreht. Langsam und vorsichtig lassen wir Lola zurück rollen, durch die hohe Steigung ist das zum Glück kein Problem so das wir auf dem etwas festeren Sand wieder Halt bekommen und durch den Sand den Berg hinauf driften können. Geschafft denken wir uns als wir nach Stundenlangerfahrt bei 10 bis maximal 30 Kilometern pro Stunde den Gipfel auf 4.895 Metern über Meereshöhe erreicht haben. IMG_1310Außer Atem merken wir das uns die Höhe langsam zu schaffen macht, ein leicht betrunkenes Gefühl verdreht uns den Kopf, das langsam abnimmt als wir wieder ein Stück die Berge hinunter kurven. San Antonio de los Cobres, die kleine Minenstadt, ist mittlerweile touristisch geprägt, denn der „Tren de los Nubes“ (Wolkenzug) macht hier regelmäßig halt. Trotzdem merken wir immer mehr in den Norden zu kommen, in der Touristeninformation ist eine große Leinwand aufgebaut, vor der circa 50 Frauen konzentriert versuchen das Strickmuster, welches auf die Leinwand produziert wird, nach zu stricken. Der Mitarbeiter gibt sich große Mühe uns alle Informationen zu geben, Stellplätze und Hostels in die unübersichtliche Karte einzuzeichnen und über den kommenden Grenzpass zu informieren. „Im Supermarkt gibt es alles, sogar Brot“, erklärt er uns und betont dabei die rege Auswahl über die wir nur schmunzeln können.
Bevor wir am nächsten morgen weiter fahren decken wir uns noch mit all den Lebensmitteln ein die wir bekommen können. Denn San Pedro de Atacama soll teuer sein und darüber hinaus müssen wir unsere letzten argentinischen Pesos loswerden, es ist unser letzter Tag in Argentinien auf dieser Reise.

Wer hat an der Uhr gedreht?

IMG_0533

20.10.2014 – 25.10.2014, Córdoba Capital; „Jetzt müssen wir doch klingeln“ – Der Haustürschlüssel von vor zwei Jahren passt nicht mehr ins Türschloss, denn die Schlüssel mussten vor wenigen Monaten ausgetauscht werden. Durch ein Fenster beobachten wir, wie Irene argentinisch entspannt zu der Haustür schlendert, als sie die Klingel läuten hört, bis sie sieht, wer vor der Tür steht. Selbst die Hunde fangen an, im Flur freudigen Alarm zu schlagen, Alessandro ist wieder „zuhause“! Euphorisch werden alle begrüßt, in den Arm genommen und ausgiebig ausgefragt. Heute endlich auch von Noelia und Federico, die anderen Gastgeschwister, die letzte Woche leider nicht zum Landhaus kommen konnten. Wie immer, können wir eigentlich schon sagen, setzen wir uns mit einem Mate in die Runde und unterhalten uns ausgiebig. Unsere Reise ist natürlich das Dauerthema schlechthin. Mit tausend Fragen werden wir zu unserem Auto, der Intention und Durchsetzung gelöchert. Auch wenn die gesamte Gastfamilie von Alessandro schon alles wusste, es gibt immer noch neue Fragen. Aber auch wir sind interessiert, was alles in den zwei Jahren passiert ist, in denen wir in Deutschland unser Abitur gemacht haben. Bei der Unterhaltung vergessen wir die Zeit, die Stunden vergehen und irgendwann ist es auch schon Zeit zum Schlafen.
Aber für uns steht natürlich die Reparatur von Lola auch ganz oben auf der Liste. Schon früh am nächsten Morgen drehen wir mit Federico Runden durch die gesamte Großstadt, vom Zentrum bis in die Nachbarortschaften, mit nur einem Ziel: wie brauchen das Ersatzteil. Wenn wir es schon nirgendwo bekommen haben, dann wohl doch bei Mercedes Benz, denken wir genauso wie Federico. Aber falsch gedacht. Argentinien durchlebt zurzeit eine wirtschaftlich und politisch extrem komplizierte Phase, die auch die Einfuhrbestimmungen stark beeinflusst. Eine neue Kupplung für unser Model würde uns mindestens fünf Wochen Zeit kosten, wenn sie überhaupt ins Land gelangen würde, und die haben wir vor allem nach der langen Wartezeit in Santiago auf keinen Fall. Doch wir sind in Argentinien, vielleicht geht etwas nicht so wie man erst möchte, aber irgendeine Lösung findet man dennoch. Federico kennt einen, der einen kennt und der kennt da einen, besser nicht irgendjemanden, sondern, so sagt man, „die Werkstatt“ in Sachen Kupplung in Córdoba. So einfach, wie nun alles scheint, ist es dann aber doch wieder nicht. Für ein perfektes Ergebnis benötigt Diego, der Werkstattmeister, auch noch das Schwungrad und ein paar andere Kleinteile. Diese Teile sind jedoch praktischer Weise noch im Auto, 96 Kilometer von Córdoba entfernt, eingebaut. Dann werden wir uns wohl noch eine kleine Bustour gönnen müssen und zurück zum Mechaniker nach Los Reartes fahren.
Gesagt getan, sitzt Alessandro am nächsten Morgen kurz vor Sieben im Auto mit Arnoldo, der ohnehin in die gleiche Richtung auf Geschäftsreise muss. Mit argentinischer Zeitkalkulation im Hinterkopf, spaßen wir noch darüber, wann Alessandro wohl wieder in Córdoba sein wird, mit Glück gegen Abend, doch praktischer Weise liegen wir diesmal total falsch. Es ist noch nicht einmal zehn Uhr, als Federico Alessandro vom Busterminal wieder abholen kann. Der Rucksack voller Autoteile und die stickige Stadtluft, treiben Alessandro und Federico Schweißperlen auf die Stirn. Währenddessen erledigt Max ein paar wichtige „Tramites“ in der Stadt, extra früh, denn um ein Uhr ist hier Siesta und alles ist zu. Ein paar Läden machen zwar irgendwann nochmal auf, andere bleiben jedoch einfach geschlossen, den Besitzern ist es dann wohl zu warm. Wer also etwas erledigen möchte, dem ist daran gelegen, gegen Vormittag so viel wie möglich zu schaffen. Bei uns klappt heute alles und wir sind fast schon schneller als unser Zeitplan, sodass wir am frühen Nachmittag erschöpft von der Hitze ein kaltes Bier auf dem Hauptplatz genießen können. Im Zentrum treffen wir sogar noch Felix, ein anderer aus unserer Austauschgruppe, den es wie so viele nach dem Abitur, erneut nach Córdoba gezogen hat.
Einen Abend machen wir den obligatorischen Asado mit der Gastfamilie von Max und einen anderen Abend den obligatorischen Asado mit Alessandros Gastfamilie, diesmal mit allen. Nachdem wir auch unsere Stammbars in Nueva Cordoba, dem Ausgehviertel der Provinzhauptstadt, abgeklappert haben, packen wir unsere Rücksäcke zusammen, denn mittlerweile ist auch das Ersatzteil fertig. Schneller als erwartet aber länger als gewollt hat uns die Reparatur eine Woche gekostet, sodass wir jetzt leider nichtmehr mit Lola direkt nach Córdoba fahren werden. Über den günstigen Preis der Reparatur, aber vor allem das exzellente Ergebnis wundern sich eigentlich alle. „Und sowas in Argentinien“, lacht der Mechaniker vor dem Einbau, „wer hätte das gedacht.“.
Wir freuen uns, nicht übers Ohr gehauen worden zu sein und lassen den Mechaniker seine Arbeit machen, gegen Abend sollen wir einfach wieder kommen. Wir genießen den Tag am Pool und warten. Der Nachbar fährt Max und Charlie, die jetzt wieder ein Stückchen mit uns mit reisen wird, zu der Werkstatt, gefühlt eine Ewigkeit später kommen die beiden zu Fuß zurück, ohne Auto. Mit großen Augen starrt Alessandro die beiden fragend an. Das eine Teil passt nicht richtig rein, erzählen sie verzweifelt. Ein gewaltiger Rückschlag nach der ganzen positiven Resonanz macht sich breit. Wir haben uns schon morgen auf dem Weg nach Mendoza gesehen, stattdessen müssen wir wohl zurück nach Cordoba. „Heute nicht mehr, ich hole mir jetzt erstmal ein Bier vom Kiosk!“, seufzt Max und geht gemeinsam mit Charlie die Schotterstraße in der Dunkelheit herunter. Gerade ‘mal fünf bis zehn Minuten später dreht Alessandro durch, rennt durch den Garten zum Tor und bekommt sich nicht mehr ein. Alles war nur ein derber Spaß, perfekt repariert fährt Lola über den Rasen.
Auf nach Mendoza!IMG_0584

Pflichtprogramm Santiago – Die Post lässt grüßen

SONY DSC

23. September – 02. Oktober 2014, Santiago de Chile, Als wir wieder in Santiago de Chile ankommen ist es schon ziemlich spät, aber wir haben nur noch heute und morgen gemeinsam mit Charlie und deswegen wollen wir noch eine kleine Runde durch Stadt gehen. Aber unsere Runde ist ziemlich klein nur wenige Meter von Lola entfernt werden wir von einem anderen Passanten, der mit einer Freundin unterwegs ist, auf deutsch angesprochen. Der Chilene hat sechs Jahre lang in der DDR gewohnt und ist direkt nach dem Mauerfall zurück nach Chile gezogen. Camilo ist Musiker und seine Karriere hat in schon zu unterschiedlichsten Orten getrieben, so lebte er auch einige Jahre in den USA in Los Angeles und New York. Jetzt ist er zurück in Santiago, ohne zu zögern lädt er uns in seine Wohnung nur einen halben Block von unserem Auto ein. Er sei gerade mit ein paar Freunden mit der er in seiner Band spielt am ‚jammen‘ und würde sich freuen wenn wir in begleiten. Wir sind direkt begeistert von unserer Begegnung, einmal mehr lernen wir zufällig Einheimische kennen.

In seiner Wohnung werden wir von seinen Freunden in Empfang genommen, danach widmen seine Bandmitglieder sich wieder komplett ihrer Musik. Während wir uns mit Camilo unterhalten und er uns seine Sammlung von seltenen Flohmarktstücken zeigt, die er sich im laufe der Jahre gekauft hat, wird im Hintergrund komponiert, gemixt und aufgenommen. Im laufe des Gesprächs erfahren wir, dass die Band, die nach einer kurzen Trennung wieder zusammen spielt, gerade dabei ist ein neues Album aufzunehmen. Eins der neuen Lieder will Camilo, der von Rap, Funk, Rock und Jazz viele Musikrichtungen mischt, sogar auf deutsch rappen. Doch er sei sich noch nicht ganz sicher ob der Funksong grammatikalisch korrekt ist, so dass er uns kurzerhand um Korrektur bittet, aber wir haben nichts zu berichtigen, sein deutsch ist überaus gut. Eine gesamte Zimmerwand seines Apartments ist mit seiner Plattensammlung geschmückt, stolz zeigt er uns seine historischen Platten, die er im Anschluss kurzerhand zusammen mischt und uns dazu eine freestyle Rapp Einlage bietet. Wir sind begeistert, musikalisch wertvoll und inhaltlich tiefgreifend ist der Text den er zu den alten Platten rappt. In dem spontanen Sprechgesang erzählt er von seiner Zeit in Deutschland, vom Mauerfall, seiner Zeit in den USA, seinem zweijährigen Sohn und kritisiert Teile der chilenischen Gesellschaft, dazu nimmt er immer wieder Bezug auf uns, unsere Reise und das Glück das wir hatten uns so spontan zu treffen. Seine Wohnung könnte typischer nicht sein, er ist ein waschechter Musiker, der Musik nicht nur macht sondern lebt. Im Zigarettenrauch flackert die Lichtorgel aus den Sechzigern, als er und die anderen Bandmitglieder uns weiter Titel des noch unveröffentlichten Albums präsentieren. Camilo erzählt das er sich in der Musik selber gefunden hat, denn vorher wusste er nicht woher er komme. In Deutschland wurde er abwertend als Türke bezeichnet, zurück in Chile nannte man in Spießer. Er findet es immer wieder traurig zu sehen wie die Gesellschaft in Südamerika auseinander klafft und versucht mit seiner Musik die ganze Gesellschaft zu erreichen. Neben seiner selbstgeschriebenen Musik mit seiner Band, gibt er oft auch Soloauftritte, bei denen er, so sagt er, einfach einen USB-Stick mit wahllos aneinander gereihten Titeln abgibt, und einfach aus Herz und Seele anfängt zu freestylen. Auch versucht er sich von der modernen Musik, die durch amerikanischen Gangsterrap, Pop und Elektro dominiert wird, abzuheben indem in seinen Liedern auch immer wieder historische und indigene Lieder und Kompositionen Platz finden. Wie wir uns mit Camilo unterhalten und seiner Musik lauschen vergeht die Zeit wie im Flug und als wir im Fahrstuhl auf den Weg nach unten sind ist es auch schon mitten in der Nacht. Doch es hat sich definitiv gelohnt, mit etwas Glück können wir sogar noch eins seiner Konzerte besuchen.

Weil wir uns gestern etwas die Nacht um die Ohren geschlagen haben beginnt der heutige Tag etwas später. Als wir unsere Tür aufmachen ist schon ein riesiges Getümmel auf den Straßen, wir stehen immerhin Mitten im Zentrum. Direkt nach dem Frühstück kommt auch schon Charly, für die heute der letzte Tag in Santiago ist. Gemeinsam drehen wir noch einmal ein paar Runden durch Santiago.

Für uns ist es der erste richtige Tag in Santiago außerhalb des Ausnahmezustands während der Feiertage. Mit dem gut ausgebauten Metronetz düsen wir in wenigen Minuten aus dem Zentrum in das Stadtviertel Brasil. In dem, mit der Zeit etwas veralteten, Stadtviertel sieht man noch den Glanz und Prunk vergangener Tage. Von dem Hauptlatz schlendern wir durch die Nebenstraßen. In dem Museo de la Memorial y los Derechos Humanos bekommen wir einen bedrückenden Einblick in die Zeit der Militärdiktatur in Chile bekommen. Das modern aufgemachte Museum erinnert an deutsche Museen über den Nationalsozialismus. Nach diesem Ausflug in die vergangenen Tage Chiles tauchen wir zurück in die Jetztzeit. Da das uns empfohlene typische Café nicht geöffnet hat, suchen wir uns eine Restobar in der Nähe in der eine Vielzahl von Chilenen den Nachmittag ausklingen lässt. Auch wir haben Hunger auf eine Kleinigkeit und bestellen uns das, was auch die meisten Einheimischen um uns essen, einen Teller Pommes mit etwas Fleisch und Gemüse. Dazu trinken wir einen Pisco, einer der vielen typisch chilenischen Cocktails die uns angepriesen wurden. Auf dem Rückweg ins Zentrum bringen wir Charly in ihr Hostel, damit sie noch kurz ihre sieben Sachen zusammenpacken kann, bevor wir noch auf einen Terremoto in die Piojera wollen.

Die Piojera, eine Bar, könnte uriger nicht sein, der Überdachte Hof ist vollgedrängt mit angetrunkenen Chilenen, die an klebrigen Tischen ihren Terremoto schlürfen. An der langen Bar bekommen auch wir einen Terremoto, wie alle, in einfachen Plastikbechern und für etwas Trinkgeld sogar noch einen Spritzer mehr Fernet.

Da wir immer noch auf unsere Pakete aus Deutschland warten, unter anderem auf ein neues Nummernschild, haben wir ziemlich viel Zeit. Die Zeit nutzen wir auch um unsere Homepage auf Vordermann zu halten, meist in einer der Shoppingmalls, denn dort haben wir das beste Internet.

Es ist ziemlich beeindruckend wie viele riesige Malls in Santiago sind. Sogar Baumärkte und Supermärkte sind neben den Terrassen mit Lokalen und einer Unzahl an Geschäften in den Kolossen zu finden. Doch ausgerechnet unser benötigtes Kamerazubehör ist leider nicht mehr vorrätig da und so beschränkt sich der Shoppingausflug auf einen Kaffee. Nach dem Abendessen drehen wir noch eine Runde in dem Barrio Bellavista, auch wenn es laut Einheimischen das gefährlichste Viertel mit Nachtleben ist, sei es das authentischste und darüber hinaus günstigste. Für uns also quasi die perfekte Location um uns unter die Menschen zu Mischen. Schon auf dem Weg sind die Straßen proppe voll und überall sitzen Straßenmusiker die mit ihren Gitarren und Mundharmonikas ihr Bestes geben. Eine Straßenbar reiht sich in der Hauptstraße Bellavistas an die andere. Von innen klingt Livemusik oder Karaoke, während sich die Menschenmassen in die naheliegenden Diskotheken drängen. Terremoto hat es uns angetan, auch wenn der Cocktail etwas süß ist, schmeckt er vorzüglich, zudem ist er meist noch das günstigste Angebot. Der Barbesitzer ist ziemlich erfreut über seine deutschen Besucher und kredenzt uns noch ein paar Kleinigkeiten zum Naschen.

Etwas verschlafen zwingen wir uns aus den Schlafsäcken. Die Luft im Inneren des Autos ist erdrückend warm und stickig, irgendein Fenster muss umgehend geöffnet werden. Wir frühstücken ausgiebig das selbstgebackene Brot, was von der Struktur her auch einen super Kuchen hätte sein können. Die nun frische Luft an diesem sonnigen Vormittag, die durch das Auto zieht, ist eine Genugtuung. Gestärkt und motiviert heute viel zu schaffen falten wir die Isolierung von der Windschutzscheibe und bereiten das Auto zum Losfahren vor. Heute sollen ein paar Wehwehchen behandelt werden. Nervig, dass das Zusatznebellicht nicht funktioniert, ärgerlich die Lackplatzer an der Motorhaube und blöd, dass die Hecktür nicht ganz abdichtet. Also wollen wir die Zeit, die wir ohnehin hier in der Stadt verbringen, auch dazu nutzen, Lola auf Vordermann und für die Weiterreisse so fit wir möglich zu machen.

Francisca gibt uns die Adresse einer aus Erfahrung guten Werkstatt zu der wir uns direkt auf den Weg machen. Angekommen erklären wir wer uns schickt und bekommen direkt Hilfe vom Fachmann. Nach ein paar Runden um den Block erkennt auch der Mechaniker unsere Bedenken und schickt uns mit ein paar guten Tipps weiter, da seine Hebebühne unsere schwer beladene Lola nicht heben kann. Wir kommen nach ca. 20 km und 1 Stunde Fahrt durch die ganze Stadt vor einer Halle mit großer Schiebetür an und werden direkt hereingewunken. Rodrigo, der Chef, empfängt uns persönlich und lässt sofort alle Hebel in Bewegung setzen. Die für die eng aneinander gebauten Häuser relativ geräumige Halle ist komplett voll mit teilweise zerlegten Autos. Alles wird umrangiert, damit wir auf eine Hebebühne fahren können. Diese kann den Wagen sogar hochheben und der Chef schaut sich mit prüfenden Blicken um. “Für das Alter echt gut in Schuss, Jungs!” , lobt er und fragt nach unserem Anliegen. Wir fragen verschiedene Sachen, die sich auf den letzten 1000 km seid Argentinien angesammelt haben. Da wäre ein Ruckeln hier, ein Ölfleck dort und ein paar Kleinigkeiten. Sofort schickt Rodrigo die scheinbar 10 Angestellten im Blaumann hin und her, die zufälligerweise auch noch alle einheitlich ein Stück kleiner als der Chef sind. Kaum zwei Stunden später dreht Rodrigo, er selber in Jeans und Hemd, noch eine Runde mit uns um den Block – “Fährt sich super und keine Geräusche mehr”, sagt der Chef. Wir bezahlen einen sehr angemessenen Preis für den erbrachten Service und bekommen noch angeboten, den Wagen, falls wir mal in die Stadt müssen, in einer seiner Hallen unterstellen zu dürfen.
Froh, endlich die Sachen aus dem Weg geschafft zu haben, fahren wir noch einkaufen und dann zu unserem üblichen Übernachtungsplatz. Mit einem kühlen Bier stoßen wir auf einen erfolgreichen Tag an.

Wie wir ja schon gestern einen sehr erfolgreichen Tag hatten beginnen wir den heutigen mit den gleichen Vorsätzen. Die Wärme lässt uns schnell aufstehen, aus Reflex wird erstmal gelüftet. Auch der Frühling fühlt sich für uns immer mehr wie Hochsommer an. Unsere Sachen geordnet machen wir uns auf den Weg in die Stadt.

Ein Muss, wenn man nach Santiago reist, ist der Cerro San Cristobál, von dem man einen einzigartigen Blick über die Millionenmetropole genießen kann. Wenn der Dunst und der Smock über der Stadt, wie heute, bei gutem Wetter etwas verfliegt sind sogar die gewaltigen Berge der Anden deutlich sehen, die die Stadt geradezu einkesseln. Der Berg, den eine riesige Staue der heiligen Maria ziert, ist der Eingang zu einem für eine Großstadt verhältnismäßig großen Nationalpark. Der Parque Metropolitano liegt gefühlt mitten in der Hauptstadt. Der Eingang im Viertel Bellavista ist voller Besucher und Sportler. Auf dem Weg nach oben, den wir um unser gesamtes Geraffel dabei zuhaben mit dem Auto bestreiten, sehen wir viele weitere Sportler. Neben den Autos kämpfen sich Fahrradfahrer und Läufer die Kilometerlange Steigung hoch, für den ein oder anderen scheinbar ein alltägliches Trainingsprogramm, andere scheinen die Idee bereits zu verfluchen. Auch Francisca, wie wir später erfahren, nutzt die grünen Hügel oft zum Trainieren. Unterhalb der Statue liegt bergabwärts eine große Freilichtkirche, allgemein ist der Berg von vielen religiösen Punkten geprägt. Aber auch andere Reize locken die Besucher in den Park.

Es gibt viele unterschiedlich angelegte Gärten und Brunnen, einen Zoo, ein großes Schwimmbad, das Amphitheater Pablo Nerudas, Restaurants und noch einiges mehr. Für jeden scheint etwas dabei zu sein. Für die, die gerne unverschwitzt auf den Berg gelangen wollen, gibt es eine Gondel nach oben oder ein gut ausgebautes Straßennetz. Oben angekommen, genießen wir den Panoramablick auf den Stufen unterhalb der Statue, der Ruheort soweit oberhalb der beschäftigten Großstadt hat einen ganz besonderen Flair. Danach geht es noch durch einige Gärten, bevor wir unsere Rundtour am anderen Ende des Parks beenden. SONY DSC

Mittlerweile haben wir schon einige warme Tage in Santiago, die wir damit verbringen die weitere Route zu planen, unseren Blog auf dem laufenden zu halten und immer mehr von Santiago zu sehen. Auch Familie und Freunde freuen sich mal wieder etwas von uns zu hören. Auf der Dachterrasse eines großen Einkaufszentrums genießen wir bei schönem Wetter und fantastischer Aussicht den Kaffee und halten unsere Leser auf dem aktuellen Stand.

Der Flair der 80er Jahre

SONY DSC

19. – 23. September 2014, Viña del Mar – Valparaíso, Nachdem wir uns von Santiago entfernen kommen wir der Küste immer näher. In Valparaíso, der kulturellen Hauptstadt bleiben wir nicht lange, sondern fahren direkt weiter nach Viña del Mar, das Urlaubsziel der Santiaguinos schlechthin. Viña del Mar erscheint direkt in einem anderen Flair. Während sich Valpo eher von einer verwunschenen und historischen Seite zeigt, wirkt Viña del Mar neu, modern und ein bisschen touristisch.Hochhäuser ziehen sich die Küstenstraße entlang und ein riesiges Casino läd die Urlauber ein ihr Erspartes aufs Spiel zu setzen. Wir nutzen den Trubel der Schönen und Reichen für einen sicheren Parkplatz direkt vor dem Casino.

Auch am nächsten Tag bleiben wir noch auf unserem praktischen Parkplatz stehen und erkunden von da aus die Gegend. Nach dem Frühstück drehen wir eine Runde entlang der Promenade, Handwerker und Künstler verkaufen an Holzständen ihre Werke an die Urlauber. Der eine oder andere lässt sich sogar bei einer Expressmassage mit Meerblick verwöhnen. Wir genügen uns mit ein paar Churros, frittiertem Gebäck, und setzen uns in den von der Sonne erwärmten Sand. Obwohl erst Frühling ist genießen nicht wenige die ersten Sonnenstrahlen beim Sonnen. Die ganz Harten wagen sich sogar schon in die eisigen Wellen des Pazifiks. Zwar ist auch hier noch immer Feriado, also Feuertag, aber immerhin, in einem kleinen Supermarkt, können wir uns mit ein paar Lebensmittel eindecken. Der Weg zum Supermarkt erschien uns wie ein Katzensprung, doch bepackt mit Einkäufen und Wasserkanistern werden unsere Arme länger und länger. Aber was tut man nicht alles für einen guten Parkplatz.

Nach dem Essen, das diesmal eine längere Phase des Kochens mit sich zog kehren wir in dem Café Journal ein. Es ist eine Empfehlung von Freunden. Über den Holztischen hängen alte Zeitungen während im Hintergrund heimische DJs auflegen. Einen netten Kontrast bietet auch die Dachterasse, die einen fast vergessen lässt, nicht in Valparaíso zu sein. Die bunten Wellblechfassaden erwecken den Eindruck mitten in einer engen Gasse in dem Nachbarort zu sitzen.

Als wir nach dem Frühstücken am nächsten Morgen unseren praktischen Parkplatz verlassen, machen wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz. Doch obwohl Viña del Mar wie auch Valparaiso stark touristisch geprägt ist, finden wir im Internet keinen wirklich nahen Stellplatz. Auch die Touristeninformation kann uns nur einen einzigen Empfehlen, also bleibt uns keine große Auswahl. Doch während wir uns auf den Weg machen stellen wir fest das auch der „nahe“ Campingplatz etliche Kilometer entfernt ist. Nachdem wir eine gute Weile über schrecklich vermüllte Schotterpisten irren, haben wir den vermeintlichen Campingplatz gefunden. Doch die paar Minuten die wir hier verbringen reichen uns aus eine schnelle Entscheidung zu treffen: Ab nach Valparaíso.

Aber Valparaíso hat mit der Vielzahl an Hafenspielunken und Prostitution auch eine relativ große Kriminalitätsrate, weshalb wir uns nicht einfach auf irgendeinen Platz stellen wollen. Die naheliegende Idee direkt auf dem beleuchteten Hauptplatz zu übernachten schlagen wir ab als nach wenigen Sekunden bereits die ersten Schaulustigen der eher ungewünschten Art unsere Lola auffällig begutachten. Doch nach einer kleinen Stadtrundfahrt haben wir unseren perfekten Stellplatz gefunden. Direkt über dem Hafen liegt die Zentrale der Marine. Von hier aus haben wir einen perfekten Ausblick über das mittlerweile im Lichterglanz erhellte Valparaíso hinzu auch eine durchgängige Bewachung durch die Polizei, die sich direkt über unseren Besuch freut.SONY DSC

Valparaíso hat neben der Kriminalität natürlich auch unendlich viele schöne Seiten zu bieten. Nachdem wir nach Gutdünken etwas durch die Straßen laufen, wollen wir nun aber auch unsere Tour vorbereiten. Lola wird im Hafen von den dortigen Securitymitarbeitern bewacht während wir in einem Café eine kleine Route vorbereiten und die Zeit dazu nutzen unsere Homepage zu pflegen.

Als wir zurückkommen ist es mittlerweile dunkel und wir machen uns auf den Weg zurück zur Marine, denn auch unsere Mägen fangen schon an zu knurren und es ist Zeit zum Kochen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück direkt über der Stadt und mit top Blick auf die Küste machen wir uns von unserem Parkplatz oberhalb des Hafens auf um zum Busbahnhof. Heute freuen wir uns auf einen ganz besonderen Besuch. Charlie, die zur selben Zeit wie wir in Argentinien ein Auslandsjahr absolviert hat, ist ebenfalls in Richtung Valparaíso unterwegs und wir konnten uns kurzfristig verabreden. Während Max auf das Auto aufpasst macht sich Alessandro in dem Getümmel der Reisenden auf die Suche nach Charlie. Direkt in der Eingangshalle gibt es auch schon das große Wiedersehen, mittlerweile haben wir uns schon fast ein dreiviertel Jahr nicht mehr gesehen. Nach einer ausgiebigen Begrüßung bekommt Charlie erst einmal eine kleine Besichtigung von Lola. Jetzt zu dritt machen wir uns wieder auf den Weg zu unserem Parkplatz um von dort aus zu Fuß die Hügel von Valparaíso zu erkunden. Als erstes machen wir einen Abstecher in den Hafen, eine Weile genießen wir das charmante Chaos und tauschen uns über allerlei aus, schließlich hat sich in den vergangenen Monaten einiges Erzählenswertes angesammelt. Sie ist selbst auf einer kleinen Rundreise durch Südamerika, hoffentlich ist Valparaíso nicht der einzige Punkt an dem sich unsere Routen kreuzen. Von dem Hafen aus schlendern wir einfach nur durch die Gassen Valpos. Über mehrere Hügel, die wir teilweise mit altmodischen Ascensores (Aufzügen) hochfahren geht es vorbei am Ex-Carcel, dem ehemaligen Gefängnis weiter zu dem Haus von Pablo Neruda, dem berühmten Dichter und Schriftsteller, der sich von hier durch den charmanten Flair der Künstlerstadt hat inspirieren lassen. Überall können wir Straßenkunst bewundern, von künstlerischen Graffitis bis zu riesigen Gemälden finden wir allerlei an den Häuserwänden oder sogar direkt auf dem Bürgersteig der idyllischen Hafenstadt. Als wir zurück auf den Platz “O’Higgins” zurückkehren ist es schon Mittagszeit, und wir machen uns auf die Suche nach etwas ganz Typischen. Von Außen wirkt die Empanaderia Famosa eher wie ein Kiosk oder ein schlechtes Fastfoodrestaurant, doch der erste Eindruck täuscht. Auch die Unmengen an Einheimischen die sich im minimalistisch eingerichteten Inneren die Empanadas schmecken lassen können nicht irren und mit Recht, zu den deliziösen Teigtaschen wird auch noch eiskaltes Bier serviert.

Obwohl wir heute schon unglaublich viel gesehen haben, gibt es noch eine weitere Station. Alessandro, der vor ein paar Jahren schon einmal in Valparaíso war, führt uns drei wieder in Richtung Viña del Mar. Mitten im Feierabendverkehr stecken wir eine Weile fest bevor wir durch abgelegene Wohnviertel düsen. Doch der Umweg hat sich gelohnt. Am Ende kommen wir an einen kleinen Parkplatz direkt an der Küste von dem ein Steg in den Pazifik führt. Doch noch viel spektakulärer sind die dicken Seerobben die nur wenige Meter von uns am Strand liegen, während Schwärme von Pelikanen in den Sonnenuntergang fliegen.SONY DSC

Wir lassen den wunderbaren gemeinsamen Ausflug mit Charly bei einem Glas Rotwein ausklingen und freuen uns schon auf morgen, denn da wollen wir noch einmal gemeinsam Santiago erkunden, bevor es für Charly schon weiter nach Córdoba geht.

Fiesta de la Patria

SONY DSC

16. September 2014, Bariloche – Osorno – Valdivia, Nach dem Frühstück machen wir uns auch direkt auf den Weg in Richtung chilenischer Grenze. Noch einmal sehen wir Bariloche von der anderen Seite des Sees Huaí, nach gut einer Stunde sind wir auch schon an der Grenze. Wie gewohnt geht es relativ schnell aus Argentinien heraus, anders aber die Einfahrt nach Chile.

Die Grenzbeamten durchsuchen das gesamte Fahrzeug, jedes Fach wird auseinander genommen. Vor allem unsere Lebensmittel werden genauestens kontrolliert, denn Chile meint, argentinisches Essen sei verseucht. Wir sind gespannt was alles gefunden wird, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch haben wir extra gut versteckt, die Spannung steigt. „Habt ihr Honig dabei?“, fragen uns die beiden Frauen, die unser Auto kontrollieren. Max scheint auf mysteriöse Weise fast sein gesamtes Spanisch verlernt zu haben – was ist denn noch mal Honig? Aber auch dieser alt bewerte Trick funktioniert heute leider nicht ganz. Den leckeren Honig, den wir erst vor einigen Tagen in El Bolsón gekauft haben, müssen wir abgeben. Genauso wie Mais und eine halbe Zwiebel, die noch im Kühlschrank lag. „Mehr haben wir nicht dabei, glaube ich!“, erklärt Alessandro den Beamten, in einem unsicheren Ton, denn eine Strafe wollen wir auch nicht riskieren. Aber wir haben Glück, der Rest wird nicht gefunden. Die Hauptkontrolle jetzt aber endlich abgeschlossen, besteht ein anderer Beamter noch darauf einen Blick in unsere Dachbox zu werfen. Kein Problem für uns, die Gummistiefel kann er gerne sehen. Max schließt sie auf, doch als der ältere, gebeugt gehende Mann realisiert, dass er für diese Kontrolle die Heckleiter hinaufklettern müsste entscheidet er sich doch lieber spontan um. Nach einer Sprosse steigt er wieder hinunter und winkt ab: Alles in Ordnung. Nach dieser ausgiebigen Kontrolle werden wir nun endlich durchgewunken. Im Auto fangen wir beide direkt an zu lachen – der Honig hat ja eigentlich eh nicht geschmeckt!

Jetzt kann es aber weitergehen. Rechts und links liegt noch ordentlich Schnee als wir den Andenpass befahren, bevor wir sogar durch ein Stück valdivianischen Regenwald fahren. Anders als die argentinisch-patagonische Steppe wirkt die Gegend vor Osorno auf uns wie eine grüne Oase. Grüne Wiesen, weidende schwarz-weiße Milchkühe und europäisch wirkende Dörfer – haben wir uns verfahren und sind zurück in Deutschland? Das chilenische Seengebiet ist ähnlich wie der Umkreis von Bariloche stark europäisch Geprägt, bis zu 70 Prozent der Bevölkerung sollen hier sogar deutsch oder zumindest deutschstämmig sein, da ist es kein Wunder das auch der erste Eindruck sehr europäisch ist.

Anders als das Umland wirkt Osorno auf uns nicht sonderlich schön. Doch die auch die vollgedrängten Straßen der Stadt haben ihren Reiz. Auf die Empfehlung eines Einwohners besuchen wir Armin Schmidt, der vor einigen Jahren von Bayern nach Chile gezogen ist und jetzt eine kleine Hausbrauerei am Fuß des Vulkans in Osorno betreibt. Als wir auf den Brauereihof rollen fragen wir uns warum wir sie nicht schon auf der Fahrt nach Osorno gesehen haben, den den Zaun des Anwesens schmücken einige Fahnen des Freistaats Bayern. Im Hof stehen einige Bierzeltgarnituren und das Restaurant hat einen typisch alpenländischen Flair. Anders als erwartet begrüßt man uns an der Rezeption jedoch nicht auf bayrisch: Eine urige Chilenin fragt uns nach unserem Wohlbefinden. Als sie uns gerade erklärt, dass der Braumeister Armin wahrscheinlich gar nicht da ist, kommt er zur Tür herein. „Seid ihr die mit dem coolen Van?“, fragt er uns scheinbar erfreut über den deutschen Besuch. Zusammen mit Armin probieren wir seine eigenen Brauerzeugnisse, alle lecker und sehr aromatisch, aber ganz besonders hat uns sein Bockbier überzeugt. Wir bleiben noch auf eine herzhafte und üppige Pfanne. Armin berichtet uns über seine Anstrengungen ein möglichst deutsches Wirtshaus zu führen, wie schwer es sei sensibles Personal zu finden und deutsches Essen zu kochen.

Gut gestärkt machen wir uns dann doch noch heute auf den Weg nach Valdivia, denn eigentlich wollen wir hier heute noch den Besitzer und den Braumeister der Kunstmannbrauerei besuchen, deswegen müssen wir uns zügig auf den Weg machen. Von Osorno ist es auch nur noch eine gute Stunde Fahrt bis nach Valdivia. Auch wenn die beiden heute nicht mehr da sind, finden wir vor der Brauerei, abgelegen vom Zentrum, einen guten Parkplatz vor der Brauerei.

17. September 2014, Valdivia – Santiago de Chile, Der Geruch der aus dem Sudhaus steigt und langsam in den Wagen zieht lässt uns aufwachen. Doch für ein Bier ist es wohl um kurz nach neun noch zu früh, auch wenn langsam die ersten Tagestouristen vor dem Restaurant, das noch fast 3 Stunden geschlossen ist ihre Nasen platt drücken. Wir frühstücken erstmal in Ruhe und schauen uns dann um. Doch auch heute sind weder Chef noch Braumeister da. Fast kein Wunder, denn in Chile macht sich der Ausnahmezustand breit. Alles bereitet die nächsten Tage vor, die Nationalfeiertage schlecht hin und so machen auch wir uns auf den Weg nach Santiago.

Von Santiago trennen uns noch einige hundert Kilometer, aber auf dem Weg gibt es nicht sonderlich viel zu entdecken. Nach zwei Stunden Fahrt machen wir Halt. Auf einem LKW Platz machen wir Rast und drehen die Gasflaschen auf: Jetzt wird gekocht. Aus Zeitmangel heute aber kein großer Schnickschnack sondern einfach nur Nudeln mit Soße. Einfach, lecker und schnell.

Der Innenstadt von Santiago sehen wir sofort an, dass hier etwas besonderes bevorsteht, überall stehen Polizeiblockaden und Militärwachen. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fahren wir lieber wieder ein Stück aus der Stadt, denn für uns ist es schwer einzuschätzen was wir hier genau morgen Vorfinden werden. Die Tankstelle an der wir vorher bereits getankt haben, bietet sich für uns an, hier scheint es einigermaßen ruhig zu sein, trotzdem ist sie nicht zu weit außerhalb gelegen. In den Straßen hören wir noch ein paar Betrunkene pöbeln bevor wir einschlafen.

18. September 2014, Santiago de Chile (Fiesta de las Patrias), Beim Aufstehen scheint uns die Stadt erstaunlich ruhig dafür, dass heute alles auf dem Kopf stehen soll. Gut das wir bei der Tankstelle Internet haben denn beim Frühstücken erreicht uns eine Email einer Freundin die selber in Santiago wohnt. Den Kontakt zu Ihr haben hat ein guter Freund von Max Vater aus Deutschland hergestellt. An dieser Stelle vielen Dank für die große Unterstützung entlang der Reise!

Francisca lädt uns ein, den Nationalfeiertag zusammen mit ihrer Familie bei sich zuhause mit einem Asado zu feiern. Froh über die Einladung machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zu ihr, dafür müssen wir noch einmal quer durch die ganze Stadt. Auf dem Weg finden wir noch einen offenen Blumenladen und besorgen eine kleine Aufmerksamkeit. Nach fast einer Stunde Fahrt durch die Straßen Santiagos sind wir mittlerweile auch am anderen Ende der Stadt angekommen. Als wir durch die kleine Nebenstraße fahren begrüßen uns direkt die beiden Wachhunde von Francisca mit lautem Gebell. Erfreut über unser Kommen beruhigt sie die Hunde und bittet uns herzlich ins Haus. Im Haus sind die Vorbereitungen für das Mittag schon im vollen Gange. Zusammen mit ihrer Mutter werden Empanadas und Salate vorbereitet, während ihr Mann im Innenhof die Kohle zum Grillen anheizt. Francisca überrascht uns mit ihrem perfekten Deutsch, man merkt gar nicht, dass sie Santiaguina ist, genauso könnte sie aus Hannover kommen. Sogar ihr siebenjähriger Sohn Martín spricht schon erstaunlich gut Deutsch. Sie verdonnert ihn dazu mit uns nur auf Deutsch zu reden um seine Sprache zu verbessern, doch er spricht gerne Deutsch und versucht uns alles zu erklären. Beim Essen wird dann aber wieder Spanisch geredet, über Chile, die Feiertage und unsere Reise.

Auch Francisca rät uns davon ab direkt in der Stadt zu parken, vor allem diese Tage ist es dort nicht sonderlich sicher. Direkt vor ihrem Haus sollte es aber keine Probleme geben. Zur Sicherheit bittet sie noch den Securitybeamten nachts ein Auge auf unsere Lola zu werfen. Beruhigt machen wir uns mit einem Linienbus auf den Weg ins Stadtzentrum, denn die großen Fondas wollen wir uns nicht entgehen lassen. Je näher wir dem Park kommen, desto größer wird auch die Menschenmasse mit der wir uns treiben lassen. Immer deutlicher hören wir Musik und Getöse. Die anderen hatten recht, in Santiago ist heute doch nicht so tote Hose wie schon fast vermutet. Unmengen von Menschen drängen sich auf das Parkgelände, welches von Polizei und Militär abgetrennt und bewacht wird. An kleinen Ständen probieren wir uns durch chilenische Köstlichkeiten – Süßspeisen, Marmeladen, Wein, Bier und Spirituosen. Auf Tanzflächen wird Cueca getanzt, der Nationaltanz der Chilenen. Zu der Livemusik wird mit einem Stofftuch in der Luft herum gewedelt und rhythmisch aufgetreten. In der Mitte des Parks ist eine große Bühne aufgebaut auf der andere Livebands ihr Programm vortragen, auch hierzu tanzen die Chilenen ausgelassen. Vielleicht hat die Ausgelassenheit auch etwas mit dem Terremoto (zu Deutsch Erdbeben) zu tun: Ein Weißwein-Eis-Getränk, das von den Chilenen an diesen Tagen auch gerne mal in Unmengen konsumiert wird. Auf unserer Probiertour dürfen wir auch nicht die typischen frittierten Empanadas mit Garnelen auslassen, genauso wenig wie die Fleischspieße mit Gemüse. Satt vom Asado bei Francisca und den verschiedenen Köstlichkeiten im Park holen auch wir uns einen Terremoto und genießen die ausgelassene Atmosphäre vor der Bühne. Auf dem Rückweg vom Park taumelt an uns der ein oder andere Chilene vorbei, wenn er noch nicht wie ein anderer auf dem Grünstreifen ein Nickerchen macht. Da es mittlerweile schon Nacht ist müssen wir noch ein bisschen durch die Straßen irren bis wir endlich die richtige Bushaltestelle gefunden haben, bei der rund um die Uhr die Busse anhalten.

19. September 2014, Santiago de Chile (Militärparade) – Vina del Mar, Als wir uns auf den Weg machen möchten scheint noch keiner von Franciscas Familie aufgestanden zu sein. Da wir auch nicht zu spät bei der Militärparade ankommen möchten, entscheiden wir uns nicht zu warten, ohnehin kommen wir in ein paar Tagen ja noch einmal wieder und können uns noch mal bedanken. Also schreiben wir ihr kurz eine Nachricht und fahren abermals ins Zentrum. Heute zu dem Park O´Higgins indem später die große Militärparade stattfinden soll. SONY DSCLola lassen wir sicherheitshalber ein Stück entfernt auf einer Tankstelle stehen, nachdem wir sie noch kurz gewaschen haben. Zu Fuß zum Park gehend befinden wir uns direkt wieder in einer großen Menschentraube. Essen, Spielzeug und allerlei Kleinigkeiten werden von Straßenverkäufern angepriesen und an die Menge verkauft. Wir sparen unsere letzten Pesos für später auf und genießen für den Moment nur das bunte Treiben. Der Eintritt in den Park ist stark bewacht, hier beginnt die Sicherheitszone. Der Park ähnelt einem riesigen Jahrmarkt und einer gigantischen Picknickwiese. Etwas abgelegen haben sich Familien ihren Platz gesichert, sie grillen, kochen auf Gaskochern und campen in Zelten, alles direkt im Park. Die einen grillen in leeren Einkaufswagen, andere Verkaufen kleine Küken, zum Züchten und Verschenken. Blaskapellen, Pferdekutschen und Scharfschützen; Chile scheint mit so gut wie allem aufzutrumpfen. Über uns fliegen Düsenjets, Bomber und Hubschrauber. Nach ein paar Stunden haben wir genug gesehen. Auch wenn wir noch gerne länger bleiben würden, beeilen wir uns, vor dem Ende der Parade aus dem Park zu sein. Wenn nicht, könnte es sein, dass wir einige Stunden auf dem Weg nach Valparaíso im Stau stecken bleiben.

Mit letzter Kraft zum Gipfel

SONY DSC

3. September, Als der Wecker klingelt sind wir anders als gedacht hell wach, denn wir sind gespannt auf das was uns erwartet. Ein Kaffee und eine Schüssel Müsli müssen erstmal reichen – die Zeit ist knapp. Unsere Trekkingschuhe binden wir uns an unsere gepackten Backpacker, für das erste Stück haben wir uns lieber für unsere Gummistiefel entschieden, die hoffentlich ausreichen. Die markierte Stelle finden wir schnell uns der Fluss ist schnell überquert, doch nach dem ersten folgt der zweite, der um einiges breiter und tiefer als der erste ist. Die Karte die wir am Eingang des Nationalparks bekommen haben ist leider nicht sonderlich detailliert und so helfen uns unsere Koordinatenpunkte nur wenig. Aber die Grundrichtung Nordost wird schon stimmen, tippen wir. Durch das seichte Wasser watend hören wir plötzlich Geräusche vor uns in dem Wasser, ein kleiner Schreck macht sich in uns breit. Doch als wir diesen überwunden haben, stellen wir fest, dass es sich nur um ein paar Biber handelt die mit ihrer ganzen Familie durch den Fluss schwimmen. Leider sind sie etwas scheu und schwimmen Weg sobald man probiert ihnen noch näher zu kommen. Augen zu und durch, auch den nächsten und letzten Fluss haben wir geschafft. Wach sind wir beide jetzt auf jeden Fall, denn der Fluss wird von dem Gletscher gespeist, den wir später noch erreichen möchten. Abgetrocknet und jetzt in unseren warmen Trekkingschuhen klettern wir die Küstenwand hoch. Zum Glück haben wir unsere Stirnlampen, denn beide Hände brauchen wir um uns den Berg hochzuziehen. Auf der Bergkuppe irren wir etwas herum und versuchen die schlechte Karte zu entziffern, doch auch während uns das nur spekulativ gelingt, merken wir, dass wir noch nicht auf dem richtigen Landstück sind. Eigentlich müssten wir noch weiter im Osten sein, doch zwischen uns und der Bergkette im Osten liegt noch ein großer reißender Fluss, den auch noch zu überqueren und das bei der Dunkelheit wäre etwas zu riskant. Etwas enttäuscht laufen wir einen anderen Weg zurück. So schnell geben wir jedoch nicht auf, mittlerweile ist es fast sieben und die Sonne beginnt aufzugehen. Die wohl einfachste Lösung ist es schnell zum dem offiziellen Trekking-Pfad zu fahren und von da so schnell wir möglich den Aufstieg hinter uns zu bringen.

SONY DSC

Wir stellen unser Auto direkt auf der anderen Seite des großen Flusses ab und verriegeln gut alle Türen, damit kein anderer Wanderer auf die Idee kommt in unserem Auto eine kleine Kaffepause einzulegen. Wieder die Backpacker gesattelt, die Gummistiefel können wir jetzt getrost im Auto lassen, gehen wir wieder los. Locker wandern wir über Stock und Stein, treffen nach einer Stunde auch schon die ersten anderen Wanderer. Eigentlich sollte der Weg vier Stunden in Anspruch nehmen, nach zweieinhalb erreichen wir aber schon das Refugio, das Basiscamp der Holländer. Auch trotzt unseres straffen Schrittes sind wir durch unseren morgendlichen Umweg zu spät dran. Pieter und Lennart sind schon unterwegs. Der Weg ab dem Camp ist nicht mehr mit dem Weg davor zu vergleichen, wir klettern Wasserläufe herunter und steigen teils steile Berge hinauf. Langsam merken wir auch in den Beinen das wir bereits die zweite Tagestour an einem Tag bewältigen. Durch einen Waldbrand, ist leider ein zehntel des gesamten Parks abgebrannt. Auch wenn das schon einige Jahre her ist steigt uns noch der verkohlte Geruch der Bäume in die Nasen, auch die Landschaft wirkt dadurch eher ausgedünnt. Etwas erschöpft klettern wir noch vom Weg ab auf einen Berg und lassen uns auf die Felsen fallen. Vor uns sehen wir schön den Gletscher Grey. Eine Weile verweilen wir, genießen die Ruhe und machen ein paar Bilder, bevor wir das letzte Stück antreten. 

SONY DSC

Der rechte Flügel des Gletscher Grey

Mit der Zeit wird der Weg etwas beschwerlicher. Hinzu kommt, dass der Weg immer steiler und schlechter wird. Auch wenn wir den eigentlichen Aussichtspunkt auf den Gletscher nicht finden, finden wir einen besseren, direkt auf der Bergkuppe schlagen wir unserer Mittagslager auf, auch wenn mittlerweile schon Nachmittag ist, gefühlter Abend. Während der Gaskocher unsere Ravioli erwärmt dehnen wir unsere Beine, denn nach dem Essen müssen wir auch wieder zurück. Etwas graust uns der Rückweg, doch das Essen wird uns genug Energie geben, um auch sicher zurück zu kommen. Mit vollem Magen geht es auch den Beinen schon wieder ein gutes Stück besser, doch jetzt verstehen wir warum die meisten die Tour in mehrere Tage aufteilen.  

Es geht wieder herunter, oder eher rauf und runter bis zur anderen Station. Das erste Stück des Rückweges ist wieder leichter als gedacht, die ersten Kilometer können wir fast wieder unsere Anfangsgeschwindigkeit erreichen. Aber die Pause hätte länger sein können, denn mit der Zeit kommt auch jetzt die Erschöpfung wieder. Noch einmal kämpfen wir uns auf die Beine und wie nach jeder Pause müssen wir uns erst langsam an das Gehen gewöhnen. Langsam aber sicher kommen wir wieder in den Trott und durchqueren bei zunehmender Dunkelheit das Tal. Während wir die letzten Meter durch das Tal trekken lässt uns die Vorfreude endlich das Camp zu erreichen trotz der Müdigkeit nahezu rennen.

Direkt vor der Station fallen wir erschöpft auf den Holzzaun. Die Entscheidung, heute nicht mehr bis zum Auto zu gehen fiel uns nicht schwer. Doch ohne Bewegung wird uns langsam frisch und das Kaminzimmer lockt uns. In der Eingangshalle treffen wir direkt die anderen Deutschen wieder die uns freudig begrüßen. In den Zimmern gibt es leider keine Heizung, genauso wenig wie Handtücher. Leicht verärgert über den schlechten Service und die schlechte Information, denn eigentlich wurde uns gesagt, man könne mit argentinischen Pesos zahlen, gehen wir ins Kaminzimmer. Hier ist es gemütlich warm, beim Öffnen der Tür werden wir von einem kleinen Sprechchor: „the springhunters!“ empfangen, unser Ruf eilt uns voraus. Auch die Holländer sitzen schon beim Kamin, sie hatten sich heute spontan für eine andere Tour entschieden, kein Wunder das wir sie nicht treffen konnten. Beim Austausch unserer Erlebnisse laden sie uns auf eine Flasche Wein ein. Diese geschafft verabschieden wir uns von einander, es ist zwar erst zehn aber wir alle sind wir todmüde. 

4. September, Nach der letzten so kurzen Nacht und der anstrengenden Tour gestern, haben wir uns heute etwas mehr schlaf gegönnt. Kurz vor zehn rappeln wir uns aus den Betten und springen erst einmal unter die guttuende warme Dusche. Halbwegs sind wir wieder fit und stehen, nach der noch von gestern übrig gebliebenen Dose Ravioli und Thunfisch, wieder in den Trekkingschuhen auf dem Wanderpfad. Heute haben wir anders als gestern ja nur eine ganz normale ein Tagestour vor uns, darum können wir uns ordentlich Zeit lassen. Auf halbem Weg kommt uns jemand entgegen, noch langsamer als wir schlendert uns der junge Mann mit riesigem Backpacker und großer Spiegelreflexkamera entgegen. Als wir näher beisammen sind, fragt er uns euphorisch ob wir die Deutschen seien, die mit dem Van reisen, die springhunters. Genau die sind wir, sagen wir ihm lachend, wie sich herausstellt ist es Lee, der Australier, der bereits viel von uns gehört und auch erzählt hat. Endlich haben wir den mysteriösen Australier getroffen. Eine Weile unterhalten wir uns noch über seine und unsere Tour. Das letzte Stück am Fluss schlendern auch wir zurück, endlich nach der letzten Bergkuppe sehen wir Lola am Flussufer stehen – wir sind zurück. 

 

Großer Abschied

SONY DSC

26. August 2014, Als unser Wecker uns aus dem Schlaf klingelt fahren an uns bereits die ersten Tagestouristen vorbei. Wir drei und Lola bieten einigen Touri-Bussen eine interessante Attraktion, gleich mehrere halten und begutachten uns, fragen nach unserer Reise und den Hintergründen. Leicht erheitert über den unerwarteten Besuch frühstücken wir.

Dieser Blog hat für uns drei jedoch eine viel tiefere Bedeutung, denn bei unserer weiteren Reiseplanung müssen wir ab heute auf eine große Veränderung Rücksicht nehmen. Moritz, der kurzfristig ein verlockendes Studienangebot bekommen hat, wird leider nicht mehr Teil der gesamten Tour sein können. Er hat sich entschieden das Angebot anzunehmen und fortan in Deutschland zu studieren. Ihm, aber natürlich genauso Alessandro und Max, ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen. Dennoch wird sich Moritz nicht komplett von unserer Tour verabschieden. Anfang nächsten Jahres wird er wieder für einen längeren Abschnitt Teil unseres Teams sein. Bis dahin werden Alessandro und Max alleine weiterreisen. Trotz dieser schwerwiegenden Veränderung freuen wir uns genauso auf die weitere Tour, die keinesfalls dadurch Abbruch nimmt.

Etwas gedrückt ist unsere Stimmung während wir zum Flughafen in Ushuaia fahren. Die Flugverspätung von gut zwei Stunden, lässt uns noch etwas mehr Zeit gemeinsam. Groß ist der Abschied am Gate als Moritz durch die Sicherheitsschleuse verschwindet. Von nun an sind wir nur noch zu zweit, freuen uns aber schon wenn Moritz wieder an unseren Erfahrungen direkt teilhaben wird.

« Older Entries