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Springhunters Colombia – dem Frühling auf der Spur

Springhunters Colombia Filmbanner Kopie

Mit Kolumbien ist für uns nicht nur wieder ein Land zu Ende, sondern ein ganzes Kapitel unserer Reise. Südamerika war eine wunderbare, spannende und interessante Zeit und zu gerne hätten wir mehr Zeit dort verbracht, doch uns zieht es weiter in Richtung Norden. Uns erwarten schon neue Abenteuer in Zentralamerika und wir freuen uns bereits auf eine tolle Zeit in Panama! Viel Spaß bei unseren letzten Eindrücken aus Südamerika!

Music:

Who Cares – Sam Brown

Spark – Final Round

Fisch, springhunters‘ Art

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Fisch, springhunters’ Art

Für 6 Portionen

Für Alle die denken, wir würden jeden Tag Essen gehen und höchstens zum Frühstück mal einen labberigen Toast selber auf die Teller klatschen, hier die große Überraschung! Natürlich genießen wir gerne die Vorzüge, die fremden Kulturen und vor allem die Küche zu genießen und probieren nicht zu selten von Einheimischen gekochte Gerichte. Jedoch lässt die Reisekasse das nicht jeden Tag zu und so müssen oder besser wollen wir selber den Kochlöffel in die Hand nehmen und die Suppe rühren! Kochen steht nicht nur für normale Haushalte in der Heimat, sondern selbstverständlich auch auf unserer Reise auf der Tagesordnung – und zwar mehrmals!

Nicht jeden Tag gibt es ein Gourmetmenü, allerdings haben wir besonders nach einem anstrengenden Spaziergang durchaus mal Anregungen für ein umfangreicheres Essen gesammelt und nehmen den Aufwand, der bei uns immer mit Vorfreude, guter Laune und vielleicht einem Bierchen vorweg verbunden ist, gerne in Kauf. Und damit ihr Appetit bekommt, haben wir hier für euch mal was ganz besonderes – Kochen mit den springhunters. Also lasst euch die folgenden Zeilen gut schmecken!

In Playas del Coco, einem kleinen, mittlerweile jedoch sehr (von der nordamerikanischen Sorte) touristischen Örtchen an der westlichen Pazifikküste Costa Ricas, brauchen wir nach unserem aufregenden Tauchgang eine ordentliche Stärkung und sehen beim Überlegen, was es denn zum Abendessen geben könnte, einen mit frischem Fisch beladenen Laster vorbeifahren. Schnurstracks laufen wir aus der Küche und dem Wagen hinterher. Einen Kilometer später, den Laster haben wir kurz verloren, sehen wir wie auf einem kleinen Hof der Fisch in Kisten von der Ladefläche geladen wird. Kurz darauf finden wir uns in einem Gespräch mit dem freundlichen Fischer und Fischverkäufer und bekommen zu unserer Freude noch einen Fisch umsonst oben drauf! Noch schnell ein paar Zutaten gekauft kommen wir mit sechs Fischen in der Tüte zurück zur Unterkunft und wieder in die Küche. Die anderen Gäste schauen schon nervös durch die Gegend als sie unseren Einkauf sehen und schieben ihr langweiliges Wurstbrot unauffällig hinter den Toaster. Wir breiten die gekauften Kräuter, Knoblauch, das Gemüse und den Fisch auf der Arbeitsfläche aus und legen los.

IMG_7880Der Fisch: Der Fisch ist frisch und das ist auch gut so! Ausgenommen hat die Meerbrassen bereits der Fischer an Bord, jedoch sind die Schuppen noch dran. Leider gibt’s dabei keinen Trick, also ran an den Speck und mit einem großen Messer die Schuppen von der Schwanzflosse zum Kopf hin abschaben. Das macht zwar keinen Spaß, aber die Alternative wäre die Dinger mitzuessen…

Nachdem das getan ist kann der Fisch mit allerlei gefüllt werden. Je nach Geschmack stopft man Kräuter in den Fisch hinein. Wir haben es auf Rosmarin, Thymian und Knoblauch beschränkt und das ganze mit Salz und Pfeffer abgerundet, um den Geschmack vom Fisch nicht zu sehr zu verfälschen. Salz und Pfeffer kommen zuerst hinein.

IMG_7888Hierzu den Fisch, dort wo der Fischer in aufgeschnitten hat, aufhalten und beides hineinstreuen. Von Rosmarin und Thymian zupft man einfach die Blättchen ab (wenn es nicht stört gehen natürlich auch kleine Ästchen) und legt sie in Schwimmrichtung in den Fisch hinein. Jetzt noch schnell den Knoblauch in große Stücke teilen und mit hineinlegen. Wer die Kräuter gerne dabei hat, kann den Fisch an der Seite noch mit kleinen, ca. 5mm tiefen Schnitten anritzen und auch hier die Käuter hineindrücken.

IMG_7895Wenn alles drin ist noch ein bisschen Öl in den Fisch gießen und jetzt mit Alufolie den kompletten Fisch einwickeln. Den Kopf sollte man hierbei am Fisch lassen, da der Fisch so geschlossener gart und die Kräuter und der Knoblauch besser einziehen. Das ganze natürlich nicht nur mit einem Fisch, sondern mit allen, die es zum Essen gibt…

Der Fisch wird nun auf dem Grill, wahlweise auch im Ofen, gegart. Beim Gasgrill auf kleiner Stufe wird der Fisch in 12 Minuten gar. Der Fisch bleibt zarter, wenn er alle 3 Minuten gedreht wird. Bei Holzkohlegrills eventuell öfter drehen.

Der Salat: Mit einem einfachen Salat zum Fisch kann man nichts falsch machen! Hierzu ein paar Tomaten und eine Zwiebel in kleine Stückchen und Salatblätter in Streifen schneiden und gut durchmengen.

Das Dressing: Für das Dressing eine oder zwei Zehen Knoblauch in feine Stücke hacken und etwas Öl, Essig, Honig und Senf nach Gefühl hinzugeben. Einen (oder zwei) Spritzer Limettensaft hinzugeben und das Ganze mit etwas Paprikapulver, Salz und Pfeffer ergänzen und fertig ist das zum Fisch passende Dressing!

Einkaufsliste:

Fisch, hier Meerbrasse
Kräuter (Thymian, Rosmarin, etc.)
Knoblauch
Tomaten
Zwiebeln
Eisbergsalat

Mengenangaben:

Augenmaß

Wir empfehlen zum Essen ein typisch Costa Ricanisches Imperial Bier! Guten Appetit.

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Springhunters Ecuador – dem Frühling auf der Spur

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Springhunters Ecuador – dem Frühling auf der Spur

Mit Ecuador lassen wir ein weiteres wunderschönes Land auf unserer Reise hinter uns. Wir konnten tolle Erfahrungen und Eindrücke sammeln und können von fantastischen Erlebnissen berichten.
Viel Vergnügen beim Schauen, eure Springhunters!

Music:
Who Cares – Sam Brown
Sparks – Final Round

 

Springhunters Perú – dem Frühling auf der Spur

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Wieder lassen wir ein Land hinter uns und starten in ein Neues. Alle Erlebnisse und Abenteuer aus Perú hier für Euch in einem Video zusammengefasst. Viel Spaß beim Anschauen! Euer springhunters-team

Music by:
Thomas Allan – Coming Out To Play
Sam Brown – Who Cares
Stefano Mocini – Rebirth

Dorthin, wo der Sonnengott die Inka schickte

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Lago Titicaca; 13.12.2014 – 16.12.2014, Viele andere Reisende, die wir im Vorfeld getroffen haben, schimpften über La Paz. Dreckig und gefährlich oder einfach: „Shit Hole“ (zu deutsch: „Scheiß Loch“). Doch der höchste Regierungssitz der Welt zeigte sich uns in einem ganz anderen Licht. Abgesehen von Höhenkrankheit und Erkältung konnten wir die Zeit in La Paz ganz besonders genießen. Nette Menschen, schöne Plätze und günstiger Lebens-unterhalt. Wir gönnen uns noch eine Nacht mehr in der Großstadt, bevor wir früh aufbrechen in Richtung Titicacasee.

In El Alto, einer Art Vorstadt von La Paz, suchen wir einen neuen Ersatzreifen, denn der kaputte Reifen unter dem Tisch geht uns langsam aber sicher auf die Nerven. Einen günstigen neuen Reifen zu finden stellt sich als besonders schwierig heraus und so kaufen wir einen guten Gebrauchten. Bevor wir die Stadt verlassen, machen wir noch eine gute Erfahrung mehr, denn als wir in die Polizeikontrolle geraten, haben wir uns schon lange verfahren. Wir atmen auf, als uns der Polizist nicht kontrollieren möchte und stattdessen seine Hilfe anbietet. Als wir ihn fragen, wie wir zum Titicacasee kommen, bestätigt er uns unsere Sorge, dass wir uns verfahren haben. Doch anstatt uns zu beschreiben wie wir wenden könnten, sperrt er zusammen mit seinen Kollegen die Hauptverkehrsader. Problemlos dürfen wir zurücksetzten und die richtige Ausfahrt nehmen.
Die Fahrt zum höchsten schiffbaren See geht überraschend schnell. Kurz vor Copacabana endet die Straße an einer kleinen Fährstation. Der See sei an dieser Stelle mehrere tausend Meter tief und so müssen auch wir mit der Fähre übersetzen. Wir beobachten ein wenig die wacklige Verschiffungsaktion und stärken uns mit frischer Forelle. Zusammen mit einer Vielzahl von Motorradrockern und einem Reisebus trauen wir uns auf die knirschende Holzkonstruktion. Das Floß wackelt stark als wir nach dem Reisebus gerade noch so darauf passen. IMG_2689Die ersten Meter stößt uns der Fahrer vom Ufer ab, bevor er die beiden kleinen Verbrennungsmotoren mit einer schwarzen Rauchwolke anwirft. Gerade auf der anderen Seeseite angekommen verwandelt sich der Himmel in ein ähnlich tiefes Schwarz. Lola wurde aufgenommen in den Konvoi des Motorradclubs, der sich dieses Wochenende mit anderen am Ufer des Titicacasees trifft. Die großen Harleys und Yamahas beginnen an zu brummen und ziehen mit uns die kurvige Straße weiter. Doch den Motorradfahrern wird es immer unangenehmer in ihrer Haut, denn aus den schwarzen Wolken gewittert es mittlerweile. Tennisball große Hagelkörner bringen das Autodach zum Beben. Und aus den großen Wolkenformationen donnern gewaltige Blitze auf den See und die Berge. Als das Unwetter weitergezogen ist, ziehen auch wir nach kurzer Rast weiter nach Copacabana. In der kleinen Stadt stehen die Pfützen noch knöchelhoch. Wir fahren zu dem Hotel, das uns von anderen empfohlen wurde, und parken vor der Tür auf dem matschigen Parkplatz.

Am nächsten Tag schlendern wir ein wenig durch die Stadt, Internet gibt es allerdings nicht, denn es regnet wieder. Auf Nachfrage sagt man uns, dass es vielleicht später wieder Internet geben würde, je nachdem wie Pacha Mama (Muttererde) Lust und Laune hat. Auch Geldabheben ist unmöglich, denn selbst der Strom reicht nicht mehr aus, um das System zum Server aufzubauen. Als wir dann doch wieder flüssig sind, mieten wir uns zwei Quads. Mit den roten Maschinen düsen wir abseits der Stadt durch die Seenlandschaft. Als wir nach gut einer Stunde unsere Tour beendet haben und bezahlen möchten, erklärt man uns, dass wir gut zwei Stunden unterwegs gewesen sein sollen. „Das kann nicht sein, guck doch einmal auf die Uhr!“, versuchen wir der Inhaberin klar zu machen, dass wir bestimmt nicht mehr bezahlen wollen. Nach einiger Zeit Diskussion sind wir angeblich schon drei Stunden unterwegs gewesen, nach bolivianischer Zeit, sagt man uns. Wir bleiben stur und bezahlen letzten Endes eine europäische Stunde. Nur ungern, aber immerhin gibt sie uns auch unsere Ausweise zurück und wir können wieder zurück zum Auto. Packen noch kurz unsere Backpacker und legen uns früh ins Bett, denn morgen haben wir etwas vor!

In La Paz haben wir noch kurz vor der Abfahrt ein Zelt erstanden und können es kaum erwarten es aufzubauen, um es zu testen. Ausgestattet mit allem, was wir eventuell brauchen könnten, machen wir uns auf den Weg zum Wassertaxi, das uns und andere Touristen zu der „Insla del Sol“ (zu deutsch: Sonneninsel) fährt. Schon in dem Boot merken wir, das wir scheinbar die einzigen sind, die ihr gesamtes Geraffel dabei haben. Auf dem Wasser schippernd, schlafen wir noch eine Runde, denn von Höhe und Regen sind wir beide noch etwas angeschlagen. An einem kleinen Steg am Nordufer legen wir an und betreten das heilige Land der Inka. Unsere Backpacker sind bis zum Umfallen vollgefüllt und genauso schwer sind sie auch. Bevor wir unseren Marsch beginnen, kaufen wir uns noch eine Frühstücksbanane zu unglaublichen „Touri“-Preisen. Auf dem Weg werden wir noch eingeladen, an einer Tour mit zumachen, doch eigentlich wollen wir die Insel lieber selber erklimmen und gehen deswegen alleine. Nach ein paar Minuten Marsch gelangen wir zu der kleinen Ruinenstadt, die der Sage nach der Geburtsort der Inka-Indianer sei. Hierhin soll also der Sonnengott den ersten Inka geschickt haben, auf die Sonneninsel. Doch von der Sonne spüren wir bei dem bedeckten Himmel und leichtem Nieselregen eher weniger. Nach den Ruinen geht es wieder bergauf. Wir wollen uns nicht beschweren, aber wir haben uns auf die Gipfel gekämpft. Oben angekommen freuen wir uns, es jetzt geschafft zu haben. Doch das Schwitzen geht nach wenigen hundert Metern weiter. Hoch und runter geht der Weg durch die Landschaft, rechts und links sehen wir immer wieder den gewaltigen See. Wenn man es nicht besser wüsste, könnten wir auch auf einer Insel mitten im Meer stehen, denn weit und breit sehen wir oft nicht mehr als das endlose Wasser. IMG_2878Nach einigen schweißtreibenden Kilometern wollen wir uns an einem kleinen Stand Trinkwasser kaufen, jedoch erst, wenn wir den Preis kennen. Doch wir bekommen den Preis herunter gehandelt und kaufen neues Wasser. Mit zwei Kilo mehr im Gepäck suchen wir den in der Karte eingezeichneten „Campingplatz“. Uns schlendern zwei leicht bepackte Backpacker entgegen, einer von ihnen mit Angel am Rucksack. Doch leider haben sie bis auf Seegras noch nicht viel am Titicacasee gefangen. Der Engländer und eine Deutsche, die sich gerade erst kennengelernt haben, wollen sich morgen auch auf den Weg Richtung Cusco über Puno machen. Kurzerhand laden wir sie ein, bei uns mitzufahren und verabreden uns für morgen früh am Hafen. Doch die Campingplatzsuche wurde nicht mehr erfolgreicher. Niemand weiß von dem ominösen Campingplatz auf der offiziellen Karte. Und so stehen wir nach der erfolglosen Suche kurz vor drei in dem Dorf am Südende der Insel. Erschöpft gehen wir runter zum Hafen, zwischen Eseln und Lamas. Da wir hier auch nicht mehr campen müssen, kaufen wir uns ein Rückfahrtticket, ein wenig frustriert, keinen Schlafplatz gefunden zu haben. Ohnehin war die Insel jedoch leicht an einem Tag zu schaffen, und mit weniger Gepäck wäredie Strecke wahrscheinlich noch schöner gewesen. Jetzt haben wir noch über eine Stunde Zeit und beschließen, wenigstens den Gaskocher zu benutzen. Mit dem kleinen Campingkocher bringen wir unsere mitgeschleppte Currywurst zum Brodeln. Sogar einen Nachtisch haben wir noch dabei, oder besser gesagt das für morgen gedachte Frühstück.

Am nächsten Morgen kämpfen wir uns früh aus den Betten, denn Theresa und Mark wollen schon mit der ersten Fähre zurück nach Copacabana kommen. Alessandro packt das Auto noch fahrbereit und Max sucht die beiden am Hafen, doch es gibt keine Spur von unseren Gästen. Wir beschließen noch auf die nächste Fähre zu warten und dieses Mal erwarten uns unsere Freunde bereits am Hafen. Gestärkt von einem Forellen-Mittagsmenü fahren wir los.
Nicht wie geplant nach einer halben Stunde, sondern schon nach wenigen Minuten sind wir an der Grenze angekommen. Die Revision des Fahrzeuges von bolivianischer Seite aus, fällt spärlich aus, nachdem wir schon einige Zeit über die angeblich falsch ausgefüllten Zolldokumente diskutiert haben. „So wurden die Dokumente am Zoll ausgefüllt, so müssen sie auch wieder angenommen werden“, dokumentieren wir, „und bei Beschwerden sollen Sie sich bitte an ihre Kollegen nicht an uns wenden“ – erfolgreich! Auf peruanischer Seite sieht schon wieder alles anders aus. Es gibt wieder einmal keinen Strom und kein Internet und wir sollen doch bitte noch ein wenig warten. Nach einer Stunde reicht es uns dann aber und dem Zollbeamten genauso, denn hinter uns rollt schon der nächste Camper an, dieses Mal aus Quebec. In Kleinarbeit wird der kleine Papierzettel dreimal ausgefüllt. Alessandro kommt jetzt zwar aus Gifhorn, doch diesen Fehler wollte der Zollbeamte nicht mehr korrigieren, Geburtsort und Heimatort sind hier nun mal dasselbe.IMG_2972
Beim Ausfüllen der Dokumente kommt eine Peruanerin in das beschauliche Zollhäuschen. Der alte Zollbeamte freut sich scheinbar über den Besuch, springt für sein Alter erstaunlich agil auf und begrüßt sie mit einem Küsschen. Nachdem wir mit anhören durften, wie es beiden Familien, den Kindern und Verwandten geht, kümmert er sich wieder um unser Anliegen. Die Dame bittet noch ausdrücklich darum, vor einer Fahrzeugkontrolle abzusehen. „Natürlich und morgen früh musst du vor 12 Uhr kommen, dann ist mein Kollege da!“, kommt als nüchterne Antwort zurück. Auch wir werden aber nicht kontrolliert und dürfen einfach weiter fahren.
Heute kommen wir nur noch nach Puno. Die am Hügel gebaute Stadt kostet Lola wieder einmal viel Überwindung, doch langsam schieben wir uns die Hügel hinauf zu einem Hostel. Mark und Theresa scheinen die einzigen Gäste zu sein. Wir schlendern noch ein wenig durch die belebte Stadt, essen in einem kleinen Restaurant voller Einheimischer für weniger als 2 Euro und trinken zum Nachtisch einen glibberigen Tee auf der Straße. Die peruanische Dame Mitte 60 schüttet eine dickflüssige glibberige Substanz in einen Topf, kocht uns unbekannte Kräuter aus und füllt den Becher dann noch mit Tropfen in allen Farben auf. Das Endergebnis hat eine leicht rötliche Farbe, doch schmeckt lecker und soll auch noch gesund sein. Als wir das Glas ausgetrunken haben, ist es noch nicht vorbei und wir bekommen noch einen Nachschlag. Zurück im Hostel verweilen wir noch gut ein paar Stunden auf der Dachterrasse beim Kartenspielen.

Am nächsten Morgen brauchen wir lange bis der Frühstückstisch gedeckt ist, denn unser Großeinkauf muss erst verarbeitet werden. Es gibt Rührei, frische Brötchen, Obstsalat, Obstshake und und, und … ein richtiges Festmal. Auch das Frühstück genießen wir auf der Dachterrasse mit einem atemberaubenden Ausblick über die Stadt.
Als wir uns wieder auf den Weg machen, geraten wir in eine Polizeikontrolle und immer noch ist es vor Weihnachten und die Polizisten hungrig. Unsere Reflektoren reichen nicht aus und wir sollen 100 Euro Strafe bezahlen. Im Endeffekt diskutieren wir die Strafe wieder einmal weg und kaufen uns einen Meter des hässlichen Reflektorenklebebandes. Doch eine Strafe wollen wir dem Polizisten noch geben und fahren wieder ohne Reflektoren zur Kontrolle, dieses Mal um den Beamten zu bitten die Reflektoren anzukleben. Schlecht gelaunt und überredet, klebt uns der Beamte die Reflektoren an die Hecktüren. Jetzt verkehrssicher fahren wir noch das letzte Stück nach Cusco.

Mit unseren neuen Reflektoren am Heck fühlen wir uns viel sicherer und sind gespannt auf Cusco und das sagenumwobene Machu Picchu.

Nach Santa Cruz mit Scheppern und Getöse

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22.11.2014 – 05.12.2014; Sucre, Samaipata, Santa Cruz; Die perfekte Asphaltstraße begleitet uns noch bis zur bolivianischen Hauptstadt Sucre. Auch dieser Großstadt sieht man den Prunk der alten Zeiten noch deutlich an. Große Kolonialbauten erstrahlen nun in einem vielleicht nicht mehr ganz so weißen Glanz.

Vielleicht waren es sogar noch zwei Zentimeter Platz, aber geradeso schieben wir uns Stück für Stück unter dem Torbogen auf den sicheren Innenhof des Hostel Pachamama. Im Innenhof steht der Tag ganz unter dem Motto „Frühlingsputz“, kleine Lackplatzer von den Steinbrüchen, durch die wir uns gekämpft haben, müssen neu grundiert werden und der gesamte Innenenraum des Autos wartet auf eine Grundreinigung von Staub und Sand. Den Abend verbringen wir mit ein paar Franzosen, Koreanern, Deutschen und zwei Australiern, die wir allesamt spontan im Hostel getroffen haben. Nach ein paar Bier zieht es uns in das Nachtleben der Prunkstadt, denn der heutige Freitag sollte dazu bestens geeignet sein. Der Australier hat eine kleine Eckkneipe ausfindig gemacht, in der heute Livemusik gespielt werden soll; und so ist es auch. Die „proppenvolle“ Bar ist außer uns nur mit Einheimischen gefüllt, die motiviert zu der bolivianischen Rockmusik wippen. Um kurz vor Mitternacht hat aber leider auch dieser Spaß sein Ende und die Band hört nach einigen Zugaben auf zu spielen, die Stimmung in der Bar schlägt um und auf der Toilette kommt es zu einer kleinen Auseinandersetzung zweier angetrunkener Männer. Auf der Straße halten wir das erstbeste Taxi an und fahren weiter, dahin wo jetzt noch bessere Stimmung sein soll. Die vergleichsweise kleine Disko ist ebenfalls gut gefüllt und spielt einen angenehmen Mix aus Latin Rock und internationaler „Diskomukke“. Es ist also kurz vor Eins, als wir leicht angeheitert von einer lustigen Feiernacht den Portier des Hostels aus dem Schlaf klingeln, um uns selber in jenen zu begeben.

Der Tank strebt wieder einmal gegen Null, doch in der Stadt wollen wir auf keinen Fall tanken, denn bolivianischen Spritpreise sind zwar extrem subventioniert, doch leider nicht für Ausländer, diese dürfen fast den dreifachen Preis pro Liter blechen und in den Städten wird auch dieses Gesetz beim Wort genommen. Um den nationalen Literpreis von circa 40 Eurocent zu bekommen, dürfen wir mit Lola nicht auf die Tankstelle fahren, sobald das deutsche Nummernschild von einer der vielzähligen Überwachungskameras registriert wird, haben wir verloren. Aus der Stadt gefahren, suchen wir uns – wie gewohnt – eine etwas kleinere Tankstelle am Ortsrand. Wir tanken kurz mit unseren Kanistern voll, um diese dann an der Zapfsäule wieder zu befüllen, doch dieses Mal sind wir leider zu langsam. Wir sind gerade noch mit dem zweiten Kanister im Gange, als der Tankstellenwart seinen eben noch zugesicherten nationalen Preis zurückzieht und jetzt über einen Euro pro Liter fordert. Aber diesen Preis sind wir nicht bereit zu bezahlen, anstatt von 3,7 Bolivianos bieten wir im vier an, doch leider bleibt er bei seinem Angebot und wir bei unserem Standpunkt. Wir einigen uns darauf dann doch lieber nicht zu tanken und fahren stattdessen weiter, unser Tank ist Dank den 40 Litern auch wieder fast voll, womit wir zumindest ein gutes Stück vorankommen sollten.

Wir fahren weiter bis zur nächsten Mautstation und müssen mal wieder für die bolivianischen Straßen zahlen. Max parkt am Straßenrand und geht in das kleine Kontrollhäuschen.

Ein lautes Scheppern schreckt uns auf, als Max den Motor wieder startet oder es zumindest versucht. Wir kennen das Geräusch zu gut, viel zu gut. Genau dieses Geräusch hat uns vor einigen Wochen in Puerto Madryn, Argentinien, gut eine Woche Zeit und einen Haufen Geld gekostet, anscheinend vergeblich. Nachdem wir unsere jetzige Situation mit einigen Kraftausdrücken passend beschrieben haben, spekulieren wir darüber, was wir jetzt am besten machen. Sucre, die Hauptstadt liegt schon etliche Kilometer Wellblechpiste hinter uns, nach Santa Cruz fehlt uns ein noch mindestens genauso großes Stück. Doch immerhin haben wir dort einen Anlaufpunkt. Wir spielen auf Risiko und entscheiden weiter Richtung Nordosten zu fahren, anstatt zurück in die kleine Hauptstadt. Hier – mitten im Nirgendwo – müssen wir gar nicht erst probieren, eine fachmännische Lösung zu finden und Abschleppen von hier würde uns wohl ein gutes Monatsbudget kosten. Immerhin stehen wir am Hang also können wir es einmal mit Anschieben probieren. Den zweiten Gang eingelegt und den Motor vorgeglüht drückt Max die Kupplung durch und Alessandro lehnt sich von hinten mit aller Kraft gegen unsere paar Tonnen auf Rädern. Langsam aber sicher beginnt Lola zu rollen, immer schneller bis Max auf halber Höhe die Kupplung schnell kommen lässt. Als wenn ein Kellner ein Tablett voller Metallteller auf einen Fliesenboden prallen lässt scheppert Lola, aber nichts desto trotz: der Motor läuft wieder. Vielleicht hätten wir in Argentinien lieber probieren sollen, das Ersatzteil zu bekommen, als Schwungscheibe nebst Zahnkranz notdürftig zusammen zu schweißen.IMG_2501

Unser Plan, uns jetzt so schnell wie möglich nach Santa Cruz am Rande des Amazonasbeckens zu kämpfen, scheitert jedoch bereits nach ein paar Minuten Fahrt, doch diesmal liegt es weder an uns noch an Lola. Die Freude über kleine Stückchen Asphalt über das wir gerade fahren vergeht uns schnell als wir sehen, dass entlang der Serpentinen kilometerlang LKW’s geparkt am Straßenrand warten. Erst hoffen wir noch auf einen beliebten Rastplatz und fahren an den ersten vorbei, bis auch die Überholspur vollgeparkt ist. „Hay un bloqueo de mierda!“, rufen uns die Fahrer zu. Doch was sollen wir uns bitte unter einer „Scheiß-Blockade“ vorstellen. Vielleicht ein Erdrutsch, spekulieren wir noch. Mit einem Mal kommt uns zwischen den dunkelhäutigen korpulenten LKW Fahrern eine zarte blonde Frau entgegen gelaufen, „please help me, are you going back to Sucre?“. Zurück nach Sucre, so sah unser Plan eigentlich nicht aus. Dazu kam, dass wir den Motor nicht ausmachen können, da wir Lola ja bekanntermaßen nicht mehr starten können. Aber das Problem der, wie wir jetzt wissen, Belgierin hören wir uns natürlich gerne an. Es ist das gleiche Problem, welches hier gerade wohl alle haben, nur sie alleine als Europäerin im bolivianischen Nirgendwo auf der Straße sitzend zwischen Unmengen an Brummifahrern, fühlt sich besonders unwohl. Es geht kein Stück voran und dass schon seit heute Morgen um 6.00 Uhr – zumindest für sie. Die Blockade scheint schon länger aktiv zu sein. Wie wir vorher noch gutgläubig auf einen Naturzufall getippt haben, erfahren wir jetzt, dass es sich vielmehr um eine gewaltige menschliche Straßenblockade handelt. Die Menschenmenge scheint jedoch gerade immer aggressiver zu werden, die anderen wartenden berichten uns von Dynamit und gelegten Feuern auf der Straße, ein Durchkommen unmöglich. Wer es versucht, scheitert spätestens an den auf der Straße verteilten Dornen.

Uns wird wohl nichts anderes übrig als zusammen mit den LKW-Fahrern zu warten, bis diese „Scheiß-Blockade“ wieder aufgehoben wird. Da wir leider nicht mehr starten können sondern anrollen müssen, parken wir etwas oberhalb der Schlange an einem kleinen abschüssigen Teil der Straße und beginnen erst Mal zu kochen, denn es scheint so, als hätten wir heute noch etwas mehr Zeit. Das Dosenbier war günstig, aber so schmeckt es auch, warm und lasch, immerhin sparen wir Wasser. Als es dunkel wird steht wohl fest, dass hier heute nicht mehr viel geht, ab und zu hört man nur ein lautes Knallen, wahrscheinlich von explodierendem Dynamit. Wir legen uns hin, in der Hoffnung morgen früh weiter zu kommen, auch wenn die Chancen schlecht stehen, so zumindest die Anderen. Am nächsten Morgen scheint es jedoch voran zu gehen. Kurz nach acht ziehen die ersten LKW laut hupend freudig an uns vorbei. Euphorisch schmeißen wir alles zusammen und fahren los, doch die Euphorie scheint nicht lange anhalten zu sollen. Nach 15 Minuten wird die Blockade erneut geschlossen, die kurze Zeit reichte gerade mal für eine Handvoll LKW’s. Jetzt stehen wir zwar ein gutes Stück weiter vorne, haben im Großen und Ganzen jedoch nichts gewonnen. Das Resultat ist das gleiche – wir stehen und warten. Wir beginnen ein Buch über die Panamericana zu studieren, rauchen einen Shishakopf und vor allem warten wir. Kochen eine Suppe, reden mit den anderen, kochen noch eine Suppe und warten weiter. Ein, zwei, drei, …, zehn Stunden und das Warten scheint kein Ende zu nehmen. Bis ein LKW vorne in der Reihe beginnt den Motor anzuschmeißen, die Scheinwerfer anzumachen und zu hupen – geht es etwa voran? Hektisches Getümmel um die LKW’s lässt uns darauf hoffen, endlich weiter zu kommen. Schnell stürmen auch wir raus, um uns ein Bild von der Lage zu machen und bei anderen Wartenden zu erkundigen. „In ein bis zwei Stunden könnte es weitergehen.“, bekommen wir als Antwort. Uns gefällt der Konjunktiv nicht gerade gut, doch ein bis zwei Stunden hört sich immerhin nach etwas an. Langsam und behutsam rollen dann nach einer weiteren Weile die ersten LKW in Richtung Dorf. Was uns dort erwartet, steht noch in den Sternen. Wir müssen blöderweise warten, bis die Autos vor uns schon ein gutes Stück weiter sind, denn ansonsten können wir nicht anrollen. Laut und energisch hupen die anderen Wartenden hinter uns. Es scheint ihnen vielleicht, als wollten wir hier nicht weg, von unserem Problem ahnen sie natürlich nichts. Doch mit etwas Anlauf klappt auch dieser Start „problemlos“ und wir scheppern den anderen LKW hinterher. Es ist schon dunkel und so wirkt das sich uns immer deutlicher zeigende Bild umso eindrucksvoller. Um lodernde Lagerfeuer horten sich die Einheimischen, ausgerechnet hier kommt die Schlange wieder zum Stehen. Als die vor uns stehenden wieder den Motor ausschalten, beginnen wir zu schwitzen, denn vor uns liegt eine Steigung und umdrehen können wir hier auch nicht. Uns bleibt nichts anderes übrig, als den Motor laufen zu lassen. „Was ist los?“, ruft Alessandro aus der Fahrerkabine dem aussteigenden Fahrer vor uns entgegen. „Es scheint, als würde sich wieder nichts tun, wer weiß wie lange wir noch warten müssen, vielleicht bis morgen.“, bekommen wir als erschreckende Antwort zurück. Ohne den Motor abzuschalten warten wir, hoffend darauf, dass es noch ein Stückchen weiter geht. Und tatsächlich nach wenigen Minuten beginnen die Motoren wieder zu brummen und wir rollen wieder langsam an, aber immerhin kommen wir voran. Doch nach den ersten Blockaden hat das Übel immer noch kein Ende, sondern nimmt noch weiter zu. Hier sind die Menschenmassen aggressiver und explodieren geradezu vor Emotionen. Laut brüllen sie gegen die aufgestellten Polizisten, schreien Parolen gegen die – so scheinende – Korruption und gehen mit aller Kraft gegen die zu ihnen ungerechte Staatsgewalt vor. Mit Dynamit, Steinen und Sperren versuchen sie, auf ihr Unrecht aufmerksam zu machen, und das alles in einem kleinen Dorf, in dem es keine richtigen Kontrollen gegen jene gibt, die eigentlich für Ruhe, Ordnung und verbesserte Lebensumstände sorgen sollten. Wir können nur wenig hinter die Kulissen blicken und für uns ist es natürlich schwierig, uns über „Gut und Böse“ hier ein Urteil zu bilden. Es sind die Aufständischen, die uns mit dem – so steht es groß auf unserer Sonnenblende – „Germany“-Auto freudig empfangen. Hektisch warnen sie uns vor der Polizei: „Fahrt nicht weiter, da vorne wird geschossen!“. Eingeschüchert bleiben wir stehen bis sich die Menschenmasse vor uns zu den Seiten in die Nebenstraße teilt. Es scheint Ruhe vor uns zu herrschen und in der nächsten Grünphase preschen wir über die Kreuzung. Nur zwei Blocks später legen wir eine Vollbremsung hin, vor uns Polizei, aufgestellt mit Schutzschildern und Helmen verbarrikadieren sie uns die Straße, ein Blick in den Rückspiegel sagt uns, wir sind alleine, das einzige Fahrzeug im Straßenzug. Als die Polizisten beginnen ihre Schnellschusswaffen auf uns zu richten, rutscht uns das Herz in die Hose und der Atem stockt, auch weil sie mittlerweile gut ein Dutzend Gasgranaten in unsere Richtung geschleudert haben. Das Gas dringt langsam durch die Lüftung in die Fahrerkabine und beginnt unsere Atemwege zu reizen. Bevor Alessandro langsam die rechte Hand auf den Schaltknüppel legt und in den Rückwärtsgang schaltet. Langsam lässt er den Gang kommen und setzt zurück, die Polizisten scheinen unseren Rückzug wahrzunehmen und setzten ab, bevor sie es sich anders überlegen können, rasen wir in die nächste Seitengasse, drehen und warten. Warten worauf können wir noch nicht sagen, Angst macht sich in uns breit. Der einfache Wunsch, diese Ortschaft zu verlassen, scheint im Moment schier unmöglich umzusetzen zu sein. Warum wir für „Feinde“ gehalten werden, können wir nicht sagen, doch in diesem Zustand erschien wohl jeder als Feind, der keine staatliche Uniform getragen hat. Als wir einen LKW in der Hauptstraße entdecken, werden wir wieder aufmerksam, vielleicht die Chance? In den Schutz des zweiten vorbeifahrenden LKW’s begebend, fahren wir zurück auf die Straße. Die Geschwindigkeit scheint jetzt wieder schneller zu sein, uns ist das nicht unrecht, denn wir wollen nur ‘raus hier. Am Ende des Dorfes sehen wir auf Hügeln weitere Einheimische stehen, die beobachten, was hier vor sich geht. Die eben noch feindlich scheinende Polizei hat ein Aufgebot von mindestens hundert Mann, die uns nun nahezu freundlich aus der Ortschaft winken. Nach anhaltender Geschwindigkeit, ohne Unterbrechungen und ohne weitere Unruhen zu sehen, beginnen wir uns langsam sicherer zu fühlen zwischen all den LKW’s, die genau wie wir schnell den Unruheherd verlassen haben. Doch die Straße die wir eigentlich nehmen wollen, war gesperrt, und so befinden wir uns wieder auf der schlechten Straße ohne Asphalt und ohne Beschilderung. Doch auch die Bullies haben als nächstes Ziel Santa Cruz und so bleibt uns nichts anderes übrig, als der Wellblechpiste zu folgen. Der Motor hatte sich bei unserer „Fluchtaktion“ überhitzt und ein kleines Loch im Schlauch des Kühlergrills macht uns auf der ohnehin beschwerlichen Fahrt weiter zu schaffen. Mit einem deutlichen Knall verabschiedet sich zur Feier des Tages auch noch unser linker Hinterreifen, als wäre er der einzige der die Straße zum Ausrasten findet. Wäre das der einzige Zwischenfall auf diesem Roadtrip gewesen, so hätten wir wahrscheinlich nur darüber lachen können, doch nach Zahnradkrone, Blockade und Kühlwasserverlust ist der kaputte Reifen die „kaputte Spülmaschine“, nachdem man schon den ganzen Tag die Wäsche mit der Hand gewaschen hat, weil Waschmaschine und Trockner ebenfalls kaputt sind. Doch auch langes Ärgern bringt uns von dieser Straße nicht herunter und wir müssen wohl oder übel Hand anlegen. Mühsam drehen wir den Wagenheber Stück für Stück höher. Dicke Fliegen, Mücken und Käfer – angelockt vom Scheinwerferlicht und tropfendem Schweiß – leisten uns Gesellschaft. Der geplatzt Reifen ist dann natürlich doch relativ schnell behoben und es geht weiter. Wenn jetzt noch ein Reifen platzt wird der nächste Wechsel ein Spaß, denn auf Felge hatten wir nur einen.

Die gute Erfahrung, dass in Argentinien und Chile eigentlich sämtliche Tankstellen 24 Stunden geöffnet sind, gilt natürlich nicht für Bolivien und so werden wir wohl warten müssen, denn um 6.00 Uhr – spekulieren wir zumindest – müsste die angefahrene Station wohl wie üblich öffnen. Wir stellen die Lehnen maximal zurück, drehen die Musik aus und stellen uns einen Wecker. Doch auch um 6.00 Uhr herrscht noch gähnende Leere an den Zapfsäulen. Von jetzt an geht unser Wecker halbstündig, doch wir hätten auch gut zwei Stunden durchschlafen können, denn erst um acht Uhr tuckert der Wärter genüsslich auf seinem wie ein sterbendes Schaf klingenden Moped zu dem Tankhaus, schließt gemütlich sämtliche Fenster und Türen auf und raucht noch eine Zigarette, bis er sich endlich dem Kundengeschäft widmet. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn ohne zu diskutieren bekommen wir den nationalen Preis, von Kontrollen und Kameras ist hier keine Spur. Es würde uns noch nicht einmal wundern, wenn bis hier diese Regelung nur als Mund zu Mund Propaganda in den nächsten Jahren durchdringen würde. Tank und Kanister als Komplett-Paket für 30 Euro betankt geht es weiter, mit dem Gefühl, der heutige Tag wird besser als der gestrige.

Bis zu einem kleinen Ort am Rande des Urwaldes kämpfen wir uns noch durch, doch dann soll für heute auch Schluss sein. Das einst noch relativ leichte Scheppern ist zu einem metallenen Konzert im Getriebe geworden und auch sonst sind wir von den Ereignissen der letzten Nacht und dem kurzen Schlaf mehr als kaputt. Der Campingplatz hat ein paar Hängematten. Froh, wenigstens irgendwo angekommen zu sein und endlich tropisch warmes Klima zu haben, fallen wir in diese hinein und halten einen unglaublich wohltuenden Mittagsschlaf, fast noch Vormittagsschlaf. Der Schlaf wird danach noch von einer  kalten erfrischenden Dusche überboten und schlussendlich durch spottgünstige Mangos perfektioniert. Den – so könnte man schreiben – dahin gedümpelten Tag lassen wir mit zwei Fahrradweltreisenden aus Lyon ausklingen, bei Rotwein, Kniffel und einem Kartenspiel, dessen Name sich kein „Nicht-Franzose“ merken kann.

IMG_2518Eine Tropenfliege dreht im Auto ihre Kreise provozierend nah um unsere Ohren und weckt uns. Die gestern noch so erfrischende Dusche kommt uns heute eiskalt vor, doch so starten wir gerade mit Vollgas in den Tag. Erkältungen müssen wir bei unserem Obstkonsum der letzten Tage wohl auch kaum fürchten und sorgen auch beim Frühstück dafür, dass unser Vitaminspiegel bloß nicht abfällt. Gestern gab es noch Hoffnung, doch heute sind wir enttäuscht, einen Mechaniker hier vor Ort nicht zu finden, zumindest keinen, der etwas für länger als 1.000 Kilometer repariert. Hier im Ort mag das dem einen oder anderen reichen, aber 1.000 Kilometer für uns sind jedoch weniger als ein paar Tage und so unvorstellbar. Gezwungenermaßen beschließen wir am nächsten Morgen, doch nach Santa Cruz aufzubrechen, denn dort wartet bereits ein Bekannter auf uns, der sicherlich zu diesem Problem oder mittlerweile eher Problemen eine Lösung finden wird.

Wie mittlerweile schon fast gewohnt, rattert Lola los. Mit auf den Weg bekommen wir noch eine kleine Einkaufsliste der Franzosen, die ein paar Materialien benötigen, die es in Samaipata nicht zu geben scheint. Nach wochenlanger Wüste, Sand und Salz, karger Berglandschaft und Kälte scheint Santa Cruz mitten im Paradies zu liegen. Mangobäume an den Straßenrädern und Früchte die wir noch nie gesehen haben zum Nulltarif auf dem Asphalt; einfach unglaublich!

Die Stadt ist groß, besser gesagt die größte in Bolivien und im Vergleich zu den anderen reich. Am Stadtrand prangt die „Cerveceria Nacional“ bestes kaltes Bier an und die Temperaturen sind passend dazu tropisch. Wir können verstehen, warum sich Guido hier und nirgendwo anders niedergelassen hat. Guido ist ein alter Studienkamerad des Vaters von Max und öffnet für die Springhunters seine Tür. In einem schönen abgeriegelten Stadtviertel auf der anderen Seite des Flusses, wie man hier so schön sagt, können wir Lola getrost auf der Straße parken und das Leben genießen. Da wir schon Freitagnachmittag haben, muss das Problem mit dem Auto wohl noch ein wenig warten, genauer bis Montag. Unser Auto steht sicher und wir haben Zeit. Die beste Grundlage, um sich die Stadt etwas genauer anzuschauen. Als Erstes fahren wir zum Rio Pirai, an dem etliche Lokale und Bars auf einen kleinen Happen und ein kühles Bier einladen. Mit Einbruch der Dunkelheit wird es hier jedoch gefährlich und so machen wir uns nach nicht allzu langer Zeit auch wieder auf den Weg. Kinder auf Pferden bieten einem Reiten an und Jugendliche zeigen auf dem staubigen Platz, wie viel Bass ihre Boxen im Kofferraum wirklich haben. Auf der Straße beginnen bereits einige angetrunkene Pärchen zu pöbeln und wir steigen schnell ins nächste Taxi.

Wir machen noch einen kurzen Abstecher zum Haus, ziehen uns um und ruhen uns ein Stündchen aus, bevor wir diesmal ins Zentrum fahren. Früher soll in Santa Cruz die Avenida San Martin dem Kiez in Hamburg geglichen haben. Bars für jeden Geldbeutel, Restaurants, Diskotheken und verruchte Nightclubs sollen die Zone des Equipetrols in ein wahres Spektakel für Feierfreudige jeden Alters und Geschmacks verwandelt haben. Doch die wilden Jahre hier sind vorbei, Club für Club zieht gen Zentrum, da die Beschwerden der Anwohner zu viele Probleme bereitet haben. In dem gemütlichen Restaurant von Axel, einem deutschen Auswanderer, beginnen wir den Abend mit einem leckeren, diesmal sogar deutschen Essen. Zu Schweinshaxe, Forelle und Jägerschnitzel gibt es das eine oder andere Bierchen. Zur Feier des Tages kommt Axel nach dem Essen noch vorbei und lädt uns auf zwei Sengani ein. Immer wieder ist es für uns interessant und lustig, den deutsch-bolivianischen Geschichten zu lauschen, wie der Staat den Einwanderern das Leben schwer macht und probiert, an allen „Ecken und Enden“ Profit zu gewinnen…letztlich aber auch nicht anders, als überall sonst auf der Welt.

Nach dem Essen machen wir uns mit Guido auf die Suche nach einer geeigneten Bar, um gemeinsam auf unsere gesunde Ankunft anzustoßen. In dem überdachten Innenhof der Bar sind wir nicht die einzigen. Viele Bolivianer und mindestens genauso viele brasilianische Studenten, die von günstigeren Preisen im Nachbarland profitieren und in der tropischen Stadt Santa Cruz bis auf spanische anstatt von portugiesischen Straßenschildern keinen großen Unterschied zu ihrer Heimat spüren, haben sich hier gesellig versammelt. Auf dem Weg aus der Bar hält uns ein Polizeijeep an. Nicht etwa, weil wir alkoholisiert auf der Straße laufen würden, sondern zur Migrationskontrolle. Für Guido mit seinem bolivianischen Ausweis natürlich kein Problem und so nutzen sie die Gelegenheit für eine erfolglose Drogenkontrolle. Für uns gestaltet sich die Kontrolle als etwas komplizierter, während wir in Argentinien und Chile nie den kleinen grünen Migrationszettel mitführen mussten, haben wir das leider auch bei unserem heutigen Ausflug vergessen. Die Strafe, mit aufs Revier genommen zu werden, können wir glücklicherweise mit etwas „Weihnachtsgeld“ abwenden. Allgemein sei die Polizei zurzeit extrem auf kleine Geldgeschenke fixiert, denn auch wenn wir es noch nicht richtig spüren, auch hier ist bald Weihnachten.

Nach unserem nächtlichen Ausflug erfreuen wir uns am nächsten Morgen eines ordentlichen Frühstücks mit Rührei und frischem Obst. Gegen drei Uhr fahren wir zu einem der vielen Restaurants mit Livemusik, in der wir auch mit Axel, dem Restaurantbesitzer von gestern, seiner Frau Erika und René, einem Franzosen aus La Paz verabredet sind. Der kleine Schnitzelteller stellt sich als wahre Herausforderung heraus. Was wir dem Preis nicht anmerken konnten ist, dass dieser für zwei Personen gedacht ist. Mit dem ein oder anderem Paceña-Bier meistern wir aber auch diese Aufgabe gekonnt und erfreuen uns an den Tanzeinlagen anderer Gäste, die ausgelassen zu der tropischen Musik tanzen. Selbst ein kurzer Regenwaldschauer lässt die meisten nicht von Tanzlaune abhalten.

Auch Lola ist nach ein paar Tagen wieder repariert und so können wir unsere Reise in Richtung La Paz fortsetzen. Nach ein paar zu vielen Kilometern ohne Ölwechsel gönnen wir Lola auch noch diesen Luxus und so können wir trotz der ansteigenden Höhe quasi weiter fliegen.

Springhunters Bolivia

Bolivien Filmbanner

Springhunters Bolivia

Das dritte Land auf unserer Reise lassen wir nach einer wunderbaren, aufregenden und spannenden Zeit hinter uns und begeben uns weiter in Richtung Norden. Hier eine kleine Zusammenfassung unserer unvergesslichen Eindrücke aus Bolivien!

Music
Sam Brown – Who Cares
Thomas Allan – Coming Out To Play

Springhunters Argentina and Chile

Springhunters Film Bild

Nun, da Argentinien und Chile quasi hinter uns liegen und wir die Fahrt zum höchstgelegenen Salzsee der Welt Uyuni vorbereiten, haben wir für Euch den ersten Routenabschnitt in einem kleinen Video zusammengefasst. Viel Spaß beim Anschauen und seid gespannt auf den nächsten Teil!

Euer springhunters-team!

Music:

Sam Brown – Who Cares

July Season – Over

Ein Prosit der Gemütlichkeit! 

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Los Reartes 11.10.2014 – 19.10.2014, Es ist ein komisches Gefühl, wie damals nach nunmehr drei Jahren wieder gemeinsam am Tisch zu sitzen. Man ist wieder Zuhause! Auch wenn wir natürlich den Kontakt ständig gehalten haben, keine Email und kein Skypegespräch kann eine persönliche Unterhaltung ersetzen. Bei weit über dreißig Grad und leichtem angenehmen Wind sitzen wir im Schatten der Veranda. Begleitet von ein paar Mate haben wir uns natürlich viel zu erzählen. In dem Landhaus sind Alessandros Gasteltern Irene und Arnoldo noch alleine als wir ankommen, doch es dauert keine halbe Stunde und schon telefonieren sie mit Rodrigo, dem Gastbruder. „Nimm den nächsten Bus, Alessandro ist hier“,  ruft Irene freudig ins Handy und danach folgt typischerweise: „und bring Fleisch mit, wir müssen unbedingt einen Asado machen!“.  Nach zwei Stunden kommt auch schon Rodrigo die Schotterstraße zum Landhaus gelaufen, mit dabei einen riesigen Rucksack voller Fleisch. Wie vorher schon Irene und Arnoldo bekommt auch Rodrigo sofort eine ausführliche Tour durch unseren Bus, während Arnoldo anfängt das Asado vorzubereiten. Auch wenn wir auf der Reise schon das ein oder andere Asado erlebt haben, heute ist es mal wiede. Eetwas ganz Besonderes. Anders als in Deutschland, wo kleine Fleischstücke vorher aufwändig mariniert und eingepinselt werden, um sie nachher kurz von beiden Seiten auf den Grill zu legen, ist Asado etwas ganz anderes. Arnoldo holt die circa 70 mal 40 Zentimeter großen Fleischstücke aus der Tüte, Entweder wird es nur mit etwas Salz und Zitrone vorbereitet oder mit den Händen eine Kräutermischung auf das Fleisch gestrichen. Asado ist ein Fest: nachdem das Fleisch eine gute Weile auf der Parilla (zu deutsch Grillrost) ohne unendliches Wenden und Prüfaktionen vor sich hin gegrillt hat, wird es nach und nach serviert. Es wird angestoßen und gequatscht, nebenbei nimmt sich jeder Fleisch von dem rustikalen Holzbrett, das mit einem gigantischen Fleischberg in der Mitte des Tisches steht.

Gegen Abend heißt es für uns aber schon wieder Abschied nehmen, wenn auch nur für ein paar Tage, denn in der Villa General Belgrano, nur wenige Kilometer entfernt, herrscht gerade ‚Ausnahmezustand‘: es ist nämlich hier Oktoberfest. Oktoberfest mitten in Argentinien, in einer kleinen, so heißt es, deutschen Kolonie.

Das Oktoberfest beginnt für uns mit einer ärgerlichen Verspätung. Da wir gerade aus Chile kommen und nur noch wenige argentinische Pesos zur Hand haben, geht unser erster Gang zur Bank. In allen Straßen des Dorfes, das ungefähr zehn Kilometer vom Landhaus entfernt liegt, ist das Vorankommen ein Desaster. Vor Restaurants und Bars stehen in Schlangen Gäste ganze Straßenzüge abwärts, dazwischen drängen sich Musiker und betrunkene Menschenmassen durch die Straßen, leere Bierflaschen und Plastikbecher stapeln sich in der Gosse zu Bergen und unsere Schuhe sind nach nur wenigen Schritten bereits mit Bier übergossen. Für die wenigen Meter bis zur Bank brauchen wir gefühlte Stunden, doch der Weg hat sich trotzdem nicht gelohnt, denn es gibt kein Geld. Nicht nur für uns nicht, sondern für alle, denn sämtliche Bankautomaten sind durch die Unzahl der Besucher offenbar leer geräumt. Geldtransporter, die das Problem einfach wieder beheben könnten, dringen nicht bis zur Bank durch und stehen vor dem Dorf. Bargeld gibt es wahrscheinlich erst wieder morgen früh, wenn alles ruhiger wird. Wir probieren alle uns in den Sinn kommenden Möglichkeiten aus, um an Geld zu kommen, jedoch ohne Erfolg. In der Touristeninformation wird uns die wohl einzige Möglichkeit erklärt, die wir haben. Wir müssen mit dem Linienbus in die nächstgelegene Stadt fahren und mit Bargeld zurückkommen, doch ohne Geld? Netterweise bekommen wir in dem Büro sogar noch das nötige Kleingeld für die Busfahrt geliehen, denn wir sind blank. Normalerweise dauert die Fahrt nur knapp eine Viertelstunde doch heute ist auch diese Fahrt dank der Umstände eine kleine Weltreise.

Nach gut zwei Stunden sind wir dann aber endlich wieder in Villa General Belgrano, diesmal mit Geld. Doch die Preise lassen uns nicht schlecht staunen, dass auch hier in Argentinien umgerechnet zehn Euro für ein Maß verlangt werden, hätten wir nicht gedacht. Nichts desto trotz wollen wir natürlich das Bier der Hausbrauereien, die meistens sogar nach deutschen Vorschriften brauen, probieren. Als Deutsche sind wir natürlich quasi die Erfinder des Oktoberfestes und des Bieres für Argentinier, so dass wir glücklicherweise sogar eine kleine Promotion aushandeln können. Anders als in München gibt es hier keine Zelte, sondern eine Openair-Bühne, um die sich etliche Bier- und Wurstbuden versammelt haben. Jeder Stand lockt mit deutscher Kost, doch auch das ist eher relativ. Wir erkennen den Willen, das Ergebnis ist jedoch eher „deutschähnlich“ als deutsch.  Selbstverständlich ist das Bierfest, wie es hier oft genannt wird, von der Dimension nicht mit München vergleichbar, aber für die eigentliche Größe des Dorfes ist die Menschenansammlung unglaublich. Tausende Menschen drängen sich über den Platz, lauschen dem „Prosit“ und trinken trotz der abstrusen Preise Unmengen an Bier. Mit der Zeit merken wir, nicht die einzigen Deutschen zu sein. In dem „Bierpark“ treffen wir auf einige andere Touristen und Auswanderer. Das Oktoberfest zieht alle an, sogar aus den Nachbarländern Chile, Brasilien und Uruguay sind nicht wenige extra für das „deutsche“ Oktoberfest nach Córdoba gereist.

Vielleicht waren es die Vögel oder die steigende Wärme im Landhaus, zumindest wachen wir unerwartet früh auf. Die Hitze treibt uns direkt in den Pool, noch bevor wir frühstücken sind wir die ersten Bahnen im erfrischend kühlen Wasser geschwommen. Jetzt haben wir eigentlich alles abgehakt, was wir in den Sierras de Córdoba sehen wollten, und planen morgen früh weiter nach Córdoba zufahren. Wieder einmal ist es der blöde Zufall, Pech oder im Endeffekt eher Glück im Unglück, das uns ereilt. Wir machen uns gerade auf den Weg ins Dorf, um noch ein paar Einkäufe zu erledigen, als Lola nicht mehr vorankommt. Gasgeben, kein Problem; Schalten, kein Problem; aber die Übersetzung ist hinüber. Lola bleibt stehen, mit viel Geduld kommt Max letztlich noch einmal in den zweiten Gang, aber auch nur wenige Meter, bis in einen Graben neben der Landstraße. Nun ist es dann endgültig vorbei, Lola fährt nicht mehr, kein Stückchen Weg mehr…

Für uns ist es eins der ärgerlichsten Dinge, wenn das Auto nicht mehr fährt, denn wir verlieren Zeit und Geld bei der Reparatur, was wir beides lieber an anderer Stelle investieren würden.

Sergio, ein anderer Bewohner der Landhaussiedlung „Los Reartes“, hält direkt mit seinem Ford 4runner neben uns und erkundigt sich über unser Befinden. Wir erklären ihm unsere missliche Situation, was gerade passiert ist und dass wir jetzt hier auch gerne wieder raus wollen, verständlicherweise. Kein Problem, denn sein Auto ist stark genug. Alessandro läuft ein paar Meter den Berg hinauf mit einem roten T-shirt in der Hand, um winkend die entgegenkommenden Fahrzeuge abzubremsen, während Max zusammen mit Sergio Lola aus dem Graben schleppt. Zum Glück sind wir nicht weit gekommen und zum Glück ist es hier und nicht im endlosen Nichts passiert. Nur circa 500 Meter müssen wir bis zum Landhaus abgeschleppt werden. Dort angekommen, probieren wir sofort eine Lösung zu finden, auch wenn sich eine schnelle und gute Reparatur hier auf dem Land als kompliziert darstellt, irgendetwas müssen wir machen. Alessandro telefoniert mit seinen Gasteltern, die sich auf dem Land hier selbstverständlich besser auskennen als wir, und die für uns sofort versuchen alle Hebel in Bewegung zu setzten. Nur 20 Minuten später fährt auch schon ein Freund, der zufällig gerade aus Córdoba kam, bei uns vor das Tor. Gemeinsam begutachten wir Lola und überlegen, welche Möglichkeiten uns bleiben. Abschleppen bis nach Córdoba kommt für uns aus Kostengründen nicht in Frage, deswegen werden wir morgen in aller Frühe ein paar Mechaniker in der Gegend besuchen müssen. Sogar  noch heute Nacht kommt der Erste vorbei. Mit einer starken Fahne setzt er sich, die Zigarette im Mundwinkel, in unser Auto und begutachtet den Schaden. Es ist die Kupplungsscheibe, die vermutlich kaputt gegangen ist. Leider wieder eine aufwändige Reparatur, die uns bevor steht. Um an die Kupplung zu kommen, müssen wir das gesamte Getriebe und die Hinterachse ablassen. Für uns selbst leider unmöglich. Am nächsten Morgen klopfen wir bei Sergio an; der kennt da einen, den Besten hier in der Gegend, also quasi unsere einzige Chance. Doch leider kann der erst wieder am Wochenende. Uns bleibt nichts anderes übrig als eine Woche im Landhaus zu warten. Von hier nehmen wir auch wieder Kontakt zu Charlie auf, denn Sergio hat Internet. In Deutschland fast unvorstellbar, doch in Argentinien ist es üblich, dass Wifi zur Zeit noch eine echte Rarität bleibt. Charlie wartet mittlerweile schon länger als geplant auf uns, um noch ein Stückchen mitzureisen. Mit unseren Neuigkeiten ist klar, dass sich das Ganze jetzt aber leider noch etwas nach hinten verschieben wird. Um das Beste daraus zu machen, trudelt aber auch Charlie am nächsten Tag bei uns ein, denn wenn wir schon warten müssen, können wir ja glücklicherweise auch ein paar Pooltage genießen Entspannt haben wir ein Haus für uns und auch das Wetter spielt perfekt mit. Und Charlie bringt uns auch noch etwas ganz besonderes mit, nämlich Bargeld. Denn hier in Los Reartes gibt es zwar einen Kiosk, eine Fleischerei und einen Gemüseladen, aber keine einzige Möglichkeit, an Bargeld zu gelangen. Da wir unseren Aufenthalt so spontan und jetzt auch noch immobil verlängert haben, können wir uns jetzt immerhin wieder Essen und Trinken kaufen.

IMG_0329So vergehen für uns die Tage, an denen wir warten, wie im Flug, und kaum haben wir uns versehen, halten wir auch schon die verbrannte Kupplungsscheibe in der Hand: auf nach Cordoba. Denn hier im Nirgendwo gibt es keinen, der uns diese Reparatur erledigen könnte, von Ersatzteilen ganz zu schweigen. So packen wir Drei am nächsten Tag unsere Backpacker und wollen mit dem nächsten Bus nach Cordoba – „wollen“…Sergio empfiehlt uns, einfach irgendwo an der Routa zu warten; in ein paar Minuten müsste der nächste Bus kommen, versichert ihm sogar die Agentur telefonisch. Doch dem ist nicht so. Eine Stunde warten wir auf den Bus, der trotz unserer wilden  und eindeutigen Handzeichen stur an uns vorbei zieht. Langsam sind wir es leid, bei der glühenden Hitze auf den Bus zu warten und versuchen unser Glück als Anhalter. Doch auch so scheinen wir nicht nach Córdoba zu gelangen. Auto um Auto fährt an uns vorbei. Manche signalisieren, dass das Auto voll sei, andere winken uns nur zu, und ganz andere ignorieren uns erfolgreich. Wir basteln uns ein Pappschild, später sogar einen Pappschildständer aus Holz und Steinen. So vergehen die Stunden und ein Auto nach dem anderen braust vorbei. Nach gut vier Stunden sammeln sich ein paar Bewohner an der gleichen Hauptstraße nur 20 Meter von uns entfernt, entspannt sitzen sie auf dem Rasen und scheinen zu warten, vielleicht auf den Bus? Charlie rennt zu ihnen, fragt nach und tatsächlich: sie warten auf den ominösen Bus nach Córdoba. Sie werden es wohl am ehesten wissen, nehmen wir an und setzten uns direkt daneben in den angenehmen Halbschatten. Wir können es fast nicht glauben, eine Art Fata Morgana. Nur wenige Minuten später kommt ein Bus und dieses Mal hält er sogar an. Wir haben uns schon noch eine Nacht im Landhaus schlafen sehen, doch jetzt geht es endlich nach Córdoba. Immer wieder sind es diese kleinen Dinge, wie der anhaltende Bus, die uns gefühlt den Tag retten können. Wenn nicht, hätten wir umsonst stundenlang in der prallen Sonne unsere Daumen in die Höhe gehalten, doch jetzt sind wir der Reparatur ein weiteres Stück näher.

Die Fahrt mit dem Bus dauert fast doppelt so lange, denn an jedem kleinen Dörfchen und an jeder „Milchkanne“ machen wir halt, um neue Fahrgäste mitzunehmen oder andere aussteigen zu lassen. Kaputt vom ganzen Nichtstun in der Sonne, liegen wir in den Sitzen und warten nur darauf, endlich Córdoba zu erreichen. Nur ein paar Blocks von dem Haus von Alessandros Gasteltern entfernt, lässt uns der Busfahrer an einer Ampel aus dem Bus springen. Vollbepackt mit zwei Backpackern, einem gigantischen Schmutzwäschesack und dem Ersatzteil ziehen wir durch jene Straße, in der Alessandro ein Jahr lang gewohnt hat. Es ist eine Art Revue des Auslandsjahres 2011, noch stärker als vor zwei Monaten in Buenos Aires, fühlen wir uns zurück gekehrt in eine andere Heimat.

Auf der Ruta 40 gen Norden

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5. September – 15. September, Nach der anstrengenden Trekkingtour steht als nächste Station El Calafate auf unserem Plan. Die Fahrt verläuft relativ schnell, kein Wunder, denn von Puerto Natales nach El Calafate sind es noch nicht mal 300 Kilometer. Wir holen uns noch kurz ein paar Informationen an der Touristeninformation ab, bevor wir uns einmal wieder einen Campingplatz gönnen. Wir staunen nicht schlecht über die Einrichtung des Campingplatzes. Nicht nur das Waschhaus ist beheizt, was uns schon besonders beeindruckt, sondern gibt es sogar noch heißes Wasser in den Waschbecken zum Wäschewaschen. Gesagt getan machen wir uns auch direkt daran unsere Schmutzwäsche zu waschen. Mit einem ordentlichen Frühstück im Magen machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Nationalpark der Gletscher, genauer gesagt: Zum Gletscher Perito Moreno. Überraschend lassen uns die Parkwächter kostenlos passieren, so sparen wir den teuren Eintritt von fast 50 Euro. Im Park angekommen fehlen uns aber immer noch 30 Kilometer bis zum Gletscher. Anders als im Torres del Paine haben wir hier gar nicht die Möglichkeit uns körperlich zu verausgaben. Vom Parkplatz aus geht nur ein kleiner drei Kilometer Rundweg zum Gletscher. Direkt vor dem Gletscher machen wir eine kurze Pause an einem Aussichtspunkt.SONY DSC

Während wir auf der Bank die Gewaltigen Eismassen bewundern, löst sich mit tösendem Krachen ein riesiger Eisbrocken und prallt in den Lago Argentino. Noch eine ganze Weile hallt das Krachen durch die Eismassen. Beeindruckt machen wir uns auf den Rückweg zum Auto und aus dem Park, doch auf halber Strecke legen wir noch einen weiteren Stopp ein. Mit dem Perito Moreno in weiter Ferne genießen wir einen Mate und machen uns jetzt auf den Weg in das kleine Dorf El Chaltén.

El Chaltén liegt direkt unterhalb des mächtigen Bergmassives Fitz Roy, welches für viele Bergsteiger ein Lebenstraum ist. Da es bei unserer Ankunft schon wieder dunkel ist sehen wir leider nichts mehr von der Landschaft. So vertagen wir das ganze auf morgen und gehen nach dem Essen schlafen. Am morgen ahnen wir nichts Gutes. Als wir aus dem Auto steigen, ist es schrecklich bedeckt. Doch ganz wollen wir uns Fitz Roy nicht entgehen lassen, auch wenn die Touristeninformation uns die ernüchternde Nachricht gibt, dass eine Trekkingtour sich heute und die nächsten Tage nicht richtig lohnen würde. Also warten wir noch auf einem von uns selbst benannten Aussichtspunkt, dass sich der Himmel aufklart und siehe da, mit der Zeit können wir das Bergmassiv immer besser sehen. „Hätten wir das auch noch geschafft!“, freuen wir uns. Vollgetankt und glücklich über unseren halben Erfolg sind wir auch schon wieder auf der Ruta 40, der Abenteuerstraße, die auf über 5000 Kilometern den Süden mit dem Norden Argentiniens verbindet. Mittlerweile sind schon einige Stücke der Straße gut ausgebaut, andere gleichen eher einem Acker. Der Weg nach Bajo Caracoles entpuppt sich als Acker, die ersten Kilometer führen uns über eine Umleitung neben der Asphaltstraße, die gerade im Bau ist. Immer wieder schlagen uns Steine gegen den Unterboden und im Wageninneren fühlen wir uns wie während eines Erdbebens, ein richtiges Abenteuer. In regelmäßigen Abständen halten wir und checken den Zustand von Lola, soweit ist alles gut. Als wir endlich wieder auf eine Asphaltstraße gelangen machen wir noch einen kleinen Rundgang ums Auto. Die Steine haben doch einen größeren Schaden angerichtet als gehofft. Sie haben uns die gesamte Heckschürze zerhauen, stellt Max fest. „Das Nummernschild!“, flucht Alessandro. Es war auch an der Heckschürze. Irgendwo auf einer hunderte Kilometer langen Schlammpiste liegt jetzt unser peiner Nummernschild. Eins haben wir ja noch und werden uns jetzt wohl ein Neues für hinten aus Deutschland schicken lassen müssen, welch ein Pech.

Die letzten Kilometer nach Bajo Caracoles sind dann zum Glück wieder neuste Asphaltstraße, die sich jetzt anfühlt als würden wir durch die Landschaft schweben. Die Ortschaft wurde im Reiseführer als Dreh- und Wendepunkt beschrieben, an dem man so ziemlich alles bekommt. Fast schon ein Scherz, als wir sehen was es wirklich gibt. Eine Tankstelle, dahinter ein Hotel, wenn man es so nennen darf, in dem sogar ein paar Lebensmittel zum 3-fachen Preis verkauft werden. Gut, dass wir so ziemlich alles haben. Der Tankstellenwart sagt uns, dass die Straße keinesfalls passierbar sei, denn es liegt noch zu viel Schnee. Eine Frau erzählt von besten Straßenverhältnissen und ein alter Mann im Garten hantiert uns etwas auffällig mit einer alten Flinte herum, hier müssen wir wohl nicht länger bleiben. Auf dem Weg zu der Höhlenmalerei fährt ein alter T2 VW-Bus an uns vorbei, schlagartig halten wir genau wie sie an und rollen langsam zurück, sodass wir durch die Fenster miteinander reden können. Ein Argentinier und eine Brasilianerin sind zusammen unterwegs, genau wie wir auf dem Weg nach Alaska, vielleicht sieht man sich auf dem Weg noch mal wieder. Sie fahren weiter Richtung Bajo Caracoles und wir zu der Cueva de las Manos. Jetzt sind wir immerhin schon da wo wir morgen starten wollen und können um 9 Uhr direkt die erste Tour mitmachen.

Alessandros Geburtstag beginnen wir mit einem ausgiebigen Frühstück, ordentlich früh, denn zu unserer Führung müssen wir ja fertig sein. Kurz vor der verabredeten Zeit kommt Valentina um uns abzuholen. Gemeinsam gehen wir über den befestigten Weg an an der Schlucht zu den Höhlenmalereien. Besonders beeindruckend ist, dass die verschiedenen Malereien aus unterschiedlichen Zeiten stammen, manche zeigen Jadgszenen, andere negative Handabdrücke und die neusten abstrakte geometrische Zeichnungen. Man kann sogar eine landschaftliche Abbildung der Schlucht erkennen. SONY DSC

Die Stadt Lago Posadas überrascht uns mit ihrem touristischen Aufbau. Auch wenn die Ortschaft klein und eher abgelegen ist, merkt man stark, dass viel investiert wird die Stadt touristisch aufzumachen. Holzstraßenschilder, neue Bungalowanlagen und Asphaltstraßen sind im Bau und sollen in der Hauptsaison Touristen anziehen. Den ein oder anderen Berg kämpfen wir uns zu den beiden Seen mit Lola im ersten Gang hoch, während der Wind gegen die Seiten peitscht. Doch Lola schafft es und der Weg hat sich mehr als gelohnt. Vor uns erstrecken sich die beiden Seen, Lago Posadas und Lago Pueyron, in zwei unterschiedlichen Farben. Der eine im hellen Blau, der andere fast in schwarz, getrennt von einer kleinen Landbrücke. Eigentlich wäre es jetzt über den Andenpass nach Los Antiguos gegangen, der Kirschenhauptstadt, die eine Art Oase in der patagonischen Steppe sein soll. Aber wir müssen zurück über Bajo Caracoles Richtung Perito Moreno, nicht zurück zum Gletscher sondern zur gelichnamigen Stadt. In der Stadt angekommen überrascht uns die Touristeninformation nicht schlecht, als wir feststellen das diese sogar um elf Uhr nachts noch einige Stunden geöffnet hat. Noch nichtmal in Ushuaia, der Touristenstadt in Patagonien gab es einen solchen Service.

Die ewigen Weiten Patagoniens wollen wir einmal mehr in einer Nachtfahrt überbrücken, um die Tage nicht nur auf der Straße zu verbringen. Während einer schläft fährt der andere, mittlerweile schon eine eingespielte Routine. Nach drei vier Stunden wacht Alessandro wieder auf als wir über eine Schotterstraße rattern. „Wo sind wir denn?“, fragt er verwirrt. Lachend antwortet Max nur: „Wenn ich das wüsste”. Wir düsen durch die Gegend eine Abzweigung folgt der anderen aber leider kein einziges Schild. Das Umhergeirre hat ein Ende als wir auf eine Polizeistreife treffen, der Polizist erklärt uns wie wir aus dieser verwirrenden Straßenführung heraus auf die richtige Straße zurück finden. Wechsel – die nächsten Stunden fährt Alessandro.

Kurz nach acht fahren wir an der Polizeikontrolle vor Esquel vorbei. Die Sonne prallt mittlerweile auf Lola, wir drehen eine Runde in der Stadt und fahren dann zur Bahnstation der Trochita, eine historische Schmalspurbahn. Die weltberühmte Trochita aus Kassel hat früher Patagonien mit Buenos Aires verbunden, von Lebensmitteln über Passanten bis zu Leichen wurde alles transportiert. Während wir Frühstücken sehen wir wie die Schaffner die Dampflok betriebsbereit machen und vorheizen. Als die Trochita um 10 Uhr den Bahnhof verlässt gibt es ein riesiges Spektakel. Laut pfeift die Bahn und Rauchschwaden steigen empor. Nach diesem Ereignis machen wir noch ein paar Besorgungen in der Stadt, kaufen Fleisch für ein nachzuholendes Geburtstagsasado und allerlei an Lebensmitteln die mittlerweile knapp geworden sind.

Auf dem Weg nach Bariloche wechselt die Landschaft in grüne Wälder, Seen erstrecken sich neben den Serpentinen und immer wieder gibt es kleine Ortschaften. Man könnte denken wir sind in den Alpen, nicht umsonst nennt sich Bariloche die argentinische Schweiz. Als wir in Bariloche ankommen ist auch schon wieder später Nachmittag. Nichts desto trotz haben wir ordentlich Strecke geschafft. Von Cueva de las Manos bis hierher haben wir über 1000 Kilometer überbrückt, welch eine Strecke.

Der einzige offene Campingplatz liegt 15 Kilometer vom Ende der Stadt entfernt. Zu weit um abends noch einmal durch die Stadt zu schlendern. Da wir heute von der Fahrt sowieso relativ K.O. sind und noch in Ruhe unser Asado machen wollen, fahren wir direkt wieder aus der Stadt heraus in Richtung Campingplatz. Der Platz ist direkt am See gelegen. Neben uns sind im dazugehörigen Hostel noch einige Familien und auf dem Platz ein paar Zelte. Wir haben das Glück die heiße Kohle von den anderen für unser Asado zu nutzen, brauchen also nicht noch lange die Kohle durchziehen zu lassen. Das Fleisch schmeckt hervorragend genauso wie vom Schlachter beschrieben. Unseren ersten Tag in Bariloche verbringen wir noch zum Großteil auf dem Campingplatz, nutzen das gute Internet und die Anlage für ein paar Erledigungen. Gegen Nachmittag fahren wir dann zurück ins Zentrum und suchen uns einen ruhigen Schlafplatz. Auch wenn die Touristeninformation angeblich keinen Parkplatz in der Stadt zum nächtigen empfehlen konnte, wird sich schon etwas finden. Direkt vor den größten Diskotheken der Stadt, in denen die Abschlussklassen ihre bestandenen Prüfungen feiern, patrouillieren rund um die Uhr Polizeistreifen – Perfekt für uns. Doch in die Diskos kommen wir leider nicht so einfach herein. Eintritt ist nur für die Abschlussklassen gestattet, die die gesamte Reise bei einer Organisation gebucht haben. Schade, eigentlich wollten wir uns gerne einmal ein Bild von den Diskotheken machen, von denen ganz Argentinien, wenn nicht sogar Südamerika, schwärmt.

In Ruhe schlendern wir durch die Hauptstraße, besuchen traditionelle Schokoladenfabriken und genießen cremiges Schokoladeneis. Bariloches Must Do´s haben wir geschafft, uns fehlen nur noch die Diskotheken oder Boliches wie sie hier genannt werden. Eine Polizeistreife hält interessiert an unserem Bus an und redet mit uns über unsere Reise. Beeindruckt von dem Vorhaben fragen sie uns warum wir nicht auch mal in die Boliche schauen. Die Polizisten helfen uns mit dem Inhaber der kolossalen Bauten in Kontakt zukommen, doch so einfach wie die Polizisten dachten ist das Vorhaben nicht. Aber einen Schritt sind wir weiter, wir dürfen uns morgen eine Autorisation aus dem Büro abholen, wer hätte das gedacht. Das lassen wir uns nicht entgehen, selbst für die Reisegruppen kostet der Eintritt knapp 50 Euro, dank unserer Bitte um die Eintrittserlaubnis bekommen wir die Autorisation umsonst. Mit dem Papier in der Tasche verlassen wir Bariloche, wenn die Grenze nach Chile heute noch offen hat, werden wir die Boliches wohl auslassen, aber erst wollen wir uns die Route der sieben Seen angucken. In Wirklichkeit ist die Region voller Seen. Sieben sind hier nur eine kleine Auswahl. Wir genießen unsere Freiheit und machen den ein oder anderen Stopp mehr. SONY DSCAuf dem Rückweg nach La Angostura müssen wir leider feststellen, dass uns die Zeit davon gelaufen ist und die Grenze schon eine gute Weile geschlossen ist. Glück im Unglück, dann können wir noch unsere Autorisation nutzen und fahren zurück in das nahegelegene Bariloche. In der Boliche bekommen wir einen noch besseren Eindruck wie ausgelassen die Argentinier ihren Abschluss feiern: Feucht fröhlich tanzen die frisch Graduierten auf den unterschiedlichen Etagen. Mit unserer Autorisation erhalten wir sogar einen noch besseren Eindruck. Neben einem Freigetränk dürfen wir auch noch in den normalerweise unzugänglichen Bereich der DJ’s. Mixend steht Diego an den Platten zu denen Unmengen an Jugendlichen tanzen. Wird dürfen sogar ein bisschen mitspielen, an dem Mischpult steuern wir die  Nebelmaschine und Lichteffekte.

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