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Die Nacht des Schreckens!

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05.04.2015 – 07.04.2015;Puerto Jiménez, Drake, Uvita; „Jetzt aber auch schnell weiter!“, denken wir, als es wieder einmal später ist als geplant und wir uns auf der Hauptstraße Richtung Pazifik befinden. Durch den Besuch von Leo machen wir einen kleinen Zickzackkurs durch Costa Rica. Wir fahren wieder ein Stück zurück zu der panamaischen Grenze. Denn der Nationalpark Corcovado soll eine größere Tierwelt zu bieten haben, als so mancher Zoo und das Ganze dann auch noch ohne Gehege. 

Das Dorf Puerto Jimenez ist der Hauptausgangspunkt für die Touren in den Nationalpark, den man nur mit einem Guide besuchen darf. Also buchen auch wir uns eine Tour, doch wir können uns den Transfer nach Drake sparen, von dort aus unsere Tour am nächsten Tag per Boot losgeht. Denn wir sind mit Lola ja recht mobil. Zwar haben wir kein Allrad, aber nach der Uyuni-Tour in Bolivien trauen wir uns so ziemlich jede Offroad-Tour auch mit Lola zu. Zumindest kann man es ja probieren. Und auch dieses Mal haben wir es geschafft, das heißt, Lola hat es geschafft; durch die knietiefen Flüsse und über holprige Ackerpisten. Auch wenn wir vielleicht etwas länger gebraucht haben.
Leider gibt es hier so einen richtigen Campingplatz nicht, also parken wir mit einem leicht mulmigen Gefühl an einem Aussichtspunkt. Alle Wertsachen gut versteckt und einen Spalt der Autotür für Alessandro offen gelassen, der im Zelt schläft, gehen wir schlafen und hoffen auf eine entspannte Nacht, um morgen früh wieder fit für unsere Tour zu sein.

Gegen zwei Uhr morgens springt Max, wie von der Tarantel gebissen, aus dem Bus. Zunächst glaubt Leo, der auch im Auto schläft, Max wolle ihn veräppeln. Doch schnell bemerkt er, dass es nicht Alessandro ist, der vor Lola auf der Bank hockt und ins Auto starrt.
Hektisch klopft Max gegen das Zelt. Auch Alessandro fühlt sich erst wie im falschen Film, bis er realisiert, dass sich tatsächlich ungebetener Besuch eingefunden hat. Noch ist nicht klar, was der deutlich angetrunkene Einheimische von uns möchte. Als er sagt, er würde hier wohnen, denken wir anfangs, wir hätten einem Obdachlosen seinen Schlafplatz geraubt. Doch er macht auch keine Anstalten wieder gehen, lallt Unverständliches und so wirklich wissen wir nicht sein Verhalten einzuordnen.
Als er dummerweise unsere leichte Unsicherheit spürt, springt er auf. Angespannt beobachten wir jede seiner Bewegungen, ohne wirklich zu wissen, wie wir jetzt handeln sollen.

IMG_7678 „Ich mache doch nichts!“, lallt er. – Aber was will er dann noch hier. Ein unwohles Gefühl macht sich bei uns breit. Der Fremde ist nicht einzuschätzen. Die Situation nimmt an Anspannung zu, als er anfängt, sich langsam an seinem Rucksack zu schaffen zu machen und wiederholt beteuert, er hätte auch gar nichts dabei. „Das war’s!“, denken wir drei und machen uns darauf gefasst, gleich mit einem Messer, einer Machete oder gar einer Pistole bedroht zu werden.
Vielleicht gibt er sich mit einem Portemonnaie zufrieden oder einem Handy, der Kreditkarte oder sogar mit ein bisschen Bargeld. Durch unsere Köpfe schwirren die absurdesten Vorstellungen, als er ruckartig seinen Rucksack aufreißt.
Doch er holt nur sei eigenes Portemonnaie heraus und zeigt seinen leeren Beutel. Ein Stein fällt uns vom Herzen, denn jetzt bleibt ihm im schlimmsten Szenarium nur seine eigene Kraft. Zum Glück trifft aber noch nicht einmal das ein. Er streckt uns die Faust entgegen und als wir die Bewegung freundschaftlich erwidern, gibt er sich zufrieden. Sagt noch, er würde jetzt zu einer coolen Party gehen und verschwindet genauso schnell in der dunklen Nacht, wie er aufgetaucht war. Auch wenn mal wieder alles gut gegangen ist, vom wilden Campen haben wir ab jetzt für Mittelamerika genug. „Was wäre gewesen wenn?“, geht uns noch durch den Kopf, während wir jetzt doch zu dritt im Auto liegen, alle Türen 150% verriegelt und die Taschenmesser griffbereit deponiert haben. Selbst die Fenster sind verschlossen. Es ist nicht nur unglaublich eng, sondern auch noch erdrückend heiß. Doch das ist uns jetzt allen absolut unwichtig. Wenigstens fühlen wir uns jetzt sicher, zumindest mehr oder weniger.IMG_7236

Dass wir am nächsten Morgen weniger ausgeschlafen sind als sonst, wundert uns nicht wirklich. Recht gerädert trotten wir im Halbschlaf zu dem verabredeten Treffpunkt für unsere Tour. Der Fahrtwind vom Boot, die angeregten Unterhaltungen an Deck und das kalte Wasser lassen uns dann zum Glück aber doch noch ganz aufwachen. Der Corcovado soll ein ganz besonders tierreicher Nationalpark sein und macht schon bald seinem Ruf alle Ehre. Wir sind noch nicht mal an Land, da schon kreuzt ein Tapir den Strand.
Unser Guide führt uns durch das Unterholz, ab und zu über angelegte Pfade, dann wieder durch jungfräulichen Urwald. Und der Tapir sollte nicht der Einzige bleiben. Auf einer kleinen Lichtung grast ein weiterer, der eigentlich mehr wie eine Kreuzung aus Nilpferd und Schwein aussieht, doch unser Guide erklärt uns, dass Tapire am nächsten mit Pferden verwandt seien. Wer hätte das gedacht? …

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Ein Brüllen lässt uns aufschrecken. Aber es ist keine Gefahr in Sicht, bloß ein paar Brüllaffen, die direkt über unseren Köpfen von Baum zu Baum schwingen. Bei einem Schrei, der so laut sein kann wie ein Triebwerk, erwarten wir Affen in der Größe eines Gorillas. Doch wieder haben wir uns getäuscht, die Affen ähneln eher Herrn Nilsson, dem kleinen Hausäffchen von Pipi Langstrumpf, als einem Gorilla. Ab jetzt sehen wir immer wieder Affen in den Bäumen, Giftschlangen in Gebüschen und etliche Nasenbären, die, damit sie sich nicht verlieren, ihren Schwanz zur Orientierung kerzengrade in die Höhe strecken.
Kein Zaun trennt uns von der Tierwelt. Wir sind einfach mitten im Urwald und sämtliche Tiere meist nur wenige Meter, teils zum Anfassen nah, von uns entfernt. Der Guide zeigt uns ein Spinnennetz, dass die Amerikaner für schussfeste Westen im Format einer Brusttasche nutzen wollen. Als er zur Demonstration seine Hand schnell gegen das Netzt haut, geht das Netz nicht wie kaputt, sondern seine Hand wird zurück geschleudert, ohne am Spinnennetz auch nur einen kleinen Schaden zu verursachen. Vorsichtig zupfen auch wir an einem Faden, denn die Handteller große Spinne späht schon aus sicherer Entfernung zu uns rüber. Der Faden fühlt sich nicht wie „normale“ Spinnweben, sondern eher wie eine dünne Gitarrenseite an.

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Als wir gerade ganz in Ruhe das Faultier zwischen den Ästen suchen, hören wir hinter uns aus dem Dickicht ein lautes Klappern. „Wildschweine!“, lächelt unser Guide und winkt unsere Gruppe vom Trampelpfad in den Regenwald. Wir haben mehr Glück als die Gruppen sonst, erklärt er uns, denn vor uns sind nicht nur ein paar Exemplare, sondern gleich eine ganze Horde. Unterschätzen sollten wir sie nicht, denn die Wildschweine seien unglaublich aggressiv. Während wir die Horde vor uns beobachten, werden wir aber auch noch von hinten umkreist. Schließlich finden wir uns von Wildschweinen eingekesselt wieder. In null Komma nichts sind wir von 100 bis 200 Wildschweinen umkreist. Wir haben das Gefühl, dass sie uns zähneklappernd immer näher kommen, doch weglaufen hat keinen Sinn, also harren wir aus. Am Anfang war es noch ganz lustig, doch langsam ist die Situation etwas angsteinflößend. Nach ungefähr 20 Minuten ziehen die ersten Wildschweine zurück in den Wald, jetzt können wir erst einmal durchatmen.

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Auf dem Rückweg zum Strand sehen wir wieder unglaublich viele Vogelarten und Affen in den Bäumen, die uns beobachten, als seien auch wir für sie eine besondere Attraktion.
Am Strand ist für alle ein Essen vorbereitet, denn nach mehreren aufregenden Stunden im Urwald wird es langsam Zeit für eine kleine Stärkung.
Als wir wieder im Boot sitzen und noch eine gute Stunde Fahrt vor uns haben, holt uns die letzte Nacht ein und wir fallen, gut gestärkt mit vollem Magen in ein Suppenkoma. Nur ein kühles Bad im Meer kann uns davon abhalten einen Mittagsschlaf im Halbschatten zu nehmen. Aber noch eine Nacht auf dem Aussichtspunkt wollen wir uns bestimmt nicht gönnen und so fahren wir zurück zur Panamericana und freuen uns in Uvita, auf dem sicheren Campingplatz, auf dem Max und Alessandro schon auf dem Weg von der Grenze nach San Jose Rast gemacht haben, zu stehen. Hier werden wir bestimmt keinen ungebetenen Besuch bekommen.

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Karibikflair in einer kleinen Welt

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29.03.2015 – 05.04.2015; Uvita, San Jose, Puerto Viejo, Nationalpark Tortugero, Tibás; Noch haben wir ein paar Tage bis Leo kommt. Mit ihm planen wir ohnehin so ziemlich alles zu besuchen was Costa Rica zu bieten hat. Also verbringen wir die Tage in Uvita, einem kleinen Strandort nah der panamaischen Grenze.

Vorwiegend beschäftigen wir uns mit unserer Homepagepflege und planen die nächsten Wochen. Nach drei Tagen ist es dann aber auch endlich soweit und das Warten hat ein Ende. Gegen Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach Managua, um am Abend Leo am Flughafen abzuholen. Wir haben ein Hostel für die Nacht reserviert. Nun wird die Zeit langsam knapp, also fahren wir zügig zum internationalen Flughafen und warten gespannt in der Ankunftshalle.
Zwischen, nervös auf Fahrgäste wartende Taxifahrer und Gastfamilien, die aufwändig gestaltete Willkommensschilder in die Höhe halten, stehen wir uns die Beine in den Bauch, denn Leo will und will nicht durch die sichtdichte Schiebetür kommen. Immer, wenn die Tür aufspringt, werfen wir einen neugierigen Blick ins Innere, doch weit und breit keine Spur von unserem Besuch. Minuten vergehen, eine Stunde und letztendlich zwei Stunden. So lange kann es doch nicht dauern, auch nicht in Mittelamerika. Aber angeblich warten noch einige Fluggäste im Inneren auf ihr verspätetes Gepäck. Doch auch als die letzten Nachzügler endlich aus dem Terminal kommen und die aufdringlichen Taxifahrer mit Herz und Seele um die Fahrgäste feilschen, ist Leo nicht dabei.

Wir setzten uns ins Flughafencafé, um den Eingang nicht aus dem Blick zu verlieren und kommen mit einem anderen Deutschen ins Gespräch. Auch er wartet schon länger auf Besuch, seiner kommt aber aus Mexiko. Als wir uns über unsere Herkunft unterhalten, stellt sich lustiger Weise heraus, dass der Austauschstudent mit Kathy, die sich mit Alessandro durch den Spanischkurs durchs Abitur gekämpft hat, befreundet ist. Da fällt auch Alessandro wieder ein, dass Kathy nach dem Abi für ein soziales Projekt nach Costa Rica gehen wollte. Heute ist es wohl zu spät, aber vielleicht statten wir ihr ja die nächsten Tage einen Besuch ab. Jetzt geht es erst einmal darum Leo aufzuspüren, denn das Ganze wird uns langsam zu komisch.

Bei der Flughafenbehörde durchforsten wir die Passagierliste, doch Leo hat nie das Flugzeug von Huston betreten, kein Wunder, dass er nicht angekommen ist. Zum Glück sind die Mittelamerikaner besser vernetzt, als wir dachten, und nach ein wenig Recherche stellt sich heraus, dass Leo seinen Flug verpasst hat und jetzt auf dem Weg mit dem nächsten Flieger nach San Jose ist. Der kommt aber erst vier Stunden später an und deswegen gehen wir noch einmal zurück zur im Parkverbot geparkten Lola, denn auf den Parkplatz passen wir mit unseren knapp drei Metern nicht. Zum Glück haben wir das auch der patrouillierenden Polizei klar machen können, denn der erste PKW im Parkverbot wird schon abgeschleppt.

Müde vom Warten schlafen wir nach ein paar Minuten im Auto ein, glücklicher Weise mit Wecker. Dass Max sich nach zwei Stunden aufrappelt und auf den Weg zur Ankunftshalle macht, bekommt Alessandro noch nicht einmal mit. Als die Schiebetür plötzlich von außen aufgeschoben wird, ist es erst etwas verwirrend für ihn, denn schließlich wollte man ja nur kurz die Augen zumachen, aber mit einmal steht Leo vor der Tür. Nach ein paar Sekunden ist dann aber auch Alessandro wieder richtig wach. Wir fahren ohne Umwege zurück in die Stadt. Im Hostel ist leider schon tote Hose, selbst die im Internet hochangepriesene Bar ist schon lange geschlossen und bis auf ein paar wenige andere Gäste, die im Schlafanzug durch die Gänge wandeln, herrscht einsame Ruhe. Vielleicht auch besser, so können wir den ersten Abend ganz entspannt nutzen, um uns zu dritt ungestört auszutauschen. Da es weder eine gemütliche Lounge noch andere einladende Sitzgelegenheiten gibt, hocken wir einfach auf den Bettkanten und obwohl wir alle zunächst müde waren, vergeht die Zeit beim Quatschen wie im Flug und auf einmal ist es mitten in der Nacht.

Da wir im Auto nur einen allgemeinen Reiseführer für ganz Mittelamerika haben, der nur sehr ungenau ist, hat Leo praktischer Weise einen ausschließlich für Costa Rica im Gepäck. Wahrscheinlich hätte er aber auch einen nur für San Jose mitbringen können und die Stadt hätte nicht wirklich mehr zu bieten gehabt. Wieder eine Großstadt wie so viele, mit einer vergleichsweise hohen Kriminalitätsrate für Costa Rica, ein paar ganz schönen Kathedralen, Shoppingmals und großen Menschenansammlungen. Der zentrale Park wird als besonderes Highlight beschrieben und wir sind gespannt, was er wirklich zu bieten hat. „Die wunderschöne Grünanlage im Herzen San Jose ist der ideale Ort zum Entspannen und um Freunde treffen.“ – wirbt der Reiseführer. Als wir ihn endlich gefunden haben, fragen wir noch zweimal nach, ob das wirklich der Park ist, der im Reiseführer beschrieben wurde. Wir können es kaum glauben. Es gibt zwar schon ein wenig Grün auf der großen Betonanlage und ein paar pensionierte Ticos, Einwohner Costa Ricas, scheinen auch wirklich auf den ausgeblichenen Holzbänken Entspannung gefunden zu haben. Ein paar Schuhputzer drehen ihre Runden um Zeitung lesende Männer und alle paar Minuten verirrt sich ein Tourist auf dem Platz, vergleicht dreimal ungläubig die Adresse im Reiseführer und scheint dann ähnlich wie wir mit San Jose fertig zu sein. Wenn die Autoren diesen Platz derart aufwerten mussten, scheinen andere Reisende recht gehabt zu haben. San Jose hat nicht die besondere Ausstrahlung, die viele andere Städte uns geboten haben. So schade ist es aber dann doch nicht, denn in Costa Rica warten noch unzählige wunderschöne Ecken auf uns.

Nach ein paar Stunden Fahrt haben wir die Erste genau dieser Ecken gefunden und fühlen uns in Puerto Viejo an der Karibikküste sauwohl. Sogar einen Campingplatz finden wir und endlich haben wir die Chance, unser in Bolivien gekauftes Zelt auszuprobieren, denn bei gefühlten 40 Grad Celsius, und viel kühler ist es auch in Wirklichkeit nicht, wäre das Bett im Auto mehr eine Strafe als Erholung für drei Personen. Der Besitzer des Platzes ist, wie könnte es anders sein, mal wieder ein ausgewanderter Amerikaner, der sich vor etlichen Jahren hier niedergelassen hat. Abends wird ein Lagerfeuer am Strand gemacht und mit anderen Reisenden kann man sich im leichten Schimmern des Feuers über geplante und bereits bereiste Reiserouten austauschen. IMG_6905

Am darauffolgenden Morgen entscheiden wir uns, einen kleinen Strandspaziergang zu einem nahegelegenen Sandstrand zu unternehmen. Also schnappen wir uns nach dem Frühstück unsere Surfbretter und eisgekühlte Getränke und machen uns auf den Weg. Das man in der Sonne zerfließt ist halb so wild, denn im Schatten der Palmen oder in der rauen Karibikbrandung lässt es sich mehr als aushalten. Als wir nach ein paar Strandstunden zurück zu Campingplatz trotten, dann doch etwas ausgelaugt von Wasser und Sonne, knurrt unser Magen gefährlich und als ob es noch nicht warm genug wäre, entscheiden wir uns dafür, direkt beim Auto ein kleines Feuer zu machen. Denn was geht über ein leckeres Steak nach einem aufregenden Tag, den ersten richtigen Tag mit Leo.

Von anderen, die schon ein paar Tage länger hier sind, bekommen wir den „Geheimtipp“. Zwar kann man den Strand Manzanillo auch in allen Reiseführern finden, doch nach den Beschreibungen der anderen Reisenden sind wir uns ganz sicher, der Strand ist ein Muss. Zu Fuß schaffen wir die 13 Kilometer bei der Hitze auf keinen Fall, doch mit dem Fahrrad sollte das kein Problem sein. Abwechselnd fahren wir durch Urwald oder an der Strandpromenade. So wirklich das Wahre sind die wackligen Drahtesel aber nicht, eher zwei Reifen, verbunden mit einem Rahmen. Und da wir keine Gangschaltung haben, ist jeder Hügel eine schweißtreibende Herausforderung.

Was macht Leo eigentlich da? :-D

Was macht Leo eigentlich da? :-D

Nach wenigen Kilometern haben wir immerhin einen Grund für eine Pause, denn ein Faultier sitzt am Straßenrand. Wer denkt, so langsam und faul können die doch gar nicht sein, der hat sich geirrt. Das Faultier sitzt minutenlang ohne jegliche Bewegung am Straßenrand, wir glauben schon es reanimieren zu müssen und dann bewegt es sich doch noch, langsamer als in Zeitlupenbewegung bewegt es sich zurück ins Unterholz. Der Weg von vielleicht gerade mal einem Meter dauert jedoch länger als fünf Minuten. Jetzt sind wir uns sicher, bei anderen Tieren muss man sich manchmal wirklich beeilen und die Kamera zücken, bei Faultieren kann man getrost noch einen Kaffee trinken gehen.

Der anstrengende Weg hat sich aber gelohnt, denn der Strand Manzanillo ist ein kleines Paradies, Kokosnusspalmen säumen den weißen Sandstrand, ein paar Holzboote wanken im seichtem türkisfarbenen Meer und Rastafaris trommeln im entspanntem Rhythmus ihren Beat. Allgemein ist die Gegend um Puerto Viejo bekannt für die vielen Schwarzafrikaner mit Rastazöpfen und ohne Vorurteile bestätigen zu wollen, ist es nicht zu verleugnen, dass hinter jeder Ecke ein leicht süßlicher Rauch in die Nase steigt. Auch wenn Marihuana hier polizeilich streng verboten sein soll, stört das hier anscheinend niemanden. – Ein Schalk, der Böses dabei denkt…

Auf dem Weg zum nächsten Spot wartet noch ein kleiner Zwischenstopp auf uns. Wenn wir schon einmal den Weg in die Karibik geschafft haben, wollen wir es nämlich auch nicht verpassen im Nationalpark Cahuita ins Wasser zu hüpfen.
Nur eine halbe Stunde die Augen schließen,… doch immer wieder stört ein Affe über uns in den Bäumen oder ausflippende Touristen. Wir beginnen wiederholt die 30 minütige Siesta… Irgendwann geben wir auf, denn anscheint ist sie uns nicht gegönnt und fahren schließlich weiter in Richtung dem Nationalpark Tortugero. Bei der Zeitkalkulation haben wir unseren Durchschnitt der letzten paar tausend Kilometer in Betracht gezogen, denn so richtig schlechte Straßen sind wir schon fast gar nicht mehr gewöhnt. Die ewigen Schotterpisten aus Patagonien (Link) und Bolivien (Link) sind eine Rarität geworden. Doch auf dem Weg zum Nationalpark Tortugero haben wir einmal wieder diese Rarität und können unsere Fahrzeitkalkulation vergessen. Geplant war fünf Uhr Nachmittag, doch als wir an der Anlegestelle für die Bootsshuttle ankommen sind, ist es schon nach acht.
Das letzte offizielle Boot hat aber leider schon um kurz vor sechs abgelegt und jetzt sieht es schlecht für uns aus durch die Sumpflandschaft auf die Hauptinsel zu gelangen. Die letzte Chance wäre es, mit einem Einheimischen mitzufahren, der jetzt in jedem Fall noch rüber müsse, wie er uns sagt. Komischerweise verlangt er für uns drei jedoch 60 Dollar und erklärt uns, dass die normalen Shuttle tagsüber 3 Dollar pro Person kosten würden. Etwas Paradox und so versuchen wir ihn noch ein paar Mal von seinem überhöhten Angebot runterzuhandeln. Ohne Erfolg er will nicht verhandeln und bleibt bei dem fast siebenfachen Preis. So beschließen wir, bis zum ersten Boot am nächsten Morgen zu warten. Der Parkplatzwächter erlaubt uns sogar mit dem Zelt zu campen und so sparen wir uns auch noch den Campingplatz. Für den Abend haben wir etwas ganz besonderes vor, denn bei einem kleinen Fischhändler in Puerto Lemon haben wir ein gutes Kilo Shrimps erstanden und die soll es heute mit einer einfachen aber leckeren Knoblauch Soße geben, dann traut sich praktischerweise auch keiner zu nah an unser Auto heran, jedenfalls traut sich kein Vampir mehr in unsere Nähe…

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Als mit der aufgehenden Sonne auch die ersten Boote ablegen, trauen wir unseren Augen nicht,
ein Doppeldecker nach dem anderen rollt über die Schotterpiste zum Bootsanleger und die Touristen strömen ohne Unterlass in die kleinen Boote. Trotzdem bekommen wir noch Platz in einem der Boote. Unser Kapitän scheint es besonders eilig zu haben. Wir sehen die anderen Boote nur langsam tuckern, während Gonzalo seinen Gästen auch beweisen möchte, dass er einen 200 PS-starken Außenborder hat. Mit waghalsigen Überholmanövern prescht er durch das Dickicht an den schleichenden Booten vorbei. Nur wenn er etwas Sehenswertes entdeckt legt er eine Vollbremsung hin, wie zum Beispiel bei den sich sonnenden Krokodilen. Wir atmen auf, als keiner über Bord gegangen ist, denn die vielleicht hungrigen Reptilien warten mit offenen Mäulern in der Sonne auf Schiffbrüchige. Für die Touristenmassen am Bootsanleger ist die Insel dann aber doch wieder ganz entspannt. Der Strand ist leider nicht weiß, wie wir es von der Karibik bis jetzt gewöhnt waren, sondern tief schwarz und die Strömung so stark, dass man nicht viel tiefer als bis zur Brust ins Wasser möchte. Zum Baden also nicht der beste Platz und deswegen erkunden wir einfach ein Wenig das Dorf und die umliegende Natur.

Am Abend sind wir uns noch nicht ganz sicher ob wir uns am nächsten Tag eine Tour durch den Nationalpark buchen wollen. Der Park soll ziemlich beeindruckend sein; andere Nationalparks, so wird berichtet, seien aber noch interessanter.
Als wir am nächsten Morgen aufwachen sind wir uns sicher, heute bestimmt nicht in den Park zu gehen. Auf dem schützenden Terrassendach schüttet es in Eimern und die Zelte einiger Camper fegen über den Strand. Wie gut, dass uns die Entscheidung so leicht abgenommen wurde. Auf dem Weg zum Bootsanleger sind wir schon wieder komplett durchnässt. Kaum sitzen wir im Boot, auf dem die Passagiere mit einer Plastikplane vor dem Unwetter geschützt werden, kramen wir uns die halbwegs trockengebliebenen Kleidungsstücke aus dem Backpacker zusammen. Leider haben wir nicht wieder Gonzalo als Kapitän und unser heutiger Bootsführer ist die Ruhe in Person. Es regnet in Strömen, die Schraube am kleinen Außenborder ist halb kaputt und für die Fahrt brauchen wir fast die doppelte Zeit.IMG_7074

Am Auto angekommen, schiebt sich aber auch schon wieder die Sonne vor die Wolken und aus dem Unwetter wird wieder drückende Hitze. Auch Lola hat sich von dem Regen nicht wirklich abgekühlt und die Luft im Auto steht. Mit geöffneten Fenstern und Fahrtwind, kann man es aber zum Glück nach ein paar Minuten wieder aushalten, also bloß nicht anhalten!
Kurz nach vier finden wir uns in Managua wieder, diesmal aber in einem kleinen Vorort. Denn hier wohnt Kathy, der wir unser Kommen schon angedroht haben. Mittlerweile ist sie schon mehrere Monate bei sozialen Projekten in Costa Rica tätig. Kurz nach fünf kommt sie mit ihrer Gastfamilie von einem Familienbesuch wieder. Schon bei der ersten Begegnung begrüßt uns ihre freundliche Gastfamilie, als wären wir alte Freunde. Nach einem Kaffee und selbst gebackenem Osterzopf, fahren wir zusammen mit ihren Freunden zum Fußball.
Wir haben schon viele fußballverrücktere Länder auf unserer Reise kennengelernt. Es aber nun das erste Fußballspiel auf dieser Reise, das wir uns im Stadion angucken. Anders als in Europa oder auch 2011 in Argentinien, haben wir hier im Stadion des costa-ricanischen Erstligisten das Gefühl, fast direkt mit auf dem Platz zu stehen. Denn Fans und Spieler trennen nur wenige Meter und ein kleiner Zaun. Nach dem Spiel sitzen wir noch lange zusammen und unterhalten uns über die Schulzeit, die wie es scheint, schon so lange zurückliegt und die bisherigen Auslands-
erlebnisse.

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Am nächsten Morgen dauert das Frühstück etwas länger als geplant, wir bekommen noch etliche Tipps und vor allem Warnungen der Gasteltern mit auf den Weg. Die Welt ist kleiner als man denkt und auch am anderen Ende der Welt trifft man immer wieder bekannte Gesichter. Vielen Dank für die lustigen Stunden und die Gastfreundschaft, die wir einmal mehr auf unserer Reise erleben durften.

Über Land und unter Wasser!

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20.03.2015 – 29.03.2015; Panama Stadt, Santa Catalina, Las Lajas, Uvita; Der Abflug des letzten Besuchs ist noch nicht einmal 24 Stunden her und schon ist es Zeit, den nächsten zu planen. Denn in wenigen Tagen erwarten wir Leo, einen Schulfreund von Max, in Costa Rica. Es gilt also nicht viel Zeit zu vertrödeln und möglichst zügig nach Costa Rica zu fahren. In den letzten Tagen, die wir in Panama verbringen, möchten wir noch gerne ein paar Tauchgänge machen. Mehr noch, Max fehlt immer noch sein Tauchschein, den wir in Kolumbien aus Zeitknappheit nicht mehr arrangieren konnten. So geht es also direkt nach dem Kauf neuer Reifen für Lola nach Santa Catalina, ein kleines Dörfchen an der Pazifikküste nahe dem Inselnationalpark Coiba. Die Inseln um die Hauptinseln Coiba ist einer der Top Tauchspots in Mittelamerika und zudem sind Tauchkurse in Panama, nach Kolumbien, wohl die günstigsten die wir auf unserer Reise bekommen können.

Eigentlich wollten wir es noch nach Santa Catalina schaffen, doch eine Toilettenpause am Rasthof wird Lola zum Verhängnis. Als wir wieder Fahrt aufnehmen wollen, scheitert es schon am Rückwärtsgang. Im Leerlauf rollen wir ironischerweise an, kein Gang außer dem Rückwärtsgang lässt sich einlegen und im Rückwärtsgang befinden wir uns tatsächlich im Leerlauf. Blöderweise sind wir schon etliche Kilometer von Panama entfernt und eine Fahrt in die Stadt würde mit reinem Rollen Stunden dauern. Wohl oder übel probieren wir selber an der Schaltung herum. Tauschen Plastikbuchsen aus und Ölen wo wir nur können, doch eine wirkliche Verbesserung bringt uns das auch nicht. Mit der Zeit werden auch die Tankstellenangestellten auf uns aufmerksam und ein Botschafter, der eigentlich nur kurz zum Tanken gekommen ist, versucht seinen Mechaniker zu erreichen. Doch leider enttäuscht uns das Telefonat. Ob es wirklich daran liegt, dass er sich mit Mercedes nicht auskennt, können wir nicht sagen. Fast verständlich, denn wer möchte man Freitagabend schon 2 Stunden Fahrt für eine Reparatur auf sich nehmen, wo doch auch schon alle Ersatzteilläden und Werkstätten im Wochenende sind.
Louisiana von der Tankstelle versucht uns nun auch zu helfen. Sie hat einen Cousin, der auch Mechaniker ist, vielleicht könnte er uns ja weiterhelfen. Aber auch Alex, der Cousin, müsste aus Panama Stadt ankommen. Wir wagen es gar nicht zu hoffen. Anders als erwartet, will er uns helfen und verspricht zu kommen.
Gegen 22 Uhr rollt Alex dann auch endlich mit laut dröhnendem Bass auf die Tankstelle, umarmt liebevoll seine Cousine und kommt leicht angeheitert zu uns herüber. „Jungs, Jungs … es ist Freitag, ich saß schon mit meinen Kumpels in der Kneipe, aber als Louisiana erzählte, dass ihr einen Mercedes habt,…. Sowas kommt hier nicht oft vor!“, lacht er.
„Hat dich die Polizei wieder festgehalten?“, höhnt die Cousine. Im Spaß, wie sich herausstellt, denn Alex ist selber Polizist, genauer gesagt Mechaniker bei der Grenzpolizei. Fast täglich fliegt er von der kolumbianischen zur costa ricanischen Grenze und muss sein Geschick unter Beweis stellen. Seine Hauptaufgabe sei, erzählt er uns nicht ganz ohne Stolz, stets alleine durch die Problembeschreibung die wichtigsten Ersatzteile dabei zu haben. „Als ich von eurem Problem gehört habe, bin ich direkt zum Lager und habe alles Mögliche mitgebracht!“, erzählt er lachend und zeigt auf seinen vollen Kofferraum. Tatsächlich erwarten einige Ersatzteile und Hilfsmittel ihren Einsatz, die er extra für uns besorgt haben mag. Doch als er unter Lola liegt und im schummrigen Licht der Handytaschenlampe an der Schaltung schraubt entwarnt er uns. „Die ganze Einstellung ist im Ar***!“, lacht er. Nach und nach funktioniert ein Gang nach dem anderen wieder und als Alex fertig ist, lässt sich Lola wieder butterweich schalten. Ein wenig klönen wir noch mit Alex und unterhalten uns über seinen Beruf und unsere Reise. Er erzählt, dass er früher auch mal einen Mercedes hatte, den er mittlerweile leider kaputt gefahren hätte. Doch der Motor und die Flügeltüren hat er als Andenken noch in seiner Garage stehen. Auf die Frage wie viel wir im denn jetzt schulden, denn schließlich ist er Freitag nachts zum Lager und dann eine Stunde aus der Stadt zu uns gedüst, stellt Alex lieber eine Gegenfrage, „Als Deutsche habt ihr doch bestimmt kaltes Bier?“. Und da hat er Recht, die eine oder andere Dose liegt noch wohltemperiert in unserer Kühlbox. „Wenn ich mal in Deutschland bin und ihr mir helfen könnt, dann warte ich auf euch!“, spaßt er und wir trinken noch in aller Ruhe zwei Bier bevor er sich wieder auf den Weg macht. „Die Nacht ist noch jung!“, ruft er aus seinem Auto, schiebt sein Dachfenster auf und fährt mit dröhnendem Bass wieder davon. Da der Biervorrat jetzt aufgebraucht ist, stoßen wir noch mit einem Glas Wasser auf die erfolgreiche Reparatur an und entscheiden uns, dann doch lieber erst morgen weiterzufahren. Die Tankstelle ist ja immerhin 24 Stunden bewacht.

IMG_6880Immer noch extrem glücklich über den Ausgang unserer gestrigen Panne, fahren wir gegen kurz nach acht Uhr vom Tankstellengelände. Sämtliche Probleme mit der Schaltung sind wie weggezaubert und problemlos holpern wir die Panamericana wieder nordwärts, bis zur Ausfahrt Santa Catalina. Als wir in dem Dörfchen ankommen, welches wirklich nur eine kleine Ansammlung von Häusern ist, überrascht uns der europäische Einschlag eigentlich nicht mehr. In den Tauchbasen wird vorwiegend deutsch, englisch und französisch gesprochen und die Hotels sind, wie zu erwarten, auch unter ausländischer Führung. Vielleicht ist es nicht das authentischste panamaische Dorf, doch die Unterwasserwelt wird wohl kaum deutsch oder englisch sein. Die vier Tauchschulen sind schnell abgelaufen und das beste Angebot nicht zu übersehen. Kurzerhand hat Max seinen Open Water Diver Kurs gebucht und auch Alessandro will nicht nutzlos herumsitzen und widmet sich dem fortgeschrittenen Tauchkurs. Am Abend sitzen wir also beide mit unseren Tauchbüchern auf der kleine Veranda des Tauchresorts und studieren unsere Einheiten. Auch bei Alessandro sind die letzten Tauchgänge nicht gerade gestern gewesen und so ertappt ihn Max das ein oder andere Mal dabei, Kleinigkeiten im ersten Band nachzuschlagen.
Die Übernachtungen im Resort sind inklusive, doch am nächsten Morgen beginnen wir zu bereuen, nicht im Bus geschlafen zu haben. Die anderen Gäste haben die Klimaanlage auf Hochtouren laufen lassen und die trockene Luft hinterlässt ein leichtes Kratzen im Hals. Aber schwächeln ist nicht drin, es muss weiter gelernt werden. Max bekommt noch Theoriestunden von seinem französischen Tauchlehrer, während Alessandro seinen Theorieteil schon erledigt hat, auch einen Test erwartet nur noch Max.

IMG_6804Natürlich wollen wir nicht nur trockenen Tauchunterricht und in dicken Büchern blättern, eigentlich haben wir uns viel mehr auf den darauf folgenden Tag gefreut, an dem es raus aufs Meer geht. Morgens um 6 klingelt schon der Wecker und gefühlt könnten wir uns noch mal umdrehen, aber die Haie und Stachelrochen warten schon auf uns.
Um 8 Uhr brettern wir auch schon in der morgendlichen Sonne über das Meer. Die komplett neue Taucherausrüstung ist schnell zusammengesucht und mit großer Spannung warten wir auf die Unterwasserwelt. Um ganz langsam anzufangen startet Alessandro mit einem Tieftauchgang, die 29°C an der Oberfläche verwandeln sich in der Tiefe in eiskalte 19°C und auch der Sauerstoff schwindet in der Tiefe nur so dahin und so ist der erste Tauchgang leider schon nach 40 Minuten zu Ende. Aber die Unterwasserwelt ist berauschend, tausende kunterbunte Fische schwimmen um die Reefs herum. Dicke Haie mit über zwei Meter Länge ziehen ihre Kreise unter uns und die Stachelrochen vergraben sich tief im Sand, wenn man ihnen zu nah kommt, schnellen sie heraus und schwimmen davon. Das Tauchboot holt jetzt auch Max und zwei Amerikaner von einer anderen Insel ab, denn ihnen wurden erst die Grundkenntnisse für die darauffolgenden Tauchgänge erklärt. Eine Stunde dürfen wir uns in der Sonne brutzeln lassen, dann geht es auf zum nächsten Tauchspot. Dieses Mal nicht so tief, dafür auch wärmer und länger. Schwerelos schweben wir durch die Unterwasserwelt und dürfen immer wieder neue Aufgaben lösen. Mit dem Kompass navigieren oder dem Unterwassercomputer die maximale Tauchzeit der Gruppe bestimmen, wir haben allerhand zu tun. Um die Ausbildung zu bestehen, dürfen sich unsere Tauchlehrer entspannen und die Verantwortung liegt ganz bei uns, natürlich nur solange wir keine Fehler machen.
Am nächsten Tag geht es dann wieder früh aus den Betten und auf das heute etwas rauere Meer. Die Strömungen sind gewaltig. Manchmal kann man sich der Kraft des Wassers nicht mehr widersetzen und wird von der Strömung mitgerissen, aber auch das ist eine interessante Übung und so haben wir die Möglichkeit unser Können direkt unter Beweis zu stellen.
Die Unterwasserwelt hat uns beeindruckt und wir können es kaum erwarten wieder in die Tiefen der Meere abzutauchen, als wir am späten Nachmittag wieder in Santa Catalina ankommen. Wir beide haben bestanden und das nächste Mal dürfen wir dann sogar alleine unter Wasser und brauchen keinen Tauchlehrer mehr.

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Als wir schon wieder auf dem Weg Richtung Panamericana sind, fassen wir uns beide nur an den Kopf und drehen um, denn fast hätten wir das, wenn auch mittlerweile kleine, Käsestück aus Deutschland im Resortkühlschrank vergessen. Zum Glück hat sich noch keiner unserer Spezialität bedient und wir probieren jetzt, mit dem Käse noch einmal aufzubrauchen. Wir können es uns nicht verkneifen auf der Rückfahrt noch einmal bei Chantal vorbei zu schauen, doch wegen unserer Verzögerung schaffen wir es nur kurz vor Feierabend. Immerhin ein kaltes Bier können wir noch bekommen und gegessen haben wir ja auch schon eine Kleinigkeit. Chantal lässt uns auf dem Parkplatz übernachten und am Morgen dürfen wir sogar noch duschen und in den Pool hüpfen, bei den tropischen Temperaturen auch das aller Beste. Wir bekommen noch den Tipp mit auf den Weg an der Grenze steuerfrei einzukaufen und wollen dann auch keine Zeit verlieren, wer weiß wie lange der Grenzübertritt dauert.

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Auf dem Weg zur Grenze segelt eine Fledermaus durch das offene Wagenfenster

An der Grenze ist ein schreckliches Getümmel, LKWs, Busse und PKWs reihen sich aneinander und Menschenmassen drücken sich durch die Kontrollen. Doch immerhin geht so die Ausreise erstaunlich schnell und hätten wir es provoziert, hätten wir ohne Kontrolle nach Costa Rica einreisen können. Die Dutyfreeschops hauen uns fast um und wir können nicht widerstehen eine Gallone Qualitätsrum für unter 10 Dollar zu kaufen. Der gleiche Preis für den man sonst gerade einmal eine 0,7 Liter Flasche bekommt. Um es nachher nicht zu bereuen, nehmen wir uns lieber gleich zwei mit, denn wer weiß wann wir so ein Angebot wieder bekommen. Die Einreise nach Costa Rica dauert dann jedoch Stunden. Der Sachbearbeiter tippt in Zeitlupengeschwindigkeit die Informationen ein, telefoniert zwischendurch mit Frau und Freunden und lässt uns etliche Male zum Kopierladen gegenüber laufen, obwohl direkt hinter ihm sein Eigener steht. Immerhin stimmt alles, wie haben eine Versicherung und auf die Kontrolle verzichtet er. Zum Glück, denn wir schmuggeln immer noch ein paar kolumbianische Kokosnüsse mit.

Jetzt wo alles so super geklappt hat, haben wir noch 3 Tage Zeit für sich angesammelte Aufgaben, die wir erledigen wollen bevor am Sonntagabend Leo zu uns kommt. Auf einem kleinen Campingplatz auf halber Strecke nach San José machen wir Halt und erledigen, alles was noch anliegt, denn die Zeit mit Leo wollen wir schließlich möglichst sorgenfrei genießen können.

Oh wie pretty ist Panama!

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04.03.2015 – 19.03.2015; Panama Stadt, Las Lajas, Boquete, Bocas del Torro; Mit der Fähre hat alles super geklappt, bis auf stundenlanges Warten bei den Behörden gab es keine Komplikationen. Den Freitagabend haben wir in Panama Stadt im „Miami Beach“-ähnlichen Szeneviertel verbracht und eigentlich ist alles perfekt getimt für die Ankunft von Max Eltern und Alessandros Vater, wäre da nicht der blöde Zufall. Geduscht und fertig für die letzten Vorbereitungen vor dem Besuch sitzen wir im frisch geputzten Auto und wollen keine Zeit verstreichen lassen, alles möglichst perfekt zu organisieren. Doch als Alessandro den Schlüssel umdreht passiert nichts, der Motor macht kein Geräusch noch nicht einmal der Anlasser ist zu hören. Nochmal und nochmal versucht Alessandro den Motor anzulassen doch es tut sich nichts. „Ich glaube ich bin verrückt, hier, mach du mal!“, bittet Alessandro Max ans Steuer, doch wie zu erwarten, ändert auch das nichts. Schnell schrauben wir die Sitze ab und überbrücken von der Wohnraumbatterie zur Starterbatterie, vielleicht hat ja irgendetwas die Batterie leergezogen. Aber auch die Überbrückung bringt nichts, der Motor startet nicht. Dann liegt es wohl am Anlasser vermuten wir und rufen die Anwohner zur Hilfe, um ihre Autos aus der engen Gasse zu parken. Mittlerweile haben sich Anwohner, Passanten und Hostelgäste um Lola versammelt und alle helfen mit. Mit Schwung klappt es dann endlich auch und der Motor springt an, also ist es einmal wieder der Anlasser, der seinen Geist aufgeben hat, perfekter Weise am Samstagvormittag nur wenige Stunden bevor wir am Flughafen stehen wollen. „Wohin soll es denn gehen?“, fragt einer der Anwohner interessiert. – Wie es aussieht wohl in die nächste Werkstatt…

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Von anderen Reisenden haben wir bereits die Werkstatt des Vertrauens ans Herz gelegt bekommen, doch leider finden wir sie erst zu spät, als das sie dort noch etwas verrichten könnten und so suchen wir weiter. Eine Werkstatt nach der anderen weist uns ab, bis wir endlich in einer kleinen Nebenstraße fündig werden. Mit etwas Bitten und Betteln wird sogar noch heute nach einer Lösung gesucht, denn bis Montag wollen und können wir nicht warten. Batterie abklemmen ist hier noch kein Thema, als wir dem Werkstattmeister sagen, der Anlasser sei defekt, haben wir gar keine Zeit den Sitz abzumontieren, schon hat er den Anlasser in der Hand. Nach einer kurzen Prüfung gibt er uns Entwarnung, zwar muss der Anlasser zerlegt und repariert werden, aber das würde er in wenigen Stunden schaffen, beruhigt er uns. Er setzt sich direkt in seinen Mercedes und düst davon, um die benötigten Ersatzteile zu besorgen. Währenddessen unterhalten wir uns mit dem Rest der Werkstattmitarbeiter, die von den schönsten Ecken Panamas und Mittelamerikas berichten. Der amerikanische Einschlag ist nicht zu überhören, anstatt vom spanischen Wort „schön“ scheint hier alles amerikanisch „pritty“ zu sein. Pritty der Strand, Pritty die Städte und natürlich ganz besonders pritty die Menschen. Aber das Panama schön sei, wollen wir den Panamesen gar nicht ausreden. Auch wenn wir noch nicht sonderlich viel gesehen haben, freuen wir uns schon die nächsten zwei Wochen mit unseren Eltern das pretty Panama zu bereisen.
Zwar zieht sich auch die schnelle Reparatur, vor allem gefühlt, weil wir stets die Uhr im Blick behalten, unendlich hin, doch gerade noch rechtzeitig gegen 17 Uhr springt Lola wieder problemlos an. Im Hotel haben wir nun nur noch Zeit zum Einchecken und für eine Dusche auf die Schnelle und schon sitzen wir wieder im Auto auf dem Weg zum Flughafen.

Der Flughafen zeichnet sich nach einer halben Stunde Fahrt vor uns ab und ist kleiner als erwartet, doch immerhin sind wir rechtzeitig da und haben sogar noch 10 Minuten bis zur Landung. Unsere wiedererlangte Tiefenentspannung schwingt jedoch schnell in Hektik um, als wir erfahren am falschen Flughafen zu sein. Das Navi macht uns Mut, die 10 Minuten werden unsere Eltern wohl an der Gepäckschlange brauchen und unsere Verspätung gar nicht richtig bemerken. Doch auch als wir hier ankommen guckt man uns nur verdutzt an, als wir nach dem Flug aus Lissabon fragen. „Hier ist zwar der internationale Flughafen, aber solche Flüge kommen am richtigen internationalen Flughafen an!“, versichert uns ein Polizist. Um uns nicht noch einmal zu verfahren erklärt uns ein Taxifahrer wie wir am schnellsten zum „richtigen internationalen Flughafen“ gelangen, schnell ist aber relativ, denn wenn wir schnell sind, brauchen wir immer noch 40 Minuten für den Weg.

Doch wir haben es geschafft, mit einer Stunde Verspätung und etwas durch den Wind fahren wir auf das Flughafengelände, durch das Fenster winkt uns schon Max Vater entgegen. Die Freude ist groß, immerhin sind wir schon sieben Monate unterwegs, auch wenn die Zeit mittlerweile beginnt an uns vorbeizufliegen.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zu den Mirafloresschleusen, eine der wichtigsten Bauten der Globalisierung. Auch wenn ein Containerschiff für die Durchquerung des Panamakanals bis zu einer viertel Million Dollar bezahlt, ist es eine ungemeine Erleichterung in der Schifffahrt, so können sich die Frachter immerhin die komplette Umfahrung von Südamerika sparen und brauchen gerade einmal ein paar Stunden, um vom Pazifik in den Atlantik, oder umgekehrt, zu gelangen. Mittlerweile ist schon der zweite Kanal im Bau und die Panamesen sind sichtlich stolz auf ihr Weltwunder. Das dazugehörige Museum zeigt die gesamt Geschichte von Flora und Fauna, über den Bau des Kanals bis zu der Überquerung des Kanals alles im Zusammenhang mit dem nicht weniger als 100 Kilometer langem Kanal. Schon seit der Kolonisierung genießt Panama Stadt einen für Mittelamerika überdurchschnittlichen Reichtum. Mit dem Panamakanal konnte die Stadt ihren Wohlstand wohl auch für die nächsten Jahrzehnte sichern. Die unzähligen Wolkenkratzer, die an New York erinnern, und das kleine aber aufwändig restaurierte historische Zentrum präsentieren das Bild einer florierenden westlichen Großstadt. Mit der Ansiedlung riesiger internationaler Konzerne, riesiger Shoppingmalls und einem unglaublich teuren aber spektakulärem Nachtleben ist Panama Stadt die vielleicht am weitesten entwickelte Großstadt Mittelamerikas.

Doch nach ein paar Tagen sind wir auch wieder froh aus der Metropole zu fahren und ein wenig mehr authentisches Panama zu erleben, denn Großstädte, gerade solch westliche sind nichts Besonderes und können auf der ganzen Welt gefunden werden. Die Fahrt an den Pazifikstrand Las Lajas ist holpriger und zeitraubender als kalkuliert, denn die Baustelle an der Panamericana zieht sich bestimmt auf 200 Kilometer. Ab und zu überrascht ein Schlagloch aus dem nichts oder es wurde einfach an einem Gullideckel gespart. Wie viele Autos hier schon einen Achsbruch erlitten haben, wollen wir uns gar nicht ausmalen und sind froh, dass wir mit Einbruch der Dunkelheit die Bungalows von Chantal erreichen. In Panama Stadt inmitten des Großstadtgewühls in einem Hochhaus einquartiert, sind die Bungalows Mitten im Grün mit Holzpool eine wunderbare kleine Oase. Die Küche ist montags aber leider geschlossen und so machen wir uns noch einmal auf den Weg in das kleine Dorf, zwar ist auch hier schon fast alles geschlossen, aber ein paar Vorspeisen bekommen wir noch in einem der Strandresorts. Als der Kellner sich weigert nach 21 Uhr noch Tortilla-Chips zu servieren sind wir etwas enttäuscht vom Service, dafür haben wir aber einen wunderbaren Blick auf den sternenklaren Himmel. Bei einem Sternbilderraten kommen wir leider nur zu einem ganz sicheren Entschluss, – der hellste Punkt ist der Mond.

IMG_6283Am nächsten Morgen nach dem unschlagbaren Frühstück bei Chantal fahren wir noch kurz zum Palmen gesäumten Sandstrand, springen in die Brandung des Pazifiks und entspannen bei einem kühlen Bier in einer etwas heruntergekommenen Strandbar, die jedoch, wie wir nachher erfahren, erst noch im Bau sei. Auf dem Rückweg fahren wir noch einmal bei Chantal vorbei, fühlen uns hier deutlich wohler und können nicht widerstehen, noch einmal in den Pool zu hüpfen.IMG_6310
Gegen Nachmittag erreichen wir dann auch schon Boquete, dass etwas erfrischendere Klima begrüßt uns direkt mit einem kleinen Regenschauer. Und nachts brauchen wir seit langem wieder einen leichten Pulli. Der nächste Tag ist dann zum Glück aber freundlicher und so entscheiden wir uns eine der vielen Kaffeefarmen zu besuchen. Die Kaffeetour beginnt natürlich, wie könnte es anders sein, – mit Tee. Erst nachdem wir durch die Plantage geführt wurden, dürfen wir als Belohnung den organischen Kaffee probieren. Nach der Verkostung darf sich Alessandro beim Rösten versuchen und nach bestandener Prüfung bekommt jeder der Teilnehmer von ihm eine Tüte frischgerösteten Kaffee. Die Hausbrauerei finden wir bedauerlicherweise selbst nicht mit den einheimischen Taxifahrern, aber für den Abend haben wir immerhin einen Tisch im Restaurant reserviert, in dem es auch handgebrautes Bier geben soll. Leider ist nicht ein einziges Bier mehr vorrätig als wir ankommen, doch wenigstens ist das Restaurant nicht mit der amerikanischen Frittenbude, die uns gestern empfohlen wurde, zu vergleichen.

IMG_6367Auch wenn das kühlere Klima angenehm war und die Freude ist groß, dass wir nach einem Tag Fahrt durch den verregneten Nebelwald die Karibik erreichen. Entspannung pur an verlassenen Stränden erwartet uns hier aber noch nicht, sondern ein schrecklicher Trubel. Alle wollen uns die beste Fähre nach Bocas del Torro verkaufen und den sichersten Parkplatz empfehlen. Uns ist das Ganze etwas zu viel und die Leute zu aufdringlich, die eindeutig nur Touristen abziehen möchten. Max ist der Erste, der die Initiative ergreift und schnell die Scheibe hochkurbelt, denn auch nach tausendmal dankend Ablehnen geben die Einheimischen nicht auf. Vor dem am besten aussehenden Haus laden wir also nur schnell unser Hab und Gut aus Lola, das wir für die nächsten Tage brauchen und parken auf dem uns am vertrauenswürdigsten wirkenden Parkplatz, der zwar etwas teurer als die anderen ist, jedoch so wirkt, als wenn es ein Wiedersehen mit Lola geben wird. Wir erreichen Bocas del Torro „Town“ leider mit zwei Stunden Verspätung und hoffen, dass Jelle, der Besitzer von unserer Unterkunft, noch nicht zu lange gewartet hat. Alessandro ist mit seinem Vater der erste in dem verabredeten Lokal, ein Anruf bei Jelle genügt und er steht eine halbe Stunde später am Steg. Die Fahrt zur Dolphin Bay ist etwas abenteuerlich, denn mittlerweile ist es stockfinster und Jelle sucht eine gerade mal wenige Meter breite Einfahrt zwischen zwei Inseln. Natürlich findet er sie und seine Mutter Janecke bereitet uns noch das Abendessen zu, bevor wir kaputt vom Tag ins Bett fallen. IMG_6402
Der Plan war, nur zwei Nächste zu bleiben. Nachdem wir auf drei verlängert haben, finden wir uns auch noch die fünfte Nacht in der Karibikbucht wieder. Von unserer Basis aus machen wir Tagesausflüge zu Stränden oder genießen das badewannenwarme Karibikmeer, versuchen uns mit Speerfischen und Segeln um die Inseln. Entspannung pur können wir auch in einer der Hängematten genießen und abends versorgt uns Janecke auf Wunsch sogar mit fangfrischen Hummer. Jeele übernimmt den Rest. Er chauffiert uns in die kleine Siedlung. Über rutschigen Baumstämmen balancieren wir zum Kiosk und zurück. Reinfallen möchte man hier lieber nicht, denn in dem Schlamm unter uns schwimmt auch die Kloake. Doch die Dorfbewohner sind ausgelassen und trinken in der kleinen Bar kaltes Bier und natürlich ordentlich Rum.

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Nach den entspannten Tagen in der Dolphin Bay geht die Zeit mit unserem Besuch auch langsam zu Ende und wir müssen uns wieder Richtung Panama Stadt orientieren. Einerseits, weil unsere Eltern von dort wieder zurück fliegen, aber auch weil Lola noch einen Satz neue Reifen verdient hat und wir die wohl am Besten in der Hauptstadt besorgen können. Doch einen Tag gönnen wir uns noch bei Chantal in den Bungalows und genießen das Entspannen. Heute ist sogar ihre Küche geöffnet und selbst in Boquete hatte man uns von der legendären Pizza berichtet, die man bei ihr bekommen könnte. Also fällt auch unsere Entscheidung leicht – es gibt Pizza. Als Vorspeise genießen wir Roastbeef und zu der deliziösen Pizza gibt es chilenischen Rotwein. Der letzte Abend ist mehr als gelungen, auch wenn wir erschöpft ins Bett fallen und alle ein wenig traurig sind, dass sich die schöne Zeit einem Ende nähert.

Ein paar Stunden haben wir noch und so genießen wir die letzten Sonnenstrahlen am Pool bevor wir den Road Trip nach Panama Stadt antreten. Als wir ankommen ist uns die Zeit leider davon gelaufen und uns bleibt nur noch eine gute Stunde. Wir stärken uns noch am Flughafen mit einem us-panamesischen Burger, bevor wir unsere Eltern wieder abgeben. Wir nehmen noch einmal Abschied für die letzten Monate und Max Eltern und Alessandros Vater verschwinden in der Sicherheitszone.IMG_6749

Für Abschiedsschmerz bleibt keine Zeit. Jetzt geht es weiter Richtung Costa Rica, kein Grund für Melancholie, denn auf uns warten noch spektakuläre und interessante Teile unserer Reise. Vielen Dank für die tolle Zeit, die wir zusammen in Panama verbringen konnten, und einen kleinen Einblick, den wir von unserer Reise vermitteln durften.

Auf der Spur von Helena und Christoph

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25.02.2015 – 01.03.2015; Cartagena, Parque Nacional Tayrona, Taganga; Das Dariengap mit dem Auto zu durchqueren war von Anfang an eigentlich keine Frage, doch umso fraglicher war, wie und ob wir nach Panama gelangen. Um unsere Reise wie geplant umzusetzen ist die Verschiffung jedoch immer ein großes Thema gewesen. Jeden Reisenden, der uns aus Norden entgegenkam, haben wir befragt und immer wieder waren dieselben gruseligen Nachrichten zu hören – Die Fähre fährt nicht!
Zwar haben wir den einen oder anderen getroffen, der es mit einer der wohl ab und zu fahrenden Fähren von Panama nach Kolumbien geschafft hat, ein regelmäßiger Fährverkehr hat sich bedauerlicher Weise jedoch bis heute nicht eingestellt. Auch ein Anruf bei der Fährgesellschaft „Ferryxpress“ war mehr als ernüchternd. Ein Büro gibt es in Kolumbien noch nicht und der Fährverkehr sei bis auf weiteres eingestellt worden. Bangen macht sich in uns breit und immer noch wissen wir nicht wie wir nach Panama gelangen sollen. Die ganze Situation verschärft sich durch den angekündigten Besuch unserer Eltern, die für zwei Wochen im März zu Besuch kommen möchten. Mehr als Daumendrücken und Hoffen bleibt uns wohl nicht übrig und in allerletzter Not müssen wir wohl auf die mehr als viermal teurere Containerverschiffung zurückgreifen. Doch dieser Gedanke gefällt uns nicht wirklich. Schließlich wurden uns schon seit Argentinien Geschichten von durchsuchten und ausgeraubten Wohnmobilien erzählt. Auch war immer wieder die Rede von auf unerklärliche Weise abhanden gekommenen Autos.

Streetart in Cartegna

Streetart in Cartegna

Doch dann endlich wenige Tage vor Ankunft in Cartagena, erreicht uns in Kolumbien eine halbwegs beruhigende Nachricht – „Wir wissen zwar nicht wie lange, doch zum jetzigen Zeitpunkt fährt die Fähre wöchentlich!“. Nichts wie in die Karibik, mit dieser euphorischen Nachricht fällt uns ein großer Stein vom Herzen. Es ist schon wieder dunkel, doch zum Glück haben wir in Cartagena bereits eine Unterkunft empfohlen bekommen. Das Hotel Bellavista ist wohl der einzige Ort in dem Selbstfahrer eine Bleibe mit Parkplatz, Dusche und anderen Annehmlichkeiten nutzen können, was sich der Besitzer auch gut bezahlen lässt. Die Duschen sind etwas herunter gekommen und der Parkplatz gleicht eher einer Werkstatt, in der ab früh morgens Arbeiter die Maschinen schwingen lassen. Aber hier es ist sicher und abgesehen von den Arbeiten ruhig, die unzähligen anderen Selbstfahrer und die tropische Karibikluft werten den Stellplatz deutlich auf. Die Stimmung wird getrübt, als wir die Amerikaner, die gerade aus Panama kommen, fragen wie sie verschifft haben. Das ist ein herben Rückschlag. Mit der Fähre seien sie gekommen, aber die letzte nach Panama hätte gestern abgelegt, anders als man uns versichert hatte. Eigentlich wollten wir unsere Karibikankunft mit einem netten Abend ausklingen lassen, doch nach diesen Neuigkeiten ist uns danach nicht mehr zumute. Wir gehen recht frustriert mit dem Gefühl ins Bett und morgen auf Gedeih und Verderb eine Lösung zu finden zu müssen.
Am nächsten Morgen wollen wir keine Zeit verlieren und noch vor dem Frühstück rufen wir die Fährgesellschaft mangels eines Büros direkt an. Unsere gestrigen Bedenken sind wie weggeblasen,- jippie, die Fähre fährt doch! Auch wenn wir eigentlich erst nächsten Donnerstag fahren wollten, das Angebot für kommenden Dienstag können wir nicht ausschlagen, denn eine spätere Fähre möchte man uns nicht bestätigen. Im Internet wurde von schrecklichem bürokratischen Aufwand gewarnt, doch man versichert uns das es mit einem Gang zur DIAN getan sein. Nun haben wir jedoch leider nur noch wenige Tage an der kolumbianischen Karibikküste und so müssen wir unseren Zeitplan umwerfen. Der Tauchkurs für Max wird kurzerhand gestrichen und auch die Grenze von Venezuela, die ohnehin umstritten sein soll, nehmen wir aus unserem Programm. Die letzten Tage wollen wir im Nationalpark Tayrona verbringen, denn Alessandros Schwester Helena und ihr Verlobter Christoph kamen nach ihrem Besuch 2013 nicht mehr aus dem Schwärmen.

Damit wir auch wirklich, die beste Tour machen, skypen wir noch kurz uns lassen uns von Helena etliche Tipps zusammenstellen. Eine lange Email mit bebilderter Beschreibung soll uns weiter- helfen.

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Endlich haben wir unsere Verschiffungspapiere zusammen. Wir brechen auch sofort auf, in der Hoffnung noch möglichst weit fahren zu können. Doch es ist unsere ausgelutschte Schaltung die uns im Großstadtstau zu schaffen macht und nach einer halben Stunde mit ständigem Kuppeln und Schalten bemerken wir ein, uns allzu gut bekanntes Problem, die Kupplung übersetzt nur noch wenig Kraft. Die neue Kupplungsscheibe haben wir in Panama schon organisiert und eine kurzfristige Reparatur für ein paar hundert Kilometer wollen wir eigentlich nicht eingehen. Als wir Lola ein paar Minuten abkühlen haben lassen und die Kupplung wieder greift, atmen wir durch. Aus Zeitmangel haben wir keine Möglichkeit für lange Sperenzien und wagen es mit einer 50/50 Chance. Ob wir es problemlos zurückzuschaffen werden, weiter von Cartagena Richtung Nationalpark? Ob die Entscheidung richtig ist oder nicht, können wir jetzt leider nur wage beurteilen, aber auf einen öffentlichen Bus und Parkplatzsuche haben wir keine Lust. Es scheint alles gut zu gehen, auch nach einem Übernachtungsstopp bei Santa Marta fährt Lola als hätte es nie ein Problem gegeben, zwar lässt es sich noch immer schwer schalten, doch das ist schon seit längerem Tagesform abhängig und so verdrängen wir das Thema und planen diese Probleme in Panama zu beheben.

Von dem Eingang zum Paradis hätten wir mehr erwartet, denn von außen wirkt der Park eher wie ein „Gringolandia“. Unmengen von Amerikanern, Asiaten und Europäern drängen sich vor der Eintrittskasse und lassen sich im Anschluss von Militär auf Waffen, Drogen und Alkohol untersuchen. Als wir nach längerem Warten an der Reihe sind kontrolliert man leider nicht unsere Taschen, sondern unser Auto. Der Uniformierte, der ein wenig wie ein Parkwächter aus einem Serengeti-Park aussieht, wird direkt fündig. Als er unsere Kühlbox öffnet, lacht ihn die wohl temperierte Jägermeisterflasche von Greg an. Doch noch haben wir eine kleine Chance, denn der Soldat weiß mit der Flasche nichts anzufangen. Als einfaches Getränk lässt er die grüne Glasflasche mit dem Hirschkopf aber leider auch nicht durchgehen und so einigen wir uns mit dem Sicherheitsbeauftragten darauf, dass in der Flasche Medizin sei und so dürfen wir glücklicherweise mit zwei zugedrückten Augen unseren Jägermeister behalten.

IMG_5814Endlich haben wir das Auto auf dem Parkplatz geparkt und unsere sieben Sachen zusammen gepackt und wir machen uns nun weiter zu Fuß auf den Weg. Da Helena uns vor der drückenden Hitze gewarnt hat, die deren Avocados und Bananen in einen heißen Brei verwandelt hatte, verarbeiten wir unsere Avocado einfach schon vor der Trekkingtour in Guacamole und haben so nichts Schlimmes zu befürchten. Mit unseren großen Packpackern, die mit 12 Liter Trinkwasser und den Lebensmitteln vollgestopft sind, kommen wir schon nach den ersten Schritten ins Schwitzen. Als wir den Urwald betreten, geben uns die großen Bäume immerhin etwas Schutz vor der Sonne. Neben dem steinigen Weg sind Ameisen fleißig am ackern und aus der Ferne hören wir Affen brüllen, denn es sind die sogenannten Brüllaffen die sich an Lianen durch das Dickicht schwingen. Wider Erwarten sind wir auf dem Trekkingpfad alleine, nur ab und zu kommen uns andere Wanderer entgegen oder mit Lebensmitteln bepackte Pferde hinken getrieben von Reitern an uns vorbei zu den Unterkünften. Nur wenn wir an einem der Strände mit Unterkunft und Restaurant vorbeikommen häufen sich die ausgelassenen Touristenhorden auf einem Punkt. Auch wenn das hellblaue und türkisfarbene Meer zum Baden mehr als einlädt, widerstehen wir dem erfrischenden Kühl, denn die meisten Buchten sind wegen der lebensgefährlichen Strömungen nicht zum Baden geeignet.IMG_5838
Gegen späten Nachmittag erreichen wir ziemlich abgekämpft unser Tagesziel und nehmen erschöpft unsere Hängematten in Beschlag. Zum Glück ist hier Baden erlaubt und es dauert nicht lange, da ist der historische Moment gekommen, an dem wir beide zum ersten Mal ins karibische Meer laufen. Der mit Kokosnusspalmen gesäumte weiße Sandstrand ist noch angenehm warm unter den Füßen, langsam trudeln auch andere Touristen ein, die das Flair der unberührten Karibik leider wieder etwas trüben. Trotzdem, so finden wir, sind wir an einem der schönsten Orte unserer bisherigen Reise angelangt. Als die Sonne langsam hinter dem Urwald verschwindet, wird die Meeresluft immer angenehm erfrischender und als die Sonne Strand und Wasser nur noch leicht orangefarben erleuchtet, genießen wir unter einer der Palmen die mitgebrachte Guacamole.
Auch wenn es erst früher Abend ist, das Licht ist aus und morgen haben wir einen etwas längeren Weg vor uns, also legen wir uns erschöpft vom heutigen Tag in unsere Hängematten. Einen Moment kann man noch das Rauschen der Wellen und die leichte Brise genießen bevor die Augen zufallen.IMG_5851

Es ist zwar erst sieben Uhr, doch die Sonne beginnt uns zu wecken und jetzt sind die Duschen immerhin noch nicht besetzt, also lassen wir uns gar nicht viel Zeit. Packen alles zusammen und verzichten auf ein ausgiebiges Frühstück, das wollen wir uns lieber irgendwo im Dschungel schmecken lassen, wenn uns der Hunger überkommt. Die heutige Trekkingtour übernehmen wir einfach eins zu eins von Helena und Christoph und hoffen, dass wir so wenigstens nicht im Dickicht verloren gehen. Ohnehin haben die beiden uns ja schon des Öfteren bewiesen, dass ihre Geheimtipps von ganz besonderer Natur sind, also wollen wir uns auch diesen nicht entgehen lassen. Das kleine indigene Dorf am Ende der Wanderung soll zwar nicht übermäßig spektakulär sein, denn heute stehen dort nur noch ein paar Strohhütten, dafür aber der Weg grandios. Und das wissen wir mittlerweile all zu gut – der Weg ist das Ziel.

Der Wanderweg entpuppt sch eher als ein Kampf mit dem Urwald, denn von einem Weg ist weit und breit keine Spur. Nach nur wenigen hundert Metern lacht uns eine reife Kokosnuss aus der Höhe entgegen, schnell sind wir uns einig, dass wir sie pflücken wollen. Mit Steinen, unreifen Kokosnüssen und langen Ästen geben wir unser Bestes und nach 10 Minuten gibt die Nuss dann auch endlich auf und fällt zu Boden. Mit jetzt noch mehr Gepäck begeben wir uns noch tiefer in den Dschungel, überqueren einen großen Bachlauf und klettern durch enge Steintunnel. Später ziehen wir uns dann noch an nicht gerade vertrauenserweckenden Tauen Steinwände hinauf. Immer wieder wenn wir eins der wenigen Holzschilder entdecken, sind wir froh noch nicht vom Weg abgekommen zu sein. Nach gut einer Stunde haben wir es dann aber auch geschafft und erreichen das verlassene Dorf. Es ist beeindruckend wie die Urvölker an solch abgelegenen Orten ganze Siedlungen erbaut und sich in ihren kleinen Kommunen selbst versorgt haben. Zum Glück können auch wir uns mit dem mitgebrachten Essen selbst versorgen, wenn auch ohne die uns wärmstens empfohlenen Schokobrötchen, die gestern leider schon ausverkauft waren. Wir trösten uns mit dem uns noch übergebliebenem Knäckebrot und einer Tafel dunkler Schokolade. Mit dem kleinen Taschenmesser ist es schon eine kleine Herausforderung die, unter Schweiß und Kraftaufwand hinaufgeschleppte Kokosnuss zu öffnen, doch nichts ist unmöglich. Dank der Kokosmilch können wir unser kostbares Trinkwasser noch für den Rückweg aufsparen.IMG_5893

Auf dem Rückweg zum Auto machen wir noch kurz an der Piscina-Bucht stopp und schnorcheln ein wenig im türkisfarbenen Wasser mit kleinen bunten Fischen. Ein Filmteam an der anderen Seite der Bucht baut derweil sein Equipment auf, ein paar andere Touristen sonnen sich am Strand und Verkäufer preisen ihre Angebote an. Um uns heute nicht wieder die Schokobrötchen entgehen zu lassen, haben wir sie gestern extra vorbestellt und eilen deswegen nach dem erfrischen Karibikbad zu der kleinen Bäckerei hinter einer kleinen Strandlagune im Schatten der Palmen. Und wieder haben uns Helena und Christoph nicht enttäuscht, der Geschmack der Brötchen liegt uns, wie den beiden auch, noch nach Wochen auf der Zunge.
Von hier aus ist der Weg zum Auto einzuschätzen und immer wieder sammeln wir frische Kokosnüsse ein, die uns den Weg versperren.
Am Auto angekommen, haben wir zum Glück noch mehr Wasservorräte und nach einer kurzer Verschnaufpause setzen wir unsere Fahrt fort, um noch vor Einbruch der Dunkelheit den kleinen Taucher- und Fischerort Taganga zu erreichen. Auch wenn wir für Tauchgänge in Kolumbien keine Zeit mehr haben, liegt der Ort praktisch auf dem Rückweg nach Cartagena. Denn es sind nur noch zwei Tage bis die Fähre ablegt und so langsam steigt die Spannung, ob wirklich alles so unkompliziert ablaufen wird, wie wir es hoffen. Die letzten Tage in Kolumbien haben wir dank der guten Tipps von Helena und Christoph wunderbar verlebt und freuen uns schon auf die nächsten Geheimtipps, vielleicht haben sie ja sogar schon etwas für Panama in der Hinterhand.

Die Fähre, die uns nach Panama bringt

Die Fähre, die uns nach Panama bringt

Das weiße Gold – Kokain statt Koffein

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17.02.2015 – 19.02.2015; Medellin;

Wir nehmen noch eine Line und reden über Gott und die Welt. Danach feiern wir bis in den Morgen, können nicht schlafen und wachen am nächsten Tag erst in den späten Abendstunden wieder auf.

So könnte wohl der Beginn über eine durchzechte Kokainnacht beginnen. Dem weißen Gold, das viele in Kolumbien suchen und auch bekommen, im Vergleich zu Europa und den USA sogar zu Spottpreisen. Unsere Informationen zu Kokain sehen jedoch etwas anders aus, aber auch wir wollen dieses Thema nicht auslassen und setzten uns mit Koks, Shit, Schnee oder wie auch immer man es nennen möchte, auseinander. Aber ganz anders als man jetzt vielleicht erwarten könnte. Wir machen einen Exkurs in die Drogengeschichte und Gegenwart von Kolumbien.

Medellin, galt Jahrzehnte als gefährliche Stadt, wenn nicht sogar als gefährlichste der Welt. Drogenkartelle haben sich in Kolumbien gegenseitig bekämpft, Millionen unbeteiligte Menschen sind gestorben und die Angst sitzt auch noch heute in den Köpfen der Bevölkerung. Es ist kompliziert jemanden zu finden,3 der bereit ist offen darüber zu sprechen und eine objektive historische Aufarbeitung ist noch lange nicht in Sicht.

Der Marihuana-Export wurde schon in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahr-hunderts weitgehend eingestellt, er sei zu wenig lukrativ seitdem sich jeder sein Gras im Garten oder in der Toilette züchten kann. Doch Kokain, das aus den Blättern der Kokapflanze gewonnen wird, kann nur in den Andenstaaten Lateinamerikas produziert werden. Versuche in Asien und Afrika sind gescheitert, warum – ist bis heute nicht geklärt. Das Zusammenspiel aus Höhe, Temperatur und ungeklärten anderen Bedingungen lassen den Anbau in anderen Ländern scheitern. Selbst wenn eine Pflanze gedeihen mag, es braucht einen Hektar für ein Kilogramm des weißen Goldes. Vor den Kartellen in Südamerika die sich in den Achtzigern und Neunzigern in Kolumbien bildeten, gab es schon lange Kokainexport. Doch der Unterschied liegt in der Menge, was früher wenige Kilogramm waren wurden binnen kürzester Zeit Tonnen. Heutzutage ist Peru an Platz eins der Kokainproduzenten und Kolumbien an Platz zwei vor Bolivien, doch das ist nur die Produktion. Der Handel spielte sich und spielt sich immer noch im großen Stil in Kolumbien ab.
Ein einziger Mann kontrollierte 80% des weltweiten Kokainhandels, von genau dort, wo wir uns zurzeit aufhalten. In Medellin laufen alle Fäden zusammen.

IMG_5150Wer sich heute mit der Geschichte kolumbianischer Drogenkartelle auseinandergesetzt, stolpert sicherlich früher oder später über den Namen Pablo Escobar. Wir haben die Stadt Medellin genau aus diesem Blickwinkel besichtigt und uns mit der Vergangenheit auseinander gesetzt indem wir uns mit Zeitzeugen unterhielten und die wichtigsten Orte in Verbindung mit seinem Leben besucht haben.

Pablo Escobar kam als Sohn eines Bauern und einer Lehrerin zur Welt. Bereits im Kindergarten entwickelte er sich sehr speziell. Spielkameraden träumten von einer Karriere als Astronaut, Feuerwehrmann oder Lokomotivführer, als Pablo Escobar schon im Kindergarten nur von Macht und Geld fantasierte. Wie ein roter Faden zog sich dieses Streben nach Macht und Geld durch sein Leben. Seine Schullaufbahn blieb davon nicht unberührt. So flog er nach wenigen Monaten von der Schule – er hatte für sich und seine Schulkameraden die Lösungen für die Prüfungen gestohlen und wie verwunderlich, alle bestanden sämtliche Prüfungen.
Doch solche Aktionen machen wohl noch keinen zum siebtreichsten Mann der Welt, dem einflussreichsten Drogenbaron und amerikanischem Staatsfeind Nummer eins.

Wie viele Persönlichkeiten in diesem Milieu brauchte es aber nicht lange und er kam mit der dunklen Seite der Großstadt Medellin in Kontakt. Es sei in Frage gestellt, ob Marihuana nun als Einsteigerdroge bezeichnet werden kann oder nicht, für Escobar war es der Beginn einer rasanten Karriere. Nach dem Konsum vom Marihuana, begann er es zu verkaufen. Im Anschluss klaute er Motorräder, schmuggelte Tabak und Schnaps aus den Nachbarländern und verscherbelte zerlegte Autos. Bis hier klingt seine Geschichte wie die vieler Kleinkrimineller auf der ganzen Welt.
Schnell entdeckte der noch junge Escobar das Kokaingeschäft. Geld hatte er schon länger und seine Namen wurden unaufhaltsam bekannter. Manche nannten ihn Patron, denn er „kümmerte“ sich um die Armen, die anderen nannten ihn Doktor, denn er hatte Geld und Einfluss, wenngleich er keinen Abschluss hatte. Oder man nannte ihm einfach bei seinem anderen Namen Emilio Gaviria. Selbst soll Escobar nie Kokain konsumiert haben, stets trug er nur einen Joint und eine Dose Bier bei sich.

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Eins der Häuser von Escobar, natürlich in weiß

Mit der Zeit besaß er 500 Immobilien in Kolumbien, 200 in den Vereinigten Staaten und weitere unzählige unter anderem in Panama, Spanien und Australien – alles nur für den Fall der Fälle. In dem gewaltigen Haus, in dem wir unseren ersten Stopp hatten, lebte er einen langen Zeitraum. Die acht Stockwerke teilte er sich jedoch nur mit 3 Personen, seiner Mutter, seiner Frau und seinem, zu dieser Zeit, einzigen Kind. Unzählige Security bewachten ihn in seinem weißen Prachtbau. Weiß, wie reines Kokain. Alle anderen Häuser in der Nachbarschaft erstrahlten in landestypischen Farben. Weiß als Hausfarbe war in Kolumbien nicht üblich; für alle seine ca. 1000 Immobilien soll Weiß das Markenzeichen gewesen sein.

„Er hatte immer wieder diese verrückten Ideen“, wird uns berichtet. So kam er auf die „Marktlücke“, als er bereits den gesamten Drogenhandel Medellins und das gesamte Umland kontrollierte und somit der größte Drogenbaron von Kolumbien war, er könne dem Drogenkartell in Cali doch Steuern abverlangen. Eine Art Steuern für illegal verkaufte Drogen, Steuern an ein anderes Kartell. Die Drogenbosse aus Cali hatten dafür natürlich wenig Einsehen und so kam es nach kurzer Zeit zu dem ersten Autobombenattentat in Kolumbien vor einem seiner Häuser. Der Anschlag traf jedoch nicht wie geplant Kartellmitglieder, sondern nur Zivilbürger. „Mit diesem Attentat begann der Horror!“, erzählt uns Paola und hat glasige Augen. Als direkte Antwort lässt Escobar wie zu einem Spaß ein anderes seiner Häuser zur Ruine schießen. Das Balikartell sollte es als Symbol dafür nehmen, dass egal was auch passierte, er der Größte wäre. Polizeirecherchen ergaben, das vom Calikartell bombardierte Haus gab es offiziell gar nicht, es gab nie eine Baugenehmigung, keine Kaufverträge und keinen Grundstücksbesitz, das Calikartell hatte in einen großen Fehlschlag investiert. Das bombardierte Haus, wie viele der Häuser Escobars, steht bis heute leer. Dennoch werden sie bis heute von Polizei und privater Security bewacht.

Das Attentat auf sein eigenes Haus blieb jedoch nicht seine einzige Antwort, in den folgenden Wochen platzierte das Medellínkartell in ganz Kolumbien über 45 Bomben. Bald schon befand Escobar, er bräuchte eine Armee, ausgebildete Killer. Aus den ärmsten Vierteln der Stadt sammelte er Jugendliche ohne Zukunft ein und ließ sie auf Farmen um Medellin herum von Exmilitärs ausbilden. Anders jedoch als man erwarten könnte nicht von Kolumbianern, sondern von Exmilitärs aus England und Israel, die die Jugendlichen drillten. Das Motorrad wurde zu ihrem Fahrzeug: ein Fahrer vorn und ein Schütze als Mitfahrer. Auf diese Art veranstalte Escobar entsetzliche Massaker; jeder, der sich ihm in den Weg stellte wurde niedergemetzelt.
Erst jetzt verstehen wir, warum wir noch nie zwei Männer auf einem Motorrad in Medellin gesehen haben. Es ist sogar bei Strafe verboten so auf dem Motorrad zu fahren. Und das gilt auch heute noch. Sei es der Vater, Bruder oder bester Freund, wer einen männlichen Mitfahrer auf dem Motorrad hat macht sich strafbar.
Bei diesen Kämpfen erlitt die Armee von Escobar ebenfalls Verluste.
Starb einer aus der Familie, so wurde er nicht in einer traurigen Zeremonie beerdigt, es gab eine Feier. Die „Goodbye Party“. Der Tote wurde wieder hergerichtet, bekam eine Sonnenbrille aufgesetzt und wurde als „Betrunkener“ durch die Stadt geschliffen. In Bars, Diskotheken und Bordellen wurde gefeiert, selbst Lap Dances von Prostituierten wurden für die Toten veranstaltet um deren „Heldentaten“ zu würdigen.

Escobar duldete es nicht abgewiesen zu werden und er liebte das Provozieren. Er kaufte darum einmal das Nachbargrundstück eines edlen Clubs und erbaute darauf eine Villa als er nicht in dem edlen Sportklub der Stadt aufgenommen wurde. Die Mitglieder wollten ihn nicht in ihren Reihen sehen und ächteten ihn mit ihrem Ausschluss. Die Reichen und Schönen der Stadt, die selber auch in dem Stadtviertel wohnten, hatten ihn nun zwar nicht im Sportclub zu ertragen, doch trotzdem sahen sie ihn nun jeden Tag im Pool seines Hauses liegen, die Straße auf und ab flanieren und vor allem wilde Partys feiern.

Doch Escobar hatte auch eine andere Seite, er wurde nicht nur negativ wahrgenommen, im Gegenteil. Er war der Patron, der Robin Hood vieler Bewohner der Stadt. Wie konnte ein solch gewalttätiger Mann zum Idol einer Stadt werden?

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Maria Statue an der sich die Geschichte ereignet haben soll

Als wir die Maria Statue besuchen, wird uns eine weitere Geschichte erzählt. „Escobar kam um zu beten. Er betete für ein Flugzeug das voller Kokain in den USA landen sollte. Vor ihm saß eine alte Frau, sie betete und weinte verzweifelt. Sie betete um Essen und eine Zukunft für ihre Kinder. Escobar war durch das Weinen aufmerksam geworden, ging zu der Frau und schenkte ihr eine große Summe Geld, denn davon hatte er genug.“
Wer von dem Kartell auf solche Weise unterstützt wurde, der erhob sich nicht, sondern unterstütze es. Später baute Escobar riesige Siedlungen für Obdachlose, Krankenhäuser und Schulen mit denen er sich das Wohlwollen der armen Bevölkerung sicherte. –Und von denen gab es mehr als genug. Er sicherte sich so Stimmen für die Regierungswahl, denn schon lange war er nicht mehr nur ein Drogendealer, er war eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens und hatte großen Einfluss.
Religionen sind doch schon immer irgendwie ironisch, lacht ein Zeitzeuge, der selbst jedoch streng katholisch ist und niemals die Bigotterie unterstützte. Die Killer töteten ihm Namen Gottes, sagten sie zumindest. Ähnlich wie die Kreuzritter, zieht er als Vergleich hinzu, jedoch ohne religiösen Hintergrund. Sie banden sich Kreuze und Marienbilder um Waffen, Motorräder und den Hals. Um besser zu fahren, zu schießen und natürlich auch um selbst zu überleben.

Doch die Exmilitärs aus England und Israel waren nicht die einzigen. Die Drogen mussten tonnenweise aus dem Land geschafft werden. Und auch dazu heuert Escobar Hilfe aus dem Ausland an. Ingenieure aus der Sowjetunion bauten seine U-Boote und Ex-Soldaten aus dem Vietnamkrieg flogen Jets in die Vereinigten Staaten. Allein am nationalen Flughafen in Medellin besaß das Kartell mindestens drei eigene Docks. Das Geschäft boomt und der Drogenbaron Pablo Escobar ist mächtiger und reicher als je zuvor.

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Pablo Escobar und seine Ehefrau

Je einflussreicher und mächtiger er wurde, desto verschwenderischer lebte er. Es sollen die besten Feiern der Nation gewesen sein. Als bekannteste ist eine auf seiner Hacienda, einem außergewöhnlichen Anwesen nahe Medellin, in Erinnerung geblieben. Doch so furchtlos er schien, selbst ein Mann wie Escobar hatte Angst, nicht vor Polizei oder dem CIA. Er fürchtete nichts mehr als seine eigene Ehefrau. So erzählt man hinter vorgehaltener Hand, dass er unzählige Male seine Frau mit jungen Frauen und Minderjährigen betrogen haben sollte, doch von ihm Geschwängerte sollten stets umgebracht worden sein. Er umgab sich gern mit jungen Frauen, seine eigene Frau heiratete er, als sie gerade einmal 15 Jahre alt war.
Trotzdem soll seine Ehe mehr als glücklich gewesen sein, vor allem als Vater soll er ein vorbildliches Bild abgegeben haben. Besonders beeindrucken uns ironisch wirkende Bilder von ihm mit seinem Sohn vor dem weißen Haus, während er als Abgeordneter für Kolumbien fingierte. Auf jener Feier flog seine Frau ein, die Feier wurde binnen weniger Minuten aufgelöst und eine Businessverhandlung vorgetäuscht. Als sie wieder wegflog, ging die Party wieder los. Noch viel heftiger als zuvor.

Pablo Escobar soll mit mehreren Milliarden Dollar, siebt reichster Mann der Welt gewesen sein. Und nicht nur er sondern auch andere Kartelle und seine engsten Mitarbeiter profitierten im hohen Maß von dem lukrativen Geschäft. Aber bei einer Steuererklärung kann schlecht als Herkunft Kokainhandel angegeben werden und so verfügten die meisten seiner Mitstreiter über die höchsten Posten im öffentlichen Leben. Milliarden mussten gewaschen werden, aber wie?
Sicherlich war die Geldwäsche nicht ein sonderlich schwieriges Geschäft, denn die Demokratie wie der ganze Staat Kolumbien waren höchst instabil und kolumbianische Beamte höchst korrupt.

„Vertraue nicht der Liebe einer Prostituierten, glaube aber noch weniger der Freundschaft zu einem Polizisten!“
– kolumbianischer Spruch aus der Zeit Escobar

Die Drogenbarone versteckten Dollernoten und Diamanten an geheimen Orten in Häusern und Urwäldern, sowie auf Banken der gesamten Welt. Es wurden selbst die Fingerabdrücke von Affen benutzt um Immobilen zu kaufen und so besaßen etliche Affen aus dem Urwald hunderte Immobilien in Kolumbien. Eine Gruppe Militärs fand circa 20 Jahre nach der großen Zeit Escobars im Urwald drei Tankkanister voller Bargeld und Diamanten. Sie meldeten den Fund nicht, sondern teilten das Geld untereinander auf. Jedoch machte nur einer von ihnen den klugen Schritt ins Ausland zu fliehen, die beiden anderen wurden wenige Monate nach pompösen Partys und dem Kauf von luxuriösen Immobilien und Autos wegen des Verdachts auf illegale Geschäfte in Kolumbien festgenommen.

Ikarus kommt ins Trudeln, stürzt ab. Der einst so beliebte Pablo Escobar wurde nun Monat um Monat unbeliebter, nachdem allmählich der Bevölkerung die ausweglose Lebenssituation im Land bewusst wurde. Täglich kam es zu Anschlägen, Autos, Tiere und Menschen wurden als Bomben missbraucht und in Kolumbien war kein Ort mehr sicher. Um in Kolumbien ein sicheres Leben zu führen, gab es nur zwei Möglichkeiten „Plata o Puma“ („Geld oder Patrone“), auf andere Art und Weise konnte mit den im Drogengeschäft Verwickelten kaum verhandelt werden.
Auch die USA bekam schnell Wind von dem neuen Stil des Drogengeschäfts und auch wenn die Vereinigten Staaten bester Geschäftspartner für Escobar und seine Komplizen waren, ging der Regierung das neue Geschäft zu weit.
Der damalige Präsident Bush schnürte ein neues Milliardenpacket gegen den neuen Staatsfeind Nummer 1, Pablo Escobar. Höchstausgebildete US-Militärs wurden geschickt um den Kopf des Kartells zu zerstören, ob lebendig oder Tod spielte dabei keine Rolle. So kam es dazu das nach wenigen Wochen 2.000 Amerikaner nur einen einzigen Mann in Kolumbien suchten, lange jedoch ohne jeglichen Erfolg, doch der sogenannte „Search Block“ war geschaffen. Pablo Escobar reagierte ad hoc und schickte seine Frau samt Kindern in einem Flugzeug nach Deutschland, doch die Regierung der Bundesrepublik weigerte sich die Flüchtlinge aufzunehmen. Und so drehte das Flugzeug um, ohne das auch nur eine der Personen der Maschine je deutschen Boden unter die Füße bekam.
In Kolumbien verließ Escobar in der Zwischenzeit nie wirklich seine Stadt Medellin, sondern lebte weiter in einem seiner Häuser. Nutze über 60 Telefonnummern und Satellitentelefone ohne jedoch jemals länger als zwei Minuten zu telefonieren um eine Ortung auszuschließen. Als er das zweite Mal in seinem Leben festgenommen wurde, handelte der immer noch einflussreiche Mann aus, nicht an die USA ausgeliefert zu werden, sondern in seinem eigenen Gefängnis festgehalten zu werden. Sein Gefängnis die Kathedrale, wie er sie nur nannte, glich mehr einem Hotel. Er hatte alles was er wollte und die Wärter waren keine anderen als seine engsten Vertrauten. Wenige Monate später wurden immer mehr Komplizen von ihm „ausgeschaltet“ und der Kopf des Kartells minimierte sich, bis nur noch Escobar und sein bester Security Lemon übrig waren. Die Regierung Kolumbiens änderte ihre Zugeständnisse und die Auslieferung Escobars an die USA stand kurz bevor. Da die gesamte Gefängnisleitung aus seinem eigenem Schlafzimmer geregelt und kontrolliert wurde, schaltete er kurzerhand den Strom aus und floh des Nachts.
Einmal mehr hatte Polizei und Militär versagt und einer der gefährlichsten Männer der Welt war wieder auf freiem Fuß.

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In dem Nachbarhaus wohnte Escobar die letzten Tage vor seinem Tod und versuchte über das Dach zu fliehen

Doch großen Rückhalt und Schutz fand er nach seiner Flucht nicht mehr. Die meisten seiner Leute waren bereits Tod. So wohnte er alleine mit seinem Securityguard Lemon in einem seiner Häuser in Medellin. Immer noch fühlte er sich sicher in dieser Situation – unangemessen sicher, wie die Entwicklung zeigte. In der Nacht auf den 02. Dezember 1993 feierte er seinen Geburtstag, wenn auch nur im engsten Kreis, aber in der von ihm üblichen Art, ausschweifend und exzessiv.
Die Geschichte um seine letzte Nacht und seinen Tod wurde nie bestätigt aber wir halten den erzählten Mythos für wahr. Um Mitternacht prostete, der schon angetrunkene, Escobar Lemon zu, dabei ihm fiel sein Champagnerglas aus der Hand. Als es auf den weiß gefliesten Boden prallt, zerspringt es aber nicht, sondern landet schadenlos auf den Fliesen. „Ein Zeichen Gottes, dass mir nichts passieren kann!“, höhnte der betrunkene Drogenbaron durch sein Haus. Doch einen Tag nach seinem Geburtstag passierte, was passieren musste. Sein Haus wurde von Polizei und Militär umstellt. Escobar floh über das Nachbarhaus, wurde dabei jedoch von zwei Schüssen am Beinen verletzt. Wer ihm nun den letzten, den Kopfschuss gab weiß keiner. Escobar hatte stets sagte, er wolle lieber sterben, als in den USA in den Knast zu gehen. Das Gerücht, das seitdem kursiert ist nicht auszumerzen. Es heißt, er habe sich diese Kugel selbst gegeben. Denn für diesen Moment soll er jederzeit eine vollgeladene Waffe bei sich getragen haben.

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Zeichnung des erschossenen Escobar

Wir besuchen den Privatfriedhof auf dem Escobar heute begraben liegt. Jeder Grabstein ist eingegraben, damit jedes Grab gleich aussieht. Es fällt nur ein einziges Grab aus dem Rahmen, das Grab von Pablo Escobar. Eine Marmorbank hebt Escobars Grab hervor, als Pilgerstätte für Hasser und Bewunderer vor einem gewaltigen Kiesgrab. Es ist noch heute das meistbesuchte Grab Südamerikas nach dem von Evita Peron in Buenos Aires. Bei der Beerdigung haben Bewunderer die Kirchengläser eingeschlagen und den Sarg auf Händen in das Grab getragen. Bilder der Zeremonie ähneln der Beerdigung eines Wohltäters erster Klasse. Seine Frau und Kinder leben heute unter Schutz der Regierung in Argentinien, nur sein Bruder lebt noch in Medellin und das ein oder andere Mal können ihn Touristen, Freunde und Hasser in dem Haus seines Bruders antreffen.

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pompöses Grab von Escobar

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„Normale“ Gräber auf dem Friedhof

 

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Der kolumbianische Staat versuchte schnell zu reagieren und zerstörte einige mögliche Pilgerstätten. Aus der Hacienda Napoli wurden sämtliche Tiere entfernt, bis auf die Nilpferde. Erst hoffte man, dass die vier Nilpferde der Hacienda mit der Zeit von selbst sterben würden, doch das milde Klima bewirkte das Gegenteil und jetzt leben über 40 der Tiere in freier Wildbahn in der Zone rund um die ehemalige Hacienda Escobars, der einzige Ort weltweit außerhalb Afrikas, an dem man freilebende Nilpferde findet.

Heute werden Touren in Medellin Angeboten, die eine ähnliche Tour abfahren, wie wir es gemacht haben, und je nach Interesse der Tourguides einige interessante Informationen weitergeben. Doch die Guides fühlen sich zunehmend unwohl in ihrem Job. Immer wieder werden sie von Passanten oder gar Tour-Teilnehmern aufs Übelste beschimpft. Mit der Tour wollen die meisten Tourguides erreichen, dass die Welt versteht was hinter der für viele so verlockenden Droge steht und wie viele Menschen in Lateinamerika für ein paar lustige Stunden, in Europa, Asien oder Nordamerika, ihr Leben lassen. Aber selbst Kokainkonsum während der Tour sei schon vorgekommen, wird uns erzählt. Dieses Verhalten wird als große Respektlosigkeit der Touristen gewertet. „Was unsere Gäste später machen, ist jedem selbst überlassen, aber bitte nicht vor uns!“, erklärt der Guide weiter. Die meisten Kolumbianer können es den Touristen auch nicht übelnehmen, erklärt uns ein Taxifahrer später auf Nachfrage, sie haben schließlich früher auch oft Kokain konsumiert, bevor ihnen der gesamte Zusammenhang bewusst geworden ist.

Nach dem Tod und der Zerschlagung des Kopfes des Kartells hat sich in Kolumbien einiges geändert. Zwar haben viele von Kolumbien noch immer ein veraltetes Bild, doch von der einstigen Gefahr der Kartelle spürt man nur noch wenig. Sämtliche Drogengeschäfte werden heute von sieben kleineren Gruppen geleitet und das weit ab der Touristenpfade, doch die FARC ist nur eine. Doch der Schmerz sitzt noch tief in den Herzen der Kolumbianer, erst starben 45.000 Menschen nachher waren es über 6 Millionen Tote in wenigen Jahren. Und das seien bloß offizielle Zahlen. Paola lacht über die Frage, warum viele sagen, Kolumbianer haben einen dunklen Humor. „Wir sind in einer schwarzen Zeit aufgewachsen, da ist es doch kein Wunder wenn unser Humor noch etwas grau ist!“, schmunzelt sie und erzählt uns einen Witz den sich Kinder im Alter von sechs Jahren auf der Straße erzählt haben sollen:

„Was bekommt die Tochter von Escobar zu Weihnachten? – Eine Barbie Autobombe!“

Bedauerlicher Weise wiederholt sich das Geschehen aktuell in Mexiko, fährt sie fort. Wieder sind es große Kartelle und einflussreiche Männer, die sich eine weißgoldene Nase verdienen. Sie will da keinem einen Vorwurf machen, doch jeder der diese Verdacht anzweifelt, solle sich alleine die offiziellen Zahlen vor Augen führen, 75.000 Tote und fast genauso viele Vermisste, die wahrscheinlich auch schon allesamt Tod sind.

IMG_5130„Aber wir wollen nicht nur Hiobsbotschaften erzählen!“, lächelt Paola. Polizei und Militär hätten den Handel in Kolumbien schon immer besser im Griff. Aber trotzdem sollen wir sie noch in ein anderes Viertel begleiten. Das Viertel wirkt schmutzig und düster obwohl die Sonne hoch am Horizont scheint. „Willkommen im Drogenviertel! Ich werde jetzt hier nichts sagen,
sonst bin ich morgen eine tote Frau, aber kommt mir einfach hinter her.“, weist sie uns an. Werkstätten in denen geklaute Autos zerlegt und umlackiert werden. Düstere Gestalten in Hauseingängen und perfekt gekleidete „Passanten“. Später wird uns erklärt, dass dies wohl das sicherste Viertel der Stadt sei, denn die Dealer achten auf ihre Kundschaft. Wird hier ein Kunde ausgeraubt, bekommt er sein Hab und Gut wenige Minuten später zurück, es wird sich entschuldigt und der Dieb ist schon lange Tod. Hier herrscht noch Selbstjustiz, Polizei brauchen die hier nicht, sie haben ihre eigenen Männer. Das DrogenGeschäft, wenn es auch etwas weniger Gewallt mit sich bringt, sei heute noch größer und bringe noch mehr Geld ein als zu Zeiten von Escobar. Die Touristen kommen und bekommen was sie wollen, den „good shit“. Jährlich gehen Rund 147 Tonnen hochkonzentriertes Kokain in die USA und fast die gleiche Menge wird nach Europa exportiert.
Wer in Kolumbien ein Gramm Kokain kauft, wird uns erklärt, bekommt für 8$ circa 60% Kokain, 100% gibt es nirgends auf der Welt, in Europa bekommt man gerade mal 20% wenn es hoch kommt 30% oder 40% für 70$ bis 200$. Dass man damit ein großes Geschäft machen kann, können auch wir uns nach den Recherchen gut vorstellen. Offiziell werden 500 Millionen Umsatz in Kolumbien durch Kokain gemacht, ausgegangen wird jedoch von einer Summe die mehr als vier- mal so hoch ist.
Eine Aufklärung in Kolumbien ist noch nicht in Sicht, noch immer sind zu viele Involvierte in hohen Ämtern. Ganz gleich, was die Kolumbianer machen, Escobar ist und bleibt in den Köpfen verbunden mit Kolumbien. In Deutschland ist es Hitler, in Spanien Franco und in Argentinien Videla.

Am Ende des Tages beruhigt uns Paola. Kokablätter seien kein Problem. Die gibt es auch schon mehr als 4.000 Jahre. Die zu kauen sei eine ältere Tradition als das Beten in der katholischen Kirche.
Paola, die selbst Einiges in dieser Beziehung durchgemacht hat, sieht nur einen Ausweg, Kokain muss legalisiert werden, um den Schwarzmarkt einzudämmen. Ob das wirklich die Lösung des Problems ist, wagen wir zu bezweifeln, denn dann wäre Kokain auf einer Stufe mit Alkohol, Zigaretten und in manchen Ländern Marihuana. Doch wie Südamerika, insbesondere Kolumbien, dieses Thema weiter in den Griff bekommen will, wird die Zukunft zeigen. Klar ist nur eins, der Präsident von Kolumbien hat klare Worte gesprochen, „Was die USA legalisiert machen wir auch und zwar sofort!“.

Meerschweinchen – Haustier oder Spezialität?

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04.02.2015 – 12.02.2015; Cotopaxi, Chimborazo, Baños, Quito, Ibarra – An der Küste von Ecuador sind wir länger geblieben als geplant, denn bei Greg in Canoa hatten wir einen prima entspannten Aufenthalt und so rannte uns die kostbare Zeit ein wenig davon.

Die tropischen Temperaturen sind wie weggeblasen, als wir uns über die Serpentinen-
straßen in die Bergregion von Ecuador quälen. Das kalte, verregnete Wetter lässt uns zunächst dem traumhaften Strand bei Greg hinterhertrauern.

IMG_4523Die ersten Tage fahren wir die Panamericana wieder ein Stückchen hinunter, an den Vulkanen Cotopaxi und Chimborazo vorbei nach Baños. Die absolut höchsten Bergregionen der Welt erleben hier eine kleine Korrektur, denn wenn die Höhen in eine andere Relation gesetzt werden, entsteht eine neue Rangliste. Der Chirombazo Vulkan gilt danach als der höchste Berg der Welt, wenn man es so will. Dass die höchste Gebirgskette der Himalaya in Asien ist und sich in ihr die 187 höchsten Berge der Welt dem Himmel entgegenrecken, daran zweifelt wohl bis zum Chirombazo Vulkan keiner. Es interessiert hier auch niemanden, dass der Aconcagua in Mendoza, Argentinien der eigentlich höchste Berg außerhalb Asiens ist. Der Chimborazo ist ein absolutes Superlativ, er ist der höchste Berg der Welt. So wird es vor Ort von den Einheimischen vehement vertreten. Eine Diskussion ist zwecklos und vertane Zeit, der Wächter im Nationalpark ist für keinerlei Argumente und Nachweise offen und hat sofort eine „hochwissenschaftliche“ Argumentationskette parat, die alle anders Denkenden verblüfft. Aber falsch ist diese Aussage auch nicht, denn der Vulkan ist tatsächlich der höchste Berg, rechnet man nicht vom Meeresspiegel sondern vom Erdmittelpunkt an. Der Wächter des Nationalparks ist sich da auch ganz sicher, in Ecuador ragt der höchste Berg der Welt in die Höhe.

IMG_4507Die schneebedeckte Spitze ist von Wolken umhüllt und es weht uns ein eisiger Wind um die Ohren. Die Schlafsäcke haben wir in Lima guten Gewissens, sie erst wieder in den USA benutzen zu müssen, tief unten in der Dachbox verstaut. Das war wohl etwas übereifrig und so kramen wir sie mühselig aus den Wintersachen wieder heraus und sind darüber hinausgehend auch unsäglich froh, noch genug Gas zu haben, die Standheizung anwerfen zu können. Kurzum es ist wieder schrecklich kalt, ziemlich hoch in den Wolken und regnerisch.

Die kleine Stadt Baños erweist sich dann wieder als einer der Touristenspots, die man auf keinen Fall missen sollte. Eine Vielzahl an Wasserfällen und Thermalquellen reihen sich um die Ortschaft und in den Hauptstraßen unterbieten sich Reiseanbieter gegenseitig mit den besten Angeboten. Nichtsdestotrotz es ist eine Touristenhochburg und das merkt man leider auch an der gesamten Atmosphäre.

Es ist Freitag und kurz nach vier Uhr am Nachmittag. Wahrscheinlich liegt es an dieser Zeit, dass in unserem Ranking Quito direkt auf Platz 1 des schlimmsten Verkehrs platziert wird. Es ist kein Durchkommen, schon an den Autobahnabfahrten reihen sich die Autos aneinander und es bewegt sich fast nichts. Die Ausschilderungen sind unübersichtlich und auch die Ecuadorianer beweisen uns einmal mehr, dass es nicht schwer sein kann in Südamerika einen Führerschein zu erstehen, bestehen wäre wahrscheinlich zu viel gesagt, wenn man die Fahrer um uns herum erlebt. In gut zwei Stunden haben wir Lola durch den dichten Verkehr durch Quito gelenkt und sind dann auch endlich ungefähr da, wo wir landen wollten. Wir machen drei Kreuze, als wir nun sicher auf dem Innenhof des Hostels stehen, ohne Unfall oder anderen Zwischenfall. Das Vergnügungsviertel so erklärt uns der Hamburger Besitzer des Hostels sei nur drei Blocks von hier, da gäbe es alles – Restaurants, Bars und Diskotheken.

Hier in Quito haben wir noch einen ganz besonderen Punkt auf unserer Liste. In Cusco hatte es leider nicht geklappt und so versuchen wir es erneut in Quito. Eine ganz besondere Spezialität der Andenländer wollen wir probieren. Lama und Alpaca haben wir schon des Öfteren gegessen, aber es fehlt uns noch „Cuy“ auf der Liste „Das muss man probiert haben“. Cuy ist auch in Europa äußerst beliebt, doch wohl eher als Kuschel-
haustier. Hier in Südamerika steht das Meerschweinchen ganz oben mit auf der
Spezialitätenliste. So genau wissen wir noch nicht, was wir davon halten sollen, aber ums Probieren führt kein Weg vorbei. Nachdem wir das beste Lokal für unser Vorhaben recherchiert haben, machen wir uns auf den Weg. Von außen überzeugt der erste Eindruck des Lokals nicht wirklich, ein leicht verblichener Plastikständer zeigt Bilder vom angebotenen Essen und die Preise scheinen uns für dieses Lokal besonders hoch zu sein, doch die Bewertungen waren mehr als überzeugend und auch Einheimische haben uns dieses und kein anderes Lokal empfohlen. Also dann wagen wir es mal. Der Kellner führt uns nach oben und wir sind positiv überrascht, zwar ist die Musik etwas zu laut für ein Lokal gehobener Qualität. Im Hintergrund läuft europäischer Fußball. Aber das Lokal ist gut besucht und auch viele Quiteños scheinen es sehr zu schätzen.IMG_4562

In der Karte brauchen wir nicht lange auszusuchen, denn wir sind gekommen um die viel- gepriesene Andenspezialität zu probieren. Der Kellner versorgt uns zunächst mit Plastikhandschuhen und feuchten Tücher bevor er uns das Essen serviert. Auf einem großen Teller gucken uns die Augen des Meerschweinchens an. Der Anblick ähnelt sehr dem deutschen Spanferkel in Miniatur, der gesamte Kopf mit Ohren und die Beine sind noch am Körper. Wir sind ein wenig ratlos bei diesem Anblick, doch der Kellner erklärt uns, wir sollen das Meerschweinchen einfach mit den Handschuhen anfassen und reinbeißen. Wir kommen uns leicht barbarisch vor und haben noch einige Hemmungen. Die anderen Gäste um uns herum nehmen auf diese Art und Weise, die für uns bis dato nur als Haustier bekannte Spezialität regelrecht auseinander.IMG_4567
Einen Ersatz für ein gutes argentinisches Steak oder ein saftiges Hähnchen aus Bolivien haben wir mit dem Meerschweinchen nicht wirklich gefunden. An dem kleinen Tier ist erstaunlich wenig Fleisch. Geschmacklich kommt es dem Hühnchen jedoch sehr nah. Unter der etwas zähen Haut findet man recht viel Fett. Es schmeckt nicht schlecht, aber auch nicht so gut, als wenn man diesen Genuss wiederholen müsste. Wir haben es probiert und können mitreden. Dieses Meerschweinchen wird wohl ziemlich sicher das einzige bleiben, das auf unseren Tellern gelandet ist.IMG_4592

In den Bergregionen Kolumbiens sollen Ameisen ein besonderer kulinarischer Genuss sein. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, ob wir dieses Erlebnis wagen. Noch haben wir ein paar Wochen Bedenkzeit.

Sonnen, Wellen & Mojitos

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24.01.2015 – 04.02.2015; Guayaquil, Montanita, Puerto Lopez , Manta, Canoa – Die Grenze zwischen Peru und Ecuador scheint nicht nur eine politische zu sein. Kaum haben wir die gigantische Grenzstation verlassen, verwandelt sich die karge Wüstenlandschaft, welche sich seit Nasca wacker die peruanische Küste hochgezogen hat, in einen tropischen Urwald. Ein sanfter und unglaublich warmer Tropenregen prasselt auf das Autodach und wir staunen nicht schlecht, wie abrupt Mutter Natur die Landschaft verändern kann. Eben gab es noch nicht vielmehr als trockenen Sandboden, in dem vielleicht ein paar Büsche versuchten zu überleben, doch jetzt scheinen die Pflanzen nicht um Wasser, sondern um Licht gegeneinander zu anzutreten.

IMG_4137Die Region um Machala ist nicht nur durch den bedeutendsten Hafen von Ecuador bekannt. Die Stadt selbst hat sich darüber hinaus zur Welthauptstadt der Banane ernannt, doch nicht unverdient. Kilometer um Kilometer führt uns die Hauptstraße durch Bananenfelder. Auch wir bekommen bei dem Anblick von so vielen Bananen Appetit auf frischgepflückte, saftige und zuckersüße Bananen. Hinter dem kleinen Holzstand am Straßenrand sitzen ein älterer Mann und eine alte Frau. Als wir mit dem Mann die Anzahl der Bananen für einen Dollar, denn die Landeswährung ist schon länger abgeschafft, hochgehandelt haben, fragt er zur Bestätigung noch seine Frau. Die alte ganz ruhig in der Sonne sitzende Frau dreht langsam den Kopf zu uns und lächelt uns mit ihrem lückenhaften Gebiss an und weist ihren Mann an, uns noch mehr Bananen mitzugeben. Gefühlt ist das ganze Auto voller Bananen, doch erst als wir wieder im Auto sitzen und es kaum erwarten können, die Bananen zu probieren, lachen wir über unsere eigene Dummheit. Keine der Bananen ist genießbar, denn unsere Bananen sind Kochbananen. Wie wir nur annehmen konnten, die Bananen seien normale Bananen, ist uns jetzt selbst schleierhaft. Sie sind überdimensional groß, vor allem aber hart und dazu sind einige noch grün. In kleinen Streifen braten wir einen Teil der Bananen leicht in Öl und Salz und den anderen Teil in Öl und Zucker an, um sie dann doch noch essen zu können. Nun ja, eine Erfahrung mehr im Gepäck!

Nach dem Fehlkauf und der kleinen Stärkung mit Bananenchips verlassen wir die Hauptstraße und folgen einem kleinen Holzschild in den Urwald. Nach ein paar Kilometern stellen wir Lola ab und gehen zu Fuß weiter. Wenige Minuten später nehmen wir wahr, dass es langsam zu dämmern beginnt. Das Licht wird weniger und so marschieren wir jetzt umso schneller in Richtung der Wasserfälle, waten durch Flussläufe und klettern glitschige Hänge hinauf. Die Geräuschkulisse der Natur wird immer beeindruckender, zirpen, flattern und alle typischen Urwaldgeräusche füllen den im Abendlicht mäßig beleuchteten Dschungel. Als wir ein ganz bekanntes Geräusch hören erstarren wir und halten inne. Mit kurzer Hose und Flipflops versinken wir im schlammigen Boden und lauschen dem Geräusch aus dem Busch vor uns. Es ist das Zischen einer Schlange, ratlos gucken wir uns an und gehen vorsichtig einen Schritt zurück, bevor wir Hals über Kopf aus dem Dschungel fliehen. Die unberührte Natur und anbrechende Dunkelheit haben uns überrascht und wir einigen uns darauf den nächsten Urwald-Trip etwas besser vorzubereiten und vor allem angemessenere Kleidung zu tragen.

IMG_4149Also geht es wieder zurück auf die Hauptstraße, ohne die Wasserfälle gesehen zu haben, denn wir wollen noch bevor es komplett Nacht ist einen guten Stellplatz finden. Guayaquil ist die größte Stadt Ecuadors, doch wie so viele Großstädte hat auch Guayaquil außer besserer Infrastruktur und anderen Annehmlichkeiten einer Metropole nicht sonderlich viel zu bieten und so können wir die Stadt ruhigen Gewissens mit einem kurzen Besuch abhaken. Riesige Shoppingcenter, ein ganz schönes Stadtzentrum, Supermärkte und gewaltige Menschenmassen, egal wo man hinfährt. Als wir uns auch hier wieder durch die Automassen gekämpft haben, sind wir froh, auf einer kleinen Finca einen ruhigen Stellplatz gefunden zu haben. Mit dem vergleichsweise super Internet, wenn es nicht gerade weg war, und der entspannten Atmosphäre hier auf dem Land können wir getrost unsere nächsten Stopps vorbereiten.

Neuigkeiten hat die Routenplanung zwar nicht mit sich gebracht, aber immerhin haben wir nun einen groben Zeitplan für Ecuador, den wir ausnahmsweise einmal einhalten möchten. Doch wenn wir nach ungefähr sechs Monaten den Äquator passieren, dann liegen wir ja gar nicht so weit im Verzug. Wir freuen uns und haben nun noch mehr Zeit als gedacht.
So tingeln wir in Ecuador also langsam die Küste hoch. Die Gegensätze der kleinen Strandorte sind beeindruckend. Während Montañita ein unbestrittener Touristen-Hauptanlaufpunkt mit Strandparty rund um die Uhr ist, findet man in Fischerdörfern wie Puerto Lopez in der Nebensaison nur schwer einen anderen Touristen. Dafür kann man aber auf dem Fischmarkt zwischen Hausfrauen und Fischern um die besten Fänge feilschen. Die kleinen Holzboote schwanken in der Bucht hin und her und die ruhigen Strandpromenaden strahlen mehr als nur Ruhe und Entspannung aus.

Endlich ist auch das Wetter immer tropischer und vor allem wird es an der Pazifikküste immer wärmer. Das Wasser am Strand „Playa de los Frailes“ ist allerdings noch reichlich frisch, aber das Meer hätte sich hier sowieso nicht für ein entspanntes Bad im Meer geeignet. Die im Nationalpark gelegene Bucht ist durch die strengen Regeln angenehm sauber und die Leute halten sich an das Alkohol- und Zigarettenverbot. Wer hier trinkt sollte wahrscheinlich sowieso lieber nicht mehr ins Wasser gehen. Die Wellen türmen sich einige Meter vor dem Strand zu gigantischen meterhohen Wassermassen. Es sind wirklich Meter und damit meinen wir nicht nur einen oder zwei. Wenn einem das gewaltige Wasser mitreist, ist man gefühlte Stunden unter der Welle. Das Salzwasser presst sich in die Nase, wenn wir wie so oft der Welle nicht standhalten und unter dem Wasser herumwirbeln. Stehen wir einmal und das Meer hat sich etwas beruhig, dann sind es die kleinen Zangen der Krebse die einem in die Füße kneifen. Als wir nach Stunden erschöpft das Meer verlassen und das Wasser aus Ohren und Nase gelaufen ist, fahren wir wieder weiter. Auch wenn wir noch ein paar Tage Zeit haben bis wir zurück ins Hochland müssen, freuen wir uns schon auf einen ganz besonderen Geheimtipp von Helena.

IMG_4251„We have to drink a Jäger!“, ruft uns Greg der Hotelbesitzer euphorisch entgegen als wir mit Lola die Einfahrt hinunter rollen. Schnell rennt er zu der Gefriertruhe und holt eine eiskalte Flasche Jägermeister heraus. Wir sitzen noch eine Weile mit Greg zusammen und tauschen unsere Reisegeschichten bei hausgebrautem Bier aus. Er ist ähnlich wie wir als Selbstfahrer mit einem Van die Panamericana entlang gereist, berichtet uns von Mittel und Nordamerika, während wir ihm von dem Stück erzählen was ihm noch fehlt, der Rest Südamerikas. Greg zeigt uns wo wir sicher stehen können. „Frühstück gibt‘s hier natürlich auch“, lacht er.
Auch Auswanderer vermitteln uns einen guten Eindruck der Kultur, immerhin ist er schon lange kein Tourist mehr. Am nächsten Morgen zeigt sich Greg von einer ganz neuen Seite, mit einem Hut aus Luftballons fechtet er mit selbst gedrehten Luftballons mit seinen Kindern. Das ist der Grund warum er hier auch erst einmal nicht weg will, erklärt er uns am Abend. Nachdem er Kinder bekommen hat, ist er hier geblieben. Das ist eine der Geschichten die wir von vielen Gringos, so werden Nordamerikaner hier genannt, hören die länger als geplant im Land geblieben sind. Morgens und nachmittags gehen wir mit Lluk, dem spanischen Barkeeper surfen. Auch wenn er sich selbst noch Anfänger nennt, kann er uns endlos viele Tipps geben und auf einmal beginnen auch wir auf den Wellen zu surfen. Das Wasser ergreift das Brett, spritzt ins Gesicht und langsam aber sicher können wir uns vom Brett erheben. Jede Stunde, die wir mit ihm üben, merken wir, wie die Wellen zu unseren Freunden werden und mit uns zum Strand rollen. Die Strömung ist so stark das wir immer wieder Hunderte Meter Strandspaziergang dazubekommen, aber vom Surfen wollen wir kein Ende haben.IMG_4425
„Die Bar ist offen Jungs!“, lacht Greg und erklärt uns wie wir die besten Cocktails mixen können. Denn wenn wir irgendwann einmal wiederkommen, sind wir natürlich Barkeeper, spaßt er und stellt eine lustige Musikliste zusammen, bei der er zu jedem Lied eine kleine Geschichte erzählt. Es ist das Lied „Toes“ von der Zack Brown Band, zu der er schnell den Jägermeister holt. „Gleich gibt‘s eine Überraschung!“, macht er uns neugierig. Mit den Worten „Pull me a Jäger!“ die aus den Lautsprechern dröhnen, stoßen wir an. Es ist leider auch schon unsere letzte Nacht, denn wir sind schon viel länger als geplant bei Greg im Canoa Beach Hotel. Zusammen mit anderen Hotelgästen haben wir den Super Bowl mitgefiebert und anschließend Gregs glorreichen Wettergebnisse gefeiert. Täglich auf den Brettern unser Surfen verbessert und die Sonne im schönsten Pool genossen, den wir bis jetzt auf unserer Reise hatten. Neue Leute kennengelernt und vor allem mit Greg lustige und spektakuläre Nächte erlebt.

Die super Zeit bei Greg hat uns die ohnehin schöne ecuadorianische Küste noch viel besser ins Gedächtnis eingebrannt und mit besten Erinnerungen verlassen wir das tropische Strandwetter. Doch halt, es dauert wie fast zu ahnen war, noch etwas länger. Wir dürfen erst gehen nachdem unsere Teller leer gegessen sind und selbst verständlich nicht ohne Jägermeister an Board.
Mit dem „Jäger“ im Gepäck rollen wir vom Hof, Barkeeper und Greg verabschieden sich und es ist schon leicht traurig, nicht noch ein paar Tage bleiben zu können. Aber auf uns warten noch ganz viele tolle Orte auf der Reise. Zu Greg, das wissen wir aber schon jetzt, kommen wir auf jeden Fall irgendwann wieder.

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Aus der Badehose in die Trekkingschuhe

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Huaraz; 13.01.2015 – 14.01.2015; Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, noch einen Abstecher in die Berge zu machen. Nachdem es uns immer wieder empfohlen wurde, gaben wir jedoch nach und packten unsere Sachen. Die ersten Surfversuche müssen denn doch wohl noch ein wenig warten, und die Bretter in der Halterung hängen. Nachdem der Versuch gestern schon aus Lima abzufahren, kläglich gescheitert ist, müssen wir heute auf jeden Fall ‘raus. Auch wenn die Großstadt schön ist, haben wir uns an ihr satt gesehen und wollen das Weite suchen, um unsere Reise mit all den interessanten weiteren Zielen fortzusetzen.Wie geplant verlassen wir relativ früh das Hostel, doch vorher müssen wir noch ein paar Kleinigkeiten erledigen. Es ist also doch schon wieder früher Mittag, als wir uns endlich aus dem Großstadtverkehr auf die Landstraße schleppen. In Huaraz wollen wir zur Laguna 69 trekken, viel länger als ein paar Tage soll der Abstecher aber auch nicht dauern.IMG_3957
Wir haben gerade einen sicheren Stellplatz gefunden, als wir in Huaraz noch einmal die morgige Trekkingtour recherchieren. Zu unserer Überraschung geht diese aber leider nicht von Huaraz aus los, sondern von einer anderen Stadt eine Stunde weiter nördlich. Wir kennen uns und unsere „Lola“ mittlerweile selber am besten und wissen, wenn wir die Strecke nicht jetzt noch hinter uns bringen, können wir morgen wahrscheinlich erst gegen Mittag loslaufen. Die „eine“ Stunde wird erst zu zwei und dann schließlich zu drei Stunden. Doch schlussendlich schaffen wir es und parken, wenn wir das auf der schlechten Karte richtig interpretiert haben, direkt vor dem Eingang des Pfades.IMG_4053
Auf dem Kiesweg hören wir jemanden um unser Auto stapfen, beim genaueren hinhören sind es sogar zwei. Womöglich die Parkwächter, spekulieren wir und öffnen die Schiebetür. Bei den erwarteten Parkwächtern handelt es sich doch nur um ein paar grasende Kühe, die in der Landschaft umher traben. Die schneebedeckten Berge wachen über dem grünen Tal, das von Bachläufen und gewaltigen Wasserfällen durchzogen wird. Einen Moment könnte man glauben, es sei der Ausblick, aber es ist wieder die Höhe die einem den Atem raubt. Die empfohlene Akklimatisierung auf 2.500 Metern sparen wir uns dieses Mal aus Zeitgründen, denn so schön die Berge auch sein mögen, das Meer ruft uns. Den Fehler, wieder alles mitzuschleppen, wie auf der Isla del Sol, wollen wir dieses Mal nicht begehen. Wasser, eine Tüte Brötchen und ein paar Kleinigkeiten sollten für den Tagestrip reichen. Als wir los wandern sind wir zunächst noch alleine. Der Weg ist alles andere als schwer, doch die Höhe lässt einen schwindeln. Mit ein paar Paracetamol sollte es wieder gehen, das ist unser Plan B, sollte die Zeit für die Akklimatisierung nicht reichen. Mit einer guten Dosis fühlt man sich auch schon gleich besser. Trotzdem prusten wir immer noch vor uns hin und haben das Gefühl, die am langsamsten wandernden Menschen der Welt zu sein. Doch der Eindruck täuscht. In einem Schneckenrennen überholen wir sogar noch andere Trekker auf demselben Pfad. Mit den neuen Motivationsschüben, doch nicht die Langsamsten zu sein, schaffen wir den Weg anders als geplant sogar deutlich unter 3 Stunden. Wieder ist es eine grasende Kuh, die uns begrüßt. Vielleicht sind dies ja doch die Parkwächter. Schon vom Gipfel oberhalb der Lagune strahlt uns das türkisfarbene Wasser entgegen. Auch mit dem Wetter haben wir Glück und nur ein paar vereinzelte Wolken verdecken ab und zu die Sonne. Der Weg zur Lagune war ein kleiner Kampf, verglichen mit anderen Trekkingtouren (wie z.B. im Torres del Paine oder auf der Isla del Sol), jedoch keine allzu große Herausforderung. Aber wieder einmal haben sich die Anstrengung und der Abstecher gelohnt. Wir haben extra eine große Tüte Brötchen mit auf den Berg geschleppt, denn wer viel läuft hat ja für gewöhnlich auch viel Hunger. Doch auch hier haben wir uns getäuscht, schon beim ersten Brötchen quälen wir uns die letzten Krümel hinunter. Die Höhe ist eben unberechenbar.IMG_4068
Eine Stunde Pause gönnen wir uns noch, bevor wir den Rückweg antreten. Aber nachdem der Hinweg nahezu durchgängig bergauf ging, sollte nun der einfachere Teil folgen. Wir haben den ersten Abstieg schon geschafft, als wir hinter uns ein aufgeregtes Pfeifen und Rufen wahrnehmen. Es ist die „Amerikanerin“, wir hatten ihren Freund vor einer Stunde an der Lagune beim Rumklettern getroffen. Die eigentliche Argentinierin hat ein tränenverwischtes Gesicht und in ihrer Stimme schwingt eine üppige Portion Wut mit. „Wo ist Dave?“, viel mehr Wörter kann sie im Moment nicht mehr sagen. Wir probieren sie ein wenig zu beruhigen, wenn das auch nicht wirklich klappt. „Dieser Idiot, warum ist er noch einmal nach oben gelaufen!“, regt sie sich über ihren Freund auf, der sich schon einige Stunden nicht mehr gemeldet haben soll. Wir versprechen ihr, zu warten bis wir in sehen können. Wie aus dem Drehbuch fängt es an zu hageln, während sie sich weiter über ihren Liebhaber aufregt. Max sucht energisch den Gipfel des Berges mit dem Kameraobjektiv ab. IMG_4034

Als wir einen kleinen sich bewegenden schwarzen Punkt entdecken hoffen wir, die Argentinier schlussendlich erleichtern zu können. Als auch sie Dave endlich wieder entdeckt hat, sind zwar ihre Sorgen wie weggeblasen, doch umso wütender ist sie geworden. Kurz bedankt sie sich bei uns, verflucht ihren Freund und läuft los. Nicht wie wir erwartet hätten ihm entgegen, sondern vor ihm weg. Während wir den Berg entspannt aber zügig hinter ihr herlaufen, holt uns auch Dave ein, der anscheinend bei dem Wettlauf mitmacht. Was die Argentinierin mit ihrer Flucht erreichen möchte, ist uns zwar rätselhaft, jedenfalls scheint Dave alles daran gelegen zu sein, seine Freundin noch vor der Gruppe zu erreichen. Vielleicht ahnt auch er schon einen gewaltigen Anschiss. Wir werden es wohl nie erfahren, als wir ihren Tourbus sehen, scheint jedenfalls alles ruhig.
Einzig zwei Deutsche stehen neben dem Tourguide, mit einem Regenschirm geschützt vor der Nässe, mit dem Blick in der Landschaft umher schweifend. Wir kriechen noch zu unserem obligatorischem „Nachher“-Bild und räumen das Chaos, welches wir morgens hinterlassen haben, auf. Anders als wir dachten, ist das deutsche Pärchen gar nicht mit der Reisegruppe unterwegs. Sie sind schon früh morgens mit einem öffentlichen Bus gekommen. IMG_4070Das Einzige, was man ihnen nicht gesagt hat, war wohl, dass sie keiner mehr abholen würde. „Wenn ihr so lange wartet, bis wir fertig sind, könnt ihr gerne bei uns mitkommen!“. Eigentlich eine ziemlich doofe Aussage, denn etwas anderes als warten blieb den beiden wohl kaum übrig.  Als wir langsam über die Holperpiste, die wir bis jetzt nur aus tiefster Nacht kannten, zurück in das nächstgelegene Dorf fahren, versiegt jegliche Konversation nach mehreren Wortwechseln. Wirklich schade, denn gerne hätten wir uns noch mehr ausgetauscht, aber auch die leichte Wandertour hat uns alle zu sehr erschlagen und die Beiden haben uns wohl auf dem falschen Fuß erwischt. Als wir sie abgesetzt haben, dümpeln wir noch etwas weiter auf der Landstraße zurück in Richtung Meer. Ob wir es bis dahin noch schaffen, ist jedoch eher fraglich, vor allem bei dieser Straße. Nach reinem Asphalt seit Bolivien, hat uns die Schotterpiste wieder. Doch so schlimm ist der Straßenzustand zwar nicht, aber was uns wirklich Argwohn schenkt, sind die Tunnel. Einspurig und kurvig geht es durch die engen Bergpässe. Teilweise vielleicht gerade mal 15 cm rechts und links und der stets wehende Sand beschränkt die Sicht bis auf wenige Meter. Jedes Mal, wenn Lichter von vorne angerauscht kommen, hoffen wir, auf keinen heftig alkoholisierten oder gar „zugedröhnten“ Verkehrsteilnehmer gestoßen zu sein. Als die Tunnel endlich weniger werden, atmen wir auf und fahren noch ein Stück weiter. Wenigstens Asphalt wollen wir heute gerne noch erreichen.

„Alle sind scheiße, nur Pepe nicht!“ Teil II

Lima, 12.01.2015; Glücklicherweise hat der Taxifahrer genauso wenig Lust direkt zur Polizei zu fahren wie wir und so einigen wir uns darauf, zuerst zu Pepe zu fahren. Aufgeregt schildern wir Pepe und den anderen direkt zu uns geeilten Mechanikern den Unfall und bitten um Rat. Pepe hingegen bleibt wieder mal ganz gelassen, schaut sich den Schaden erst einmal genau an und beginnt sich mit dem Taxifahrer zu unterhalten. Später sollen wir erfahren, dass nach der Unfallschilderung von Pepe alles kalkuliert war. „Schau mal, es gibt jetzt zwei Möglichkeiten.“ beginnt er dem Taxifahrer zu erzählen. „Wir können jetzt alle zur Polizei fahren, aber es gibt keine Gutachter mehr in Peru. Euch wird beiden Blut abgenommen, ein riesiger Haufen Bürokratie wartet auf euch und nach ein paar Tagen wird das Verfahren eingestellt. Oder wir regeln das ganz einfach hier. Ich gucke mir den Schaden an, mache den Jungs ein Kostenvoranschlag und sie bezahlen mir die Reparatur. Dann kannst du wann immer du willst, mit dem Auto zu mir kommen und wir reparieren es dir.“ Klingt ja ganz einfach, denken wir uns, haben nur noch ein bisschen Angst vor den Kosten. Nach einer Weile winkt Pepe uns zu sich um uns aufzuklären. Ein Taxifahrer will keine Reparatur, sondern er wird wenn es ihm gerade passt seine Versicherung betrügen. Ich hab mir das angeguckt, dass ganze würde mindestens um die 700 Kosten. Wir schlucken ein wenig, denn 700 Soles sind auch 200 Euro, für den Schaden zwar eigentlich ein Spaß, denn immerhin sind Tür und Kotflügel eingedrückt und zerkratzt.
Als Pepe zurück zu dem Taxifahrer geht staunen wir nicht schlecht. „Ich kann dir das für sagen wir mal 250 Soles machen!“, sagt er dem Taxifahrer gegenüber, der unser vorheriges Gespräch nicht mitgehört hat. „Jetzt musst nur du wissen, willst du eine Reparatur hier oder das Geld in bar?“, fragt Pepe ihn und bekommt die prophezeite Antwort. Der Taxifahrer will Bares sehen. „Wir gehen kurz zum Auto und holen Geld“, sagt Pepe und begleitet uns. „Habt ihr so viel Geld hier?“, fragt er uns beim Gehen und betont dabei das „so viel“, deutet aber an, das er keine Antwort hören möchte. Wieder am Auto gibt er uns vor, dass wir nur noch 150 hätten. Wir schauen ihn fragend an, haben jedoch keine Einwände. Mit 150 Soles gehen wir zurück zum Taxifahrer, der an der Straße schon auf uns wartet. „Die Jungs haben leider nur 150, in einer günstigeren Werkstatt sollte das aber kein Problem sein. Da du es nicht bei mir machen lassen willst, nehme ich an, du kennst jemanden, der es dir günstiger macht!“, blufft Pepe in der genauen Gewissheit, dass keine Werkstatt in Lima den Schaden jemals unter 700 mindestens 650 Soles beheben würde. Aber das hat leider nicht ganz funktioniert, dass es dann doch nur gut die Hälfte des Preises sein soll, gefällt dem Taxifahrer ganz und gar nicht. „Es sind zwei reisende junge Männer, lassen wir die Kirche im Dorf, du kannst sie doch nicht ausrauben. Weißt du was, ich werde jetzt aus meiner Tasche noch 50 drauflegen, aber mehr kann ich dir leider auch nicht geben!“ lenkt Pepe ein. Den Taxifahrer scheint der zusätzliche Fünfziger dann doch zu überzeugen. Unsere 150 und die 50 von Pepe, steckt er ein, schüttelt uns die Hände und fährt weg. Aus dem Taxi ruft er uns noch die beruhigenden Worte entgegen: „Es ist nie etwas geschehen!“.

Das ging noch einmal gut. Als der Taxifahrer weg ist lacht die gesamte Werkstatt über Pepes Verhandlungskünste und wir stehen noch etwas ratlos da, immerhin hätten wir nie gedacht, dass wir für diesen Preis davon kommen würden. „Passt mal auf Jungs, ich bin kein Betrüger. Aber ich habe diesem Typen direkt angesehen, wie er tickt. Der wollte von der ersten Sekunde an nur Geld und ihr nicht zur Polizei. Gewissermaßen war es ja auch eure Schuld, also ist die kleine Strafe nicht ungerechtfertigt!“, lacht er, „Aber der betrügt in ein zwei Monaten seine Versicherung sowieso. Warum sollte er dann zweimal den vollen Preis einheimsen dürfen.“ Aldo, ein Freund von Pepe schaltet sich ein, „Ich hab euch doch schon gestern gesagt, ihr sollt immer auf der Hut sein. Aber merkt euch eins: Alle Peruaner sind Banditen, außer Pepe der ist ein kleiner lieber Bär!“ Wieder lacht die Werkstatt und auch wir können uns das Schmunzeln nicht verkneifen als Aldo dem gut gebauten Pepe auf die Schulter klopft und ihn danach freundschaftlich in den Arm nimmt. Wir geben Pepe seine 50 Soles zurück und unterhalten uns noch eine Weile mit der lustigen Werkstatttruppe. Glücklicherweise hatten wir nur eine relativ kleine Delle unter dem Blinker, jetzt symmetrisch zu der anderen Seite, nach unserem Zusammenprall in Potosi.

Fluchs beauftragt Pepe die Nachbarwerkstatt mit den beiden Surfbretthalterungen. Als alles am Auto hängt und nichts mehr wackelt sind sowohl Pepe als auch wir zufrieden. Um heute Aufzubrechen ist es zwar zu spät, dafür aber morgen, denken wir uns still und heimlich. Kurz vor fünf muss Pepe sich verabschieden. Wir bedanken uns für alles und freuen uns, Pepe vielleicht auf einer anderen Reise wieder zu sehen. Als Pepe IMG_3882mit Aldo in seinen alten Mustang steigt, den er gerade fertig restauriert hat, pfeift er noch seinen Werkstatttrupp zusammen und weist sie ein: „Bevor ich es vergesse! Von euch geht natürlich keiner bevor ihr nicht die beiden Dellen der Jungs ausgebeult habt!“ Lachend machen die beiden einen Kick-down und düsen davon, so dass man nur noch Aldo rufen hört: „Pepe, der einzige Gute!“.

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