Auf der Spur von Helena und Christoph

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25.02.2015 – 01.03.2015; Cartagena, Parque Nacional Tayrona, Taganga; Das Dariengap mit dem Auto zu durchqueren war von Anfang an eigentlich keine Frage, doch umso fraglicher war, wie und ob wir nach Panama gelangen. Um unsere Reise wie geplant umzusetzen ist die Verschiffung jedoch immer ein großes Thema gewesen. Jeden Reisenden, der uns aus Norden entgegenkam, haben wir befragt und immer wieder waren dieselben gruseligen Nachrichten zu hören – Die Fähre fährt nicht!
Zwar haben wir den einen oder anderen getroffen, der es mit einer der wohl ab und zu fahrenden Fähren von Panama nach Kolumbien geschafft hat, ein regelmäßiger Fährverkehr hat sich bedauerlicher Weise jedoch bis heute nicht eingestellt. Auch ein Anruf bei der Fährgesellschaft „Ferryxpress“ war mehr als ernüchternd. Ein Büro gibt es in Kolumbien noch nicht und der Fährverkehr sei bis auf weiteres eingestellt worden. Bangen macht sich in uns breit und immer noch wissen wir nicht wie wir nach Panama gelangen sollen. Die ganze Situation verschärft sich durch den angekündigten Besuch unserer Eltern, die für zwei Wochen im März zu Besuch kommen möchten. Mehr als Daumendrücken und Hoffen bleibt uns wohl nicht übrig und in allerletzter Not müssen wir wohl auf die mehr als viermal teurere Containerverschiffung zurückgreifen. Doch dieser Gedanke gefällt uns nicht wirklich. Schließlich wurden uns schon seit Argentinien Geschichten von durchsuchten und ausgeraubten Wohnmobilien erzählt. Auch war immer wieder die Rede von auf unerklärliche Weise abhanden gekommenen Autos.

Streetart in Cartegna

Streetart in Cartegna

Doch dann endlich wenige Tage vor Ankunft in Cartagena, erreicht uns in Kolumbien eine halbwegs beruhigende Nachricht – „Wir wissen zwar nicht wie lange, doch zum jetzigen Zeitpunkt fährt die Fähre wöchentlich!“. Nichts wie in die Karibik, mit dieser euphorischen Nachricht fällt uns ein großer Stein vom Herzen. Es ist schon wieder dunkel, doch zum Glück haben wir in Cartagena bereits eine Unterkunft empfohlen bekommen. Das Hotel Bellavista ist wohl der einzige Ort in dem Selbstfahrer eine Bleibe mit Parkplatz, Dusche und anderen Annehmlichkeiten nutzen können, was sich der Besitzer auch gut bezahlen lässt. Die Duschen sind etwas herunter gekommen und der Parkplatz gleicht eher einer Werkstatt, in der ab früh morgens Arbeiter die Maschinen schwingen lassen. Aber hier es ist sicher und abgesehen von den Arbeiten ruhig, die unzähligen anderen Selbstfahrer und die tropische Karibikluft werten den Stellplatz deutlich auf. Die Stimmung wird getrübt, als wir die Amerikaner, die gerade aus Panama kommen, fragen wie sie verschifft haben. Das ist ein herben Rückschlag. Mit der Fähre seien sie gekommen, aber die letzte nach Panama hätte gestern abgelegt, anders als man uns versichert hatte. Eigentlich wollten wir unsere Karibikankunft mit einem netten Abend ausklingen lassen, doch nach diesen Neuigkeiten ist uns danach nicht mehr zumute. Wir gehen recht frustriert mit dem Gefühl ins Bett und morgen auf Gedeih und Verderb eine Lösung zu finden zu müssen.
Am nächsten Morgen wollen wir keine Zeit verlieren und noch vor dem Frühstück rufen wir die Fährgesellschaft mangels eines Büros direkt an. Unsere gestrigen Bedenken sind wie weggeblasen,- jippie, die Fähre fährt doch! Auch wenn wir eigentlich erst nächsten Donnerstag fahren wollten, das Angebot für kommenden Dienstag können wir nicht ausschlagen, denn eine spätere Fähre möchte man uns nicht bestätigen. Im Internet wurde von schrecklichem bürokratischen Aufwand gewarnt, doch man versichert uns das es mit einem Gang zur DIAN getan sein. Nun haben wir jedoch leider nur noch wenige Tage an der kolumbianischen Karibikküste und so müssen wir unseren Zeitplan umwerfen. Der Tauchkurs für Max wird kurzerhand gestrichen und auch die Grenze von Venezuela, die ohnehin umstritten sein soll, nehmen wir aus unserem Programm. Die letzten Tage wollen wir im Nationalpark Tayrona verbringen, denn Alessandros Schwester Helena und ihr Verlobter Christoph kamen nach ihrem Besuch 2013 nicht mehr aus dem Schwärmen.

Damit wir auch wirklich, die beste Tour machen, skypen wir noch kurz uns lassen uns von Helena etliche Tipps zusammenstellen. Eine lange Email mit bebilderter Beschreibung soll uns weiter- helfen.

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Endlich haben wir unsere Verschiffungspapiere zusammen. Wir brechen auch sofort auf, in der Hoffnung noch möglichst weit fahren zu können. Doch es ist unsere ausgelutschte Schaltung die uns im Großstadtstau zu schaffen macht und nach einer halben Stunde mit ständigem Kuppeln und Schalten bemerken wir ein, uns allzu gut bekanntes Problem, die Kupplung übersetzt nur noch wenig Kraft. Die neue Kupplungsscheibe haben wir in Panama schon organisiert und eine kurzfristige Reparatur für ein paar hundert Kilometer wollen wir eigentlich nicht eingehen. Als wir Lola ein paar Minuten abkühlen haben lassen und die Kupplung wieder greift, atmen wir durch. Aus Zeitmangel haben wir keine Möglichkeit für lange Sperenzien und wagen es mit einer 50/50 Chance. Ob wir es problemlos zurückzuschaffen werden, weiter von Cartagena Richtung Nationalpark? Ob die Entscheidung richtig ist oder nicht, können wir jetzt leider nur wage beurteilen, aber auf einen öffentlichen Bus und Parkplatzsuche haben wir keine Lust. Es scheint alles gut zu gehen, auch nach einem Übernachtungsstopp bei Santa Marta fährt Lola als hätte es nie ein Problem gegeben, zwar lässt es sich noch immer schwer schalten, doch das ist schon seit längerem Tagesform abhängig und so verdrängen wir das Thema und planen diese Probleme in Panama zu beheben.

Von dem Eingang zum Paradis hätten wir mehr erwartet, denn von außen wirkt der Park eher wie ein „Gringolandia“. Unmengen von Amerikanern, Asiaten und Europäern drängen sich vor der Eintrittskasse und lassen sich im Anschluss von Militär auf Waffen, Drogen und Alkohol untersuchen. Als wir nach längerem Warten an der Reihe sind kontrolliert man leider nicht unsere Taschen, sondern unser Auto. Der Uniformierte, der ein wenig wie ein Parkwächter aus einem Serengeti-Park aussieht, wird direkt fündig. Als er unsere Kühlbox öffnet, lacht ihn die wohl temperierte Jägermeisterflasche von Greg an. Doch noch haben wir eine kleine Chance, denn der Soldat weiß mit der Flasche nichts anzufangen. Als einfaches Getränk lässt er die grüne Glasflasche mit dem Hirschkopf aber leider auch nicht durchgehen und so einigen wir uns mit dem Sicherheitsbeauftragten darauf, dass in der Flasche Medizin sei und so dürfen wir glücklicherweise mit zwei zugedrückten Augen unseren Jägermeister behalten.

IMG_5814Endlich haben wir das Auto auf dem Parkplatz geparkt und unsere sieben Sachen zusammen gepackt und wir machen uns nun weiter zu Fuß auf den Weg. Da Helena uns vor der drückenden Hitze gewarnt hat, die deren Avocados und Bananen in einen heißen Brei verwandelt hatte, verarbeiten wir unsere Avocado einfach schon vor der Trekkingtour in Guacamole und haben so nichts Schlimmes zu befürchten. Mit unseren großen Packpackern, die mit 12 Liter Trinkwasser und den Lebensmitteln vollgestopft sind, kommen wir schon nach den ersten Schritten ins Schwitzen. Als wir den Urwald betreten, geben uns die großen Bäume immerhin etwas Schutz vor der Sonne. Neben dem steinigen Weg sind Ameisen fleißig am ackern und aus der Ferne hören wir Affen brüllen, denn es sind die sogenannten Brüllaffen die sich an Lianen durch das Dickicht schwingen. Wider Erwarten sind wir auf dem Trekkingpfad alleine, nur ab und zu kommen uns andere Wanderer entgegen oder mit Lebensmitteln bepackte Pferde hinken getrieben von Reitern an uns vorbei zu den Unterkünften. Nur wenn wir an einem der Strände mit Unterkunft und Restaurant vorbeikommen häufen sich die ausgelassenen Touristenhorden auf einem Punkt. Auch wenn das hellblaue und türkisfarbene Meer zum Baden mehr als einlädt, widerstehen wir dem erfrischenden Kühl, denn die meisten Buchten sind wegen der lebensgefährlichen Strömungen nicht zum Baden geeignet.IMG_5838
Gegen späten Nachmittag erreichen wir ziemlich abgekämpft unser Tagesziel und nehmen erschöpft unsere Hängematten in Beschlag. Zum Glück ist hier Baden erlaubt und es dauert nicht lange, da ist der historische Moment gekommen, an dem wir beide zum ersten Mal ins karibische Meer laufen. Der mit Kokosnusspalmen gesäumte weiße Sandstrand ist noch angenehm warm unter den Füßen, langsam trudeln auch andere Touristen ein, die das Flair der unberührten Karibik leider wieder etwas trüben. Trotzdem, so finden wir, sind wir an einem der schönsten Orte unserer bisherigen Reise angelangt. Als die Sonne langsam hinter dem Urwald verschwindet, wird die Meeresluft immer angenehm erfrischender und als die Sonne Strand und Wasser nur noch leicht orangefarben erleuchtet, genießen wir unter einer der Palmen die mitgebrachte Guacamole.
Auch wenn es erst früher Abend ist, das Licht ist aus und morgen haben wir einen etwas längeren Weg vor uns, also legen wir uns erschöpft vom heutigen Tag in unsere Hängematten. Einen Moment kann man noch das Rauschen der Wellen und die leichte Brise genießen bevor die Augen zufallen.IMG_5851

Es ist zwar erst sieben Uhr, doch die Sonne beginnt uns zu wecken und jetzt sind die Duschen immerhin noch nicht besetzt, also lassen wir uns gar nicht viel Zeit. Packen alles zusammen und verzichten auf ein ausgiebiges Frühstück, das wollen wir uns lieber irgendwo im Dschungel schmecken lassen, wenn uns der Hunger überkommt. Die heutige Trekkingtour übernehmen wir einfach eins zu eins von Helena und Christoph und hoffen, dass wir so wenigstens nicht im Dickicht verloren gehen. Ohnehin haben die beiden uns ja schon des Öfteren bewiesen, dass ihre Geheimtipps von ganz besonderer Natur sind, also wollen wir uns auch diesen nicht entgehen lassen. Das kleine indigene Dorf am Ende der Wanderung soll zwar nicht übermäßig spektakulär sein, denn heute stehen dort nur noch ein paar Strohhütten, dafür aber der Weg grandios. Und das wissen wir mittlerweile all zu gut – der Weg ist das Ziel.

Der Wanderweg entpuppt sch eher als ein Kampf mit dem Urwald, denn von einem Weg ist weit und breit keine Spur. Nach nur wenigen hundert Metern lacht uns eine reife Kokosnuss aus der Höhe entgegen, schnell sind wir uns einig, dass wir sie pflücken wollen. Mit Steinen, unreifen Kokosnüssen und langen Ästen geben wir unser Bestes und nach 10 Minuten gibt die Nuss dann auch endlich auf und fällt zu Boden. Mit jetzt noch mehr Gepäck begeben wir uns noch tiefer in den Dschungel, überqueren einen großen Bachlauf und klettern durch enge Steintunnel. Später ziehen wir uns dann noch an nicht gerade vertrauenserweckenden Tauen Steinwände hinauf. Immer wieder wenn wir eins der wenigen Holzschilder entdecken, sind wir froh noch nicht vom Weg abgekommen zu sein. Nach gut einer Stunde haben wir es dann aber auch geschafft und erreichen das verlassene Dorf. Es ist beeindruckend wie die Urvölker an solch abgelegenen Orten ganze Siedlungen erbaut und sich in ihren kleinen Kommunen selbst versorgt haben. Zum Glück können auch wir uns mit dem mitgebrachten Essen selbst versorgen, wenn auch ohne die uns wärmstens empfohlenen Schokobrötchen, die gestern leider schon ausverkauft waren. Wir trösten uns mit dem uns noch übergebliebenem Knäckebrot und einer Tafel dunkler Schokolade. Mit dem kleinen Taschenmesser ist es schon eine kleine Herausforderung die, unter Schweiß und Kraftaufwand hinaufgeschleppte Kokosnuss zu öffnen, doch nichts ist unmöglich. Dank der Kokosmilch können wir unser kostbares Trinkwasser noch für den Rückweg aufsparen.IMG_5893

Auf dem Rückweg zum Auto machen wir noch kurz an der Piscina-Bucht stopp und schnorcheln ein wenig im türkisfarbenen Wasser mit kleinen bunten Fischen. Ein Filmteam an der anderen Seite der Bucht baut derweil sein Equipment auf, ein paar andere Touristen sonnen sich am Strand und Verkäufer preisen ihre Angebote an. Um uns heute nicht wieder die Schokobrötchen entgehen zu lassen, haben wir sie gestern extra vorbestellt und eilen deswegen nach dem erfrischen Karibikbad zu der kleinen Bäckerei hinter einer kleinen Strandlagune im Schatten der Palmen. Und wieder haben uns Helena und Christoph nicht enttäuscht, der Geschmack der Brötchen liegt uns, wie den beiden auch, noch nach Wochen auf der Zunge.
Von hier aus ist der Weg zum Auto einzuschätzen und immer wieder sammeln wir frische Kokosnüsse ein, die uns den Weg versperren.
Am Auto angekommen, haben wir zum Glück noch mehr Wasservorräte und nach einer kurzer Verschnaufpause setzen wir unsere Fahrt fort, um noch vor Einbruch der Dunkelheit den kleinen Taucher- und Fischerort Taganga zu erreichen. Auch wenn wir für Tauchgänge in Kolumbien keine Zeit mehr haben, liegt der Ort praktisch auf dem Rückweg nach Cartagena. Denn es sind nur noch zwei Tage bis die Fähre ablegt und so langsam steigt die Spannung, ob wirklich alles so unkompliziert ablaufen wird, wie wir es hoffen. Die letzten Tage in Kolumbien haben wir dank der guten Tipps von Helena und Christoph wunderbar verlebt und freuen uns schon auf die nächsten Geheimtipps, vielleicht haben sie ja sogar schon etwas für Panama in der Hinterhand.

Die Fähre, die uns nach Panama bringt

Die Fähre, die uns nach Panama bringt

One comment

  • Beil, Jürgen

    …und jetzt kommt Panama > Oh wie schön ist Panama!
    Vielen Dank für den tollen Bericht. Bitte mehr davon ?

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