Adios Argentina

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06.10.2014 – 14.10.2014, San Pedro de Atacama; Es fällt schon fast schwer, Argentinien zu verlassen. Nicht nur, dass es 2011 für uns ein Jahr lang unsere Heimat war, sondern auch auf dieser Reise ist das abwechslungsreiche Land schon über 2 Monate immer wieder unsere Wahlheimat gewesen. In Feuerland haben wir das Ende der Welt hautnah spüren dürfen und sind von dort mehrere tausend Kilometer der Abenteuerstraße Ruta 40 gefolgt. Heute werden wir dieses Kapitel wohl oder übel schließen müssen. Aber ganz so schwer fällt der Abschied natürlich auch nicht, auch wenn Argentinien wieder beeindruckend gewesen sein mag, wissen wir schon von etlichen weiteren interessanten Strecken auf unserer Reise.

IMG_1363Die Überfahrt von San Antonio Richtung Chile gestaltet sich mal wieder als holprige Angelegenheit, aber wenn uns am Anfang der Reise jede Schotterpiste noch leicht überrascht und geschockt hat, ist es für uns mittlerweile mehr als normal. Eine Asphaltstraße zu erwarten, wäre wohl schon etwas zu viel verlangt. Ein paar Stunden rattern wir über den Andenpass, der pulvrige Staub strömt uns durch die Lüftung entgegen. Doch es ist unerwartet frisch, eine Mischung aus stechender Sonne und kühlendem Wind macht die Temperatur angenehm. Auch argentinische Grenzkontrollen kennen wir mittlerweile mehr als gut, deswegen überrascht uns auch diese abermals sporadische Kontrolle nicht. Uns soll es recht sein, wir haben alles was wir brauchen, den Ausreisestempel, mittlerweile der vierte argentinische auf dieser Reise. Es geht noch ein paar Kilometer über leichte Wellblechpisten durch das Hochland, bevor wir auch die chilenische Grenzkontrolle erreichen. Aber auch hier ist heute nicht die sonst gewohnte Großkontrolle oder Suche nach Obst und Gemüse. Genau heute haben wir uns allerdings darauf vorbereitet und alle rohen Eier gekocht sowie die letzten Äpfel noch wenige Kilometer vor der Grenze verspeist. Die chilenischen Beamten scheinen jedoch heute besonders entspannt zu sein. Eigentlich sind wir im Grenzsystem von Chile schon öfter registriert, doch hier, mitten im Nichts, scheint auch das nicht zu interessieren. Nummernschild und unsere Namen werden einfach in eine große Kladde eingetragen und zwischen ein dutzend anderer Notizbücher in einem großen Holzregal verstaut. Bei der eigentlichen „Kontrolle“ quatschen wir über die Straßenverhältnisse der Ruta 40, denn Franco, der Grensbeamte, möchte nächstes Jahr mit seiner Familie eine kleine Argentinien Rundreise machen. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Aufgrund der mangelnden Technik an der Grenzstation dürfen wir nicht vergessen, unsere Migrationsstempel in San Pedro einzufordern, denn ansonsten bleiben wir illegale Einwanderer. Von hier aus geht es nochmal ungefähr 60 Kilometer weiter über die Wellblechpiste, doch dann erreichen wir völlig unerwartet und überrascht eine nagelneue Asphaltstraße.
Als wir uns von den Anden langsam auf die Höhe der Atacamawüste begeben, entdecken wir zufällig ein Straßenschild mit der Aufschrift „Peine“. Nur wenige Kilometer von uns befindet sich dieses kleine Wüstendörfchen, welches wir natürlich adhoc besuchen fahren. Auch wenn Alessandro nicht ganz sein Haus finden kann, immerhin Lola fühlt sich mit ihrem Peiner Kennzeichen heimisch.IMG_1480
Unser daraus resultierender Abstecher in die Salzwüste von Atacama hat jedoch an einer Straßensperrung sein Ende. Jene Straße, die uns noch von Franco wärmstens empfohlen wurde, ist unglücklicherweise zurzeit komplett gesperrt, sodass uns nichts anderes übrig bleibt als zurück über die Anden nach San Pedro de Atacama zu fahren.
Der Mond scheint mittlerweile hell und gewaltig groß über dem Gebirgszug zu unserer Linken, während uns noch die rot untergehende Sonne von rechts in die Fahrerkabine prallt, einfach unbeschreiblich. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir San Pedro de Atacama, denn immer noch fehlen uns unsere Stempel im Reisepass. Nach 30 Minuten kommen auch endlich die Zollbeamten in die Nach-Grenzkontrolle geschlendert, um unser Auto zu kontrollieren. Fast lächerlich, da wir schon fast einen ganzen Tag in Chile sind, suchen sie nach unerlaubten Lebensmitteln oder Gegenständen, aber auch hier nur spärlich.
Um uns ein wahres Getümmel. Überall laufen Touristen hin und her. Die Anderen hatten recht, touristischer könnte die Wüstenstadt nicht sein, ein Souvenirladen nach dem anderen ziert die Hauptstraße, wir können allen Sprachen lauschen, aber auch nur ab und zu einem spanischen Wort und auf gequältem Englisch versucht man uns Tagestouren schmackhaft zu machen. Aber für uns kommt keine der Touren in Frage, denn alles was uns angeboten wird, können wir auch selbst – und vielleicht besser – mit unserem Auto selbst gestalten. Zudem hören wir noch von anderen Reisenden, dass bei den Touren – wie üblich – Masse statt Klasse den Vorrang genießt. Auf der Suche nach einem Hostel für Charlie kommt uns plötzlich Marie entgegengelaufen. Mit Marie haben wir schon in Mendoza, Argentinien, ein paar lustige und nette Abende erlebt und freuen uns jetzt umso mehr sie ausgerechnet ein paar hundert  Kilometer entfernt im Norden wieder zu treffen. Auf Anhieb empfiehlt sie uns auch noch ein Hostel für Charlie und so hat unsere bis hierhin erfolglose Suche auch endlich ein Ende. Doch der erst so freundlich scheinende Rezeptzionist stellt plötzlich fest, dass die Hostelküche leider geschlossen ist und so müssen wir letztendlich doch noch die komplett eingesandete Küche im Auto putzen bevor wir etwas Essbares in den Magen bekommen.

Der nächste Morgen beginnt entsprechend dem gestrigen Abend. Als wir Charlie nur kurz aus dem Hostel abholen wollen, werden wir direkt im hohen Bogen wieder hinausgeworfen. Fremde im Hostel seien verboten, wird uns noch erklärt, bevor wir auch schon wieder vor dem großen Holztor auf der Straße stehen. Für Charlie Grund genug, direkt aus zu checken. Ein paar Minuten später steht auch sie neben uns vor dem Hostel. Den Tag über schlendern wir ein bisschen durch die Straßen, lehnen ein Angebot nach dem anderen ab und suchen uns selber letzten Endes unseren eigenen „Place to be“, der uns schon gefühlt tausendmal vorher an unterschiedlichsten Ecken angeboten wurde.
Desert Party, steht heute angeblich auf dem Programm der kleinen Stadt. Auch wir wollen bei diesem sagenumwobenen Fest nicht fehlen und suchen den Transfer. Mit der chilenischen Polizei haben wir nur gute Erfahrungen gemacht, so liegt es für uns nahe, auch heute die Polizisten, die an jeder Straßenecke patrouillieren, um Hilfe zu fragen. „Hier gibt es keine Party!“, bekommen wir bestimmt deutlich als Antwort zurück. Und tatsächlich wir finden kein einziges Taxi und keinen Transferbus. Doch als die Polizisten einen Straßenzug weiter ziehen, verändert sich das Bild urplötzlich. Von überall strömen die sogenannten Transfers zu der – wie wir jetzt wissen – offensichtlich ilegalen Wüstenparty. Über holprige Straßen werden wir aus der Stadt Richtung Wüste kutschiert, bis der Fahrer abrupt anhält und über eine Düne zeigt, „dahinten!“. Skeptisch werfen wir einen Blick über die Düne und tatsächlich können wir ein paar Meter weiter zwei einsame Fackeln stehen sehen – den Eingang. Mit einem Notstromaggregat heizt der DJ nach seinem Verständnis ordentlich auf, während sich eine Mischung von Einheimischen und unzähligen Touristen um die großen Lagerfeuer drängt. Andere tanzen vor der Bar und im Hintergrund brutzeln leckere Fleischspieße auf dem Holzkohlegrill. Die glühende Hitze tagsüber hat sich in eisige Kälte verwandelt. Wie wir etwas später herausfinden, wird die Location der Party immer erst wenige Minuten vor Beginn spontan festgelegt und während die Gäste feiern, hoffen die Veranstalter, nicht doch noch von der Polizei überrascht zu werden.

Die nächsten Tage planen wir unsere Weiterfahrt und kämpfen uns mit Lola zurück in die Anden, denn weit oberhalb der Wüstenoase sprühen die Geysire nach Sonnenaufgang hohe Wasserfontänen in die Höhe. Bei knackigen Temperaturen jenseits Null Grad kämpfen wir uns kurz vor Sonnenaufgang aus dem Schlafsack, um auch ohne gebuchte ‚Touritour‘ das Naturschauspiel genießen zu können. Nachdem die Busse und Jeeps schon wieder auf dem Weg zurück in die Stadt sind, legen wir uns noch entspannt in eine der heißen Quellen und genießen den Ausblick der menschenleeren Landschaft nach der Rushhour.

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